FPU RBMH 85mmF1.8 STM

Das nenne ich mal "Glas". Kommt beindruckend her, das lichtstarke 85er. Und was für ein Unterschied zum chinesischen Nachbau des des Canon 2/100mm USM als 2/100 mm Yongnuo mit Nikon F-Bajonett, das gegen das Viltrox wie ein Plastik-Objektiv wirkt!

Im Praxisbericht zur FUJIFILM X-T10 war zu lesen: „Das ‚FUJINON ASPHERICAL LENS SUPER EBC XF 50mm 1:2 WR‘ hat nur einen Fehler - die Brennweite ist einfach zu kurz... (…) Viel besser wäre das 2,0/90 mm Fuji, das mir zum Kompletteinstieg in die Fuji-Welt aber einfach zu teuer ist. (…)“ Dem wurde jetzt Abhilfe geschaffen. Durch Kauf des „FPU RBMH 85mmF1.8 STM“, so die komplette Bezeichnung dieses lichtstarken 85 mm Autofokus-Teles mit Fuji X-Anschluss.

Je nach Anbieter wird das 85er in eBay für unter 300 Euro offeriert, wovon ich Abstand genommen habe. Weil diese Linsen direkt aus Hongkong verschickt werden. Was Reklamationen/Rücksendungen zumindest sehr erschwert. Also für 379 Euro aus einem bekannten Onlineversandhaus, das mal mit Büchern angefangen hat ;-) Alternativ natürlich auch eBay, wobei hinter einem Anbieter mit deutscher Adresse aber nicht notwendigerweise auch ein deutscher Anbieter stecken muss. Eine vorm Sommer zum ersten Probieren/Spielen aus Flensburg erstandene Schrott-Drohne für 35 Euro erwies sich als Betrug (statt bestellt und bezahlt 1.280 x 720p HD nur 640 x 480p VGA) und der Anbieter bei Reklamation als fernöstliche Briefkastenfirma… OK, bei 35 Euro ein vertretbares und verschmerzbares Risiko.

Rund 450 Euro Neupreis ruft Nikon für sein 1,8/85 mm AF-S FX DSLR-Tele auf. In der Version für die spiegellose Vollformat Z6/7 kostet das 1,8/85 mm dann gleich zwei Mal so viel: 900 Euro. Was Viltrox da für Größenordnung 350 +/- 50 Euro anbietet, ist ein massives Objektiv, das seine auf der Verpackung zu lesende Bezeichnung „AUTO FOCUS PRIME LENS" zu Recht trägt. Einziger, winziger Wermutstropfen: Das Objektiv hat keinen Blendenring, wie die Fuji Prime-Objektive.

Was die Baugröße des Viltrox angeht, muss ich mich noch bei Nikon „entschuldigen“. Im Beitrag: „Das erste Mal – ohne Nikon D4…“ hieß es: „Ein Nikon-"Opfer" hat die Fuji X-E2 zusammen mit dem 2/50 mm Fujinon gefordert. Mein 1,8/85 mm AFS FX Nikkor ging unverzüglich in den Verkauf.“ Bebildert mit diesem unfairen Foto. Zum Ausgleich und zu Nikons Ehrenrettung jetzt daneben der Vergleich Fuji 2/50 mm Fuji gegen das 85 mm Viltrox:

Schon aus Kompaktheits- und Gewichtsgründen bleibt das hervorragende 2/50 mm Fuji im Bestand!

Da das Autofokus 1,8/85 mm Viltrox auch fürs Sony E-Bajonett angeboten wird, und dabei auch die Vollformat DSLMs der A7-/A9-Reihe genannt sind, sollte das Objektiv auch vollformattauglich sein. Wobei die spiegellosen Vollformat-Sonys natürlich auch mit Sony APS-C-Objektiven bestückt werden können, wobei die Kamera dann aufs kleine Bildfeld umschaltet, die Auflösung reduziert und sich die Brennweite um den Crop-Faktor 1,5 scheinbar verlängert.

So oder so: Ein bewusst nur für den kleinen 15 x 23 mm APS-C Sensor gerechnetes Objektiv könnte kleiner ausfallen! Was beim 2/90 mm Fuji auch der Fall ist. Es wiegt mit 540 g 65 g weniger als das Viltrox und hat mit 62 mm einen 10 mm kleineren Filterdurchmesser als das 1,8/85 mm. Mich erinnert das chinesische 85er an mein um 2007 kurzzeitig eingesetztes 1,4/85 mm AF-D Nikkor, das 550 g wog und einen Filterdurchmesser von 77 mm hatte.

Das Viltrox geht gleich mit in den rechtsrheinischen "Dragon Dome“, um in der düsteren „Drachenhöhle“ der Rhöndorfer Basketballer bei noch maßvollen ISOs für genügend schnelle Verschlusszeiten zu sorgen. Und um auch später in der hellen Bonner Basketballhalle für unschärfere Hintergründe zu sorgen.

