Ich konnte mich nicht bremsen, um diese Schenkung als Wintermärchen darzustellen ;-) Aufbau und Hintergrund sind echt, um dann in Photoshop zusammenmontiert zu werden. Pixlr-o-matik hat den Rest dekoriert … Die wertvolle Technik stand natürlich NICHT im nassen Schnee!
Über die Feiertage, den Jahreswechsel kamen mal wieder zwei Anfragen an das Digicammuseum.de, ob man Interesse an dieser oder jener Kamera hätte
Ich weiß nicht, ob ich mich so unverständlich ausdrücke, aber wenn der Floskel "in gute Hände abzugeben" gleich eine Preisvorstellung folgt, dann sind wir der falsche Ansprechpartner. Wir nehmen bei unserem gut gefüllten Depot nur noch interessante Digitalkameras als Museumsspende gegen Übernahme der Portokosten an. Wer Preisvorschläge macht, Verkaufserträge erwartet, möge die Geräte zu seinem Wunschpreis doch bitte bei eBay oder Kleinanzeigen einstellen.
Es geht aber auch anders!
Wir bedanken uns bei dem großzügigen Spender Peter Moosbauer aus Murnau, der uns diese tolle Minolta Dimage RD 3000 Ausrüstung mit Blitz und Objektiven überlassen hat.
Peter Moosbauer hatte die Digicammuseum.de-Beiträge zur exotischen Minolta Dimage RD 3000 gelesen, um dabei festzustellen, dass seine Kamera den gleichen Fehler/Defekt hat wie meine RD 3000. Die Kameras nehmen nur noch halbe Fotos auf :-( Irgendetwas im komplizierten Inneren der RD 3000 ist kaputtgegangen. Daraufhin fragte Herr Moosbauer, ob ich Interesse an der Minolta hätte. Nach meiner Standardantwort Spende/Portoübenahme kam prompt seine freundliche Antwort: "Oh nein, ich möchte die Minolta nicht verkaufen, ich möchte sie spenden … " Um dann im zweiten Anlauf nicht nur die RD 3000, sondern die für ihn nutzlos gewordenen Objektive mit dem speziellen Minolta Vectis Bajonett und einen Minolta Blitz zu verschenken. Bei so einem netten Menschen frage ich umgehend die Bankverbindung oder Paypal-Adresse ab, um wenigstens 50 Euro als Anerkennung zu überweisen. Und sei es für einen Blumenstrauß für die Ehefrau oder die Enkel.
Die RD 3000 hat mittlerweile natürlich einen Seltenheits-/Sammlerstatus
Aber realistisch bei wem?
Herbst 2025 wurde bei eBay ein Exemplar aus Japan verkauft — für rund 325 Euro inkl. Porto. Bei einer nicht mehr datierbaren Leitz Auktion erzielte eine RD 3000 inkl. 3 Vectis Objektiven 1440 Euro. Ich hätte nicht mal für die 325 Euro gekauft … Und ob da kontrolliert wurde, ob diese beiden DSLRs noch komplette Fotos aufnehmen?
Zu den Minolta Objektiven mit dem Vectis-Bajonett
Diese Objektive gab es:
- V 22-80 mm f/4-5.6
- V 25-150 mm f/4.5-6.3
- V 28-56 mm f/4-5.6
- V 56-170 mm f/4.5-5.6
- V 80-240 mm f/4.5-5.6 Apo
- und drei als „Prime“ bezeichnete Festbrennweiten:
- V 17 mm f/3.5 RD
- V 50 mm f/3.5 Macro (1:2)
- V 400 mm f/8 Reflex
Keine einzige lichtstarke Vectis-Festbrennweite?
Wozu auch, wenn die miserable Systemlichtstärke der RD 3000 von f/6,7 wie schon beim Vorgänger RD-175 alles ausbremst.
Was die schwache Systemlichtstärke angeht, war Minolta aber nicht allein!
Denn da gab es doch noch die oben abgebildeten Fujifilm-Nikon-Fujix-Monster!
Die in Kooperation von Nikon und Fuji gebauten DSLR-Saurier boten unabhängig von der Lichtstärke des montierten Objektivs bauartbedingt auch nur eine Systemlichtstärke von f/6,7, die aber später noch auf wenigstens f/4,8 gesteigert wurde. Aus bestimmten Gründen waren Objektive mit Nikon F-Bajonett von mindestens f/2,8 Lichtstärke gefordert. Zum Ausgleich der schwachen Systemlichtstärke boten die Nikon/Fuji/Nikon-Modelle ISO 800, 1.600 und 3.200. Das wichtigste war aber, dass diese Kameras sozusagen die ersten Vollformat-DSLRs waren. O.K. fast. Die Umrechnung Sensor/Objektivbrennweite ergab einen Cropfaktor von nur 1,1, den man großzügig zum 1,0 Vollformat deklarieren konnte.
Alles ausführlich in diesen Beiträgen vorgestellt, beschrieben und mit diesen Kameras auch fotografiert!
- 2019: FUJIX Nikon E2N, die "Vollformat-DSLR" von 1995
- 2015/2017: FUJIFILM Nikon FUJIX DIGITAL CAMERA DS-560
- 2019: Die FUJIFILM/FUJIX/Nikon DSLR-Klasse hat Zuwachs bekommen!
- Funktionscheck 2025 der FUJIFILM Nikon FUJIX DIGITAL CAMERA DS-560
Zurück zur Minolta Dimage RD 3000 und den Vectis-Objektiven
Selbst die drei Prime-Festbrennweiten sind für Anwender, die mit ihren Objektiven auch fotografieren wollen, weitgehend wertlos!
Warum?
