Nikon Z6/7 48 mm Nikkor und Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6

Nikkorex System-Vervollständigung

Im Beitrag: "Nikon Z6/7 48 mm Nikkor und Nikon Nikkorex Auto35 85mm Tele-Konverter, Schnelltest" war am Ende unter anderem zu lesen:

"Alles in allem wird der Nikon Nikkorex Auto35 85mm Tele-Konverter NIKKOR-Tele 1:4 85/48 der ausgezeichneten Abbildungsqualität des (NIKKOREX AUTO35) Nippon Kogaku Japan NIKKOR-H Auto 1:2 f=48mm nicht gerecht. Dennoch habe ich den Tele-Vorsatz gerne in meine Sammlung aufgenommen. Dort geht er nach dem Einsatz jetzt in den verdienten Ruhestand." Und trotz der allenfalls Schulnote Ausreichend für die Leistung des Tele-Vorsatz' endete der Beitrag mit:

"Und sollte mir der passende Nikkorex-Weitwinkelsatz über den Weg laufen, würde ich den für einen vertretbaren Preis auch noch an Bord nehmen."

Das ging jetzt für 28 Euro inkl. Porto schneller als gedacht! Mit einem kleinen Haken: Der Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 wurde für das lichtschwächere und einfachere NIKKOR-Q 1:2.5 f=5cm gerechnet, das die NIKKOREX 35/2 zierte. Nicht für das bessere Nippon Kogaku Japan NIKKOR-H Auto 1:2 f=48mm.

Merkwürdigerweise trägt der Nikkorex Weiwinkelvorsatz keine Brennweitenangabe. Er wird wohl 35 mm Weitwinkel entsprechen …

Um diesen "falschen" Weitwinkelvorsatz auf das 48 mm Nikkor zu bekommen, war eine kleine Modifikation nötig.

Der Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 kam zwar mit dem richtigen 40,5 mm Gewinde, ließ sich aber nicht auf das 48 mm Nikkor montieren, weil die Hinterlinse des Weitwinkelvorsatz' über das Gewinde hinaussteht und beim 48 mm Objektiv anstößt, sich nicht einschrauben lässt. Ein 40,5 mm Filter, dem problemlos das Glas entnommen wurde, sorgte dann für die Montagemöglichkeit! Und hatte trotz seiner gewissen Stärke keinen Einfluss, was die Entfernungseinstellung des 48ers im Helicoid betrifft. Unendlich wurde sicher erreicht!

Spezifikation

  • Vorstellungsjahr 1960-64
  • Abmessungen/Gewicht Ø 72mm, Länge 48 mm, Filter Ø 69 mm, 250 g 
  • Optischer Aufbau: Dürfte ähnlich dem oben gezeigten Weitwinkelvorsatz für die vergleichbare Minolta ER von 1963 sein: 4 Linsen in 2 Gruppen
  • Blende: keine
  • Nahdistanz – nicht ermittelt, dürfte duch Einsatz des Helicoids kurz genug sein…

Nachtrag zur am 48 mm Objektiv gewählten Blende

Da der Weitwinkelvorsatz nur f/5,6 lichtstark ist, sind also alle am Objektiv gewählten Blenden f/2 f/2,8 f/4 und f/5,6 ohne Wirkung. Der Vosatz bestimmt die maximale Lichtstärke f/5,6! Erst danach beginnt das Abblenden des Grundobjektivs zu wirken.

Erste Spielerei nach Montage des 35 mm Nikkorex Vorsatz' auf dem 48 mm Nikkor und der Nikon Z6

Auch wenn es nur meine langweilige Lesebrille auf der Anrichte mit Blick in die Küche ist. Das macht doch Lust auf mehr. Offenblende am 48er f/2, Offenblende am 35 mm Vorstz f/5,6. Aus nächster Distanz dank Helicoid. Das ruft doch nach weiterem Experimentieren!

