Aus einem M(anuell)F(okus)- ein A(uto)F(okus)-Objektiv machen, geht das?

Die F-501, Nikons erste 1986 in großer Serie gefertigte Autofokus-SLR, bestückt mit dem 2,8/35-70 AF-Nikkor von 1987 und dem ebenfalls 1987 vorgestellten Spezial-Telekonverter TC-16A, der bestimmten manuell zu fokussierenden Objetiven zu Autofokus verhilft.

Autofokus vor der Nikon F501

Die gleich erwähnte Nikon F3AF habe ich nie besessen, wohl aber einst das zur F3AF gehörende 3,5/200 mm AF Tele. Denn das, und das 2,8/80 mm liefen nicht nur auf der F3AF, sondern auf verschiedenen späteren Nikon Autofokus-SLRs, wie dieser F601 von 1991.

Nikon stellte seine erste Spiegelreflexkamera mit Autofokus 1983 vor. Die exotische Variante Nikon F3AF, die Autofokus allerdings nur mit dem Spezialsucher DX-1 und nur mit den beiden für die F3AF produzierten AF-Nikkoren 2,8/80 mm und 3,5/200 mm (siehe oben) bot. Womit sie aber eine AF-Objektivbauweise vorwegnahm: Der Motor für den AF-Antrieb ist im Objektiv eingebaut. Wie bei Canon und den heutigen AF-S Nikkoren. Da das Angebot mit nur zwei AF-Objektiven etwas dürftig war, stellte Nikon zur F3AF den Telekonverter TC-16/S zur Verfügung. Die S-Variante steht für den neueren Nikon-Objektivbajonettanschluss AI-„S“.

Dieser TC-16/S verhalf bestimmten manuell zu fokussierenden Nikkoren zum Autofokus! Der TC-16 verlängert/verändert die Brennweite/Lichtstärke um den Faktor 1,6. So wird beispielsweise aus einem 2,0/200 mm MF Nikkor ein 3,3/320 mm AF Nikkor. Der TC-16 ist in seiner Leistung allerdings eingeschränkt. Damit sicher automatisch fokussiert wird, muss der Fotograf, die Fotografin zuvor manuell grob auf das gewünschte Motiv vorfokussieren. Den Rest, die exakte Fokussierung auf den Punkt sozusagen, erledigt dann der TC-16. Der TC-16 war/ist allerdings nichts für schnell bewegte Motive.

Die großartige Internetseite „Photography in Malaysia“ beschreibt den TC-16 ausführlich inklusive einer Liste der kompatiblen Nikon-Objektive.

Auch eine (englische) Bedienungsanleitung zum TC-16 gibt es noch.

Nikon TC-16A

Vom MF zum AF-Objektiv

Es müssen laut Vorgabe Nikon Objektive mit mindestens Lichtstärke f/2,8 und AI-/AI-S-Bajonettanschluss sein. Die wichtigste "Zutat" besteht in den Nikon Telekonvertern TC-16(S) und TC-16A.

Diesen TC-16(S) von der Nikon F3AF gab es anschließend modifiziert als TC-16A auch zu Nikons erster in Großserie gefertigten AF-SLR F501 von 1986. Und den TC-16A wollen wir uns näher anschauen! Zu diesem Zweck wurde so lange gesucht, bis es einen TC-16A zu einem vertretbaren Preis gab, heißt 50 Euro.

Kann der TC-16A neben der Nikon F501 auch an anderen SLRs und modernen DSLRs verwendet werden, um das eine oder andere, lichtstarke MF Nikkor zum Autofokus zu verhelfen?

Im Prinzip ja, aber. Laut Nico van Dijk funktioniert der TC-16A ohne Modifizierung nur an den analogen Nikons F-401, F-501, F-801, F90, F4, F5 und erstaunlicherweise der digitalen D2. 

Für den ersten Versuch wurde der TC-16A bestückt mit dem 1,8/50 mm AI auf die F501 montiert, wo er sofort einwandfrei funktioniert, sprich autofokussiert. 

