Kodak DCS760: Großer Bruder, kleine Schwester oder kleiner Bruder große Schwester?

Teil 2, Finale

Ansichtssache und ganz vom Einsatz bestimmt! Links die hier schon ausführlich vorgestellte 2 MP Kodak/Nikon F5 DCS620x mit 15x23 mm APS-C Sensor (Cropfaktor 1,5) und rechts der Neuzugang, die 6 MP Kodak/Nikon F5 DCS 760 mit 28,7x19,1 mm APS-H Sensor (Cropfaktor 1,3). Ist das schon alles? Natürlich nicht!

Eine launische, überhitzte Diva

Äußerlich in Topzustand, hat dieses Exemplar einer DCS760 leider eine Macke. Im Dauerbetrieb beginnt sich das Gehäuse derart aufzuheizen, dass irgendwann der Bordcomputer abstürzt: "Rien ne vas plus", "Nichts geht mehr..." Beim ersten Auftreten hatte ich alles versucht: Akku- und Speicherkartentausch, Kamera aus-/einschalten, Akku im laufenden Betrieb rausziehen: nix geht. Es muss die Überhitzung sein. Außerdem "vergisst" die DCS760 ihre Firmware, wenn sie längere Zeit mit rausgezogenem Akku gelegen hat. Abhilfe schaffte das Aufspielen der letzten Firmware auf die beiden verwendeten 1 und 2 GB Compactflashspeicherkarten, die dann nur nicht formatiert sondern nur gelöscht werden dürfen. Das Firmwareupdate dauert mal gerade 15 Sekunden. Mit dem Wissen um diese Fehler lassen sich mit der DCS760 technisch erstklassige Fotos aufnehmen... Auch im ISO-Bereich, wozu die DCS760 nicht vorgesehen war – siehe Teil 1!

Und unterwegs? Kamera einschalten, fotografieren und sofort wieder ausschalten. Für diesen und zukünftige Rundgänge machbar, solange die Elektronik noch mitmacht.

Kodak DCS760, das wahre Flaggschiff der DCS-Reihe!?

Eigentlich ist diese Überschrift falsch, denn das wahre Flaggschiff der DCS-Serie wäre die leider nie gebaute Kodak DCS811 gewesen. So bezeichnete ein Sammler die Kodak DSLR, die einen 11 Megapixel 24x36 mm Vollformatsensor enthalten und vermutlich wieder auf der Nikon F5 basiert hätte.

Den 37,3 x 25,7 mm großen, als KAI-10000CM Progressive-Scan, Interline Transfer CCD bezeichneten Sensor mit 4.072 x 2.720 Pixel gleich 11 MP Auflösung muss es als Prototypen gegeben haben, die "DCS811" leider nicht. Ob das Ganze an den Kosten und der Konkurrenz gescheitert ist? Nikon bot 2001 seine offiziell nur als 6 MP DSLR ausgewiesene D1X, die aufgrund ihrer speziellen Sensor-Architektur vielen nicht bekannt exzellente 10 MP Datei generieren kann und Canon 2002 seine 11 Megapixel Vollformat 1Ds. Angeblich sollte das bei der Nikon 1Dx aber erst nach einem Firmwareupdate möglich gewesen sein. OK, die Nikon 1Dx ist nur eine 15x23 mm APS-C-/DX-Sensor DSLR.

Auch wenn die Nachfolger der DCS Pro 14n, DCS ProSLR/n, DCS ProSLR/c Serie, die über einen 24 x 36 mm großen Vollformatsensor verfügen, der exakt 13,5 Megapixel auflöst, kann man die nur 6 MP auflösende DCS760 darüber stellen. Die DCS Pro 14n, DCS ProSLR/n basieren auf dem Amateur-Einsteigergehäuse Nikon F60, die DCS ProSLR/c auf der Sigma SD-9, ausgestattet mit einem Canon EOS-kompatiblen Bajonett. 

