Was ist hier die größere Rarität? Kamera oder Objektiv?

Es ist in diesem Fall tatsächlich nicht die von Kodak digitalisierte Canon EOS1n, es ist das Objektiv, was aus Canon EOS Urzeiten stammt.

Nur bei Nikon kann man Dank des von den mechanischen Abmessungen immer gleichen F-Bajonetts von 1959 noch ältere Objektive als bei Canon einsetzen. Aber immerhin, 30 Jahre Objektivalter kann auch Canon bieten! 1987 präsentierte Canon das 3,5-4,5/35-105 mm EF Zoom für das völlig neue EOS-System, das – nicht ohne Risiko – vollkommen mit dem alten Canon FD-System brach. Über Nacht wurden tausende von Objektiven unbrauchbar, denn sie ließen sich von ganz wenigen Ausnahmen mit großen Einschränkungen nicht mehr auf der Canon EOS verwenden! Canons Risiko wurde belohnt, es führte zur Übernahme des kompletten professionellen Reportage-, Sport- und Naturfotobereichs, der zuvor rund 3 Jahrzehnte lang von Nikon dominiert wurde. Heute ist Canon die Nummer eins, Nikon nur die Nummer zwei. 

Die Kamera, eine auf der Canon EOS1n basierende 2 Megapixel Kodak DCS520 wurde hier schon ausführlich gewürdigt. Aber ein paar frisch 2017 damit aufgenommene Bilder wurden bisher vorenthalten...

1977 bis 1992: 15 Jahre Nikon. 1992 - 2007: 15 Jahre Canon. Ab 2007 wieder bei Nikon...

Auch wenn Nikon "nur" noch Nummer zwei ist, kein Grund Canon deshalb nicht zu mögen, aber auch kein Grund wieder umfangreich in Canon-Neuware zu investieren. Aber historische Sammel-Canons, wie beispielsweise die PowerShot 600 oder Canons erste eigene DSLR EOS D30 sowie die die Kodak/Canons dürfen es gerne sein. Aber für die DSLRs soll kein umfangreicher Canon Objektivpark angelegt werden! Die für Spottgelder erworbenen 3,5-5,6/28-80 mm wie 4-5,6/35-135 mm USM haben ihre Extraklasse auf der 13,5 Megapixel Kodak DCS ProSLR/c bewiesen. Aber mit der Lichtstärke bei Endbrennweite von nur f/5,6 sind die nichts für die Basketballhalle. Da musste etwas lichtstärkeres her.

Und dabei lief mir eine 30 Jahre alte Rarität über den Weg. Zwei Jahre vor Canons EOS1, die den bis dahin von Nikon beherrschten professionellen Fotobereich regelrecht aufmischte, stellte Canon das oben gezeigte EF 3,5-4,5/35-105 mm Weitwinkeltelezoom vor! Parallel mit der EOS 1 kam 1989 Canons erstes Profiweitwinkeltelezoom mit Ultraschallmotorantrieb auf den Markt: 2,8-4/28-80 mm. Was auch 2017 bis 500 Euro gehandelt wird, für Sport aufgrund der im Objektiv beim Fokussieren zu bewegenden schweren Linsen(gruppen) aber wenig geeignet ist. Ich hatte das Zoom vor rund 25 Jahren.

Deshalb und aus Preisgründen fiel die Wahl deshalb aufs nur wenig lichtschwächere 60 Euro 3,5-4,5/35-105 mm Canon EF. Was bei Endbrennweite fast doppelt so lichtstark als das vorhandene 4-5,6/35-135 mm USM ist. Dennoch wurde zusätzlich das 3,5-5,6/28-80 Canon mit Ultraschallmotor-AF-Antrieb eingepackt. Bis 35 mm Brennweite bleibt die Lichtstärke bei f/3,5. Multipliziert mit dem 1,6-Cropfaktor der Kodak DCS520 habe ich so 45 bis 56 mm Brennweite. Für unter dem Basketballkorb OK! Bei ISO 1600 und f/3,5 1/640 s Verschlusszeit. Durch den Cropfaktor entspricht der Bildausschnitt des 35-105 Zooms bei längster Brennweite 168 mm. Was für ein paar Szenen von der Seitenlinie aus reichen sollte. Sehen Sie selbst - unten...

Akkus für die Kodak DCS5xx/6xx/7xx Linie

Was dieses Thema passende Akkus, Ladezeiten usw. angeht, lesen Sie bitte im Blog-Teil des digicammuseum.de den Eintrag: "Batterietricks II"

ISO Test – Erbsenzählerei ;-)

2003, beim ersten Einsatz der Kodak/Canon EOS1n/DCS520 habe ich mich um so etwas nie gekümmert. Aber jetzt war die Gelegenheit einmal genauer hinzuschauen. Mich interessierte, wie groß die Unterschiede in Bezug auf das Rauschen bei den hohen ISOs ist. Mein bewährtes Testobjekt wurde deshalb mit ISO 800, 1000, 1250 und 1600 abgelichtet. Um überhaupt etwas zu erkennen, rechnete Adobe RAW die 2 MP Bilder gleich auf 6 MP hoch (*). Schärfung und Luminanz/Rauschreduzierung auf Null! Bei ganz angestrengtem Hinsehen erkennt man eine Stufe beim Übergang von ISO 800 auf die letzten drei möglichen Einstellungen. Gegenüber ISO 1000 und 1250 fällt ISO 1600 noch etwas stärker ab. Aber: Bei 2 MP Auflösung belassen und das absolut vertretbare Rauschen bei ISO 1600 ein bisschen geglättet, spricht nichts gegen die Verwendung! So war es reine Erbsenzählerei!

