Fürs 10-jährige Jubiläum zwei Jahre zu früh, aber da ich ja die "ZEITWENDE" ausgerufen hatte, schon 2016: Panasonic Lumix DMC-G1, die erste spiegellose Systemkamera der Welt

Mit ihrem Vorstellungsjahr 2008 passt die Panasonic Lumix G-1 zeitlich eigentlich gar nicht in eine Digitalkamerasammlung. Viele Sammler beschränken sich auf die Zeit zwischen den ersten filmlos analog auf Video-Floppy aufzeichnenden Still Video Kameras der etwa Mitte 1980er Jahre bis zum Baujahr 2000 für Digitalkameras. Bei mir sollte 2005 Schluss sein. Aber warum? Die Panasonic Lumix DMC-G1 ist 2008 die erste spiellose Systemkamera der Welt! Und die gehört in eine Digitalkamerasammlung.

Spiegellose Systemkameras

Nach verschiedenen Versuchen der Namensgebung, die von „EVIL“ (ElectronicViewfinderInterchangeableLens – Camera, Kamera mit elektronischem Sucher und Wechselobjektiv), „MILC“ (MirrorlessInterchangeableLensCamera, spiegellose Kamera mit Wechselobjektiv) über „CSC“ (CompactSystemCamera, kompakte Systemkamera) und „MSC“ (MirrorlessSystemCamera, spiegellose Systemkamera) ging, landete und einigte man sich schließlich auf DSLM – DigitalSingleLensMirrorless. Quelle Wikipedia

Praktisch seit Vorstellung der ersten spiegellosen Systemkameras wurden die Hersteller derartiger Kameras nicht müde, die – sinngemäß – „weltschnellste automatische Entfernungseinstellung“ ihres jeweils aktuellen Modells zu betonen. Was davon zu halten ist, der „überragenden Autofokusleistung“, habe ich im Blogeintrag ZEITWENDE geschrieben.

Hasst der Autor spiegellose Systemkameras?

Überhaupt nicht! Die Antwort ist auch im Foto zu sehen: Spiegellose fotografiert Spiegellose...

Nur bis 2016 war es das jahrelange und dumme Geschwätz über die angebliche AF-Überlegenheit der DSLM, das den Autor auf die Barrikaden gehen ließ! Wenn ich nicht die ersten Vertreter dieser neuen Kameraklasse selbst in die Basketballhalle und auf dem Fußballplatz mitgenommen hätte, wo sich die DSLMs als Totalversager erwiesen, wenn es um das sichere Verfolgen schneller Bewegungen in unvorhersehbare Richtungen ging. Und trotzdem wurden die Kameras munter weiter mit Attributen "weltschnellster Autofokus" versehen. Was aber seit 2016 ein Ende hat.

Fast alle hier von mir im digicammuseum gezeigten Kameras werden mit einer Sony Alpha 3000, also einer DSLM (!), abgelichtet! Als wunderbares Spielzeug wird im Urlaub auch immer mal die entzückenden Pentax Q mitgenommen, ebenfalls eine reinrassige Systemkamera ohne Spiegel! Und jetzt eben ein Beitrag über die erste DSLM der Welt. Die Grenzen dieses Bauprinzips aus langer Erfahrung kennend.

Panasonic Lumix DMC-G1

In Grenzen per Adapter FT-auf-mFT abwärtskompatibel: FT-Zoom auf Adapter für mFT.

Nachdem sich die so genannten Four Thirds (FT) Kameras von Olympus, Panasonic und Leica wohl nicht in für den Fotomarkt entscheidenden/notwendigen Mengen verkaufen ließen, dachten die Hersteller offensichtlich darüber nach, was man ändern könne. Und da war an erster Stelle die Größe der Kameras. Die trotz 13 x 17 mm FT-Sensor kaum kleiner waren als die eine oder andere DSLR mit 15 x 23 mm großem APS-C Sensor. Also weg mit dem Spiegel und dem Spiegelkasten in der Kamera, hin zu spiegellosen Modellen, die dadurch deutlich kompakter sind. Wenn man so will,  stellt die G1 die Weiterentwicklung der „steinzeitlichen“ DSLR dar. Sensorgröße und Seitenverhältnis (4:3, Vier Drittel, Four Thirds) wurden beibehalten: 13 x 17 mm. Zur Unterscheidung zu den FourThirds-, FT-DSLRs nannte sich das Ganze jetzt microFourThirds, kurz mFT. Der erste Vertreter dieser Kameraklasse wird hier vorgestellt.