Also müsste er mit den Kodak DSLRs DCS200 auf Basis N8008s/F801(s), der Kodak D4xx auf Basis N90s/F90x und der Kodak DCS6xx/7xx auf Basis Nikon F5 laufen und eben auch auf der Nikon D2X.

TC-16A Modifizierung

Kontakt-"Wanderung". Beachten Sie die geänderten Kontakte. Im Original ist an der rot markierten Stelle dann einfach ein Loch... Entsprechend muss an anderer Stelle nach einer Teilzerlegung des TC-16A ein Loch gebohrt werden. Hier hat Photoshop die Modifizierung bewirkt.

Real wird das so gemacht

Um den TC-16A an der D800 und anderen aktuellen Nikon DSLRs zu verwenden, muss er modifiziert, müssen Kontakte geändert werden. Dazu gibt es im Internet "Bauanleitungen": MODIFY THE NIKON TC-16A TELECONVERTER oder Modification of the TC-16A to work with D100 and D70s. Fertig modifizierte TC-16A Konverter werden für für Größenordnung 170 Euro angeboten. Ob es einem das wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Ich habe darauf verzichtet und – um es vorwegzunehmen – die Nikon D2X genommen.

Auf ein Laden der Akkus für die ganz alten Kodaks DCS200/4xx hatte ich verzichtet, aber die DCS620x wurde aktiviert. Und hier funktioniert der Nikon TC-16A auf Anhieb. Die schönste Überraschung war aber die D2X von 2004, die mit dem TC-16A tatsächlich auch autofokussiert! Auf der Nikon D800 von 2012 funktioniert der TC-16A nur als reiner 1,6-fach Telekonverter – OHNE Autofokus...

Kompatibel!

Fotos von oben nach unten: Kodak/Nikon F5/DCS620x mit TC-16A und einem uralten 1,8/85 mm mit AI-Umbau. Funktioniert! Nikon D2X mit TC-16A und 2,8/35-85 mm Vivitar Serie 1 mit Nikon AI-Anschluss. Obwohl offiziell nicht gelistet, wird auch ein manuell zu fokussierendes Objektiv mit Lichtstärke f/2,8 vom TC-16A unterstützt. Keine unwichtige Erkenntnis, würde so ein 2,8/300 MF mit TC-16A-Unterstützung zum 4,5/480 AF. Zur Erinnerung: Neben dem 2,8/300 mm sind die Objektive 2,8/400 und 4/500 mm "Standard" auf dem Fussballfeld, wenn es um die Sportfotografie geht. Da würde das zum 4,5/480 mm verlängerte 2,8/300 gut drin liegen. Wobei die Fokus-Geschwindigkeit für schnellen Sport zu langsam sein dürfte. Aber vielleicht etwas für die Tierfotografie? Wenn es sich nicht gerade um fliegende Vögel handelt... Der TC-16A fokussiert auch ein versuchsweise aufgestecktes 3,5/20 mm Nikkor. Und irgendwo im Netz ist zu lesen, dass auch das lichtschwache 8/500 mm Spiegelobjektiv zur Autofokusversion werden soll...

Wirklich sinnvoll ist der (un)modifizierte TC-16A aber nur für eine Handvoll längerer, und lichtstarker Tele-Nikkore. Die schnell gelistet sind: 1,4/85 mm; 1,8/85 mm; 2/85 mm; 1,8/105 mm; 2/135 mm; 2/200 mm; 2/300 mm (kostet die Kleinigkeit von 20.000 Dollar/Euro aufwärts...)

Praktischer Einsatz des Nikon TC-16A

Bildbeispiel, aufgenommen mit der Nikon D2X, dem Telekonverter TC-16A und dem 1,8/50 mm AI Nikkor

Da hat der AF mal leidlich gepasst und ließ sich vom ins Bild gelaufenen Mitspieler auch nicht beeinflussen!

Test, Test, Test...

Hmmm... Wirklich zufrieden war ich damit nicht. Richtig scharf geht anders! Zur Kontrolle wurde mein Zeitschriftenregal abgelichtet.