Während sich abertausende Jahrzehnte alte, weniger alte und jüngere Objektive mit und ohne Autofokus unzähliger Hersteller besonders auf spiegellose Systemkameras adaptieren lassen, scheitert das bei den Minolta Vectis-Objektiven. Es hat vor Jahren schon mal einen sündteuren Adapter VECTIS-auf-Sony E gegeben haben, aber das Projekt war dann in der Versenkung verschwunden. Jetzt ist der Adapter "Monster LA-VE2 AF Minolta Vectis Lens adapter to Sony A73 A7R4 A9 E mount" wieder bei eBay aufgetaucht. Aber 199 Euro für überwiegend "Plastik-Objektive" mit so einem exotischen Anschluss …
Konsequenz: Die Vectis-Objektive lassen sich heute sinnvoll digital nur mit der Minolta Dimage RD 3000 oder analog mit der Minolta VECTIS S-1 verwenden
Wobei die Möglichkeit, die Vectis-Objektive auf der Minolta VECTIS S-1 einzusetzen, mittlerweile an der Verfügbarkeit des benötigten APS-Films scheitert. Die 1996 gestartete Produktion von Filmen dieses völlig unnötigen Sonderformats für den größten Flop der Fotogeschichte — APS — wurde 2011 eingestellt. Sicher gibt es noch APS Film-Restbestände. Das sind aber Filme, die 2026 zum größten Teil abgelaufen und überlagert sind. Es wird schwieriger Labore zu finden, die diese APS-Filme noch entwickeln und digitalisieren können.
Am Foto, wo die VECTIS S1 auf dem kompatiblen/baugleichen FUJIFILM PHOTO-PLAYER AP-1 steht, zeigt die ganze Idiotie dieses Formats. Um sich die Bildchen des APS-Films auf der heimischen Glotze in miserabler Fernsehauflösung von PAL (576i), 720x576 Pixel ansehen zu können, brauchte es dieses rund 200 US Dollar/Euro teure Gerät.

Um die Bilder digitalisieren zu können, gab es keinen Scanner, der nur fürs APS-Filmformat gedacht war. Stattdessen entsprechende Adapter/Aufsätze für diverse Scanner. Aber welcher Knipser digitalisierte zwischen 1996 und 2011 schon seine Urlaubserinnerungen. Abgesehen davon: Den oben abgebildeten Minolta APS Adapter AD-10 habe ich in eBay noch nie gesehen … Und der funktioniert natürlich nur in Kombination mit einem Minolta Dimage Scan Dual II AF-2820U.
Die vermutlich irren Summen, die Minolta in die Entwicklung des APS-Analogsystems und den dazugehörigen Vectis-Objektiven gesteckt hat, dürften Minoltas Untergang noch beschleunigt haben. 2003 versuchte man noch die Fusion mit Konica zu KonicaMinolta, 2006 kam das endgültige Aus.
Und die Minolta Dimage RD 3000?
Was gab es bisher an Beiträgen zur Minolta Dimage RD 3000 im Digicammuseum.de?
Hier noch eine Reihe RD 3000 "vollformatiger" (!) Fotos. Aufgenommen mit meiner ersten RD 3000
2006 lag in der sog. Voreifel (40 km von Bonn) überreichlich Schnee. Also hin mit dem Filius. Alles mit P-Automatik, ISO 200. Brennweiten wurden nicht in die Exifs geschrieben. Aus der Erinnerung raus kann es aber eigentlich nur das V 22-80 mm f/4-5.6 oder V 28-56 mm f/4-5.6 und V 56-170 mm f/4.5-5.6 gewesen sein. Mehr Vectis-Objektive hatte ich zu diesem Zeitpunkt sicher nicht. Mein größter Fehler war, dass ich diese RD 3000 dann verkauft habe :-(
Bis auf ganz wenige Eingriffe alle Aufnahmen "out-of-the-cam"! Speicherformat JPEG fine.
Ich hatte Boris gebeten, seine Minolta RD 3000 doch einfach mal in das von ihm mitgegründete Computermuseum mitzunehmen. Bestückt mit dem seltenen V 17 mm f/3.5 RD. Die Bezeichnung "RD" trägt es als Hinweis, dass dieses Objektiv nur auf der RD 3000 verwendbar ist!
Wer sich für Computergeschichte interesssiert
Das virtuelle Digicammuseum gibt es jetzt auch als reales Museum
Meine Sammelei hatte eigentlich schon immer das Ziel, meine Geräte eines Tages nicht nur auf dieser Homepage zeigen zu können, sondern auch live in einem richtigen Museum. Mit Holger W. Müller habe ich nun einen Partner, der meine Leidenschaft für die Technikgeschichte teilt. Außerdem haben wir in Rastatt Büroräume der ehemaligen Thaleswerke gefunden, dem Hersteller der bekannten Thales-Rechenmaschinen.
Dort haben wir ein Museum eingerichtet, das Rechenmaschinen, Computer und Videospiele als Schwerpunkt hat. Digitalkameras sind ebenfalls mit einigen spannenden Exponaten vertreten. Geöffnet ist jeden Sonntag von 13 - 18 Uhr. Auf der Projekthomepage gibt es weitere Infos.
Zurück zur Minolta Dimage RD 3000
Zu meinem Abschluss noch ein Vectis-Objektiv Neuzugang, ein universelles V 25-150 mm f/4.5-6.3
Durch den Defekt der RD 3000 eigentlich vollkommen unsinnig, scheint es in eBay-Kreisen mittlerweile angekommen zu sein, dass die realistisch gesehen inkompatiblen Vectis-Objektive nicht mehr viel wert sind. Was wurden da vor Jahren noch für Preise ausgerufen! Für das V 25-150 mm f/4.5-6.3 habe ich 16 Euro inkl. Porto gegeben. Dieses Zoom ist aus 14 Linsen in 5 Gruppen aufgebaut.
