Die Geschichte des Autofokus' und sein wichtigster Erfinder: Minolta

Als kleine Einstimmung auf "90 Jahre Minolta" meine beiden schönsten analogen Minoltas

Links die Messsucherkamera V2 von 1958 mit dem in ihrer Zeit Weltrekord-Zentralverschluss, der als schnellste Verschlusszeit 1/2000 s schaffte. Rechts daneben die Spiegelreflexkamera SR-7. Die erste SLR der Welt mit im Gehäuse eingebauter Belichtungsmessung.

Im November 2018 würde Minolta 90 Jahre alt werden, wenn der drittgrößte Kamera-Hersteller nach Canon und Nikon nicht 2006 aufgegeben hätte. 

Das ist aber kein Grund, nach 100 Jahren Nikon 2017 und Canons 30-jährigem EOS-Geburtstag 2017 im Digicammuseum.de nicht auch die ewige Nummer Drei ausgiebig zu würdigen.

Minolta-Geschichte

Wikipedia schreibt: "Minolta wurde im November 1928 von Kazuo Tashima unter der Geschäftsbezeichnung Nichidokushashinki Shoten, (etwa Japanisch-Deutsches Kamerageschäft) gegründet. Im Juli 1931 wurde das Unternehmen in Molta KG (Mechanismus, Optik und Linsen von Tashima) umbenannt und der Markenname Minolta (Mechanismus, Instrumente, Optik und Linsen von Tashima) registriert. 1937 erfolgte eine weitere Umbenennung in Chiyoko (Chiyoda Kogaku Seiko Kabushiki Kaisha) beziehungsweise Chiyoda Kogaku. Erst seit Juli 1962 wurde die Bezeichnung Minolta Camera Company (Minolta Kabushiki Kaisha) auch als Firma genutzt."

2003: Fusionierung mit Konica zu KonicaMinolta

2005: Eingehen einer strategischen Partnerschaft mit Sony

2006: Einstellen der Produktion von KonicaMinolta Kameras, Objektiven und Zubehör

2006: Sonys erste digitale Spiegelreflexkamera, die Alpha 100, ist nichts anderes, als eine etwas gefälliger (runder) gestaltete KonicaMinolta Dynax 5 oder Dynax 7.

Zwei wichtige Dinge von Minolta leben seit 2006 bis heute weiter!

Sonys Modellbezeichnung "ALPHA" ist nicht neu. Die Minolta 7000 AF wurde in Japan unter dem Namen Minolta a-7000 – das Alpha-Zeichen ist hier nicht darstellbar –, oder eben Minolta Alpha 7000 vertrieben! Außerdem nimmt Sonys A-Klasse alle Minolta-Objektve mit Minolta A-Bajonett auf!

Als weitere Einstimmung für den 2018 kommenden großen Beitrag "90 Jahre Minolta" würdigen wir hier Minoltas Pionierleistung, mit der Spiegelreflexkamera 7000 AF und einer ausreichenden Anzahl Objektiven verschiedener Brennweite 1985 das wirklich erste großserienreife und praxistaugliche Autofokus-System auf den Markt gebracht zu haben. Was es an Autofokus-Versuchen der Mitbewerber vor und nach der Minolta 7000 AF gab, haben wir weiter unten im Bericht zusammengestellt.

1985 – Die erste wirklich komplett durchdachte und praxistaugliche AF-SLR der Welt: Minolta 7000 AF

Das vorhandene 35-70 mm Zoom passt zeitlich zwar nicht zur 7000 AF, aber bei 10 Euro inkl. Porto für die deutlich gebrauchte, aber funktionierende (!) 7000 AF - ich liebe solche Kameras -, wollte ich nicht noch zusätzlich in das dazugehörende und zu viel zu hohen Preisen angebotene 4/35-70 mm Minolta AF investieren.

Minolta 7000 "Inspiration"…

"SchinaSchrott" Dreiste Fake-SLR im Minolta 7000-Style…

MINOLTA PROGRAMM 4000 AF Systemblitz

Größer als die Kamera!

Für 'nen Euro vom Flohmarkt mitgenommen. "Iss ja alt und kaputt…" Mitnichten! Einziger Minuspunkt, der Systemblitz lässt sich nur mit vier 1,5 Volt AA-Batterien betreiben. Mit vier 1,2 Volt Akkus verweigert der Blitz den Dienst. Mit Batterien bestückt, erwachte er auf der Minolta 7000 AF sofort zu altem Leben. Mit TTL, Zoomreflektor und so weiter.

Autofokus-Geschichte: Wer fährt mit, wer gewinnt das Rennen?