Die 124 x 84 x 45 mm große und 437 g schwere Panasonic Lumix DMC-G1 hat den beschriebenen 13 x 17 mm mFT CMOS-Sensor, der maximal 4.000 x 3.000 Pixel = 12 Megapixel auflöst. Die Empfindlichkeit kann von ISO 100 bis auf ISO 3200 in 1/3 EV-Stufen verstärkt werden, wobei man Empfindlichkeiten jenseits der ISO 800 vermeiden sollte. Mit einer (i-ntelligente)ISO-Automatik kann die Empfindlichkeit auf ISO 800 begrenzt werden. ISO 3200 sind unbrauchbar. Vor dem Sensor sitzt ein Staubschutzfilter der per Ultraschall gereinigt werden kann.

Gespeichert wird komprimiert in 24 bit Farbtiefe als JPEG in x Qualitätsstufen oder unkomprimiert in 36 bit Farbtiefe im Rohdatenformat (RAW) auf SD-Speicherkarten. Bei Bedarf parallel als RAW und JPEG. Für das mFT-Objektivbajonett gibt es zahlreiche Objektive vom Fisheye, über Superweitwinkel, lichtstarke Festbrennweiten, Telezooms und lange Teleobjektive alles, was man sich wünschen kann. Über FT-/mFT-Adapter sind FT-Objektive je nach Bauart und Alter mit Einschränkungen (ohne Autofokus) nutzbar. MFT-Objektive können manuell oder automatisch fokussiert werden. In der Betriebsart AF-S für statische und AF-C (kontinuierlicher AF) für bewegte Motive. Der Autofokus soll bewegte Motive erkennen und automatisch verfolgen. Serienaufnahmen sind mit 3 B/s über 7 Bilder beim Speichern im Rohformat möglich. 

Das Motiv kann über einen transreflektiven 3,0“ TFT LCD-Monitor, der 460.000 Bildpunkte auflöst, oder über einen E(lektronischen)-Sucher, der pro Farbe Rot, Grün, Blau 800 x 600 Pixel, zusammen 1,44 Megapixel auflöst, erfasst werden. Der E-Sucher kann per Dioptrienausgleich +/- 4 dpt. auf Fehlsichtigkeit eingestellt werden. Dieser kann per (abschaltbarem) Augensensor bei Annäherung aktiviert werden. Vom Eindruck kann der E-Sucher mit einem (24 x 36 mm) Vollformat-DSLR-Sucher nicht mithalten, sehr wohl aber mit den kleinen Suchern diverser Einsteiger-DSLRs. Die unter Umständen noch nicht mal als Prismensucher, sondern aus Kostengründen nur als (dunklerer) Spiegelsucher ausgeführt sind. Das Beste am großen Monitor ist aber die Möglichkeit ihn zu klappen und zu schwenken. Fotos aus der Froschperspektive über Menschenmengen hinweg sind so ohne große Verrenkungen möglich.

Die Belichtung wird wahlweise mittenbetont, integral, über 144 Felder Matrix/Mehrfeld oder punktförmig als Spot gemessen. Gesteuert wird die Belichtung über Programm-, Zeit- oder Blendenautomatik oder manuell. Dazu gesellen sich Motivautomatiken und mehrere Tönungs- und Filter-Effekte in einem einstellbaren S/W-Modus. Die Belichtungszeiten liegen zwischen B (Bulb, beliebig) und 60 bis 1/4000 Sekunde(n). Kürzeste Blitzsynchronzeit 1/160 s. Selbstauslöser mit wahlweise 2 oder 10 s Vorlaufzeit. Die Belichtung kann maximal +/- 3EV in 1/3 EV-Schritten korrigiert werden. Dazu gesellt sich noch eine Belichtungsreihenfunktion (Bracketing) mit maximal 3 Aufnahmen in 1/3 oder 2/3 EV-Schritten. Der eingebaute Blitz hat eine Leitzahl (LZ) von 11 und die üblichen Einstellmöglichkeiten: Blitz ein/aus, Automatik, Aufhellblitz, Langzeitsynchronisation, Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang, Rote-Augen-Reduktion. Der Blitzschuh nimmt Olympus- und Panasonic-System- Blitzgeräte auf. Der Weißabgleich kann automatisch oder mit den Voreinstellungen Wolken, Sonne, Feinabstimmung, Schatten, Glühlampenlicht sowie manuell erfolgen. Energieversorgung mit 7,2 V 1.250 mAh Lithiumionen (Li-Ion) Akku.