Und das zeigte schnell des Rätsels Lösung!

Bitte aufs Bild klicken/tippen

Zumindest in der Kombination Objektiv/TC-16A/Nikon D2X ist das moderne und im Zustand fast makellose 1,8/50 mm AI-Nikkor (1978 bis 1982 gebaut) dem von vermutlich zahlreichen Vorbesitzern stark gebrauchten, oben gezeigten 1,8/85 mm Nikkor sichtbar und deutlich unterlegen! Mit der Seriennummer kann das 85er auf 1972 bis 1975 datiert werden, und es wurde nachträglich auf AI umgebaut. 

1,8/50 mm AI gegen 1,8/85 mm (uralt), Blendenreihe

Natürlich legt auch das 1,8/85 mm noch mal deutlich an Schärfe zu, wenn auf f/2,8 abgeblendet wird. Aber die Offenblende ist brauchbar. Das 1,8/50 mm Nikkor ist auch bei f/2,8 gut. Was aber nichts nützt, wenn ich die Offenblende brauche! Bitte auf die Bilder klicken/tippen.

Nochmal in die Sporthalle – mit dem 1,8/85 mm MF Nikkor auf der D2X und dem TC-16A

Auf der Nikon D2X mit ihrem 15x23 mm APS-C-/DX-Sensor wird das 1,8/85 mm dank 1,5-fach Cropfaktor des D2X-Sensors zum 128 mm Tele. Was durch den 1,6-fach Telekonverter weiter zum 2,9/204 mm verlängert wird. Beim zweiten Versuch wurde aus dem D2X-Aufnahmemenü über Objektivdaten aus der Datenbank das vorhandenen 1,8/85 mm ausgewählt. Und so wird das auch in die Exifs geschrieben, der TC-16A mit seiner Brennweitenverlängerung und Lichtstärkeänderung bleiben unberücksichtigt.

Bei dieser Gesamtkonstellation darf ich keine "knackige" Schärfe erwarten: Bei ISO 400/500 "fühlt" sich die D2X bedeutend wohler. Blende 2,9 und eine nicht zu kurze Verschlusszeit erforderten aber ISO 1250. Da muss mit Adobe Lightroom schon entrauscht werden! Dazu das rund 40 Jahre alte 1,8/85 mm bei offener Blende auf dem TC-16A. Dennoch fand ich die Ergebnisse beachtlich. Für ein Tageszeitungsfoto hätte es immer gereicht! Zumal die D2X im Nachführ-AF (AF-C) Betrieb blieb, was sicher durch die vergleichsweise kleinen Linsen und die überschaubare Antriebsmechanik des TC-16As möglich war.

Fotos in einer Tageszeitung

Wie breit sind die eigentlich, welche Auflösung wird gefordert? Dazu:

Technische Angaben der "Hannoversche Allgemeine"

Für Texte, was in der Breite auch für Fotos genommen werden kann, gibt die Zeitung an:

1-spaltig: 51 mm, 2-spaltig: 106,2 mm, 3-spaltig: 161,4 mm, 4-spaltig:  216,6 mm, 5-spalting: 271,8 mm

Die sog. Rasterweite für den Druck beträgt 40 l/cm = 102 lpi (ppi). Fotos werden mit einer Auflösung von Fotos Bildauflösung 200 dpi (ppi) gefordert. Für die Basketballfotos von oben bin ich von vier und drei Spalten und 200 ppi ausgegangen. Heißt 1780 Pixel (4-spaltig) bzw. 1271 Pixel (3-spaltig) Bildbreite.

3,5/20 mm AI Schrott-Objektiv auf dem TC-16A

Dieses 20 mm Superweitwinkel-Objektiv ist die mit Abstand schlimmste Linse in meinem Bestand. Mir ist es ein Rätsel, was die Vorbesitzer damit angestellt haben. Am eingedrückten Filtergewinde erkennt man sofort, dass das Objektiv mindestens einmal hingefallen sein muss. Der Rest, die Linsenoberflächen, das Bajonett zeigen überdeutlich, wie das Objektiv jahrelang ungeschützt durch die in diesem Fall wichtigen Deckel mit anderen Teilen in einer Fototasche (?) hin und her rollte. Und doch liebe ich solche Teile! Das einst zum Schrottpreis erworbene lt. Seriennummer zwischen 1977 und 1981 gebaute 3,5/20 mm Nikkor bekommt bei mir sein Gnadenbrot. Aber damit noch fotografieren?