1963: Canon AUTO FOCUS

Irgendwie wirkt diese Canon "hölzern". Und so wird sie es vermutlich auch gewesen sein: aus Holz, Kunststoff, etwas Metall und Glas. Ein funktionsloses Dummy, Mockup, Demonstrationsmodell, um zu zeigen was man vorhat… Oder einfach nur, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Soweit ich den schwedischen Text verstanden habe, ist es wirklich nur ein Dummy. Die Idee war das Licht durch ein spezielles Linsensystem neben dem Objektiv auf die Bildebene des Systems auf einen Cadmiumsulfid-Widerstand zu lenken. Sobald der Auslöser gedrückt wird, beginnt ein Servomotor, das Objektiv für Motiventfernungen zwischen 1,2 m und Unendlich zu verschieben, um zu stoppen, wenn die Impulse von dem CdS-Widerstand nach Durchlaufen eines Vorläufers eines Mikroprozessors den höchsten Kontrast ermittelt, das scharfe Bild des anvisierten Motivs, um dann das Objektiv entsprechend einzustellen.

Außerdem sollte die Canon "AUTO FOCUS" fürs 24x36 mm Kleinbildformat die Empfindlichkeit des Films durch spezielle Führungsmarkierungen auf der Kassette erkennen. Belichtung durch automatisch programmierbare Verschlusszeiten zwischen 1/30 und 1/250 s. Ein bisschen wenig für die vermutete Zeitautomatik. Es könnte natürlich auch eine Blendenautomatik mit Zeitvorwahl sein. Objektiv sollte ein 2/40 mm sein. Die Kamera 140 x 63 x 74 mm groß sein und 1000 g schwer. Filmtransport motorisch.

Spinnert? Gar nicht so viel später alles Realität!

Vermutlich dachte aber nicht nur Canon über eine derartige Kamera nach, die neben der Belichtung die Entfernung automatisch einstellt: Autofokus eben.

1971: Das erste Autofokus-Objektiv der Welt für eine Spiegelreflexkamera

Das 1971 präsentierte 4,5/80 mm Nikon-Objektiv ist ein wahres Monster. Der Grund ist in den Abmessungen (285 x 90 x 145 mm) und dem Gewicht (2,7 kg inkl. Batterie) zu suchen. Das Objektiv „kann“ Autofokus! Eine weitere Beschreibung/Abbildung des aus 15 Linsen(elementen) in 9 Gruppen bestehenden Prototypen findet sich auf der großartigen Seite Photography in Malaysia. Sehr interessant dort auch noch der Klick auf "Illustration Graph/Picture", worauf sich die Original-Skizze des 80 mm Autofokus-Prototyps inklusive der Schaltung öffnet.

1975: Honeywell VISITRONIC

Honeywell VISITRONIC

"Le Visitronic est annoncé fin 75 par Honeywell, c' est le premier dispositif véritablement opérationnel de mise au point automatique adapté à la prise de vue. Et cela grâce au progrès de l'electronique, en particulier l' apparition des microprocesseurs." etwa "Die Visitronic wurde Ende 1975 von Honeywell angekündigt. Es ist das erste wirklich funktionsfähige Autofokusgerät, das für Aufnahmen geeignet ist. Dank des Fortschritts der Elektronik, insbesondere den Mikroprozessoren." 

Popular Mechanics schrieb im Mai 1976: Andere Autofokussysteme wurden im Laufe der Jahre angekündigt. Im Unterschied zu den anderen Systemen steht Honeywell Visitronic tatsächlich zum Verkauf. Für Kamerahersteller, die es in ihre eigenen Produkte integrieren können. Interessierte Hersteller müssen Honeywell für einen Blick auf das System 1000 US Dollar zahlen. Honeywell erklärt noch nicht, wie das System funktioniert. Nur soviel, dass es auf einem Chip liegt, der mehrere tausend Transistoren und andere Komponenten enthält.

1976: Leitz Correfot

Auf der Photokina 1976 zeigte Leitz mehrere Spiegelreflex-Prototypen mit einem funktionsfähigen AF-System, das im Gegensatz zum Honeywell VISITRONIC durchs Objektiv fokussiert (Projektname Correfot). Das Correfot-System ging nie in Produktion.

Eine tolle Beschreibung (in französischer Sprache) mit Prinzipskizzen ist hier zu finden: PHOTOKINA 1976 : le LEITZ CORREFOT

"C'est le premier système moderne de mise au point à travers l'objectif, par détection de la netteté dans un plan équivalent à celui du film." etwa "Dies ist das erste moderne System, das durchs Objektiv fokussiert. Die Schärfe wird in einer Ebene ermittelt wird, die der des Films entspricht."

