Minolta Dimâge 7 und 7i

Man muss schon zwei Mal hinschauen, um die Unterschiede zwischen der Dimâge 7 und Dimâge 7i zu erkennen.

Kann eine Minolta Dimâge 7 Alternative zur digitalen System SLR sein...

...lautete die Überschrift eines Beitrags für das Magazin „digifoto“ (2001/2002). Statt der damals nur geliehenen Dimâge 7 liegen 2015 mittlerweile zwei Exemplare im „Depot“. Eine Dimâge 7 in „Dornröschen“-Version, die gelegentlich aufwacht, funktioniert und dann wieder in den Schlaf fällt, sowie eine für 5 Euro zwar auch als defekt beschriebene, tatsächlich aber laufende Dimâge 7i! 

Der Urtext 2001/2002

Von ihrer Papierform bringt die 2001 vorgestellte 5 Megapixel Minolta Dimâge 7 einiges mit, was sie für etwas weniger hektische Aufnahmebereiche der Zeitungsfotografie auf den ersten Blick geeignet erscheinen lässt. Wenn man die Endlichtstärke von f/3,5 mal großzügig vernachlässigt, ersetzt das fest eingebaute 2,8-3,5/7,2-50,8 mm (28-200 mm @KB) Dimâge-Zoom auf komfortable Weise die im Reportagebereich häufig anzutreffende Kombination aus 2,8/28-70 mm und 2,8/70-200 mm. Dazu erfasst der Sensor die Farben mit 36 bit Farbtiefe und kann bei Bedarf die Rohdaten auch in dieser hohen Farbtiefe speichern. Eine Sensorempfindlichkeit von maximal ISO 800 macht Available Light Aufnahmen möglich. Die Auflösung von 2560 x 1920 Pixel = 5 MP ist für den Zeitungsdruck eher nebensächlich - im 40er Raster (= 200 ppi/Q-Faktor 2) könnte bis 30,5 x 24,4 cm gedruckt werden -, da sind sogar noch Ausschnittsreserven drin.

Der 36 bit-Roh-Modus kommt für Presse-vergleichbare Situationen allerdings nicht in Frage, weil beim Abspeichern im Raw-(Roh-)format fast eine Minute pro Bild vergeht. Wie auch beim Ablegen einer unkomprimierten Super-Fine TIF-Datei auf die Compactflashcard. Mit der Minolta Dimâge 7 sind im JPEG-Format Serienaufnahmen mit 1,1 B/s möglich, wobei die JPEG-Fine-Einstellung mit ca. 5:1 Komprimierung sehr schonend mit den Bilddaten umgeht. Der extrem hohe Stromverbrauch macht zu den Akkus im Gehäuse mindestens zwei, besser drei Sätze Ersatz-Akkus erforderlich.

Obwohl für dieses Einsatzgebiet sicher nicht vorgesehen, wurde die Dimâge 7 seinerzeit einfach mit in die Basketballhalle genommen, wo die Bedingungen aus unzähligen Spielen bekannt sind. Bei einer Mischung aus gleißendem Fernsehlicht und alten (“grünen”) Fluoreszenzleuchten liegt die Verschlusszeit bei ISO 800 für f/2,8 unter den Körben bei maximal 1/350 s. Diese Zeit wurde im Manuellbetrieb eingestellt, das Zoom blieb in voller Öffnung ohne sich um die gleitende Lichtstärke (f/2,8-3,5) weiter zu kümmern. In der Hoffnung, dass die Unterbelichtung um eine halbe Blende durch die interne Farbtiefe von 36 bit zumindest teilweise aufgefangen wird. Um den langsamen Dimâge 7-AF zu unterstützen, wurde auf die Bereiche unter den Körben vorfokussiert. Insgesamt eine echte Herausforderung für automatischen Weißabgleich und AF der Dimâge 7. Im Anschluss zwei Fotos aus dieser Zeit.

Bedienungsanleitung der Minolta Dimâge 7 und 5 (deutsch)

Minolta Dimâge 7 Beispielfotos 2001/2002

Die Spielszene sicher mit ISO 800, der Autogrammschreiber nach dem Spiel vermutlich ISO 400. Exifs sind nicht mehr vorhanden...

Minolta Dimâge 7i

Fast alles, was ich beim Einsatz der Dimâge 7 in der Basketballhalle bemängelt hatte, soll bei der Dimâge 7i verbessert worden sein! Entsprechend steht das „i“ in der Modellbezeichnung für i(mproved), deutsch verbessert.

Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass es sich bei der Dimâge 7/i natürlich nicht um eine DSLR handelt, sondern um das, was man später/heute als Bridge-Kamera bezeichnet(e): Spiegelreflex-Anmutung, aber kein SLR- sondern ein Video-Sucher!

