Nikons erste eigene DSLR von 1999: D1

Nikon D1 1999, Nikon D1X 2001

Auch wenn Kodak mit seiner 2 Megapixel DSLR auf Nikon F5-Basis DCS620x, die kalibrierte und brauchbare (!) ISO bis 4000 (im Notfall 6400) und 3,6 B/s bot, läutete Nikon 1999 mit seiner ungleich kompakteren und schnelleren (4,5 B/s) ersten eigenen DSLR D1 Kodaks Ende ein. Trotz rund 6000 Euro Kosten „nur“ halb so teuer wie die Kodak, soll die D1 auch zuverlässiger gewesen sein. 

Wer allerdings zwingend auf brauchbare ISOs ab 1600 angewiesen war, dürfte seine Kodak/Nikon F5 DCS620x oder 720x noch eine Weile behalten haben! Realistisch „kann“ die Nikon D1 ISO 800. Bereits bei ISO 1600 stellt sich in unterbelichteten oder einfach nur dunkleren Motivbereichen eine Streifenbildung, so genanntes Banding ein. Das sich in den High-ISO-Einstellungen +1 (ISO 3200) und +2 (ISO 6400) weiter verstärkt. Die Kodaks rauschen, gehen ohne Banding aber sicher bis ISO 4000. Und der 2 Megapixel Kodak Nachfolger DCS720x war mit 4,3 B/s praktisch genau so schnell wie die D1 mit ihren 4,5 B/s!

Blitzen und die Farbwiedergabe sollen nicht die Stärke der D1 gewesen sein

Was das Blitzen angeht, habe ich da keine Erfahrungen. Die Farbwiedergabe war aber nicht so schlimm, dass man damit nichts anfangen konnte. Wenn ich in mein Archiv schaue, wo noch Fotos liegen, die mit meiner ersten D1 aufgenommen wurden. Die beiden Kritikpunkte wurden vom schnelleren Nachfolger D1H – 5 B/s – stark verbessert. Die Nikon D1H durfte ich damals fürs Magazin „digifoto“ testen. 

Menüführung Nikon D1

Obwohl ich eine Nikon D1 2007 schon einmal hatte, war mir die exotische Einstellung, besser Menüführung der D1 "entfallen". Was auch an der ungleich besseren Menüführung der Nachfolger D1H und D1X lag/liegt. Öffnet man bei beiden Kameras die kleine Klappe, findet man bei der D1 eine beschriftete Klappe, die unter anderem die Bezeichnung MENU trägt, bei der D1X (D1H) aber eine leere Fläche. Auch die Beschriftung, Belegung der fünf Tippschalter, die sich hinter der Klappe geschützt verbergen, ist anders. Tippt man bei der D1X (D1H) auf MENU erscheint das erwartete Menü. Beim Tipp auf das "L" bei der D1, was ja dem MENU entsprechen sollte, passiert - nichts. Erst wenn zuvor mit dem Einstellrad auf der linken Kameraoberseite PLAY gewählt wurde, öffnet sich mit "L" ein Menü. Aber wo sind die Auswahlmöglichkeiten, um beispielsweise im Nikon Rohdatenformat NEF speichern oder (ob nun sinnvoll oder nicht) die beiden ISO-Verstärkungen jenseits der 1600 +1 für ISO 3200 und +2 für ISO 6400  aktivieren zu können? All das passiert - umständlich - über Betätigung der Tipp-Taste "CSM" und Drehen an den beiden Einstellrädern für Blende und Zeit der D1. Eine Änderung dieser recht umständlichen Bedienung war nicht möglich, denn zur Nikon D1 gab es nie ein Firmwwareupdate.

Idealerweise konfiguriert man seine D1 deshalb mit bereitliegender deutscher Bedienungsanleitung zur Nikon D1 einmal nach Wunsch, um sich dann lediglich merken zu müssen, dass CSM 28 auf 1 stehen muss, damit die D1 bei Bedarf im Nikon Rohdatenformat NEF speichern kann und das CSM 31-0 gleichbedeutend  mit KEINE ISO-Verstärkung = ISO 1600 ist, 31-1 ISO 3200 und 31-2 ISO 6400 bedeuten. Was die technischen Daten der 2.000 x 1.312 Pixel auflösenden Nikon D1 angeht, verweise ich auf die deutsche Bedienungsanleitung!

Zu der Auflösung nur so viel: 2.000 x 1.312 Pixel gestatten das 5-spaltige Zeitungsfoto oder auch heute noch einen 150 ppi 33,9 x 22,2 cm Abzug, also über A4. Der 48 x 32 cm A3+ Abzug hätte mit 105 ppi immer noch Posterqualität!