Spezifikation 1,8/85 mm Viltrox Fuji X-Anschluss

Viltrox Firmware-Update

Das 1,8/85 mm Viltrox hat im Bajonett einen USB-Anschluss, um für Firmwareupdates gerüstet zu sein! Beim Anschluss an den Rechner erscheint das Objektiv als externer Datenräger auf dem Desktop. Die zuvor hier runtergeladene Firmware wird einfach auf das Datenträgersymbol gezogen, und das war es auch schon! Einfacher und durchdachter geht es nicht. Aktuell ist Firmware 1.03, was mit dieser Anleitung kontrolliert werden kann.

Neben dem hochinteressanten Preis war hauptsächlich dieser Bericht: „Fuji vs Viltrox, Battle of the Tele Primes (Schlacht der Prime-Teleobjektive), 90mm f2 WR 85mm f1.8 STM“ und das dazugehörige Video ausschlaggebend für den Kauf. Youtube bietet hier und hier weitere Filmchen zum 1,8/85 mm Viltrox. Derartige Influencer-Quellen haben aber immer ein gewisses „Gerüchle an Beeinflussung“. Nicht umsonst übersetzt Leo „Influencer“ mit denglisch „der Influencer/die Influencerin“ oder eben „der Beeinflusser/die Beeinflusserin/die Beeinflusser“. Und letztlich kann ein komprimiertes Youtube-Filmchen selbst bei 1.920 x 1.080p Full HD-Video die Qualität eines Objektivs gar nicht darstellen!

Bevor ich meine ersten Probeaufnahmen mit dem 1,8/85 mm Viltrox zeige, noch der Hinweis auf einen weiteren Neu(gebraucht)-Erwerb: Das gute, aber lichtschwache 4,5-6,7/50-230 Fuji Kitzoom musste endlich dem doppelt so lichtstarken 3,5-4,8/50-200 mm weichen. Darüber werde ich ab Oktober berichten.

Das 1,8/85 mm Viltrox auf der Fuji X-T20 im "Dragon-Dome"

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Die Einzelbilder der beiden Tableaus sind 1:1 Ausschnitte aus 6.000 x 4.000 Pixel Fotos. Alle bei Offenblende und ISO 4.000 aufgenommen. Mit 300ppi Auflösung gedruckt, wären die Montagen 50 x 50 cm groß. Bei 150 ppi Poster-Qualität 100 x 100 cm!

Beim "Porträt" besteht keine Gefahr verletzer Persönlichkeitsrechte. Es zeigt den Autor, abgelichtet vom Fotografen, der fest für den Sponsor arbeitet und mittlerweile fast ausschließlich mit der Fuji X-T3 fotografert. Da musste das 1,8/85 mm Viltrox mal schnell auf seine X-T3. Fotografiert wurde mit Offenblende f/1,8 und ISO 1.600. 1.500 x 1.500 Pixl 1:1 Crop aus dem 6.240 x 4.160 Pixel 26 MP-Sensor der Fuji X-T3. Gott sei Dank bin ich nach dem WE zum Augenarzt und kann die "formschöne", 15 Jahre alte Brille dann wieder gegen die Kontaktlinsen tauschen ;-)

Das Ergebnis hatte ich erhofft und wurde nicht enttäuscht 

Fürs grüne Licht unterschiedlich alter Neonröhren in der  Sporthalle mit Autoweißabgleich als JPEG-Fein mit Schärfung 2+ (aus dem Bereich +/- 4) und Rauschreduzierung 0 (aus +/- 4) gespeichert. Die gewählte Zeitautomatik steuerte Belichtungszeiten im Bereich 1/850 bis 1/1600 s. Da wäre mit ISO 3.200 und minimal auf f/2,2 abgeblendet und Experimentieren mit den Rausch-Parametern noch etwas Luft nach oben gewesen! Lieber etwas digitales "Korn" (Rauschen) als eine zu starke Glättung, die Schärfe kostet! Ich wollte aber nicht während des Spiels an den Einstellungen "drehen", Die Zeitautomatik steuerte Belichtungszeiten im Bereich 1/850 bis 1/1600 s.

Vom Rohformat schrecke ich noch zurück, weil mein Adobe Lightroom 5.7.1 die X-T20 Rohdateien nicht erkennt und sich mir die intuitive und schnelle Bedienung der kostenlosen Capture One Express Version für Fuji einfach noch nicht erschließen will... Außerdem erscheint mir Capture derartig langsam und sperrig, dass ich damit keine 100 + x Rohdateien in (zu) kurzer Zeit verarbeiten möchte! Vielleicht ist es nur die Gewöhnung, die fehlende Erfahrung. Da will, muss ich noch dran arbeiten!

AF-Schnelligkeit des 1,8/85 mm Viltrox

Habe ich der X-T10 einen "Sport-Faktor" von 36 ermittelt und der X-T20 einen von 92, hat sich die simple Kalkulation meiner AF-Tabelle bestätigt. Im deutlich schlechteren Licht der Viertliga-Basketballhalle im Vergleich zum Spielort des Bonner Erstligisten packte der AF der X-T20 wesentlich treffsicherer zu, als der der ebenfalls mitgenommenen X-T10!

Mehr vom 85 mm Viltrox dann ab Oktober mit Start der regulären Basketballsaison.

Ralf Jannke, August 2019

 

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