Ich kann zwar nicht vergleichen, aber der Stromverbrauch der Dimâge 7i soll merklich geringer sein. Auch soll die „i“ einen schnelleren Autofokus haben, was mir aber nicht so vorkam. Sehr, sehr gemächlich geht es zu Sache. Schnelle Motive möchte ich mit der 7i nicht fotografieren müssen! Immerhin vergehen jetzt beim Speichern der Bilder im TIFF- oder RAW-Format "nur" noch ca. 15 s, statt der zuvor quälend langen 60 s! Als kürzeste Verschlusszeit steht jetzt 1/4000 statt 1/2000 s zur Verfügung, die längste Verschlusszeit wurde von 15 auf 30 Sekunden verdoppelt. Bei 1280 x 960 Bildpunkten sind im UltraHighSpeed-Modus 7 B/s möglich. Je nach JPEG-Komprimierung bis zu 39 Bilder hintereinander.

Ist im Menü die DMF-Funktion (Direct Manual Focus) aktiviert, kann die Entfernung in der 7i über den Fokusierring manuell eingestellt werden. Bei der „7“ muss zuvor von AF auf manuell umgeschaltet werden. Die Minolta Blitzgeräte (5600HS-D oder 3600HS-D) können in der 7i drahtlos TTL gesteuert werden.

Die 7i liegt etwas besser in der Hand, was am neuen besser geformten Griff liegt. Dank Mikrofon im 7i-Gehäuse können jetzt Video MIT Ton und Sprachnotizen aufgenommen werden.

Die 2002 vorgestellte Minolta Dimâge 7i ist 117 x 91 x 113 mm groß und wiegt 650 g

Der 2/3“ 8,8x6,6 mm CCD-Sensor löst maximal 2560 x 1920 Pixel = 5 MP auf und bietet Empfindlichkeiten von ISO 100, 200, 400, 800 oder ISO-Automatik. Gespeichert wird mit 36 bit Farbtiefe im Rohdatenformat, unkomprimiert als TIFF oder mit 24 bit Farbtiefe in 3 JPEG-Qualitäten auf Compactflash-Speicherkarte. In höchste Auflösung 2 B/s. Videos mit Ton werden mit 320 x 240p und 15 B7s Frequenz aufgezeichnet und als AVI gespeichert, maximal 1 min pro Video.

Objektiv ist wie bei der "7" das 2,8-3,5/7,2-50,8 mm (28-200 mm @KB) 7,1-fach Zoom ordentlicher Lichtstärke, das digital nochmals verdoppelt werden kann. Filtergewinde 49 mm. Blendenbereich f/2,8 bis f/8 (Weitwinkel) f/3,5 bis f/9,5.

Motiverfassung/Bildkontrolle/Kameraeinstellung (Menüs) über Videosucher mit Dioptrienausgleich (-5,0 bis 0,5 dpt) oder 1,8" TFT LCD Monitor mit 122.000 Bildpunkten. Entfernungseinstellung/-steuerung als Einzel-Autofokus (AF-S), kontinuierlicher Nachführung (AF-C) oder manuell.

Belichtungsmessung mittenbetont, integral, Mehrfeld (Matrix) über 300 Felder, punktuell als Spot. Gesteuert über Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik sowie manuell. Verschlusszeiten 1/4.000 bis 4 s (Automatik), manuell bis 30 s. Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufuzeit. Belichtungsreihenfunktion über 3 Aufnahmen mit 1/3 bis 1 EV Schrittweite. Belichtungskorrektur +/- 2 EV in /3 EV-Schritten. Diverse Motivautomatiken. Eingebauter Klappblitz Leitzahl (ISO 100) 7, Reichweite (WW und f/2,8) 3,8 m, Tele und f/3,5 3 m. Blitz ein/aus, Automatik, Aufhellblitz, Langzeitsynchronisation, Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang, Rote-Augen-Reduktion. Weißabgleich automatisch, oder Sonne, Leuchtstofflampe, Glühlampenlicht.

Über den "Flex Focus Point" ist es möglich den Fokuspunkt für außermittige Motive im Bild zu verschieben. Zusatzinformationen zu den Bildern können über eine virtuelle Tastatur eingegeben werden. Wer sich dafür interessiert, kann alles auf Seite 79/80 der deutschen Bedienungsanleitung zur Dimâge 7i nachlesen.