Wenn ich mir den Leitz Correfot Prototypen ansehe, ist mir nicht ganz klar, ob unter dem Objektiv ein Antrieb sitzt, der den Entfernungsring des Objektivs bewegt. Oder muss manuell grob vorfokussiert werden, wie beim Nikon TC-16A, der manuell zu fokussierenden Nikon- und anderen Objektiven so zu Autofokus verhilft?

1977: Konica C35

Popular Science berichtete Dezember 1977 über die Konica C35, die den Honeywell-basierten Autofokus hat:

"Vor zwei Jahren lud Honeywell Kamerahersteller ein, eine Offenlegungsvereinbarung in Höhe von 50.000 US-Dollar in das Autofokus-Modul zu investieren. Für 50.000 US-Dollar gab es technische Informationen, technischen Support, einige AF-Module und das Recht, noch mehr Module von Honeywell zu kaufen. Dreizehn Hersteller haben sich dem Programm angeschlossen, berichtet Ron Brown, Honeywells Marketing Manager. Vier Hersteller zeigten auf der Photokina 1976 Prototypen von Autofokus-Kameras: drei Filmkameras (Eumig, Elmo und Sankyo) und ein SLR-Zoomobjektiv (gemeint ist die Asahi Pentax ME-F und 2,8/35-70 mm AF Zoom Objektiv). Die Dimensionen des Erfolges von Honeywell lassen sich daran messen, dass zwar sowohl Nikon als auch Canon Autofokussysteme ankündigten, aber beide nicht über einen Prototypenstatus hinauskamen. Konica verdient Anerkennung dafür, dass sie mit einer Serienkamera an den Start gegangen sind. „Das Visitronic-System gibt es schon länger", sagt Peter Ildau, Vizepresident der Konica Camera Co. "Aber wir sind die Ersten, die es in die Konica C35 bauten."

Ins Bild montiert noch die Konica MT-9 von 1986. Ein Flohmarktfund für 1 Euro…

1981: Pentax ME-F

Pentax bezeichnet 1981 seine ME-F als erste TTL-Autofokus SLR der Welt. Zu der es aber nur ein 2,8/35-70 mm Autofokus Zoom Objektiv gab. Immerhin konnten manuell zu fokussierende Objektive mit Pentax K-Bajonett mit der elektronischen Fokussierhilfe der ME-F möglicherweise exakter auf die korrekte Entfernung eingestellt werden.

1981: Das Canon 4/35-70 mm FD AF im Starwars Klonkrieger-Design

Sechs Jahre vor dem kompletten EOS-Autofokus-System bietet ein Objektiv mit Canon FD-Bajonett Auofokus. Im Gegensatz zum Pentax ME-F-System arbeitet das Canon AF-Objektiv autark. Es macht (fast*) jede Canon mit FD-Bajonett zur Autofokus-SLR.

(*) Das "fast" bezieht sich auf die Montagemöglichkeit des voluminösen Zooms. Wenn es sich von Platz und Abmessungen montieren lässt, hat der/die AnwenderIn Autofokus.

Letztlich ist das 4/35-70 mm Canon FD AF nichts anderes als die Übertragung des Honeywell VISITRONIC-Prinzips, AF-Moduls in ein Objektiv ohne Kamera. Unter Umrechnung der Distanzen von Objektivende (der letzten Line) zur Filmebene… 

Unter diesen Quellen gibt es Informationen zum Canon Zoom:

Canon FD Resources - Wide-angle Zoom lenses AF Zoom New FD 35-70 f/4.0

Canon Museum

Mein Exemplar kam aus Portugal und ist so korrodiert, dass ich es vermutlich nicht ans Laufen bekomme. Aber für 15 Euro inkl. Porto (und als defekt deklariert/gekauft) bleibt es ein tolles Demo-Exemplar für historische Technik.

1982 – Nicht Autofokus, aber Q(uick)F(okus): Canon AL-1 QF

1982 Canon AL-1 QF (QuickFocus)

Wie die Pentax ME-F zeigt die Canon AL-1 QF per Lichtwaage/Pfeile an, in welche Richtung der Entfernungsring des manuellen Objektivs zur korrekten Fokussierung gedreht werden muss. Um dann die perfekte Fokussierung per LED anzuzeigen.

1981/82: Chinon

Glatt übersehen, die Pionierleistung von Chinon, der Fotowelt zwei Autofokus-Objektive geschenkt zu haben. Das oben abgebildete 1,7/50 mm Normalobjektiv und ein gigantisches Zoom 3,3-4,5/35-70 mm. Ernst Giger zeigt das Chinon-Zoom auf seiner Internetseite: "MEINE ALTEN SPIEGELREFLEX-KAMERAS: CHINON CE-5".

Auch die POPULAR PHOTOGRAPHY Oktober 1982 beschreibt das Autofokus-Zoom

Chinon?