Brennweitenumrechnung generell
Die Brennweite der für den APS-Film gerechneten Objektive ist mit dem Faktor 1,5 zu multiplizieren. Das 25-150 mm Vectis ist ein KB-äquivalentes 37,5-225 mm Zoom. Das kürzeste 17 Vectis Objektiv entspricht also einem KB-äquivalenten 25,5 mm Weitwinkel. Von dem bleibt auf den kaputten RD 3000 "Halbformat"-Kameras natürlich noch weniger übrig …
Ab hier übernimmt Christian Zahn
Minolta RD 3000 und Vectis S1 Vorstellung, Fehlerbeschreibung und ReparaturUNmöglichkeit des Bildfehlers
Hier stelle ich eine frühe digitale Spiegelreflexkamera vor, die eine besondere Art der Bilderzeugung nutzt: die RD 3000 hat nicht einen, sondern zwei Bildsensoren eingebaut. Inzwischen gibt es kaum noch einwandfrei funktionierende Exemplare, die meisten haben das im weiterten Text beschriebene Problem.
Spezifikationen:
- Die 1999 vorgestellte Minolta RD 3000 ist 150 x 101 x 117 mm groß und wiegt mit Akkus und Speicherkarte 1030 Gramm.
- über Strahlenteiler werden zwei 1/2“ CCD-Sensoren (4,8x6,4mm) mit je 1360x1024 Pixeln zu 1984x1360 Pixel großen Bildern verschmolzen. 200 oder 800 ASA Empfindlichkeit. Videos bzw. Live-View sind nicht möglich. Bilder werden als JPEGs oder TIFFs auf CF-Karten Typ I oder II abgelegt, Kartengröße 8 bis 512 MB.
- Das Bajonett ist das Minolta-Vectis-AF-Bajonett, die scheinbare Brennweitenverlängerung gegenüber Kleinbild beträgt Faktor 1,5.
- Das Motiv wird über einen Spiegelreflexsucher anvisiert, ein 2“ TFT-Farbdisplay dient zur nachträglichen Bildkontrolle und Menübedienung, zusätzlich SW-Statusdisplay auf der Oberseite.
- Autofokus durch Phasenerkennungssensor, per teildurchlässigem Spiegel abgegriffen, 1 AF-Feld
- Belichtungssteuerung durch Zeit-, Blenden- oder Programm-Automatik sowie manueller Modus, Belichtungszeiten 30s bis 1/2000 sek., elektronischer Selbstauslöser mit ca. 10 sek. Vorlaufzeit
- Weißabgleich automatisch durch im Gehäuse angebrachten Farbsensor (hinter opaker Kunststoff-Fläche)
- keine Bildstabilisierung im Gehäuse
- Infrarot-Fernauslöser
- Energieversorgung durch 4 Mignonzellen, wechselbare Lithium-Pufferbatterie für die Uhr und das Datum
Besonderheiten
Die Minolta Dimâge RD 3000 wurde im Jahr 1998 von Minolta mehrfach auf Messen gezeigt. Unter anderem auf der Photokina im Herbst wurde ein noch nicht vollständig funktionsfähiger „Dummy“ in einer Vitrine ausgestellt. Im Herbst 1999 war der offizielle Verkaufsstart und eigentlich hätte die Kamera dann ein Erfolgserfolg werden können. Mit nur ca. 6000 DM für die eigentliche Kamera war sie erheblich preiswerter als die damals verkauften digitalen Spiegelreflexkameras von Kodak auf Basis analoger Gehäuse wie Canon EOS 1 oder Nikon F5/F100. Jedoch hat Minolta mit dem Bajonett der RD 3000 einen schweren Designfehler gemacht: statt der massenhaft verfügbaren und weit verbreiteten Vollformat-Objektive des alpha-Bajonetts, wie sie im Vorgängermodell RD-175 / Agfa Action CAM eingesetzt wurden, nutzt die RD 3000 die wenig verbreiteten Objektive des Vectis-Systems, die 1996 für APS-Filme entwickelt wurden.
Ob diese Entscheidung von der Entwicklungsabteilung ausging, weil Vectis-Objektive gegenüber Kleinbild um den Faktor 1,3 kleinere Brennweiten benutzt und die Dimage deswegen etwas weitwinkligere Bilder machen kann, als wenn sie mit KB-Objektiven betrieben würde oder ob das Marketing die Vectis-Objektive vorschlug, damit diese sich damals bereits schlecht verkaufenden Objektive endlich abverkauft würden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Tatsache ist aber, daß im Jahr 1998 bereits eigentlich klar war, daß „Analog“ nicht mehr allzulange gegen „Digital“ bestehen würde und die RD 3000 auch aufgrund des hohen Preises nicht in riesigen Stückzahlen verkauft werden könnte. Das interne Produktionsziel war die Herstellung von 1000 Kameras pro Monat, im Vergleich zu den Stückzahlen der damals angebotenen dSLRS der Mitbewerber eine sicherlich sehr hoch gegriffene Menge. 6000 DM war damals viel Geld, Minolta hoffte aber, durch den recht niedrigen Verkaufspreis viele Profis zum Umstieg von Nikon- bzw. Canon-Systemen zur RD 3000 zu bringen.
Als Nikon dann im Oktober 1999 die D1 präsentierte und Canon Mitte 2000 die digitale EOS D30 vorstellte (beide haben ungefähr die selbe Pixelzahl wie die RD 3000), die sämtliche „analogen“ Objektive des Nikon- bzw. Canonsystems problemlos nutzen konnten sowie so groß und so schnell wie eine filmbasierte Spiegelreflexkamera waren, stand das Ende der Minolta RD 3000 fest. Die Nikon D1 war teuerer als die Minolta, die EOS D30 kostete ungefähr gleichviel wie die Dimage, so daß Minolta gezwungen war, den Verkaufspreis der RD 3000 zu senken, die Produktion einzustellen und die Restbestände unter Herstellkosten „zu verramschen“. Minolta konzentrierte sich in der Folge zunächst auf Digitalkameras mit fest angebautem Objektiv und präsentierte erst nach der Fusion mit Konica 2004 eine digitale Spiegelreflexkamera mit alpha-Bajonett. Den Untergang konnte diese nicht aufhalten, so daß 2006 die Kamerasparte an Sony verkauft wurde.
