Reparatur eines Tamron Auto 35mm und Einsatz an der Nikon Z5 von Christian Zahn

In diesem Bericht geht es um die Reparatur eines ca. 55 Jahre alten Manuellfokus-Weitwinkelobjektivs und das anschließende Ausprobieren an der spiegellosen Vollformatkamera Nikon Z5. Die Blendenmechanik ist eines der Hauptprobleme dieses Objektivs, sie ist filigran und hochkomplex mit etlichen Übertragungsteilen. Der Grund für den aufwendigen Blendenantrieb dürfte in der Tatsache liegen, daß das Objektiv wechselbare Bajonettanschlüsse hat, der Anwender konnte diese selbst wechseln und mußte somit beim Systemwechsel keine neuen Objektive erwerben, sondern nur die passenden Adapter.

Mir sind bekannt: Minolta MC, M42 mit Springblendenübertragung, Canon FL und Nikon F. Gegebenenfalls gab es noch andere.

Ralf Jannke hat weitere Exemplare dieses Objektivs, eines davon hat er mir überlassen. Vielen Dank dafür! In den Biträgen auch zahlreiche Beispielfotos, aufgenommen mit den veschiedenen 35 mm Tamrons:

Auto Tamron 35mm F2,8

Tamron wurde 1950 als TAISEI KOGAKU bzw. Taisei Optical Manufacturing Company gegründet und hat einige Innovationen in seiner Geschichte entwickelt, die heute noch Bestand haben. 1957 wurde der „T2“-Anschluß vorgestellt, mit dem noch heute diverse Objektive an Kameras adaptiert werden. 1973 wurde das Adaptall-System präsentiert, ein Grundobjektiv kann durch spezielle Adapter an viele damals aktuelle Kameragehäuse adaptiert werden, die Offenblendenmessung und die Springblende werden übertragen.

Der hier gezeigte Anschluß ist älter, von 1969 bis 1973 baute Tamron „Adapt-A-Matic“-Objektive, die nur die Springblende übertragen, aber keine Möglichkeit haben, die Offenblende in das Belichtungsmeßsystem der Kamera zu integrieren. Der Adapter wird mit einer Gewinde-Überwurfmutter am Objektiv befestigt.

Das gezeigte Objektiv erhielt ich mit einem M42-Adapter, er wird als „P-CS“ bezeichnet. Es dauerte etwas, bis ich die Bezeichnung verstand: „P“ steht für „Pentax“, „C“ für Contax“ und das „S“ für „Screwmount“, also Schraubgewinde. Ende der 1960er Jahre waren die Contax mit Schraubgewinde und die Pentax Spotmatic-Modelle noch weit verbreitet, wobei mit der Contax-Spiegelreflexkamera das M42-Gewinde in den 1930er-Jahren erstmals eingesetzt wurde und Pentax 1969 sicherlich der Marktführer der Schraubobjektive gewesen.

Der geriffeltem Entfernungsring läuft gut, der Einstellweg ist mit etwa 190° recht lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 1 Meter zeittypisch. Die Blende rastet halbstufig, es sind 5 Lamellen eingebaut, diese schließen teilweise nicht rund, sondern Sägezahnartig. Das Filtergewinde ist mit 55 mm ausreichend groß und dreht sich beim Fokussieren nicht mit. Die Blende kann entweder automatisch durch die Kamera geschlossen werden oder dauerhaft, ein entsprechender Umschalter ist vorhanden.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 68 mm, eine Baulänge von 54 mm und wiegt 255 Gramm. Beim Einstellen auf die Nahgrenze wird es ca. 5 mm länger. Sein optischer Aufbau besteht aus 6 Elemente in 5 Gruppen, alle Glasflächen sind vergütet.

Das gesamte Objektiv macht einen relativ hochwertigen Eindruck, es ist fast vollständig aus Metall und ziemlich schwer. An der Entfernungs-Skala sind Tiefenschärfemarkierungen vorhanden, ein Index für die Infrarotfotografie fehlt hingegen.

Ein Urteil über die Schärfeleistung gebe ich nicht ab, mein Exemplar ist sichtbar beschädigt worden. Durch einen Sturz ist die Schutzumrandung der Hinterlinse teilweise verbogen worden, außerdem war der Blendenantrieb defekt. Dadurch hat sich mindestens eine innere Linse verschoben, so daß es zu starker Unschärfe an dem Bildrändern kommt, die auch bei Arbeitsblende 8-11 nicht verschwinden. Einwandfreie Exemplare zeigen eine wesentlich bessere Abbildungsleistung in den Ecken.

Der Neupreis ist mir nicht bekannt, der aktuelle Gebrauchtpreis ist nur schwer ermittelbar, es ist ein recht selten angebotenes Objektiv. Wie erwähnt bekam ich es von Ralf Jannke geschenkt, weil er es dreimal hatte, davon zweimal mit defektem Blendenantrieb.

Reparatur

Das Objektiv hatte ein häufig auftretendes Problem, der Blendenantrieb funktionierte nicht mehr, das dürfte an der filigranen und aufwendigen Übertragungsmechanik liegen. Ralf sagte, daß das hier gezeigte Exemplar vor dem Paketversand noch funktioniert habe, aber beim Eintreffen konnte die Blende nicht mehr geschlossen werden.