Wikipedia schreibt: "Chinon K.K. (Chinon Kabushiki kaisha, engl. Chinon Industries Inc.) war ein japanischer Kamerahersteller. In Deutschland wurden Produkte von Chinon unter ihrem echten Namen exklusiv von der Photo-Porst-Kette verkauft, baugleich aber auch vom Versandhaus Quelle unter der Eigenmarke Revue bzw. Revueflex. Ebenso handhabten es der Schweizer Kamerahersteller Alpa und das amerikanische Warenhaus Sears. Agfa hatte äußerlich modernisierte Chinon-Spiegelreflexkameras unter dem Namen Agfa Selectronic im Programm. Während die Modellgeschichte detailliert belegt ist, ist es die Firmengeschichte in den 1980er Jahren kaum. So wurde zwischenzeitlich Chinon als Tochterfirma von Minolta dargestellt (jedoch ohne erkennbare technologische Zusammenarbeit). (...) Die Spiegelreflexkameras wurden zuerst mit M42-Objektivgewinde, später mit dem verbreiteten Pentax-K-Bajonett (PK-Bajonett) ausgestattet.

1983: Nikon F3 AF

Die exotische Nikon F3 AF aus diesem Jahr bot Autofokus nur mit dem entsprechenden Prismenspezialsucher DX-1 und nur zwei speziell für die F3AF produzierten Objektiven AF-Nikkor 80 mm 1:2,8 und AF-Nikkor *ED 200 mm 1:3,5. Das 3,5/200 AF habe ich einst selbst besessen. Es lief problemlos auf der abgebildeten Nikon F601.

1983: Olympus OM-30, Olympus OM-F

Die Olympus OM-30, Olympus OM-F in Nordamerika ist eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera (35-mm-Film), mit Autofocus, welcher aber nur mit dem speziellen Objektiv "Zuiko Auto-Zoom 1:4/35-70 mm Auto Focus" funktioniert. "Im Gegensatz zu modernen Autofocus-Objektiven ist in diesem Objektiv die Autofocuseinheit im Objektiv eingebaut; das Licht wird über einen Strahlenteiler teilweise auf das Autofocusmodul geleitet. Das bedingt aber, dass das Objektiv lichtschwächer ist als andere. Das System war generell nicht auf Höhe der Zeit, da es sehr langsam war und das Objektiv als unhandlich zu bezeichnen ist." Quelle Wikipedia

PS.: Ich dachte beim Anblick des vergrößerten Scans ich hätte beim Digitalisieren gegen den Scanner gestoßen. Tatsächlich handelt es sich um einen Fehldruck…

1984: Tokina

2,8/200 mm AF Tokina

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es sich bei dem Tokina-Objektiv um einen Prototypen handelt. Ich meine etwas Ähnliches auch mal von Vivitar gesehen zu haben. Was nicht so unwahrscheinlich ist, denn Tokina fertigte auch für Vivitar… Und noch etwas. Die Perspektive, die Sicht von oben täuschen: Das Tokina war ein richtiger "Brummer", denn auf dem Foto und unter dem Objektiv verborgen sitzt die Autofokus-Messeinrichtung, die etwa so aussah wie beim Canon FD 4/35-70 mm AF oder den Chinon AF-Objektiven.

1985: Canon T80

Die (Werbe)Wirkung der Canon T80 von 1985 verpuffte angesichts der Minolta 7000 ganz schnell. Auch bei der T80 handelt es sich um einen AF-Spiegelreflexkamera-Exoten, der Autofokus nur mit drei AC-Objektiven AC 50mm f/1.8, AC 35-70mm f/3.5-4.5, and AC 75-200mm f/4.5 bot. Außerdem mit dem alten FD-Bajonett, das nach Vorstellung des Canon EOS-Systems 1987 praktisch wertlos wurde.

Während Nikon mit seiner F3 AF und Objektiven mit im Objektiv eingebautem AF-Antrieb das Funktionsprinzip, nach dem heute alle AF-(D)SLRs und ihre AF-Objektive funktionieren, vorwegnahm, waren alle andere Ansätze prinzipiell gleich funktionierende Geräte und – Krücken. Das hatte mit Vorstellung der Minolta 7000 AF ein Ende! Wikipedia berichtete zur Minolta 7000 AF vom "Sputnik-Schock" der Photoindustrie.

1985

Als erster der drei großen Hersteller geht Minolta über die Ziellinie und präsentiert die 7000 AF

14 Jahre hat es gedauert, bis Autofokus mit der Minolta 7000 AF in einer Spiegelreflexkamera wirklich praxistauglich wurde! Wie Canon 2 Jahre später macht Minolta 1985 einen radikalen Schnitt: Bajonettwechsel! Von den in Mengen gebauten MC-/MD-Minolta Rokkor Objektiven passt nichts mehr auf den mit der Minolta 7000 AF vorgestellten Minolta A-Bajonett Objektivanschluss.