Die Typenbezeichnung der RD 3000 kann ich leider nicht vollständig erklären, „Dimage“ ist eine Zusammenziehung von „Digital“ und dem französischem Wort „Imâge“ = „Bild“, die Bedeutung des „R“ ist mir nicht bekannt, „D“ steht sicherlich wieder für „Digital“ und die „3000“ steht für die Zahl der Roh-Megapixel, nämlich in etwa 3 Millionen.
Die RD 3000 basiert auf der analogen APS-Kamera Vectis S1, und um ihr digitale Bilder zu entlocken, wandten die Minolta-Konstrukteure einen Trick an, der die Kamera klobig und unhandlich macht. Meist wird die Kamera leicht seitlich von oben abgebildet, damit der „Hunchback“, der gewaltige hinten angeflanschte Buckel nicht sofort ins Auge sticht. In diesem sitzt eine Relaisoptik, die das vom Objektiv eingefangene Licht auf zwei CCD-Sensoren leitet, die erheblich kleiner als das APS-Bild sind. Zum Entwicklungsstart gab es halbwegs bezahlbare Bildsensoren lediglich mit kleiner nutzbarer Fläche, größere waren sehr teuer, Minolta entschied sich für 1/2“-Sensoren mit 6,4x4,8mm Größe und 1,5 Megapixeln. Allerdings war klar, daß diese Auflösung zum Marktstart zu gering sein würde, deshalb wurden zwei Sensoren verbaut, von denen einer die linke und der andere die rechte Bildhälfte erfaßt. Die beiden Halbbilder werden dann vom Prozessor zu einem einzigem Bild zusammengerechnet, wobei die Bildmitte etwas überlappt, so daß effektiv 2,7 Megapixel genutzt werden.
Da zwei Sensoren nicht nahtlos nebeneinander montiert werden können, ist ein Strahlenteiler eingebaut, der das linke und das rechte Teilbild splittet und auf die beiden unter einem Winkel von 90° versetzt montierten Sensoren leitet. Der genaue technische Aufbau wird weiter unten in der Fehlerbeschreibung erklärt und bebildert.
Letztlich resultiert die Relaisoptik in einer verringerten Blendenzahl der Objektive, eine größere Öffnung als 1:6,7 ist nicht möglich, selbst das recht lichtstarke 3,5 / 50 mm - Makro mutiert zu einem Objektiv mit Offenblende 1:6,7. Um das etwas auszugleichen, haben beide Sensoren 200 ASA Grundempfindlichkeit und die erhöhte Empfindlichkeit beträgt 800 ASA (mit starkem Bildrauschen).
Auf den Beispielaufnahmen sieht man viele Flecken im Bild. Ob diese wie bei anderen Digitalkameras auf dem Sensor-Filterglas sitzen oder irgendwo auf einer Linse oder einem Spiegel auf dem komplexem Weg dorthin oder eine Folge des halb ausgefallenem Bildes sind, ist mir nicht bekannt. Eine zu reinigende Glas-Fläche habe ich nicht gefunden. Daß auch andere RD 3000 - Kameras Dreck im Strahlengang haben, zeigen die Besipielbilder, die Boris im oben verlinkten Beitrag zeigt.
Zur Stromversorgung nutzt die Kamera handelsübliche Mignonzellen, wie üblich sollte das Batteriefach entlastet werden, weil die Haltenasen allzuleicht unter dem Druck der Andruckfedern herausbrechen. Damit die RD 3000 beim Wechseln der Akkus die Einstellungen nicht vergißt und die Uhr weiterläuft, ist eine kleine Lithium-Pufferbatterie vorhanden, diese kann vom Benutzer gewechselt werden, ohne die Mignonzellen entnehmen zu müssen.
Gespeichert werden Bilder und Videos auf eine CompactFlash-Karte Typ I oder II bis maximal 512 MB, jedoch ist die Kamera recht „mäkelig“, was die Karte angeht. Ich habe viele verschiedene Karten dieses Typs von 8 bis 512 MB im Bestand, aber nicht alle funktionieren. Manche werden gar nicht erkannt, manche können nur zur Bildaufzeichnung verwendet werden (die Bildanzeige an der Kamera funktioniert dann nicht und es gibt lediglich einen einfarbigen blauen Bildschirm), und manche Karten funktionieren einwandfrei. Eine Regel, welche Karte 100%-kompatibibel ist und welche nicht, haben wir nicht herausbekommen, es ist weder von der Größe noch vom Kartenhersteller abhängig. Letztlich bleibt nur Ausprobieren, welche Karte komplett funktioniert.
Die Bilder können als JPEG oder unkomprimiertes TIFF gesichert werden, wobei letzteres recht langsam passiert. Die Bildanzeige der TIFFs dauert eine „gefühlte“ Ewigkeit, es vergehen dann viele Sekunden, bis das Foto auf dem Display erscheint. Aber auch JPGs werden nicht allzuflott angezeigt, man kann dem Kameraprozessor beim „Denken“ quasi zusehen, circa 15 Sekunden muß man warten. Aber das war damals normal, andere Kameras waren auch nicht schneller.
Das Gehäuse ist relativ zerklüftet, die äußere Form ist um die Relaisoptik herum konstruiert worden, so daß auf der Rückseite nur ein recht kleiner Bereich geblieben ist, in den der Fotografendaumen paßt. Aber immerhin kann die Kamera dank des ausgeprägtem Griffteils gut einhändig verwendet werden, sie hat sogar drei Gurtösen, so daß der Schultergurt für übliche Querformataufnahmen montiert oder die RD 3000 für Portraitaufnahmen im Hochformat getragen werden kann. Außerdem verkaufte Minolta eine Handschlaufe, mit der die Kamera einhändig noch sicherer gehalten werden kann.