Kann man mit einem kaputten Objektiv fotografieren? Man kann!

Aus purer Neugier auf den TC-16A gesteckt, und kurz in die Werkstatt gehalten, zeigte sich Erstaunliches. Die Schärfe ist immer noch da, überlagert von einer Weichheit, die durch den Zustand der Front- und besonders der Hinterlinse erzeugt wird. Auch wenn eine derartige Weichheit und Überstrahlung für Fotos wohl total "out" sind, wanderte das 20er mit ins Urlaubsgepäck. In der Hoffnung, damit etwas in der Landschaft "anstellen" zu können. Es ist eine andere, analoge (?) Anmutung als so eine Weichzeichnung per EBV, APP oder Plug-in zu simulieren.

Der Vollständigkeit halber: 20 mm Nikkore

Nach dem 4/2,1 cm (21 mm) Nikkor (rechts oben im Bild einmontiert), das es für die Nikon-Messssucherkamera wie auch für die Nikon F SLR und ihre Nachfolger gab, kam das erste 3,5/20 mm Nikkor (1968 - 1971) in so genannter Retrofokusbauweise. Ein voluminöses Objektiv mit 72 mm Filtergewinde, das aber endlich den Einsatz des Spiegels gestattet. Beim Vorgänger musste der Spiegel hochgeklappt, verriegelt und ein externer Aufstecksucher eingesetzt werden. Das erste 3,5/20 mm Nikkor passt NICHT auf den TC-16A. Danach das ungleich kompaktere 4/20 mm Nikkor mit 52 mm Filtergewinde. Daneben zum Vergleich das eingesetzte 3,5/20 mit beschädigter Front- und Hinterlinse, von 1977 bis 1981 gebaut.

Zeitreise und mehr – mit dem kaputten 20er und Adobe Lightroom

Bei den ohnehin schon weichen Bildern, die das beschädigte 20 mm Objektiv erzeugt, gehörte nicht mehr viel Phantasie dazu, mit den passenden Adobe Lightroom Filtern zu spielen, um die Fotos weiter zu entfärben, zu vignettieren, zu altern. Die Lampen wurden in einem Secondhand Laden abgelichtet, die noch nicht abgehängte Weihnachtsdeko in einem überdachten Einkaufszentrum.

4,5/80-200 mm Zoom Nikkor auf dem TC-16A

Ich meine mal irgendwo gehört, gelesen zu haben, dass dieses in mehreren Varianten von 1969 bis 1977 gebaute Objektiv das erste Zoom der Welt gewesen sein soll, das Festbrennweiten ebenbürtig war. Wenn das Licht ausreichend war, nahmen auch Profis gerne dieses universelle Zoom statt des damaligen Reportage-Standards 1,8/85 mm und 2,8/180 mm. Das mit 74,5 mm Durchmesser (52 mm Filtergewinde), 154 mm Länge und 830 g Gewicht vergleichsweise kompakte 4,5/80-200 Nikkor ersetzte seine voluminösen Vorgänger 4-4,5/8,5-25 cm (1959-1969) und 4/85-250 mm (1969-1973), die 89 mm Durchmesser (82 mm Filtergewinde), 297 mm Länge und ca. 2000 g Gewicht aufweisen. Das hier gezeigte 80-200 stammt lt. Seriennummer # 147696 aus dem Zeitraum 1973 bis 1975. Es weist eine Besonderheit auf.