Und jetzt zur Vervollständigung noch der Rest an Autofokus-SLRs dieser Zeit

1986: Nikon F501

Nikon stellt seine Autofokus-SLR F501 vor. Ausgestattet von Anfang an mit einer großen Anzahl Autofokus-Nikkoren.

1986/1988: Olympus OM-707 AF und Olympus OM-101 PF

Im gleichen Jahr wie Nikon präsentierte auch Olympus 1986 die Autofokus-Spiegelreflexkamera OM-707 AF, in den USA OM-77 AF. Wie bei der Minolta 7000 AF und der Nikon F501 ist das OM-707 AF-Modul in die Kamera integriert. Auch der AF-Objektiv-Antriebsmotor sitzt im Kameragehäuse. Über eine Welle zwischen Kamera-AF-Motor und Objektiv wird die Fokussierung durchgeführt. Als Parallele zu Nikon behielt Olympus den Objektivanschluss bei. Mit manuell zu fokussierenden Olympus OM-Objektiven bot die OM-707 AF wenigstens Zeitautomatik, ohne allerdings die (wichtige!) Belichtungszeit anzuzeigen. Mit den acht verfügbaren AF-Objektiven (*) bot die OM-707 AF nur eine zwar shiftbare, aber nicht abschaltbare Programmautomatik.

(*) 2,8/24 mm, 2,8/28 mm, 1,8/50 mm, 2,8/50 mm Macro, 3,5-4,5/28-85 mm, 3,5-4,5/35-70 mm, 3,5-4,5/35-105 mm, 3,5-4,5/70-210 mm

Das konnte gegenüber der Minolta 7000 AF und der Nikon F501 nichts werden…

Böse formuliert sollten/konnten mit der OM-707 nur unbedarfte Gelegenheitsknipser angesprochen werden, die mehr als eine Sucherkamera wollten. Wollten sie aber nicht… Eine Fehlentscheidung von Olympus, denn die von „richtigen“ Olympus OM-Anhängern sehnlichst erwartete Autofokus-SLR „OM-5“ kam nicht.

Trotz des Misserfolgs der OM-707 AF schob Olympus 1988 noch die OM-101 PF (in den USA OM-88) nach, eine meiner Meinung nach geradezu idiotische Kamera OHNE Autofokus!

Olympus OM 101 PowerFocus

Power Focus

Hinter dem harmlos erscheinenden Kürzel "PF" verbirgt sich die Bezeichnung Power Focus. Heisst: Der Fotograf, die Fotografin müssen wie gewohnt selbst mit Hilfe der Mattscheibe scharfstellen. Dazu wird aber nicht einfach am Entfernungsring des Objektive gedreht, sondern ein Rädchen bewegt, das einen elektrischen Servo-Antrieb steuert, der den Entfernungsring entsprechender Objektive dreht. Was für ein Schwachsinn! Während die PM-101 PF auch das von der OM-707 AF stammende 3,5-4,5/35-70 mm AF-Objektiv per Servo fokussiert, kann umgekehrt die OM-707 AF mit dem 2/50 mm PF der OM-101 PF nichts anfangen. Heisst KEIN Autofokus! Was für das 3.5-4,5/35-70 mm PF dann genau so zutrifft. Dass besonders die OM-101 PF floppte, floppen musste, war kein Wunder.

Mit Autofokus hätte das Ganze vielleicht nicht gefloppt, denn im Vergleich zur kantigen OM-707 AF ist die OM-101 PF die optisch und haptisch viel gelungenere Kamera! Bei diesem Exemplar fehlte eine Kappe auf der Frontseite und die komplette Abdeckung des 50 mm Normalobjektivs. Bis auf diesen Schönheitsfehler funktioniert diese Olympus OM-101 PF. In den roten Kreisen markiert, das Power Focus Drehrad am Kamera-Gehäuse und das kleine Antriebs-Zahnrad am Objektiv.

So wurde die OM-101 PF 1991 verramscht und nach der von Cosina gefertigten 18x24 mm Halbformat OM 2000 die Produktion von SLR-Kameras bei Olympus für sechs lange Jahre eingestellt. Erst 2003 ging es bei Olympus mit der digitalen Spiegelreflexkamera E-1 weiter.

Olympus: Anspruch und Wirklichkeit

Was nützen die drei (!) "PASSED" (für "BESTANDEN") Aufkleber der japanischen Qualitätsbehörde JCII – Japan Camera & Optical Instruments Inspection & Testing Institute –, wenn damit eine Fehlkonstruktion dekoriert wird!