Die Dimage hat relativ viele Bedienelemente, die meisten Funktionen erfordern keinen Ausflug ins Kameramenu. Auf der Oberseite befinden sich der Hauptschalter, der zwischen Aufnahme, Aufnahme mit sofortiger Bildkontrolle auf dem Display und Wiedergabe sowie „AUS“ umschaltet, der Auslöser mit Fingerrad, eine mit dem Daumen gut erreichbare Taste für die Umschaltung auf Spotbelichtungsmessung sowie fünf mit dem linkem Daumen oder Zeigefinger bedienbare Knöpfe für Weißabgleich, Belichtungsautomatik (P A S M), Bildqualität, Betriebsart (Einzelbild, Serienbild, Selbstauslöser usw.) und „Counter“. Vor dem Moduswahlrad ist eine Taste zum schnellen Rücksetzen der Kamera in den „P“-Modus eingelassen.
Etwas ungünstig angebracht sind an der linken Seite die Blitztaste und diejenige für die Belichtungskorrektur, der Daumen oder der Zeigefinger muß sich zum Erreichen dieser Tasten weit aus der Ruhelage um das Objektiv herum entfernen. Auch die hinten neben dem Display angebrachten Knöpfe für schnelle Bildanzeige, das Menu und die drei Tasten für dessen Bedienung erfordern ein Umgreifen, wobei letztere nicht allzuoft betätigt werden müssen. Die Umstellung der Sensorempfindlichkeit erschließt sich ohne Handbuch überhaupt nicht, denn dazu muß zuerst der Knopf für die Belichtungskorrektur links gedrückt und gehalten, dann oben rechts der Knopf für „Spot“ gedrückt und gehalten werden, durch Drehen am Daumenrad wird nun 200 oder 800 ASA ausgewählt. Das passiert dadurch zwar nicht ungewollt, aber unpraktisch ist es trotzdem.
Auch Funktion für das Formatieren der eingelegten Speicherkarte ist nicht ohne das Handbuch zu finden, in der Stellung „PLAY“ = „Bildanzeige“ des Hauptschalters muß die Menütaste gedrückt werden, danach „DELETE“ angewählt und mit „SET“ bestätigt werden, danach erscheint ein Untermenü, ganz unter steht „FORMAT“, das ausgewählt und wiederum mit „SET“ bestätigt werden muß, eine Sicherheitsabfrage erscheint, nun „YES“ auswählen und mit „SET“ bestätigen, dann erst wird die Karte formatiert. Auch das ist extrem umständlich, aber das durch erfolgte Löschen aller Bilder auf der Karte passiert bestimmt nicht aus Versehen.
Das winzige und grobpixelige Display kann nur zum nachträglichem Erfassen des Motivs genutzt werden, eine Schärfenbeurteilung ist damit völlig unmöglich, außerdem kann nicht hineingezoomt werden. Bei hellem Sonnenlicht erkennt man fast nichts, da es dann nicht hell genug ist. Das eigentliche Display-Panel ist gut geschützt, eine transparente Schutzscheibe sichert es gegen mechanische Einflüsse und um diese Scheibe herum ist nochmals ein vorspringender Rahmen, der die Scheibe schützt.
Der optische Sucher ist ziemlich klein, man merkt ihm an, daß er mit zwischengeschalteten Linsen sehr weit nach hinter versetzt werden mußte, man blickt quasi in einen Tunnel. Das schon nicht allzugroße APS-Bildfeld ist durch einen Rahmen verkleinert worden, um dem Cropfaktor der Relaisoptik zu entsprechen. Brillenträger können das unterhalb des Motivs angebrachten LCD-Feld mit diversen Belichtungsangaben-Angaben wie Blitzkontrolle, Belichtungszeit, Blende usw. meist nicht zusammen mit dem gesamtem Bildfeld einsehen, sondern müssen die Kamera vor dem Auge etwas verschieben.
Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL Spiegel, die Sensoren sitzen im Porrospiegelsystem, die Vorblitze sind im Sucher sichtbar, alle Minolta-ADI-kompatiblem Blitze mit iISO-Blitzfuß können verwendet werden.
Der Weißabgleich wird vom Bildprozessor nicht durch Analyse des Bildinhalts durchgeführt, sondern an der Vorderseite der RD 3000 ist ein kleines weißes Plastikteil eingebaut, hinter dem ein Farbsensor sitzt, der die Farbtemperatur des darauf fallenden Lichts ermittelt. Unterscheidet sich die Lichtstimmung des Motivs davon erheblich, gibt es falschfarbige Bilder. Befindet sich der Fotograf mit der Kamera beispielsweise im Schatten und fotografiert ein von der prallen Mittagssonne beschienenen Motiv, so weicht die Farbtemperatur des Sensors erheblich von der Farbstimmung des Bildes ab und es kommt zu fehlfarbigen Aufnahmen. Ds ist mir bei meinen Fotorundgängen mehrfach passiert, teilweise ergaben direkt nacheinander angefertigte Aufnahmen der selben Szene deutliche Farbunterschiede im Bild.
Die Anleitung warnt davor, die Farbsensorabdeckung beim Fotografieren zu bedecken, denn dann stimmt der Weißabgleich überhaupt nicht mehr.
Die Dimage hat professionelle Anschlüsse, zur Datenübertragung zum Computer nutzt sie eine genormte SCSI-2-Buchse, auch die Buchsen für Netzteil und Video entsprechen der Norm, für Studioblitze gibt es eine PC-Buchse und zum Empfangen von Fernauslösernbefehlen eine Infrarot-Diode an der Vorderseite.