Über die Nikon D1-Reihe gibt es bereits einen umfangreichen Erfahrungsbericht!

Englischer Nikon D1-Prospekt

Nikon D1 ISO Testreihe

Die ISO-Testreihe auf mein Bücheregal bestätigt, was ich schon von meiner ersten D1 wusste. Bitte auf die Fotos klicken, tippen. ISO 200, 400 und 800 sind problemlos verwendbar. Bei ISO 1600 ist ein erstes Banding zu erkennen, womit Tageszeitungsfotografen sicher leben konnten, besonders wenn ein Foto nur in SW gedruckt wurde. Bei ISO 3200 ist die Streifenbildung nicht mehr zu übersehen und ISO 6400... Wobei ich keinen engagierten Fotografen kenne, der die gruseligen ISO 6400 nicht genommen hätte, wenn er nur so das entscheidende Foto im Kasten gehabt hätte.

Alle Testaufnahmen wurden mit Adobe RAW aus den Nikon NEF Rohdateien "entwickelt", die Regler für die Schärfe und das Luminazrauschen auf Null gezogen. Was die Sorgenkinder ISO 3200 und 6400 angeht, sind aber auch die in Grenzen druckfähig zu machen! Mit der folgenden Adobe RAW Einstellung wurde "gearbeitet":

Erweiterte Rohdatenentwicklung

ISO 3200 und 6400 nachbearbeitet

Zumindest die ISO 3200 Aufnahme profitiert enorm davon, wenn der Regler Luminanz auf den Anschlag 100 gezogen wird. Es kostet zwar etwas Schärfe, wobei die Balance zwischen Nachschärfung (hier Null!) und Luminanz motivabhängig für ein etwas besseres Ergebnis ausprobiert werden könnte. ISO 6400 würde sich im Fall zumindest zum Sensations-SW-Nachtfoto verbessern lassen. Interessant wäre, welche Möglichkeiten der Fotograf, die Fotografin 1999 zur Verfügung hatten. Was Nikons erste Rohdatenentwicklungssoftware 1999 bot oder beispielsweise Quantum Mechanic. Letzteres hatte ich bei der 1,3 MP Kodak/Canon EOS1n/DCS3c um die Jahrtausendwende im Einsatz.

Nikon D1 Fotos aus 2007, volle Auflösung 2,7 Megapixel

Beim Foto aus der Hand auf die Werft vom Deck der langsam in den nächtlichen Hafen fahrenden Riesenfähre gab es nichts zu überlegen. Alles was die Nikon D1 hergibt: ISO 6400 und drauf... Und das Blümchenfenster verliert durch die ISO 1600 der D1 kein bisschen Charme. Und das bisschen Banding auf dem Erinnerungsbildchen mit dem Sohn, der die Laterne hält – geschenkt.

Nikon D1 2017 ISO 6400 Basketball

Bitte auf die Fotos klicken/tippen

Auch wenn ich das Ergebnis schon kannte, das ist dann nicht an der D1-Grenze – ISO 6400 – sondern drüber hinaus. Auch wenn Lightroom das Banding auf Kosten von Details noch etwas glätten kann.

ISO 800, da geht es der Nikon D1 viel besser ;-)

1:1 Ausschnitte aus den 2.000 x 1.312 Pixel Dateien der Nikon D1. Bitte auf die Fotos klicken/tippen.

Für den Zwei- bis maximal Dreispalter (11 bis 16,5 cm Breite) in der Tageszeitung hätte es noch gereicht... Wenn ich aber die Farbwiedergabe gegen die der 2002 geliehenen D1H vergleiche, war die gefälliger. Und das in der alten Spielstätte, die die schlechtere Lichtmenge, -qualität hatte:

Fotografie mit der D1 außerhalb der Sporthalle

Alle Fotos mit 2,7 MP. Bitte auf die Fotos klicken/tippen

An einem trüben, grauen Apriltag. Was die Farbwiedergabe angeht, gibt es nichts zu meckern. Die Fotos wurden bei ISO 400 mit dem 3,5-4,5/28-70 mm Nikkor auf der D1 aufgenommen. Belichtungsautomatik, Aufnahmeformat NEF. Ganz geringe Nachbearbeitung mit Adobe RAW/Photoshop. Man hätte die Bllder auch im Original und nur nach JPEG konvertiert verwenden können. Reine Geschmacksfrage.