DAS, der bei diesem Exemplar gleich komplett fehlende Batteriedeckel war die schlimmste Schwachstelle der OM-707 AF. Im besten Fall brachen "nur" die winzigen Häkchen, die den Deckel nach Einrasten fixieren sollten... Ein Fehler, der seitens Olympus angeblich nie abgestellt wurde. In Internet-Foren und Facebook-Zeiten wäre das der sichere Verkaufskiller gewesen. Bis dieser Konstruktionsfehler aber 1986 öffentlich war, waren vermutlich schon zu viele dieser Krücken verkauft…

Man beachte die professionell gemachte Energieversorgung der Olympus OM-707 AF ;-)

Weil ich neugierig war, ob diese OM-707 AF noch funktioniert, habe ich kurzerhand je zwei 1,5 Volt AA Batteriepaare auf der einen Seite an den Polen verlötet und dann das Ganze mit Gewebeband und zwei eingelegten 1 Cent-Stücken als Distanz-Überbrücker fixiert. Die OM-707 AF funktioniert noch. Einen Film werde ich aber nicht spendieren!

1987: Canon EOS

Im März 2017 wurde das von Anfang an hochprofessionelle und erfolgreiche Canon EOS System 30 Jahre alt. Wie Minolta (1985) und Nikon (1986) präsentiert Canon 1987 ein komplettes und seitdem wachsendes Autofokus-System.

1987 – Der Rest: Pentax SFX, Yashica 230 AF

1996: Contax AX

11 Jahre nach der Minolta 7000 AF erbarmte sich Contax seiner verbliebenen Anhänger und machte es möglich mit der Contax AX manuell zu fokussierenden Zeiss-Objektiven zu Autofokus zu verhelfen.

Eigentlich sensationell, aber nichts Neues

Nikon bot 1983 zur F3AF den 1,6-fach Telekonverter TC-16/S, der modifiziert 1986 mit der Nikon F501 als TC-16A erneut herauskam. In Verbindung mit der Nikon F3AF oder der Nikon F501 wurden (nur theoretisch) bestimmte manuell zu fokussierende Objektive automatisch fokussiert. Dazu genügte eine grobe manuelle Vorfokussierung, der TC-16(S)/TC-16A besorgte den Rest, die exakte Autofokussierung. Einen großen Bericht über den TC-16/A, der sogar (modifiziert) auf digitalen Nikon SLRs  läuft, finden Sie hier unter: "Aus einem M(anuell)F(okus)- ein A(uto)F(okus)-Objektiv machen, geht das?"

Zurück zur Contax AX

In „Tuesday Titans: The Contax AX Film Camera“ („Titanen von gestern: die Contax AX") schrieb ein Contax-Liebhaber:

„Ich kam mit ihr nicht in Schwung…

Ich habe zwei Contax AX ausprobiert. Das erste Exemplar konnte überhaupt nicht automatisch fokussieren. Es ging nur vor und zurück, vor und zurück, vor und… Ich habe diese AX zurückgeschickt. Beim zweiten Exemplar bekam ich einen „nervösen“, aber (manchmal) funktionierenden Autofokus. Bei bestimmten Motiven funktionierte dieser Contax AX-AF sehr gut, aber insgesamt gesehen war er zu inkonstant. Vorfokussieren des angesetzten Objektivs half etwas. Aber manchmal wurden nicht mal simple Motive fokussiert. Und der Autofokus war langsam.

Kein Wunder, bei dem Konstruktionsprinzip!

Wie schon bei der zweiäugigen Zeiss Ikon Ikoflex Spiegelreflexkamera (TLR), der Kleinbild-SLR Contarex (1959 bis 1966) aus meiner unmaßgebliches Sicht wieder technischer Overkill. Superpräzise Werkzeuge, aber nicht für Dauergebrauch gemacht. Auch im Beitrag der ersten Vollformat-DSLR der Welt, die Contax N DIGITAL, attestierte ein Anwender: "Analoge Contax-Kameras in den 90er Jahren: Sie fühlen sich für harten Einsatz und gut gemacht an, sind aber anfällig, besonders was die Elektronik im Inneren angeht."

Nach der Geschichte des Autofokus' zurück zum Hauptthema 90 Jahre Minolta und zur 7000 AF

1985: Minolta AF vs. Nikon MF

Die Minolta 7000 AF führte 1985 zum oben gezeigten "Duell".

Wer fokussiert schneller?

Der Fotograf mit der Minolta 7000 AF und dem 2,8/300 mm Minolta Autofokus-Tele oder der Kollege mit seiner Nikon (vermutlich eine F3) und dem manuell zu fokussierenden 2,8/300 mm IF-ED Nikkor. Das Duell ging seinerzeit unentschieden aus. Man meinte, dass der Mensch gegen die (AF-) Technik nicht chancenlos sei. 1985 war das sicher richtig. Beim Duell gegen eine aktuelle DSLR mit der heutigen Autofokusleistung hätte der manuell fokussierende Fotograf keine Chance gegen seinen Kollegen!