Minolta Dimâge 7Hi

Um die Reihe der Dimâge 7-Minoltas vollständig zu machen, muss noch die Dimâge 7Hi genannt werden. Ebenfalls 2002 präsentiert Minolta die finale Kamera dieser Serie. Allein durch ihre Farbe – profischwarz – ist sie nicht zu verwechseln. Der qualitativ schlechteste „Economy“-JPEG-Modus wurde weggelassen. Dazu kommt der wesentlich interessantere „Extra Fine“-JPEG-Modus, wo die Fotodatein nur 2,5:1 komprimiert werden, was beste Qualität garantiert. Vermutlich wurde auch der Arbeitsspeicher vergrößert, denn die 7Hi kann RAW-, TIFF- und JPEG-Dateien mit deiner gesteigerten Frequenz von 3 B/s aufnehmen/speichern. Vorher waren nur 2 B/s im JPEG-Modus möglich. Außerdem können Studioblitzgeräte jetzt direkt an die 7Hi angeschlossen werden. Am Vorgänger brachte es dazu den Adapter PCT-100.

Hier die (englische/US) Dpreview-Vorstellung der Minolta Dimâge 7Hi

Deutsche Bedienungsanleitung zur Minolta Dimâge 7Hi

Die „Dornröschen“ Minolta Dimâge 7

Von einem der Vorbesitzer schwer misshandelt - fallengelassen - dachte ich schon, die ist wirklich "tot", die rechts stehende Minolta Dimâge 7 im ersten Foto dieses Beitrags. Mit frischen Batterien/Akkus bestückt oder am Netzteil tat sich nichts. Um die Kamera dann am Netzteil angeschaltet zu vergessen. Das gab dann unvermittelt immer mal wieder Piepgeräusche, die mich nach dem Rauchmelder oder der Funkwetterstation sehen ließen. Ist im Rauchmelder die Batterie leer, oder ist es eine Sturmwarnung der Wetterstation? Liegt sonst ein elektronisches Gerät rum, das mir irgend etwas "sagen" will ;-)

Auf die Dimâge 7 kam ich erst, als ich zufällig hinschaute und den Kameramonitor in Aktion sah. Sie hat ja doch noch etwas Leben! Aber immer nur für kurze Zeit. Über ein paar Testbilder ließ sich diese Minolta in allen Funktionen problemlos betreiben. Bis sie dann unvermittelt wieder in ihren Dornröschenschlaf fiel/fällt :-( Wegwerfen? Brachte ich nicht übers Herz! Vielleicht mache ich mich mit dieser „Reparaturanleitung“ mal dran, sie zu öffnen...

Bildvorbereitungen

"Rohkost-Anhänger" werden das vermutlich anders sehen, aber für mich ist die Wahl RAW- (im Screenshot rechts), unkomprimiertes TIFF- (im Screenshot links) oder schonend komprimiertes JPEG-Format meist eher philosophisch. Ich habe trotzdem mal TIFF out-of-the-7i der komplett unbearbeiteten 7i-RAW gegenübergestellt, was sich hier mit nur 750 Pixel Seitenlänge natürlich nicht wirklich beurteilen lässt. Mir ist die Rohdatei einfach zu weich, ja fast unscharf. Deren Schärfe sich nur schwer auf die Qualität der TIFF oder JPEG bringen lässt. Aber wie schon zu Beginn geschrieben: Ansichtssache... Fotografiert wurde mit Zeitautomatik und Blitz vom Stativ aus.

Wie eben schon geschrieben – mehr philosophisch, die Qualitätsvergleiche JPEG fine (oben) gegen unkomprimierte TIFF (unten). 1:1 Ausschnitte der entsprechenden Datenformate.

Als Modell und zur Demonstration der Minolta Dimâge 7i Dateneinbelichtung musste die RICOH SINGLEX TLS von 1967 herhalten.

Beispielfotos 2015 mit der Dimâge 7i

Die Fotos entstanden auf geschichtsträchtigem Gelände. Nur durch eine Straße geteilt, ruhen die Toten aus der Jetzt- und späten Eisenzeit (700 – 1050 A. D.) nebeneinander. Auf dem Gräberfeld der Hjortsberga Kirche mit ihrem charakteristischen Glockenturm, der ein wenig an eine norwegische Stabkirche erinnert. Auf dem Gelände sind neben dem Glockenturm ca. 110 prähistorische Überreste zu entdecken: Schiffsetzungen (Steinschiffe), Dreiecksgräber, Grabhügel sowie einzeln aufrecht stehende Steine.

Googleübersetzung der Wikipedia-Seite zum Hjortsberga Grabfeld

Zum Schluss belohnte die Sonne die "Arbeit" mit der alten Digitalkamera noch mit einem Halo... Oder lag es nur am Schuss direkt in die Sonne?

Schärfeleistung vor 13 Jahren, aktuell 2015 "überprüft"...

Zum Abschluss noch zwei unbearbeitete 750 x 750 Pixel 1:1 Ausschnitte aus 5 MP Fotos der Minolta Dimâge 7i. Beachtlich für das Alter der Kamera, was die Dimâge 7i auch 2015 für weitere Einsätze brauchbar macht! Hätte ich nicht erwartet.

Ralf Jannke

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