SCSI wurde damals üblicherweise zur Verbindung von externen Festplatten mit Computern benutzt, bis 1998 war SCSI in fast jedem Mac-Computer ab Werk eingebaut, Windows-Rechner erforderten eine teure Zusatzkarte, die in den Computer eingebaut werden mußte. Aber auch Flachbett- oder Filmscanner benutzen häufig SCSI und viele teure dSLRs von Kodak hatten auch eine solche Schnittstelle verbaut, denn sie ist erheblich schneller als eine serielle Verbindung zwischen Computer und Kamera.
Die Dimage speichert aufgrund des Alters nur wenige Dinge in den damals genormten EXIF-Feldern in jedem aufgenommenen Bild, MakerNotes gibt es gar keine. Hersteller, Kameramodell, Blende und Belichtungszeit sind korrekt eingetragen, die Brennweite nicht, der geschriebene Wert ist völlig verkehrt und beträgt immer 0,3mm. Die Empfindlichkeit schreibt die Kamera nicht in die Fotos, man muß anhand des Bildrauschens erraten, ob 200 oder 800 ASA eingestellt waren.
Die UVP betrug ca. 6000 DM ohne Objektive und weiteres Zubehör, das gezeigte Exemplar bekam das Digicammuseum Ende 2025 gestiftet, vielen Dank für die Überlassung dieser interessanten Kamera! Der aktuelle Zeitwert ist schwer ermittelbar, da es sich um eine reine Sammlerkamera handelt. Wie erwähnt sind funktionierende Exemplare selten geworden, die meisten haben das Problem mit dem nur noch halb aufgezeichnten Bild.
Seriennummernschema
Wie bereits erwähnt wollte Minolta etwa 1000 Kameras der RD 3000 in jedem Monat herstellen, das Seriennummerschema versuche ich im Folgenden zu ermitteln. Mir sind insgesamt sechs komplette Seriennummern bekannt, drei Exemplare befinden sich in Besitz der Personen, die hier im Digicammuseum schreiben, die anderen fanden sich in online einsehbaren Verkaufsanzeigen bzw. anderen Quellen.
Das Schema ist wie folgt aufgebaut:
XYZ01ABC, wobei jeder Buchstabe für eine Ziffer steht. Alle mir bekannten Seriennummern haben in der Mitte eine „01“.
Mit Hilfe von Recherchen im Internet und einem KI-Chatbot ergab sich, daß die ersten drei Stellen für den Monat und das Jahr der Produktion stehen, wobei die Codierung ziemlich umständlich ist, damit der Kunde es nicht versteht, eingeweihte Servicetechniker aber sofort.
„XY“ kennzeichnet den Produktionsmonat, „Z“ das Herstelljahr. „01ABC“ ist eine durchlaufende Seriennummer.
Ist die erste Stelle einen “1“, dann kennzeichnet sie die Monate 1-10, lautet die erste Stelle „2“, dann folgen die Monate 11 und 12. Die zweite Stelle definiert die Monate, beginnend mit „0“ = Oktober, „1“ entspricht Januar bzw. November, „2“ ist Februar bzw. Dezember und dann geht es weiter von „3“ = März bis „9“ = September.
Die dritte Stelle kennzeichnet das Herstelljahr, „9“ entspricht 1999, „0“ dem Jahr 2000. Eine „1“ ist nicht vergeben worden, das Produktionsende war bereits im Jahr 2000.
Die vierte Stelle ist immer eine 0, ab der fünften Stelle folgen die monatlich hergestellten Kameras hochgezählt mit der zu Monatsanfang immer wieder neu begonnenen „1001“.
Folgend einige Beispiele, bei denen „Q“ eine beliebige Zahl von 1 bis 9 ist:
# 1890117Q: Monat 08=August 1999, Seriennummer 171 bis 179
# 2090104Q: Monat 10=Oktober 1999, Seriennummer 41 bis 49
# 2090133Q: Monat 10=Oktober 1999, Seriennummer 331 bis 339
# 2290110Q: Monat 12=Dezember 1999, Seriennummer 101 bis 109
# 2290112Q: Monat 12=Dezember 1999, Seriennummer 121 bis 129
# 1300118Q: Monat 03=März 2000, Seriennummer 181 bis 189
Möglicherweise hatte die Seriennummer pro Monat nicht den Startwert „1001“, sondern begann mit „0001“, dann müßten die oben angegebenen Seriennummern um 1000 erhöht werden, statt 171 bis 179 gilt dann beispielsweise 1171 bis 1149. Aber mir ist keine RD 3000 mit einer Seriennummer mit einer „0“ an der fünften Stelle bekannt, somit ist die Wahrscheinlichkeit der „1001“ als Startwert ziemlich hoch.
Die analoge Vectis S1 und deren Objektive
Die RD 3000 basiert auf der bereits 1996 vorgestellten Vectis S1, die keine Kleinbildfilme, sondern die Patronen des von Kodak entwickeltem APS-Systems benutzt. Zu diesem erfolglosen Filmformat kann man hier im Digicammuseum zwei Artikel nachlesen:
- Das APS-System - oder: woher hat der APS-C-Sensor denn seinen Namen?
- Canon EOS IX und das Kodak-APS-System von Christian Zahn
Es gab für diese Filme von drei Herstellern Spiegelreflexkameras, Canon nutzte für seine EOS IX das bereits lange erfolgreiche EOS-Bajonett, Nikon für seine Nuvis-Kameras das bewährte Nikon-F-Bajonett, baute die neuen Objektive aber so, daß sie nicht an KB-Kameras benutzt werden konnten und nur Minolta entwickelte für die Vectis-Linie ein neues, zum alpha-Bajonett völlig inkompatibles Bajonett. Alle drei Systeme waren am Markt nicht sonderlich erfolgreich, keiner der Hersteller dürfte die Entwicklungskosten hereingeholt haben, lediglich Canon konnte die neu entwickelten Objektive wenigstens gut an Kleinbild-EOS-Kunden verkaufen, die nach weitwinkligeren Standardzooms verlangten.