Aus dem Schlafzimmerfenster nach gegenüber … 35 mm Nikkorex Vorsatz auf dem 48 mm Nikkor und der Nikon Z6

  • Erste Reihe: Offenblende f/2 am 48er, Offenblende am 35 mm Vorsatz. Fokus auf die Häuserfront gegenüber und Fokus aus nächster Nähe auf den Stern auf dem Fensterglas
  • Zweite Reihe: 48er voll abgeblendet f/16, 48er auf ca. f/8

Damit könnte man auch schon aufhören!

Der 35 mm Vorsatz ist bei Offenblende f/5,6 nur für Exeperimente brauchbar. Da will ich noch ein bisschen spielen. Wenn es wirklich brauchbar scharf werden soll – die Kinderspielgeräte und die parkenden Autos –, muss das 48er Beugung hin, Beugung her auf f/16 komplett abgeblendet werden. Was zu dunklen Bildecken führt. Die sind bei f/8 deutlich weniger ausgeprägt, aber dafür ist die Schärfe von den Kinderspielgeräten und den Autos weg.

Trotz der Ergebnisse/Erkenntnisse werde ich noch eine kleine Runde mit dem 35 mm Nikkorex Vorsatz auf dem 48 mm Nikkorex auf der Nikon Z6 drehen. Der Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 (35) geht dann wie schon der Nippon Kogaku Japan NIKKOR-Tele 1:4 85/48 ins Depot!

Finale, unbearbeitet! AUTO-ISO 2000, Zeitautomatik, Blende geschätzt um f/11, 2.400 Pixel

Es wäre ganz interessant gewesen, ob dieser 35 mm Vorsatz auf Film auf der Analog-SLR NIKKOREX 35/2 genauso schlecht war. Eine NIKKOREX 35/2 habe ich nicht mehr, werde aber meine wieder laufende Minolta ER mit dem Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 versehen und einen Film belichten. Die ER verfolgte das gleiche Konzept wie die NIKKOREX: fest montiertes Normalobjektiv (48 mm Brennweite), Zentralverschluss.

Die Minolta Analog Spiegelreflexkamera ER aus der Reihe SLRs ohne Wechselsobjektive …

Zur Demonstration nur lose aufgelegt, der Nippon Kogaku Japan NIKKOR-Tele 1:4 85/48 auf der CHIYODA KOKAKU MINOLTA ER

Lange ließ sich dieses Exemplar Minolta ER nicht mehr auslösen, ein Film transportieren. Irgendetwas war blockiert. Die Tage habe ich die Bodenplatte einfach mal abgeschraubt und nachgesehen. An der Mechanik schien nichts gebrochen oder abgefallen. Ein zwei Teile demontiert, mit WD 40 eingesprüht, wieder zusammengebaut, und die ER lief wieder. Es kann eigentlich nur irgendetwas richtig geklebt haben, was jetzt wieder gängig ist. Damit werde ich der ER einen Farbnegativfilm spendieren. Für eine kleine Runde mit und ohne Vorsatzadapter. Vorausgesetzt es haut optisch hin. Was Fokussierung, Randabdunklung und so weiter angeht. Ein 46-auf-40,5 Millimeter Ring zur sicheren Montage der NIKKOREX-Vorsatzobjektive ist geordert! Und dann sieht man sofort, ob eine Runde Minolta ER mit NIKKOREX Vorsätzen möglich oder sinnlos ist. Im positiven Fall bekommt die heute seltene Minolta ER einen eigenen Erfahrungsbericht!

Qualitäts- und sonstiger Eindruck des NIKKOREX-Wide 1:5.6 auf der Nikon Z6 mit dem NIKKOR-H 1:2 f=48mm der NIKKOREX AUTO35

Nostalgische Spielerei, digital über 60 Jahre zurück in einen zum Glück nur kurzen "Fehltritt" Nikons

Aus "2017: Nikon wird 100 Jahre alt" Nikkorex?:

>> Ja, aber nur eine im Auftrag von Nikon 1960 für Nikon produzierte SLR-Kamerareihe! Vor 1965, dem Vorstellungsjahr der Nikkormat, sollte die Nikkorex eine preiswerte - heute würde man sagen - Einsteiger-Nikon oder vielleicht Zweitkamera zur 1959 präsentierten Nikon F sein. Was mit Ausnahme der deutlich besseren NIKKOREX F mit Nikon F-Bajonett und Wechselobjektiven nicht von Erfolg gekrönt war. Die Nikkorex 35 und der Nachfolger 35/2 hatte nur das fest eingebaute 50 mm Objektiv, dessen Brennweite nur durch zwei Vorsätze auf ca. 35 mm verkürzt oder auf etwa 90 mm verlängert werden konnte. Außerdem hatte die Nikkorrex 35/2 nur einen Zentralverschluss, der maximal 1/500 s Belichtungszeit bot. Alternativ gab es noch eine NIKKOREX ZOOM35 mit einem fest verbauten 43-86 mm Zoom. Die mit einem deutlich besseren 2/48 mm Objektiv bestückte NIKKOREX oder Nikon AUTO35 bot Belichtungsautomatik, taugte mechanisch aber auch nicht viel. Die im Auftrag von Mamiya für Nikon gebauten Nikkorex-SLRs fanden zu Recht wenig Zuspruch und waren bis auf die von Nikon gerechneten Objektive von schlechter mechanischer Qualität. <<

Wie schrieb Pressefotograf und Nikon Kenner Peter Braczko in seinem "Nikon Handbuch" zu den Nikkorex-Vorsatzlinsen: >> (…) noch eine Bemerkung zu den Vorsatzobjektiven. Diese lassen sich nur mit den Zentralverschluss-Kameras NIKKOREX 35, NIKKOREX 35-2, NIKKOREX AUTO35, später NIKON AUTO35 verwenden, deren optische Ausstattung sich nur auf ein fest eingebautes Normalobjektiv beschränkt. Mit den nur schwach vergüteten Vorsätzen lassen sich aber nur bescheidene Weitwinkel- und Teleperspektiven erreichen. Die Bildqualität kann nicht überzeugen. << So ist es!

Damit hat das allenfalls drittklassige Nikkorex-System hier sicher mehr Aufmerksamkeit  bekommen, als es verdient

Natürlich war es Unsinn, diese Vorsätze auszureizen, bei einem Arsenal an sehr guten 35 mm und 85/90/105 mm Weitwinkel- und Telefestbrennweiten zahlreicher Hersteller. Immerhin kamen die NIKKOREX-Vorsätze wenigstens einmal an die frische Luft, statt in Vitrinen zu verstauben oder zu verpilzen …

Die beiden Ausnahmen Nikkorex F mit Nikon F-Wechselbajonett und das gute, aus der NIKKOREX AUTO35 ausgebaute Nippon Kogaku Japan NIKKOR-H Auto 1:2 f=48mm wurden ausgiebig gewürdigt. Von den eingesetzten Vorsätzen Nippon Kogaku Japan NIKKOR-Tele 1:4 85/48 und Nippon Kogaku NIKKOREX-Wide 1:5.6 ist nur der Televorsatz in Grenzen digital brauchbar. Der Weitwinkelvorsatz taugt zumindest auf dem 48 mm Nikkor wenig. Ob der exakt für die NIKKOREX AUTO35 gerechnete Vorsatz wirklich besser ist? Wer weiß … Es bleiben halt Krücken für damalige Kleinbild Sucherkameras und Billig SLRs.

Nicht nur Nikon/NIKKOREX boten Weitwinkel-/Televorsätze

Für die hochwertige zweiäugige Mittelformat 6x6 Rolleiflex mit ihrem fest eingebauten 75 oder 80 mm Objektiv gab es einst Carl Zeiss 0,7x und 1,5x Mutare, die das Gleiche bewirkten wie die hier präsentierten NIKKOREX Vorsätze. Optisch ganz sicher hochwertiger, aber heute als kaum bezahlbare Rollei/Zeiss Vitrinenteile uninteressant.

Ralf Jannke, Februar 2026

 

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