Bei der DCS760 ist es die durch und durch professionelle, auf harten Dauerbetrieb ausgelegte Nikon F5, die sogar Wechselsucher bietet, was 15 Jahre später 2016 KEINE Profi-DSLR mehr vorweisen kann. Heute ergibt sich daraus allerdings kein Vorteil, was an den völlig überhöhten Preisen für Wechselsucher liegt. Da werden für einen F5-Lichtschacht- oder Lupensucher Größenordnung 200 Euro verlangt. Da nehme ich doch lieber das Prisma der F5 ab, bilde mit der Hand einen provisorischen "Lichtschacht" oder lege mich für eine Froschperspektive gleich in den Dreck...

Nachdem ich so blöd war die 2008 für Größenordnung 250 Euro erworbene Kodak DCS760 wieder abzustoßen, ist mir endlich erneut eine DSC760 für vertretbare 325 Euro ins Netz gegangen. Auch wenn sie den schon beschriebenen Fehler hat. Wobei die erste DCS760 aus meiner Erinnerung eine hohe 6-stellige Anzahl an Auslösungen hatte! Aber immer noch viel Geld für fast 2 kg vermutlich unreparierbares Altmetall, aber weit von den irren vierstelligen Preisvorstellungen einiger Anbieter entfernt!

Da ich die DCS760 jetzt nicht nur zum zweiten Mal habe, kann ich auf neue Akkus und das Original-Ladegerät der hier schon vorgestellten 2 MP Kodak DCS620x zurückgreifen. Zum Thema Energieversorgung gibt es weiter unten ein eigenes Kapitel. Außerdem wusste ich nach den Erfahrungen des ersten DCS760-Exemplars, dass es beim komfortablen Verarbeiten des Kodak TIFF-Rohformats mit dem in Photoshop enthaltenen Adobe-RAW-Konverter überhaupt kein Problem ist, aus den 6 Megapixel mehr Bildpunkte zu machen. Der DCS760-Sensor ist so gut, dass bei Bedarf in Adobe RAW problemlos höhere Bildgrößen interpoliert und an Photoshop durchgereicht werden können. Adobe Raw bietet: 3032x2008 6,1 MP Originalgröße, 4096x2713 11,1 MP, 5120x3391 17,4 MP oder 6144x4069 25,0 MP. Reserven satt! Bei 11,1 MP ist keinerlei Qualitätsverlust zu erkennen! Und für die DCS760 muss es noch nicht einmal Lightroom sein!

Und die Einschränkungen?

Als Studio- und sicher nicht als Reportagekamera vorgesehen, schafft die DCS760 nur 1,5 B/s und die Maximalempfindlichkeit des Sensors beträgt ISO 400, die sich aber bei Bedarf auf ISO 800 und ISO 1600 "pushen" lässt. Dafür kommt mit ihrem 28,7x19,1 mm APS-H-Sensor schon fast Vollformat-Feeling auf. Die scheinbare Brennweitenverlängerung (Crop-Faktor) beträgt nur 1,3. Wie in Kodaks erster 6 MP DSLR DCS460 auf Nikon N90s (F90x) oder auf Canon EOS 1n Basis als DCS1c. Auch der Nachfolger auf EOS 1n-Basis DCS560 hat den APS-H großen Sensor. Auch von der eigenen Canon EOS 1D bis zur EOS 1D MK IV hat der Canon-Sensor APS-H Größe! Erst die EOS 1DX hat einen 24 x 36 mm großen Vollformatsensor. Zurück zur Kodak DCS760.

Was zeichnet die DCS760 zu ihrem Vorgänger DCS660 aus?

Die Empfindlichkeit wurde von ISO 80 bis 200 auf ISO 80 bis 400 gesteigert. Was schon mal den Vorteil hat, die ISO 200 nicht wie in der DCS660 als Notbehelf zu betrachten, sondern auch zu benutzen. Erst über ISO 200 beginnt die DCS760 nachzulassen. In einem der unten als Link angegebenen Reports, ging der Fotograf bis maximal ISO 320. Die DCS660 kann 1 B/s auslösen, die DCS760 1,5 B/s.