Die angeblich nicht so gute Farbwiedergabe der Nikon D1 soll am fehlenden Farbmanagement gelegen haben. Ohne das weiter zu recherchieren, wurde die D1 einfach dahin mit genommen, wo es "schön" farbig ist. In die auf dem Kirchberg gelegene Altstadt des in Südschweden in der Provinz Blekinge liegende Ronnebys. Bis 1658 waren größere Teile Südschwedens dänisch, namentlich die deutschen Bundesländern entsprechenden Provinzen Blekinge und Skåne (Schonen). Was sich besonders in Skåne noch heute zeigt. Die Flagge Schonens ist eine Mischung aus schwedischer und dänischer Flagge. Das dänische Rot mit dem schwedischen, gelbem Kreuz. Auch der Schonen-Dialekt steht dem Dänisch näher, als dem Schwedischen.

Genug der Geschichte, die Kleinstadt Ronneby bietet die gewünschten Farben. Als Objektive kamen auf der Nikon D1 zum Einsatz ein zu Hause nicht mehr benötigtes 3,5-4,5/28-70 mm (umgerechnet auf 24x36 mm Kleinbild 42-105 mm) Nikkor sowie das von der Abbildungsleistung exzellente und stabilisierte 4-5,6/55-200 mm VR Nikkor. Eigentlich nur für den kleinen 15x23 mm APS-C-/DX-Sensor der Nikon D1 und anderen entsprechenden Nikon-Modellen ausgelegt, hat das 55-200 solche Reserven, dass auch der größere Bildkreis des 19x27 mm APS-H-Sensor der Kodak DCS760 ausgezeichnet wird. Auf der D1 entspricht das Zoom einem 83-300 mm, umgerechnet auf KB.

Für mehr Bildwinkel ging noch das erste 3,5/20 mm UD Nikkor in Retrofokusbauweise mit, Nachfolger des 4/2,1 cm bei dessen Verwendung der SLR-Spiegel hochgeklappt und verriegelt werden muss. Dieses 3,5/20 mm UD Nikkor wurde zwischen 1968 und 1971 produziert. Das „UD“ in der Objektivbezeichnung steht für "Uns" and "Decem" lateinisch 11. Aus 11 Linsen besteht dieses frühe Superweitwinkelobjektiv. 2,7 Megapixel und der kleine 15x23 mm APS-C-/DX-Sensor stellen keine unüberwindbare Hürde an das 3,5/20 mm UD Nikkor. Auf den D1 einer 30 mm Brennweite entsprechend. Beim Einsatz des 3,5/20 mm UD muss allerdings auf Belichtungsmessung verzichtet und komplett manuell gearbeitet werden.

Linsenschnitt des 3,5/20 mm UD Nikkors

Beispielfotos, aufgenommen 2017 mit der Nikon D1: 3,5/20 mm UD (MF) Nikkor

Beispielfotos, aufgenommen 2017 mit der Nikon D1: 3,5-4,5/28-70 mm AF Nikkor

Beispielfotos, aufgenommen 2017 mit der Nikon D1: AF-S NIKKOR 55-200 mm 1:4-5,6 G ED VR

Andere Länder, andere Sitten: Kosläpp

Während in den Alpenländern der Almabtrieb gefeiert wird, wo die geputzten und besonders geschmückten Kühe von ihren Sommerweiden auf der Alm zum Winterbeginn in die Ställe getrieben werden, wird der Almauftrieb wenig beachtet.

In Schweden wird der Betessläpp oder Kosläpp, deutsch etwa Kuhaustrieb zum Volksfest

Schwedische Höfe laden zum „Tag der offenen Tür“, an dem die Kühe aus den Ställen wieder nach draußen auf die Weiden dürfen. Ein Spektakel, wo das eine oder andere Kind möglicherweise die erste Kuh seines Lebens sieht. Endlich nach draußen gerät die eine oder andere Kuh außer Rand und Band... Es wird geschoben, werden Kräfte gemessen. Nach einiger Zeit kehrt dann Ruhe ein, und die Kühe haben dann "kapiert", wozu sie rausgelassen wurden: zum weiden ;-)

Fotos mit der Nikon D1 und dem 55-200 mm AF-S DX VR Nikkor. Bitte wie immer auf die Fotos klicken/tippen.

Die Ur Nikon-D1, die gar keine D1 war!

Mit Hilfe von Photoshop aus der vorhandenen Nikon/Fuji "gebaut" – der FAKE-Prototyp einer Nikon D1

Von dieser Ur Nikon D1 existiert meines Wissens nur ein winziges Foto in Peter Braczkos „Das Nikon Handbuch“, das einen gewissen konspirativen Charakter verströmt. Die dort gezeigte Kamera hat keine Ähnlichkeit mit der D1, wohl aber große Ähnlichkeit mit den späteren Fuji(x)/Nikon DSLRs!

Möglicherweise von diesem einzigen existierenden Buchfoto gibt es ein paar Reproduktionen im Internet. Lassen Sie Google (Bilder) einfach nach Nikon D1 Prototyp suchen. Ob die Kamera aber tatsächlich so, bzw. überhaupt beschriftet war? Zweifel sind erlaubt, wenn man den IFRA-Report (Seite 11) liest.