Die Demontage ist relativ einfach, die gesamte Linsenbaugruppe kann in einem Stück ausgebaut werden, so daß es keinerlei Verschlechterung der optischen Leistung durch fehlerhafte Remontage geben kann. Allerdings muß der Schneckengang auseinandergeschraubt werden. Dazu ist es wichtig, daß man sich die Baulänge im Urzustand bei Unendlich notiert und in dem Moment, in dem die Linsengruppe aus der Antriebshelix herauskommt, die Trennstellen markiert und danach den Schneckengang nicht mehr bewegt. Ansonsten ist es aufwendig und erfordert viele Versuche, bis das Objektiv wieder „Unendlich“ in der entsprechenden Stellung des Fokusringes aufweist.

Zur Demontage muß eine große Schlitzschraube in Fokusring ein Stück herausgedreht werden, sie bildet den Anschlag für „Unendlich“ und die Naheinstellgrenze. Nach dem Schraubenlösen kann die Fokusschnecke solange weitergedreht werden, bis der innere Aufbau herauskommt. Wie erwähnt: diese Position markieren und den Fokusring danach nicht mehr verstellen.

Ist die Linsengruppe heraus, erkennt man die komplexe Bauweise: zweifache Geradführung der Fokussierung und filigrane Übertragung der Blendenring-Einstellung sowie der Springblendenfunktion zur eigentlichen Blendenmechanik im Inneren. Durch einen Fallschaden war der Übertragungshebel verbogen, außerdem war die Klemmschraube der Fokushelix auf dem Linsengrundkörper lose, vermutlich durch den Reparaturversuch eines Vorbesitzers, der diese Schraube nicht mehr richtig angezogen hatte.

Erste Aufgabe: Richten des Springblendenübertragungshebels. Das dauerte etwas, bis die exakte Position gefunden war. Denn der Hebel muß parallel zur optischen Achse stehen, aber weder zu nah am Aluminium-Grundkörper (dann ist er schwergängig) noch zu weit davon entfernt (dann bewegt er den entsprechenden Blendenantriebsstift nicht richtig).

Zweite Aufgabe: Fixieren der Hälfte der Fokusschnecke auf dem Linsenkörper. Das war aufwendig, die richtige Stellung mußte durch mehrfaches Anziehen, ausprobieren des Zusammenbaus, erneuter Demontage und Korrektur der Position ermittelt werden. Außerdem hat die Position Auswirkungen auf die Stellung des Unendlich-Anschlages! Die von mir ermittelten Werte und Positionen galten für die falsche Stellung, so daß ich nach dem Zusammenbau trotz Markierungen mehrfach für „Unendlich“ auf recht nahe Meterwerte drehen mußte. Letztlich habe ich die Stellung nur angenähert bekommen, für „Unendlich“ ist nun ca. 5 Meter am Fokusring einzustellen. Genauer habe ich es nicht geschafft, denn bei fast richtiger Unendlichkeitsstellung funktionierte die Blendenübertragung nicht…

Dritte Aufgabe: Beseitigen der Unschärfe. Das habe ich nicht gemacht, denn ein Zerlegen der Linsenbaugruppe war eigentlich nicht erforderlich, die Linsen kamen klar und sauber an, so daß eine Reinigung nicht erforderlich war. Außerdem ist die Demontage vermutlich aufwendig, fast alles muß von der Motivseite zerlegt werden, nur die Hinterlinse ist von der Filmseite her demontierbar. Eine Aufgabe für kommende lange Winterabende…

Vierte Aufgabe: Ersetzen der ausgeleierten Springblendenfeder, die Blende blieb deshalb wieder offen und schloß nicht mehr beim Betätigen der Springblende. Eine passende Feder mit passender Länge und Federrate fand sich nicht in meinem Fundus. Somit blieb nur Improvisieren durch Eindrücken eines kleinen Stückes Moosgummi in den Schlitz des Blendenbetätigungshebels, der den Hebel in Grundstellung etwas stärker anfedert, so daß es die im Objektiv verbaute Feder schafft, die Blende zu schließen. Nicht elegant und schon gar nicht professionell, es handelt sich nur um eine „Frickellösung“, aber immerhin funktionierend.

Die Demontage des Objektivs ist ziemlich komplex, man muß sowohl die beiden Antriebe der Blende als auch die beiden Positionen der Gradführung zueinander passend ansetzen und dann die Fokusschnecke drehen, so daß die beiden Helixhälften ineinandergreifen. Dazu muß der Bajonettadapter abgenommen werden und ein kleines Schutzblech entfernt werden, das mit einem Ring gesichert ist. Nur dann kann man von der Bajonettseite ins Objektivinnere hineinsehen und erkennen, daß alle vier erwähnten Teile korrekt ineinandergreifen. Kurz vor der Unendlichkeitsstellung die Schlitzschraube wieder festziehen und das Schutzblech und den Bajonettadapter montieren und prüfen, ob die Blendenmechanik funktioniert und Unendlich korrekt sitzt. 

Fazit

Momentan ist das Objektiv noch nicht brauchbar, durch einen Fallschaden oder vielleicht auch durch den Paketversand an mich ist es enorm dezentriert und massiv unscharf. Zunächst gilt: Ab in den Sammelkoffer. Wenn ich im Winter Lust und Zeit habe, könnte ich mir das Objektiv noch einmal vornehmen und die Linsen sowie ihre Montage prüfen. Mal sehen…

Christian Zahn, Oktober 2026

 

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