Deutsche Broschüre zur Kodak DCS720x und DCS760

Unbedingt zu erwähnen ist das extrem seltene und teuer gehandelte Sondermodell der DCS760-Reihe, die DCS760m, was für monochrome steht. Mit dieser Ausgabe sind nur SW-Aufnahmen möglich, die eine besonders hohe Qualität aufweisen sollen. So ganz einfach kann es aber nicht gewesen sein, wenn man Pete Myers (englischen) Bericht über die DCS760m(onochrome) aus dem October 2004 liest.

Weitere Informationen (Links) finden Sie weiter unten im Text

Und keine Kamera ist komplett, wenn nicht die Möglichkeit genannt wird die Kamerasteuersoftware, besser bekannt als Firmware, auf den letzten Stand zu bringen!

Firmwareupdate für die Kodak DCS7xx-Serie

Ob man die neuen Features tatsächlich benötigt, bleibt jedem Anwender selbst überlassen. Oft werden aber auch heimlich Fehler einer Software ausgebügelt, bevor sie öffentlich werden. Wo immer möglich, hat JEDE meiner DSLR-Kameras die letzt mögliche Firmware installiert.

Sonstiges

Ich habe mir zunächst abgewurstelt – „Warum kann ich nicht den mittleren Fokussensor aktivieren?“, oder „Warum gab es in Zeitautomatik Fehlbelichtungen?“. Ganz einfach. Ein unscheinbarer Tippschalter „L“ für „Lock“ sorgt dafür...

Mit Spannung hatte ich mich dann durchs Kameramenü gescrollt, um schließlich zum spannenden Menüeintrag „Total Actuations“ zu kommen. Mit einem OK, dachte ich, ich fall’ um. Nein, keine sechsstellige Anzahl Auslösungen wie bei meiner ersten DCS760, sondern mal gerade Größenordnung 1300 Auslösungen. Die Kamera ist damit ja "flammneu"! Ob sich so etwas manipulieren lässt/ließ – Bordaustausch oder ähnliches – ist mir nicht bekannt.

Energieversorgung der Kodak DCS760

Ein ganz wichtiges Thema!

Alle Modelle der Kodak DCS5xx-/6xx-/7xx-Reihe verwenden den gleichen Akku. Richtig überzeugt haben die damaligen Original Kodak-Akkus und auch die frischen Nachbau-Li-Ionen-Akkus nicht. Die ersten Kodak-Akkublocks waren wohl mit NiCd-Zellen gefüllt, später gefolgt von NiMh-Akkus. Ein Blick auf die Unterseite des Ladegeräts zeigt, dass die Akkus regelrecht gepflegt, konditioniert werden müssen. Und selbst das funktionierte nicht immer. Einmal zu lange in der Kamera gelassen, entluden sich die alten Akkus so stark, dass sie mit einer Error- (Fehler-) Meldung vom Ladegerät verweigert wurden. Glücklicherweise gab es seinerzeit den Tipp, den tiefentladenen Akku an eine gewöhnliche 9V-Batterie anzuschließen – mit abenteuerlichen Büroklammerkontakten – und dann ein paar Minuten dranzulassen. Gewöhnlich reichte das, dass der Kodak-Lader diesen speziell behandelten Akku wieder akzeptierte und auflud... 