Die Vectis S1 ist keine klassische Spiegelreflexkamera, sie hat kein Pentaprisma-Suchersystem wie die meisten anderen Modelle, sondern ein Porrospiegelsystem. Der Strahlengang wird seitlich umgelenkt, der Suchereinblick ist darum nicht mittig, sondern an der linken Gehäusekante. Das ist praktisch, weil die Fotografennase nicht hinten an das Kameragehäuse gedrückt wird, sondern die Kamera rechts an der Oberlippe anliegt. Das funktioniert aber nur, wenn man das rechte Auge zum Durchgucken benutzt. Einäugige, die nur links sehen können, werden stark benachteiligt, denn die Augenmuschel der Vectis steht über die Rückseite kaum vor, wie es bei üblichen SLR-Suchern meist der Fall ist.
Die S1 unterstützt alle Funktionen des APS-Systems, sie schreibt die Formatwahl des Fotografen auf den Magnetstreifen des Films, kennt also APS-C (Classic 4:3), APS-H (Breitbild 16:9) und APS-P (Panorama 3:1); dabei wird immer die volle Negativfläche von 30,2x16,7mm belichtet, lediglich der Sucher passend zur Formatwahl durch Masken verkleinert. Durch die Daten auf dem Magnetstreifen wußte das Labor, welches Format der Fotograf wollte und vergrößerte die Bilder entsprechend, bei Nachbestellungen konnte man sich dann auch für andere Vergrößerungsformate entscheiden.
Außerdem kann die S1 teilbelichtete Filme zurückspulen, diese konnten in jeder APS-Kamera, die dieses Feature unterstützt, bis zum ersten unbelichtetem Negativ vorgespult werden, weil diese auf dem Magnetstreifen gekennzeichnet ist. Außerdem schreibt die S1 die Kennungen für die APS-Einbelichtungen magnetisch auf den Film, somit kann das Labor das Aufnahmedatum, die Uhrzeit oder diverse vorgegebene Glückwunsch- bzw. Grußbotschaften in das Bild mitvergrößern, ohne daß diese im Negativ vorhanden sind.
Die Produktion aller APS-Spiegelreflexkameras dürfte 1998 beendet worden sein, danach begann der Abverkauf, der sich bis in die frühen 2000er-Jahre hinzog.
Dank des Minolta-iISO-Blitzschuhs passen an die S1 und die RD 3000 alle analogen und digitalen Blitze von Minolta, Sony oder Fremdherstellern, die diesen „umgedrehten“ Blitzfuß haben und das Minolta ADI-Blitzprotokoll kennen, beispielsweise der Minolta 5600HS D oder der Sony HVLF42-MA.
Fehler der RD 3000 und die heutige ReparaturUNmöglichkeit
Wie erwähnt hat die RD 3000 eine Relaisoptik, die das aufgenommene Bild auf die beiden eingebauten CCDs verteilt. So sieht es aus.
Das rot eingekreiste komplexe Bauteil lenkt das Licht über drei Spiegel erst nach links, dann nach unten und schließlich nach rechts. Am rechtem Ende befindet sich ein teildurchlässiges Doppelprisma, das die Hälfte des Lichts auf den recht angebrachten Sensor 1 durchläßt, die andere Hälfte wird nochmals um 90° gespiegelt auf den in Aufnahmerichtung hinten angebrachten Sensor 2 gelenkt. Das Doppelprisma besteht aus zwei Hälften mit je einer 45°-Fläche, die des ersten Prismas ist teilverspiegelt, das zweite Prisma wurde mit dem ersten verklebt. Minolta hat dafür optischen Kitt verwendet, möglicherweise Kanadabalsam aus Baumharz, möglicherweise einen aus nicht natürlichen Grundstoffen hergestellten Kitt, der unter UV-Licht aushärtet.
Im Lauf der Jahrzehnte beginnt sich der Kitt unter Lufteinfluß zu verändern, er wird mehr oder minder undurchsichtig und hat nicht mehr die ursprüngliche Licht-Brecheigenschaften, so daß die rechte Bildhälfte dunkler erscheint, unschärfer ist und einzelne Bildteile gegenüber anderen auch noch leicht versetzt sind bzw. eine scheinbar andere Größe haben. Der Prozess ist unumkehrbar und wird weiter fortschreiten, bis irgendwann die rechte Hälfte völlig schwarz werden wird.
Die Übergangsstelle wird durch beide Sensoren erzeugt, darum erscheint sie bei 200 ASA-Aufnahmen mit einem sanftem Verlauf von Hell nach Dunkel, bei 800 ASA-Bildern wirkt sich das Sensorrauschen stärker aus, der Übergangsbereich ist mit bunten Pixeln durchsetzt, die von links nach rechts immer dunklere Farben haben. Die Stärke des Fehlerbildes ist bei meiner Kamera nicht bei jeder Aufnahme gleich, es scheint von der Objektivbrennweite abhängig zu sein, wie deutlich der Defekt hervortritt.
Die Verkettung ist gelb umrandet und die Verschmelzung beider hochkant belichteten Sensoren zu einem Gesamtbild dargestellt.
Beide Teilbilder werden durch den Bildprozessor an der Trennstelle überlappt zusammengesetzt. Vermutlich wird die exakte Ausrichtung während der Herstellung nicht durch mechanisches Verschieben der beiden Sensoren geschehen sein, damit das verschmolzene Bild ohne Trennstelle erscheint, sondern nach dem Anschrauben der Sensoren dürfte die restliche pixelgenaue Feinjustage „elektronisch“ vorgenommen worden sein, d. h. durch Festschreiben eines Parameters im Bildprozessors, welche Zeilen beider Sensoren auf einer Höhe liegen und welche Spalten die gleiche Bildposition haben. Schraubt man einen oder gar beide Sensoren von dem Strahlenteiler ab, so ist das Wiederanschrauben ohne damalige Justagehilfen unmöglich.