Obwohl sichtlich gebraucht, funktioniert hier die Friktion, die gewünschte Reibung des Schiebemechanismus' einwandfrei. Das bedeutet, dass der kombinierte Brennweiten-/Entfernungsverstellring leichtgängig ist, beim Einsatz der Kamera je nach Neigung nach unten oder oben aber nicht verrutscht und die gewünschte Brennweite behält. Viele 4,5/80-200 mm Nikkore sind so "ausgenudelt", dass der Ring regelrecht "durchfällt", was den Komfort bei der Benutzung mindert.

Zu faul zum manuellen Fokussieren, wurde das 80-200 auf den TC-16A und die Kombination auf die Nikon D2X montiert. Als Produkt schließlich ein 7,2/192-480 mm Supertelezoom. Was dann gutes Fotolicht voraussetzt UND schnell eher ISO 400 fordert.

4,5/80-200, TC-16A, Nikon D2X

Es hat großen Spaß gemacht, den Nikon Spezialkonverter TC-16A "auf Herz und Nieren" zu überprüfen. Ob ich je in eine fertig umgebaute Variante investiere, damit der TC-16A dann auch auf anderen Nikon DSLRs läuft, hängt davon ab, ob mir mal ein richtig lichtstarkes Tele über den Weg läuft. Halbwegs sinnvoll und vielleicht noch bezahlbar wären die  Objektive 2/200 MF (3,2/320 mm AF), 2,8/300 MF (4,5/480 mm AF) und 3,5/400 mm MF (5,6/640 mm AF). Auch wenn die Lichtstärke dann "unterirdisch" wird, wäre noch ein 8/500 mm Spiegelobjektiv realistisch, was mit dem TC-16A auf der D2X dann zum 12,8/1200 mm Ultra-Tele würde... So oder so braucht es dann zum Einsatz wirklich gutes Licht, denn High-ISO gehören nicht zu den Stärken der Nikon D2X. Die Beispielfotos mit der Kombination TC-16A 4,5/80-200 wurden überwiegend mit ISO 3200 geschossen. Da muss mit Lightroom kräftig entrauscht werden, was auf jeden Fall etwas Schärfe kostet. Machbar ist es, wie die Telefotos zeigen, aber neuere Kameras tun sich da leichter. Obwohl hier nur auf 1.800 x 1.200 Pixel reduziert, sind die 4.288 x 2.848 = 12 MP der Nikon D2X realisierbar.

Kleiner Nachtrag

Bei der Nikon D2X(s) und dem Konverter als völlig selbstverständlich hingenommen, gibt es zahlreiche Nikon DSLRs, die weder mit dem TC-16A noch mit manuell zu fokussierenden Objektiven etwas anfangen können. So lassen sich diese Objektive zwar auf fast jede Nikon DSLR montieren, ich habe aber keinerlei Kopplung, Belichtungsmessung/-steuerung. Das trifft auf die D100, D70 und zahlreiche andere Einsteiger-Nikons zu.

Die D2X(s), D2H(s) sowie die Nachfolger der D3-, D4- und D5-Reihe bieten mit manuell zu fokussierenden Objektiven manuelle Belichtungssteuerung MIT Belichtungsmessung und bei Blendenvorwahl Zeitautomatik. Auch die „kleineren“ Vollformat DSLRs D6/7/8xx, die D500 und D7xxx sowie die Df können das. Diese Kameras enthalten auch Datenbanken, aus denen Objektiv und Lichtstärke ausgewählt und in die Exif geschrieben werden. Viele alte Objektivschätze, bestimmte Spezialobjektive können so auf modernen Kameras sinnvoll (mit Belichtungsmessung!) weiterverwendet werden!

Andere Konverter/Adapter

Schade, dass Nikon den Konverter nicht optisch anders ausgelegt hat. Ich denke dabei an den Canon FD-/EOS-Konverter, den Canon beim kompletten Systemwechsel anbot, weil hochlichtstarke und teure Teleobjektive mit dem alten Canon FD-Bajonett-Anschluss nicht mehr auf das vollkommen neue EOS-Bajonett passten. Dieser Canon-Konverter verlängert die Brennweite zwar nur um den Faktor 1,26, aber die Lichtstärke verringert sich nur um diesen Faktor! 