Weiter mit den aktuell verfügbaren Li-Ionen-Akkus

Ob es sich bei dem im Foto gezeigten Teil um ein Original-Kodak-Ladegerät handelt, kann ich nicht sagen. Wie dem auch sei, für die aktuell erhältlichen Li-Ionen-Akkus ist dieses Ladegerät eigentlich nicht vorgesehen, eigentlich. Es geht aber doch. Entladen hat der Li-Ionen-Akku eine Spannung von etwa 7,2 Volt, wie aufgedruckt. Die Kodak DCS5xx-/6xx-/7xx-Reihe braucht zum Laufen eine Spannung von mindestens 7,5 V. Geht die Spannung des Akkus in Richtung Nennspannung – 7,2 V – bricht die Energieversorgung schlagartig zusammen und das war's. Bis zum Einlegen eines frischen Akkus geht nichts mehr.

Dazu wird der Li-Ion-Akku drei bis maximal vier Stunden geladen. Kürzer reicht nicht, länger bringt nach meinen Versuchen nichts. Nach diesen drei bis vier Stunden hat der Akku (je nach Alter) eine Spannung von 8,5 bis 8,7 Volt. Wird diese Spannung nicht erreicht, ist der Akku hinüber. Bisher habe ich beim so beschriebenen Laden noch nie bemerkt, dass sich die Li-Ion-Akkus dabei nennenswert erwärmen oder sogar heiß werden.

Wenn der Akku vom Ladegerät weggenommen unbenutzt über 24 h liegenbleibt, hat sich die Spannung auf 8,3 V reduziert. Auch damit laufen die Kodaks. Selbst nach zwei bis vier Tagen liegt die Spannung noch bei 8 V. Eins sollte man aber vermeiden – den Akku in der jeweiligen Kamera zu lassen. In diesem Fall habe ich das Gefühl, dass man fast dabei zusehen kann, wie sich der Akku leert. Speziell bei der DCS760. Langer Rede kurzer Sinn: Wenn man mit einer Kamera der DCS5xx/6xx/7xx-Serie fotografieren will, sollte, muss man planen. Akkus wenn möglich vorher aufladen und NICHT in die Kamera geben. Erst am Aufnahmeort montieren. Selbst wenn es lästig ist, dann ggf. mal Datum und Uhrzeit neu eingeben zu müssen. Dass man nie mit nur einem Akku loszieht, versteht sich von selbst. Ich kann mir vorstellen, dass bei einem Studioeinsatz die DCS760 idealerweise am Netzteil hing!

Praktische Fotografie mit der DCS760, Objektiv-Geheimtipp

Oberes Foto: Horror für den Puristen – ein "falsches" DX Einsteiger-Kit-Zoomnikkor auf der "digitalen Nikon F5". Na und? Offensichtlich ist der Bildkreis dieses eigentlich furchtbaren Plastik-Zooms größer als für den 15 x 23 mm APS-C-Senor benötigt. Tatsächlich wird der Bildkreis einer Vollformat Nikon D800 im 1,2 Crop Modus gefüllt. Also auch der 28,7x19,1 mm APS-H Sensor (Cropfaktor 1,3) der Kodak DCS760.  

Unteres Foto: Beachten Sie die unterschiedlichen Suchermasken in der Kodak DCS620x (15x23 mm APS-C-Sensor, Cropfaktor 1,5) und der Kodak DCS760 (28,7x19,1 mm APS-H-Sensor, Cropfaktor 1,3)

Auch wenn es dort nur auf der 10 MP AP-S-C-/DX-Sensor Nikon D200 getestet wurde, rechtfertigen die Messwerte für Verzeichnung und Auflösung den Status "Geheimtipp" für das 4-5,6/55-200 mm DX VR AF-S Zoom Nikkor. Puristen wird es schütteln, aber dieses stabilisierte (!) Einsteigerzoom macht auch auf der hochauflösenden 36 MP Nikon D800 im 1,2-Crop Modus und 25 MP von den optischen Abbildungsleistungen eine sehr gute Figur! Da lag es nahe, dieses Zoom versuchsweise auf die Kodak DCS760 zu montieren. Im DX-Modus eingesetzt, entspricht das 55-200 mm DX Zoom einem 83-300 mm Zoom im KB-Bereich. Im 1,3 Crop Modus der DCS760 eingesetzt, wird es zum 72-260 mm Zoom. Die DCS760 ist riesig, mit dem Zoom wird man weniger wahr und "für voll" genommen und eher als harmloser Spinner/Amateur eingestuft ;-) Außerdem wuchte ich neben der fast 2 kg DCS760 doch nicht noch (m)ein 2,8/70-200 mm VR Nikkor von 1,5 kg durch die Gegend.