Den Prototypen muss es gegeben haben, denn er wurde 1993 auf der amerikanischen NEXPO (Newspaper Expo, Messe für Zeitungen) vorgestellt. Wobei es sich dabei möglicherweise um eine gar nicht funktionierende Kamera, sondern um ein Holzmodell („Mock-up“, „Dummy“) gehandelt haben könnte. Nichts ungewöhnliches für eine Messe! Und dann meist sicher hinter Glas gezeigt. NICHT Anfassen ;-)

Die Übersetzung des IFRA-Reports lautet etwa: "Nikon zeigte auf der NEXPO ein ganz neues Produkt, eine Digitalkamera. Der Prototyp hatte keinen Namen, sondern sollte Fotografen Kommentare entlocken (– was für einen Dummy sprechen könnte!) Deren Stellungnahmen sollen für die Planung des Endprodukts berücksichtigt werden. Der Prototyp ist ziemlich unhandlich. Bestückt ist er mit zwei CCD-Sensoren, die 560.000 Pixel auflösen, zusammen 1088 x 840 Pixel. Der Prototyp verwendet zahlreiche Bauelemente aus anderen Nikon-Kameras, wie automatische Belichtung und Autofokus. Die Bilder werden im JEPG-Format komprimiert und auf eine 4 MB PCMCIA Speicherkarten geschrieben. Die Auflösung von Digitalkameras scheint immer noch auf zu niedrigen Niveau, der hohe Preis für hochauflösende Sensoren dürfte die Verbreitung behindern. Wenn man allerdings den Preis der Digitalkamera (als Scanner) gegen Filmmaterialien, Labors, den Operator, der das Bild für die Belichtung oder den Druck separiert und den Zeitaufwand verrechnet, könnte sich der hohe Stückpreis (für eine derartige Kamera) schnell als gerechtfertigt erweisen."

Mit diesem Wissen und nach Untersuchungen der Beschriftung des Nikon Ur D1-Fotos mit Unshake, der „Geheimwaffe“ zur Wiederherstellung durch Verwacklung oder Fehlfokussierung unscharfer oder viel zu kleiner wiedergegebenen Fotos, lässt sich der Aufdruck auf der Kamera nach verschiedenen Einstellungen der Unshake-Regler teilweise entziffern. Neben dem klar erkennbaren „D1“ ist um 90 Grad gedreht etwas unleserliches. Das vermutete „DIGITAL“ passt eigentlich nicht zum analogen „STILL“ „VIDEO“. Denn mit einiger Sicherheit zu entziffern sind die Wörter „STILL“ und „VIDEO“. Bei „CAMERA“ wird schon mehr geraten. Das hinter der „CAMERA“ ist nicht zu entziffern. Vielleicht „bemalte“ und deklarierte jemand den hochinteressanten Prototypen per Bildbearbeitung später zur „D1“... So habe ich es mit dem oben gezeigten Fake, der aus der vorhandenen Fuji/Nikon entstand, gemacht!

Eine plausible Erklärung lieferte dann noch Stan D. im Nikonweb. Er schrieb, dass die Ur-"D1" tatsächlich eine E1 war, Vorgänger der Fuji/Nikon E2-Serie, die von der E3 gefolgt wurde. "E" für Electronic und "D" später für Digital. Eine "E4" gab es nicht mehr, der Nachfolger als Nikons erste eigene Digitalspiegelreflexkamera hieß dann konsequent D1.

Kommentare (1)

  • hage mueller
    hage mueller
    am 11.03.2019
    hallo und guten tag aus karlsruhe ! erstmal herzlichen dank fuer diesen ausfuehrlichen artikel.-ich muss vorausschicken,
    das mich alles begeistert, was mit fotografie, filmri/video und opzik zu tun hat. inzwischen bin ich 86 und da hat sich
    einiges an kameras jeglicher art angesammelt. zuletzt habe ich mit maniya rb67 und 645 angefangen, muss mich aber
    altersbedingt(die gehen mir auf die handgelenke)trennen.-jetzt habe ich wieder meine d1 und d1x herausgeholt und muss mich
    etwas neu orientieren, weil ich einiges vergessen habe, was die nikon-kameras mir bieten koennen. hier ist also ihr artikel
    sehr hilreich, besonders mit den beispielfotos, was die einstellungen der belichtung und den iso-bereich betrifft. ich werde
    ihren bericht sicher noch mehrmals lesen, um mich wieder fit fuer die d1 und d1x zu machen.
    also nochmal herzlichen dank
    mit gruessen aus karlsruhe
    hage mueller

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