Ein Zahlenbeispiel

Bei einem 2-fach Telekonverter verdoppelt sich die Brennweite und halbiert sich die Lichtstärke. Ein 2/200 wird zum 4/400 mm Tele. Beim 1,4-fach-Konverter wird das 2/200 zum 2,8/280 mm. Der Nikon TC-16A liegt dazwischen: Das 2/200 wird zum 3,2/320 mm. Mit dem 1,26-fach Konverter habe ich beim 2/200 mm zwar „nur“ 250 mm Brennweite, aber bin mit Lichtstärke 2,5 noch unter f/2,8. Bei Canon ist dass noch günstiger, deren 1,8/200 mm FD-Tele wird dann zum 2,3/250 mm...

Adapter/Konverter

Stellvertretend für eine mittlerweile große Anzahl Adapter, die die Weiter-/Wiederverwendung ungezählter Objetive unterschiedlichster Hersteller auf aktuellen spiegellosen Systemkameras von der mFT- über die APS-C- bis zur 24x36 mm Vollformat-Sensor DSLM ermöglichen, sei hier der Metabones "Speedbooster" genannt. Hier wurde die Adaptionsmöglichkeit auf die Spitze getrieben. Die Brennweite des angesetzten Objektivs wird nicht nur um den Faktor 0,7 verkürzt, sondern auch die Lichtstärke des adaptierten Objektivs muss mit diesem Faktor multipliziert werden. Das Produkt ist eine deutlich höhere Lichtstärke! Das ist aber noch nicht alles.

Beispiel für ein lichtstarkes 1,4/50 mm auf einer DSLM mit 15x23 mm APS-C-Sensor

50 mm x Metabones-Faktor 0,7 x Cropfaktor APS-C 1,5 = 52,5 mm. An der Brennweite hat sich also fast nichts getan! Aber die Lichtstärke: 1,4 x 0,7 = 0,98! Das schon lichtstarke 1,4/50 mm wird zum ultralichtstarken (gerundet) 1,0/53 mm. Das Ganze für ein 1,2/85 mm Tele auf einer mFT DSLM: 85 x 0,7 x 2 = 119 mm. Lichtstärke 1,2 x 0,7 = 0,84. Das schon ultralichtstarke 1,2/85 ist zum "hyperlichtstarken" 0,8/119 mm mutiert! Neben dem 0,7 Speedbooster gibt es auch noch eine 0,5-Variante und zahlreiche, teilweise einfachere Adapter mit geringeren Möglichkeiten. Einfach mal auf der Metabones-Internetseite schmökern...

Das Ganze lässt sich Metabones im Fall des 0,7 Speedboosters mit Preisen jenseits der 600 US Dollar fürstlich entlohnen, wobei es dafür auch die komplette Kommunikation zwischen "Fremdobjektiv" und Systemkamera gibt, heißt Blendenateuerung UND auch Einzel-Autofokus (AF-S). Das Vorhandensein des Objektivs vorausgesetzt, was als 1,2/85 mm Canon ja eine ordentliche Stange Geld kostet. Kontinuierlicher Nachfolge-AF (AF-C) ist übrigens nicht drin. 

Diese Zeilen waren jetzt bitte NICHT als Werbung für Metabones zu verstehen! Wer (wie ich) auf diesen "Mercedes" unter den Adaptern/Konvertern verzichten kann oder muss, bekommt für vergleichsweise ganz wenig Geld simple Adapter, die dann ein liebgewonnenes, komplett elektronikfreies "fremdes" Objektiv aufnehmen, das so allerdings ohne jegliche Übertragung (Blende, AF!) auf der DSLM ein zweites Leben bekommt. Was bei voll mechanischen Objektiven ohne Elektronik eh keine Rolle spielt. Zeitautomatik mit Blendenvorwahl geht meistens, aber beim Fokussieren ist eben Handarbeit angesagt.