Pfannkuchen- und andere Objektive...

Was ist ein Pancake-Objektiv?

Pancake heißt übersetzt Pfannkuchen. Derartige Objektive sind von der Bauweise extrem flach. Für die hier vorgestellte microFourThirds Panasonic gibt es mehrere Pancake-Objektive, wie beispielsweise das Panasonic AF 2,5/14, Bauhöhe 20,5 mm, das Olympus M.Zuiko AF 2,8/17, Bauhöhe 22 mm, das Panasonic AF 1,7/20 II Asph., Bauhöhe 25 mm. Allen drei gemeinsam ist, dass es sich um lichtstarke Autofokus-Objektive guter Abbildungsleistung handelt. Auch das 2,8/45 mm GN Nikkor, das hier auf der Nikon D2X gezeigt wurde, ist nur 20 mm hoch und kann zu Recht als "Pancake" bezeichnet werden.

Das ist aber alles noch viel höher, als bei diesen beiden "Objektiven", die von Olympus gar nicht als Objektive, sondern nur als Zubehör "Body Cap Lens" gelistet werden: "Kamera-/Gehäusedeckel mit Linse". Wovon es zwei gibt.

Da ist zunächst die "Body Cap Lens 15 mm 1:8.0", die nur 9 mm hoch baut und die "Body Cap Lens 9 mm 1:8.0", 12 mm hoch. Multipliziert mit dem Brennweitenverlängerungs-, Cropfaktor des microFourThirds – mFT – Sensor-Formats von 2, entsprechen diese beiden Spielzeuge einem 8/30 mm Weitwinkel- und einem 8/18 mm Vollformat-Fisheye-Kleinbildobjektiv. Und der Haken, was gleichzeitig auch ein gewisser Reiz ist, die beiden Objektiv sind extrem lichtschwach und primitiv aufgebaut.

Photozone hat die beiden "Spaß-Objektive" getestet, und kein gutes Haar daran gelassen:

Das 8/15 mm ist eins der schlimmsten Objektive, die wir je getestet haben. Die Abbildungsleistung in der Mitte ist überraschend gut. Zu den Bildrändern sinkt die Abbildungsqualität aber dramatisch und am Bildrand ist es unscharf.

Die Prüfung des 8/9mm Fisheyes ist etwas unfair. Denn Olympus führt das 9 mm auf seiner Internetseite noch nicht einmal unter "Objektiven", sondern als "Lens Cap" unter Kamerazubehör. Es ist aber gar nicht so schlecht! Die Abbildungsleistung ist in der Bildmitte ziemlich anständig. Das restliche Bildfeld ist OK, die Ecken sehr weich. Immerhin ist es gegen Überstrahlungen ziemlich immun.

Photozone gesteht den beiden "Objektiven" aber einen Coolness- sowie Lomo-Faktor zu. Und darin bestand auch die Herausforderung, mit diesen beiden Primitiv-Linsen loszuziehen. Dem Mangel, noch kein mFT-Objektiv zu besitzen, kann abgeholfen werden!

Es gibt einen Adapter,

mit dem FT-Objektive auf der mFT-Kamera weiter verwendet werden können. Allerdings mit Einschränkungen. Nur mit späteren FourThirds-Objektiven, die Kontrast-Autofokus-fähig sind, habe ich Autofokus. Meine drei vorhandenen FT-Objektive gehören leider nicht dazu. Als kompaktestes der drei Zooms habe ich für den Fotorundgang das 3,5-5,6/17,5-45 mm mitgenommen. Eins der  "feinsten" Objektive, die Olympus je gerechnet hat ;-) Was seiner guten Abbildungsleistung keinen Abbruch tut. Das 3,5-5,6/17,5-45 mm Zoom (35-90 mm @KB) wurde 2007 mit der Olympus E-410 angeboten. Bei dem gezeigten Adapter handelt es sich übrigens um die preiswerte "China-Kopie", die klaglos ihren Dienst tut...

Adapter gibt es übrigens für zahlreiche Systeme. Man kann über den Wert streiten, aber beispielsweise alte Minolta- oder Canon-Objektive mit FD-Bajonett, die zu den aktuellen Systemen inkompatibel sind, bekommen so einen zweiten Frühling! Ganz sicher werde ich noch einen Nikon F-/mFT-Adapter ordern, womit ich dann meine Uralt-Nikkore 1,4/35 und 1,8/85 gerne mitnehmen werde! Zunächst mit dem oben genannten 3,5-5,6/17,5-45 mm Olympus probiert, ist das manuelle Scharfstellen durch die "Fokus-Lupe" so komfortabel, dass es auch mit meinen miserablen Augen gelingt!