Mit dem Foto möchte ich den schwedischen "Duellanten" und Kollegen meine Reverenz erweisen. Mit einem 2,8/300 mm Minolta und Nikkor kann ich zwar nicht dienen, aber deren Rolle übernehmen das 100-300 mm Minolta Zoom und Nikons erstes 4/300 mm AF-ED, was ich aktuell immer mal einsetze. Auf der Autofokus-SLR Nikon F501, die ein Jahr nach der Minolta 7000 AF vorgestellt wurde.

Und noch ein "Duell"

Aus Camera und Computer erfand die POPULAR MECHANICS im Januar 1986 „Camputer“ und startete ein „Shootout“ („Wettschießen“) zwischen der Canon T80 AF-SLR und der Minolta Maxxum, in Europa als Minolta 7000 AF bekannt.

Wer hat gewonnen?

So richtig äußerte sich die POPULAR MECHANICS nicht. Von Probeläufen, wo die beiden SLRs zur Oshkosh-Airshow mit historischen Militärflugzeugen oder zu einem Pferderennen mitgenommen wurden, schrieb das Magazin: „Die Kameras haben sich unter beiden Umständen gut bewährt, mit einer Vielzahl von Filmen und Programmmodi.“ Um einen Bildbeweis schuldig zu bleiben.

Später gab es einen Vergleich mit einem Chevy-Van, der einen Probekurs mit 20 Meilen pro Stunde befuhr, 33 km/h, 9 m/s. Bei diesem Test war die Minolta 7000 AF in der Fokussierung 25 Prozent schneller. POPULAR MECHANICS war der Meinung, dass die Autofokusgeschwindigkeit des Canon T80 AFs der T80-Motorfrequenz von 1,2 B/s entspricht. Die Maxxum schafft 2 B/s. Dies lässt vermuten, dass die Autofokusgeschwindigkeit von der Entfernung zwischen Kamera und Objekt, der Blendenöffnung, der Brennweite, den Lichtverhältnissen, der Geschwindigkeit des Mikroprozessors der Kamera und der Geschwindigkeit des AF-Antriebsmotors bestimmt wird. Unser Test wurde bei strahlendem Sonnenschein durchgeführt. Andere Bedingungen können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Canon erklärte, dass sein T80 AF-Servo-Fokus-Mechanismus nur schnell genug ist, um einem Subjekt zu folgen, das mit normaler Geschwindigkeit läuft. (Was ist „normale“ Geschwindigkeit?)

Das Hin- und Herfahren – gemeint ist die Suche nach dem richtigen Fokus, auch mal als „Pumpen“ bezeichnet – macht die Canon T80 langsamer. Die Canon sucht: Es wird über das Motiv „hinausgeschossen“, um erst dann den perfekten Fokus zu finden. Die Maxxum berechnet die exakte Fokus-Richtung und fokussiert das Objektiv direkt auf den Punkt. Obwohl wir Zoom-Objektive zum Verfolgen von Fahrzeugen verwendeten, erwiesen sich die einfachen 50 mm Objektive als ideal, um Kinder und Haustiere im Haus zu verfolgen.

Welche Kamera sollten Sie wählen, wenn Sie sich für Autofokus interessieren? Die Flexibilität der Canon T80 macht es zu einer logischen Wahl, wenn Sie bereits viel in Canon Objektive investiert haben. Wenn das nicht der Fall ist, können Sie in die Minolta Maxxum investieren.

Nun ja. Alles keine Überraschung aus den Kindertagen der Fotografie mit Autofokushilfe. Außerdem war die Canon T80 mit ihrem FD-Bajonett-Anschlluss schon zu diesem Zeitpunkt "altes Eisen". Denn die Entwicklung des völlig neuen Canon EOS Autofokus-Systems dürfte im Januar 1986 schon weit fortgeschritten gewesen sein! 1987 betritt die erste Canon EOS AF-SLR die Bühne!

1988 wird es royal – mit Autofokus

Die Minolta 7000 AF muss 1985 so beeindruckt haben, dass ich drei Jahre später beim Besuch des schwedischen Königspaars 1988 zum so genannten Eriksgata in Karlskrona/Südschweden einen Fotografen gesichtet habe, der neben einer Nikon- oder Canon-Profiausrüstung unübersehbar zusätzlich eine Minolta 7000 AF, bestückt mit dem 2,8/300 mm AF-Minolta einsetzte! Obwohl zu diesem Zeitpunkt Nikon mit der F501 und Canon mit der EOS 650 bereits selbst Autofokus-SLRs und komplette AF-Objektivsysteme anboten!