Es gibt Anwender, die diese "Adapteritis" komplett ablehnen, aber für mich spricht nichts gegen die Experimentierfreude mit alten Objektiv-Spezialitäten. Irgendwo fliegt bei mir noch ein Sony NEX Alpha-/Nikon F-Adapter herum. Zum Zeigen genügt aber dieser Link, wo das erste industriell – heißt in großen Stückzahlen – gefertigte 6,3/95-205 mm Tamron von 1961 auf die Sony NEX 3 von 2010 adaptiert wurde.

55 Jahre Altersunterschied zwischen Objektiv und Kamera!

Übrigens

Canon war sich nicht zu schade einen hochwertigen Adapter anzubieten, der die Verwendung von Objektiven mit Nikon F-Bajonett auf den Canons mit FD-Objektivanschluss ermöglichte! Der Adapter ist heute ein schwer zu findendes und teures Teil für Sammler. Alles auf dem Foto ist nur noch eine Erinnerung :-( Aber eine schöne Erinnerung! Das 5,6/15 mm Ultraweitwinkel, montiert mit dem beschrieben Adapter auf die Canon F1, bestückt mit einem Sportsucher Canon Speed Finder. Auch Nikon bot derartige Sucher an, die eine Motivbeurteilung, Fokussierung ermöglichen, ohne die Kamera am Auge zu haben. Zum Beispiel, weil in einer gefährlichen Umgebung eine dicke Schutzbrille getragen werden muss.

Ralf Jannke, Februar 2017

Kleiner Nachtrag

Der TC-16A funktioniert auf der Nikon D2Hs genauso problemlos wie auf der D2X!

Kommentare (2)

  • Stefan Oswald
    Stefan Oswald
    am 11.08.2018
    Guten Tag Herr Jannke
    auf der Suche nach der TC-16A-Modifizieranleitung stieß ich auf Ihren Bericht. Gleich am Anfang schreiben Sie zu dem Bild der F-601 mit dem 3,5/200 für F3AF, daß das 3,5/200mm AF an der F601 "läuft". Heißt das der Autofokus funktionert in dieser Kombination? Bisher war mir nur bekannt, daß die F3AF-Objektive an der F-501 und der F4 autofokusieren. Und das halte ich für ein technisches Kunststück, denn die Kontakte müssen ein Analogwertprotokoll für die F3AF-Objektive und ein digitales Protokoll für die anderen AF-Objektive können.

    An einer anderen Stelle schreiben Sie, der TC-16A erfordert Lichtstärke 2 oder besser. Meiner Meinung nach hat dieser Wert nichts mit dem TC-16A zu tun sondern steht so in der Bedienungsanleitung der Kamera. In diesen Fall wohl der F-501. Ich habe den TC-16A jahrelang mit der F-801s verwendet und in der Bedienungsanleitung der F-801s ist die Minderstlichtstärke 2,8 für Verwendung mit dem TC-16A genannt. Meiner Meinung nach hängt die Minderstlichtstärke von der Empfindlichkeit des AF-Sensors ab und bei sogenannten f8-Sensoren düfte die Mindestlichtstärke 4,5 ausreichen.
    • Ralf Jannke
      Ralf Jannke
      am 12.08.2018
      Guten Tag Herr Oswald

      Ich kann es mangels 3,5/200 mm AF ED und F601 heute nicht mehr überprüfen, bin mir aber aus der Erinnerung recht sicher, dass der TC-16 neben der F501 und F4 auch mit der F601 funktionierte… MIT Autofokus, versteht sich.

      TC-16 und Lichtstärke

      Der Fehler mit Lichtstärke f/2 ist korrigiert. In den TC-16 Unterlagen wird f/2,8 als Mindestlichtstärke gefordert. Nach diversen Versuchen läuft und fokussiert (!) der TC-16 auf meinen Nikon D2X/D2Hs-Gehäusen aber auch mit den lichtschwächeren Nikkoren 3,5/20 mm, 4,5/80-200 mm und 5,6/400 mm ED. Vom Hörensagen soll er auch ein 8/500 Reflex Nikkor autofokussieren. Was ich irgendwann mal ausprobieren werde, wenn mir ein preiswertes 8/500 mm über den Weg läuft…

      Ralf Jannke

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