DAS will ernsthaft jemand reparieren? Nach der Zerlegung blieb die RD 3000 in diesem Zustand: zerlegt, E-Schrott :-(

Aus dem YouTube-Video: "Inside a Rare Dual Sensor DSLR"
Somit ist eine Reparatur heutzutage sinnlos
Denn im ersten Schritt muß die Kamera größtenteils zerlegt werden, danach die Sensoren vom Strahlenteiler abgeschraubt werden, dieser dann in beide Hälften getrennt werden (ohne dabei die Teilverspiegelung zu zerstören), nun die Reste des Kitts komplett entfernt und anschließend beide Hälften mit einem Kitt mit korrektem Brechindex wieder exakt ausgerichtet verklebt werden, also weder verdreht noch versetzt. Und zum Schluß müssen die beiden Sensoren wieder an die ursprünglichen Positionen geschraubt werden, die Toleranz von Position und Dreh-Ausrichtung muß kleiner als der Pixelpitch sein, also besser als 1/500 mm sein.
Ralf hat bei seiner RD 3000 eine noch nicht so weit fortgeschrittene Kittauflösung, die rechte Bildhälfte ist bei ihm „nur“ dunkler als die linke. Mit Feintuning könnte man vermutlich noch etwas mehr rausholen. Und das war schon Photoshop KI (Künstliche Intelligenz) und Topaz Photo AI (Artificial Intelligence). Aber wofür? Das wäre allenfalls für ein unwiederholbares, unwiederbringliches Motiv interessant.
Minolta Vectis-Objektive
Vectis-Objektive haben keinerlei mechanische Übertragungselemente zwischen Kamera und Objektiv, alles wird elektrisch betätigt. In jedem Objektiv ist ein Autofokus-Antriebsmotor und ein Blendenantrieb eingebaut. Das Bajonett der meisten Vectis-Objektive und der APS-Filmkameras besteht aus Hochleistungskunststoff, nur wenige Objektive haben ein Metallbajonett, auch die RD 3000 hat ein Bajonett aus Metall.
Minolta bot die RD 3000 in einem Set an, dem folgende für dieses Bajonett entwickelten Objektive beilagen:
- 4-5,6 / 22-80 Normalzoom (33-120 mm KB-äquivalent)
- 4,5-5,6 / 80-240 APO Telezoom (120-360 mm)
- 3,5 / 50 Macro (75 mm)
- 3,5 / 17 RD Weitwinkel (26 mm; dieses Objektiv funktioniert nur an der RD 3000, die S1 kann damit nicht richtig umgehen, ihre Firmware erkennt es nicht)
Außerdem gab es noch folgende Objektive und Blitzgeräte:
- 4,5-6,3 / 25-150 erweitertes Normalzoom 33-225 mm)
- 4,5-5,6 / 56-170 Telezoom (84-255 mm)
- 8 / 400 Spiegelobjektiv (600 mm)
- SF1 kleiner Systemblitz (Leitzahl 20, bei der RD 3000 ausgeleuchteter Bildwinkel ab 24mm)
Beispielaufnahmen
Alle Aufnahmen entstanden bei 200 bzw. 800 ASA, gespeichert als JPG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Bilder wurden auf 1500 Pixel Bildbreite bikubisch vergrößert bzw. verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde bearbeitet. Belichtungszeiten- und Brennweiten-Angaben sind in die Bilder eingefügt.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das RD 3000 Gehäuse macht keinen hochwertigen Eindruck, es besteht größtenteils aus Kunststoff, kein Vergleich zu einer damaligen analogen Spiegelreflexkamera für 6000 DM, beispielsweise einer Nikon F5 mit Zoomobjektiv und Hunderten von Filmen. Aber die Kosten stecken im Inneren der RD 3000, da blieb für ein stabiles Metallgehäuse kein Geld übrig. Aber viele andere teure frühe Digitalkameras anderer Anbieter wirkten damals äußerlich auch „billigst“.
Die Abdeckungen über den Schnittstellen fehlen inzwischen häufig, die winzige Schraubkappe der Blitz-PC-Buchse dürfte allzuleicht heruntergefallen und dann nicht mehr wiedergefunden worden sein und die Gummikappe über der SCSI-Buchse ist im Lauf der Zeit versprödet und häufig „zerbröselt“.
Die Bildqualität ist trotz der geringen Sensorauflösung nur bei der Nennempfindlichkeit als gut zu bezeichnen, bei 200 ASA ist das Farbrauschen bereits leicht wahrnehmbar, bei 800 ASA rauschen die Bilder stark, und die Aufnahmen verlieren durch den Entrausch-Algorithmus sichtbar an Zeichnung.
Der Autofokus ist aus heutiger Sicht langsam und träge, immerhin ist er recht treffsicher. Der Weißabgleich trifft öfters daneben, so daß es zu farbstichigen Aufnahmen kommt, das liegt am Weißabgleich mit Hilfe eines Sensors an der Kameravorderseite, der nicht den Bildinhalt analysiert, sondern nur das auf die Kamera fallende Umgebungslicht.
Fazit: eine digitalkamerahistorisch sehr interessante Kamera (weil frühe digitale Spiegelreflexkamera mit technisch interessanter Bilderzeugung), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen nicht mehr geeignet.
Christian Zahn, Ralf Jannke, Februar 2026
PS.: Christian Zahn hat die Minolta Dimage RD 3000 zusätzlich auf seiner Internetseite "Optiksammlung" gewürdigt.
Neuen Kommentar schreiben
| Autor: | Ralf Jannke |
| Mail senden | |
| Erstellt: | 18.02.2026 |


























































Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!