Bildbeispiele, fotografiert im Herbst 2016 mit der Panasonic Lumix DMC-G1

Olympus (Body Cap) Lens 9 mm 1:8,0 (Fisheye)

Unverkennbar mit dem Fisheye aufgenommen, dem 77 Euro Olympus (Body Cap) Lens 9 mm 1:8,0. Umgerechnet aufs 24 x 36 mm Kleinbild entspricht das einem 18 mm Fisheye, welches das komplette Format auszeichnet.

Olympus (Body Cap) Lens 15 mm 1:8,0

Man kann mit dem 15 mm Olympus Pancake Bilder machen. Dabei steht aber der Spaß – "Du hast wohl vergessen, den Kameradeckel durch ein Objektiv zu ersetzen..." – das "Lomografie"-Erlebnis mehr im Vordergrund, als die optische Qualität. Bei ISO 1000 wird es sichtbar verrauscht. Was in diesem Fall natürlich nichts mit dem 15 mm Pancake zu tun hat! Das Rauschen wäre durch Adobe Lightroom zu minimieren, aber zur Demonstration wurde es nicht korrigiert.

Als kleine Demonstration, was das alte 17,5-45 mm "Plastik-Kitzoom", adaptiert auf die G1 heute noch leistet.

Aufnahmen mit dem 3,5-6,3/12-50 mm Olympus Zuiko

Ohne Retro geht es nicht ;-)

Überflüssiger Erfahrungsbericht ;-)

Die Panasonic Lumix DMC-G1 reiht sich nahtlos in einige hier schon vorgestellte Kameras ein, wo ein Erfahrungsbericht gar nicht zwingend war:

"Wie schon zur Olympus E-300, E-330 und E-10 sowie der Nikon D2X geschrieben, war das "Testen" der Olympus E-1 eigentlich überflüssig. Einfach benutzen, die E-1." Das kann man 1:1 auf die Panasonic G1 übertragen. Solange man mit ihr keine schnell und unregelmäßig bewegten Motive bei wenig Licht verfolgen will – das schafft der Kontrast-AF der G1 einfach nicht, und bei Empfindlichkeiten unter ISO 800 oder noch besser bei ISO 400 bleibt – kann man mit der G1 ganz unbeschwert auf Bilderjagd gehen. 4000 x 3000 Pixel = 12 MP reichen beispielsweise für:

33,8 x 25,4 cm (größer als A4!) mit 300 ppi/dpi

67,7 x 50,8 cm (größer als A2!) mit 150 ppi/dpi

101,6 x 76,2 cm (fast A0!) mit 100 ppi/dpi

Was die verwendeten Objektive angeht, besonders das 9 mm Fisheye

Das Olympus (Body Cap) Lens 15 mm 1:8 muss nicht sein, auch wenn es aufgrund seiner faszinierenden Baugröße keine 50 Euro gekostet hat. Bis auf die Lichtschwäche als tatsächlich mehr als brauchbar hat sich dagegen das 77 Euro Olympus (Body Cap) Lens 9 mm 1:8 erwiesen. Aus diesem Grund wurde es auch eingepackt, als es zum Autowaldfriedhof ging. Um mal in die Reste der verrottenden Karossen zu schauen und aus ungewöhnlicheren Positionen zu fotografieren. 

Das alte 3,5-5,6/17,5-45 mm Olympus FourThirds Kitzoom schlägt sich über den FT-/mFT-Adapter an die G1 montiert mehr als gut. Das modernere Olympus 3,5-6,3/12-50 mm geht bis auf die miserable Lichtstärke bei längster Brennweite glatt als Geheimtipp durch.

Weil das manuelle Fokussieren des 17,5-45 mm Zooms so überraschend gut klappte, bekommt die Panasonic Lumix DMC-G1 noch den schon erwähnten Nikon F-/mFT-Adapter, um gelegentlich alte Nikon-Objektive einzusetzen.  

Ralf Jannke, Oktober 2016

 

 

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  1. Lutz Teßner
    Lutz Teßner am 27.11.2018
    Erster Kommentar? Gerne. Seit heute Besitzer einer G1.
    Sie gefällt mir jetzt schon sehr gut. Kann gut meine Pen-Olympus510-Objektive nutzen. Die Pancakes muß ich doch auch mal ausprobieren. ✌️

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