Was fürs 55-200 mm DX Zoom-Nikkor gilt, trifft übrigens auch für das für den kleinen 15x23 mm APS-C-/DX-Sensor gerechnete 1,8/35 mm AF-S DX zu. Das DX-Nikkor läuft im 1,2 Crop-Modus der Nikon D800 ohne jegliche Randabschattungen (Vignettierungen). Entsprechend auch auf der Kodak DCS760.

Sensor-/Bildschärfe/Filter

Der oben im Foto gezeigte IR-Filter ließ sich 2001 für 800 Dollar gegen einen so genannten Antialiasing- AA-Filter auswechseln. Selbiger bringt gewollt einen kaum erkennbaren Hauch an Unschärfe ins Bild, sorgt aber dafür, dass bestimmte Strukturen keine Farbstörungen, Moirés erzeugen. Uwe Steinmueller vom Digital Outback Photo bevorzugte 2001 den IR-Filter, der "much sharper images", viel schärfere Bilder ermöglicht. Mit dem – kleinen – Moiré-Restrisiko.

Beispielfotos, aufgenommen Herbst 2016 mit der Kodak DCS760

Kein Schwedentrip ohne nachzusehen, wie die Autos auf dem hier schon zig-fach gewürdigten Autowaldfriedhof mit behördlicher Duldung bis 2050 ungestört verrotten dürfen. Es ist immer wieder erstaunlich, was noch "steht". Da gibt es rostiges Blech, wo man gefühlt mit dem Finger durchstechen kann und immer noch massives Metall.

Trotz des Restrisikos der oben beschriebenen "launischen Diva" – siehe ganz oben im Text – hat die DCS760 durchgehalten. Ob jetzt die einstelligen Temperaturen vor Ort dafür sorgten, dass die DCS760 gar nicht erst heißlaufen konnte – wer weiß. Auf jeden Fall hat es wieder großen Spaß gemacht, über den Schrottplatz im Wald zu stromern. Und noch mehr mit einer historischen DSLR! Ob sich nicht doch noch eine Ansicht findet, die ich so noch nicht erkannt habe...

Im Gegensatz zu den letzten Besuchen war ich diesmal auch nicht allein. Der Schrottplatz ist ja kein Unbekannter mehr, und so teilten sich mehrere FotografInnen das Areal. Die dänische Fotografin Lone Mölgaard hatte zwei Pin-up Models engagiert, um sie auf den Schrottkarossen in Szene zu setzen. Ich hätte mitfotografieren dürfen, wollte die mindestens Extra-Stunde aber nicht der im Auto wartenden Familie zumuten... Außerdem möchte ich mich nicht mit fremden Federn schmücken. Lone Mölgaards Arbeiten können auf 500px angeschaut werden. Ich bin gespannt auf ihre Bilder mit den Models auf den Autowracks!

Auf dem unteren Foto der beiden großen Fotos ist im Hintergrund eine kleines Haus zu erkennen. Dort – auf 12 Quadratmetern – lebte der Betreiber des Autoschrottplatzes im Wald. Mehr von meinem Oktober 2016 Besuch auf dem Gelände:

Fahrrad und der Traktor waren die einzigen Fahrzeuge, die Åke Danielsson, Besitzer und Betreiber des Schrottplatzes im Kyrkö Moor, benutzte. Åke hatte keinen Führerschein und zog die Wracks mit diesem Traktor einfach durchs Gelände. Und dort liegen sie heute noch. Der immer weiter verfallende Schuppen war die Meisterleistung des ungelernten småländischen Knechts. Über eine selbstgelegte Eisenbahnstrecke beförderte Åke Torf aus dem nahegelegenen Moor, bis zu diesem Schuppen, um in einer selbst gebauten Anlage Torf und Tierexkremente zu Dünger zu mischen, den er an die umliegenden Bauern verkaufte. Dünger auf Chemiebasis setzten dem ein Ende, Åke Danielsson verlegte sich aufs Ausschlachten von Automobilwracks. Das ist die Kurzform seiner Lebensgeschichte. In den Resten seiner Werkstatt haben die Vandalen gehaust, hier ist nichts mehr brauchbar. Unweit vom Schuppen steht der einzige LKW, der als solcher aber nur noch an den Fahrgestellresten und der Doppelbereifung zu erkennen ist.

Alle (*) Fotos wurden mit dem stabilisierten 4/16-35 mm VR Nikkor auf der Kodak/Nikon F5/DCS760 aufgenommen. Bei ISO 320 und mit Zeitautomatik. Mit 1,3 Cropfaktor/Brennweitenverlängerung entspricht das Zoom einem 5,2/20,8-45,5 mm Zoom. Die Lichtstärke bleibt selbstverständlich gleich, aber in der Tiefenschärfe entspricht das Zoom bei offener Blende f/5,2. Gespeichert wurde im Kodak-Rohformat, "entwickelt" mit Adobe RAW.

Obwohl wahrhaft monströs, sind die hier vorgestellten Kodak Modelle DCS620x und diese DCS760 viel zu schade, im Alukoffer zu versauern. Die müssen einfach von Zeit zu Zeit an die frische Luft ;-) Mitsamt ihrem Besitzer ;-)

(*) Das Foto, wo die DCS760 auf dem Ford Anglia liegt, wurde mit der hier schon präsentierten ersten spiegellosen Systemkamera mit Wechselobjektiven (DSLM) der Welt – der microFourThirds (mFT) Panasonic Lumix DMC G1 – und dem 9 mm Olympus Fisheye abgelichtet.

4-5,6/55-200 mm DX VR Nikkor auf der DCS760

Da oben ja so besonders erwähnt, hier noch ein paar Beispielfotos, aufgenommen mit dem eigentlich nur für die kleinen 15x23 mm APS-C-, bei Nikon DX-Sensoren gerechneten 55-200 mm Einsteiger-Zoom. Alle Bilder an einem ganz trüben Herbsttag mit ISO 320, Zeitautomatik  und zur Unterstützung der längeren Verschlusszeiten mit zugeschalteter Stabilisierung des 55-200. Ein hässliches und haptisch wenig ansprechendes, aber optisch gutes Billig-Zoom mit Kunststoff-Bajonett! Aber es muss die VR-Version sein! Die alte (hier gezeigte Version) ist für 80 Euro zu haben...

Während ich die Kodak DCS760 beim Rundgang über den Autowaldfriedhof aus Angst vor Überhitzung immer wieder abgeschaltet habe, blieb sie beim Spaziergang durch den herbstlichen Wald im Dauerbetrieb einfach an. Nichts passierte, alles OK. Wäre ja schön, wenn das in Zukunft immer so wäre! So schwer die DCS760 ist, die Kamera hat Charakter!

Ralf Jannke, Oktober 2016

Comments (1)

  • johannes riedel
    johannes riedel
    at 20.03.2018
    Hallo liebe KODAK-NIKON-Digital-Freunde.
    Ich besitze eine DCS760 F5 Body seit vielen Jahren. Sie ist bis heute neben Hasselblad und Sinar im professionellen Einsatz.
    Hat mich bei keinem Job im Stich gelassen.
    Musste nur neue Akkus kaufen. Aber, die Qualität aus dieser Zeit der digitalen Photografie, unschlagbar.
    Liebe Grüße, Hannes

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