Den Fotografen mit der Minolta 7000 AF und dem 2,8/300 habe ich seinerzeit nicht abgelichtet, sondern stattdessen lieber das schwedische Königspaar fotografiert. Mit der Nikon F501 irgendeinem Weitwinkel und den beiden Nikon Autofokus-Teleobjektiven 1,8/85 mm und 2,8/180 mm AF-ED. Diese "Exifs" waren im Kopf noch gespeichert ;-)

In der Hoffnung, im Rennen um den Autofokus keinen der Pioniere vergessen zu haben, bleibt trotzdem festzuhalten, dass es der Kamerahersteller Minolta war, der mit der 7000 AF und seinen Objektiven das erste "runde" Autofokus-SLR-Objektiv-System der Welt erschaffen hat!

Mit der Minolta 7000 AF 2017 auf Bilderjagd

Wie früher ;-) AGFA CT 100 Diafilm…

Fotografiert wurde mit dem 3,5-4,5/35-70 mm Minolta auf der 7000 AF. Mit Programm- oder Zeitautomatik. "Gespeichert" wurde auf Dezember 2015 abgelaufenen AGFA precisa CT 100 (ISO 100) Diafilm. Gescannt wurde mit dem Plustek OpticFilm 7400 bei 3600 dpi, Scansoftware war das beiliegende Silverfast SE.

Bei sorgfältigem Arbeiten und voller Scanauflösung 7200 dpi wären theoretisch/rechnerisch Bildgrößen von 10.200 x 6.800 Pixel = 69 Megapixel möglich. Das dürfte etwa dem 10-fachen entsprechen, was ein ISO 100 Film auflöst und hat mit der Realität wenig zu tun. Dass ein analoger Kleinbildfilm 36 Megapixel auflöst, gehört ins Reich der Fabeln und Märchen. Ein Mac-Magazin schrieb 2002 anlässlich der Vorstellung der Canon EOS D60 zu Recht, dass mit den 6 Megapixel der D60 der Kleinbildfilm erreicht sei.

Ab 2400/3600 dpi scannt man nur noch das Filmkorn… Bei 3600 dpi ergeben sich 5.100 x 3.400 Pixel, immer noch (zu hohe) 17 Megapixel. In Druckgrößen: 43 x 29 cm (300 ppi, etwa A3) oder 86 x 57 cm (150 ppi, etwa A1). Das kommt eher hin, denkt man an analoge Poster vom Dia. Die Scans wurden zum Schluss auf 1.800 x 1.200 Pixel = 2 Megapixel reduziert. Das ist das, was Sie oben sehen. Kaum Nachbearbeitung… Ich will nicht ausschließen, dass ein kontrastreicher, "messerscharfer" Kodachrome 25/64 oder Fuji Velvia 50 mit 3600 dpi digitalisiert mehr brauchbare Pixel geliefert hätte. Immer unter der Voraussetzung, dass mit idealen Blenden und verwacklungssicheren Verschlusszeiten oder noch besser vom Stativ aus fotografiert wurde... Es hat Spaß gemacht, die Diafilme zu belichten. Trotzdem möchte ich nicht zurück in analoge Zeiten!

Zwei Diafilme habe ich noch, die über die kommenden Feiertage verschossen werden. In der Fortsetzung "90 Jahre Minolta" möchte ich voraussichtlich im Sommer 2018 mit der Messsucherkamera Minolta V2, der Spiegelreflex Minolta SR-7 und der als Luxus-LOMO gehandelten Minolta AF-C fotografieren. Dann aber auf – hoffentlich (!) – schneller entwickeltem Farbnegativfilm. Denn der AGFA Diafilm musste zur Entwicklung von Bonn nach Gera. Um dort vermutlich gesammelt und mit weiteren Diafilmen entwickelt zu werden. 10 Tage hat das gedauert :-( Und kostete pro Film unverschämte 4,50 Euro. Beim nächsten Mal nicht mehr Foto-"Fachhandel", sondern Drogeriemarkt und ab nach Oldenburg zu CeWe, da geht es schneller und preiswerter!

Die 7000 AF war aber nicht Minoltas einzige Pioniertat

Viel mehr über den großen japanischen Kamera-Hersteller 2018 in der Würdigung "90 Jahre Minolta". Die ab Februar 2018 freigeschaltet und wie "100 Jahre Nikon" immer mal wieder überarbeitet, erweitert wird!

Ralf Jannke, Jahreswechsel 2017/2018

Comments (1)

  • Harald L.
    Harald L.
    at 01.01.2018
    Als Minolta-Fan bin ich schon sehr gespannt auf den Jubiläums-Artikel!

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