(*) Von 2 auf 6 Megapixel. Geht bei weniger ISO so gut wie immer, wenn die 2 MP einfach nicht ausreichen. Der gute Kodak-Sensor und Adobe RAW machen es möglich!

Völlig zu Recht habe ich 2003 vollkommen unbedarft ISO 1600 benutzt, um mit offener Blende des seinerzeit 2,8/70-200 Canon L USM die schnellst mögliche Verschlusszeit zu haben!

Damit war klar, dass es mit ISO 1600 in die Basketballhalle geht! Aus den f/2,8 1/1000 s bei ISO 1600 wurde je nach Objektiv f/3,5 1/640 s bei ISO 1600. Für die End-Lichtstärke des 3,5-4,5/35-105 wurde 1/500 s Verschlusszeit belassen. Was so evtl. nicht ganz passte, regelten Adobe Lightroom, RAW und Photoshop.

Vor dem Einsatz der von Kodak digitalisierten EOS1n sollte zur Sicherheit noch mal in die (englische) Bedienungsanleitung der EOS1n und die Belegung der EOS1n Custom Functions geschaut werden... Um die hinter einer Klappe "versteckte" Wahl der Serienbelichtung zu finden, was in Vergessenheit geraten war. Mit dem Wissen und einer 3,6 B/s schnellen DSLR ging es dann in die Basketballhalle.

Der Autofokus auf Servo und nur der mittlere, kreuzförmige Sensor aktiviert. Was in diesem Fall allerdings nicht zum Tragen kam, denn der mittlere AF-Sensor arbeitet nur dann kreuzförmig, wenn das Objektiv eine Mindestlichtstärke von f/2,8 hat.

Kamerabaujahr 1998 – Aufnahmejahr 2017...

Alle Aufnahmen 3,5-5,6/28-80 bei f/3,5 und 28 mm Brennweite – auf der DCS520 45 mm Brennweite...

Die ersten beiden Fotos auch noch mit dem 3,5-5,6/28-80, der Rest mit dem 30 Jahre alten 3,5-4,5/35-105 mm (56-168 mm) Canon EF. Alle Fotos Ausschnitte aus den 1.728 x 1.152 Pixel Originaldateien der DCS520. Bitte auf die kleinen Fotos klicken, tippen.

In Anbetracht der Tatsache, dass diese Fotos notgedrungen mit Amateurzoomobjektiven - heute würde man sagen "Kitzooms" - aufgenommen wurden, fand ich es doch noch beachtlich. Besonders, wenn ich mich an meine aktiven Canon-Zeiten zurückerinnere. Dort kamen zum Einsatz ein 2,8/17-35, ein 1,8/85 mm und der "Sporthallen-Standard" 2,8/70-200. Dagegen haben sich das 3,5-5,6/28-80 und 3,5-4,5/5-105 Zoom brav geschlagen... Das 28-80 ist optisch exzellent, aber von der Lichtstärke eben nichts für eine Sporthalle. Mit 1/500 1/640 s werden die Verschlusszeiten für schnellen Sport schon kritisch. 1/1000 s ist sicherer!

Ein aktuelles 24-105 Canon mit schnellem USM-Autofokusantrieb mit durchgehender Lichtstärke f/4 überfordert keine moderne Canon EOS. Wenn der Fotograf, die Fotografin nicht ein 2,8/24-70 einsetzten. Es darf bei f/4 für schnelle Verschlusszeiten dann auch mal ein bisschen mehr als ISO 1600 sein, wo die Kodak/Canon Eos1n/DCS520 ihr Limit erreicht hat...

Und: ISO 1600 auf ein harmloses Bücheregal bei gedämpftem Tageslicht (siehe oben) ist doch etwas anderes als ISO 1600 in der Sporthalle. Da musste mit Adobe Lightroom schon entrauscht werden!

PS.: Die Ergebnisse müssen mit der Kodak DCS620 identisch ausfallen, denn der Unterschied besteht nur in einer Nikon F5, die statt der Canon EOS1n auf der 2 Megapixel Kodak-Sensoreinheit sitzt. Auch Boris Jakubaschk hat die DCS520 ausführlich beschrieben.

Im Gegensatz zu einer X-tended Version DCS620X auf Nikon F5-Basis gab es keine DCS520X. Nur soviel: Die DCS620X hat einen anderen 2 Megapixelsensor, dessen Empfindlichkeit von ISO 400 bis auf ISO 4000 gesteigert werden kann. ISO 5000 und ISO 6400 gehen auch noch, aber die sind lt. Kodak „unkalibriert“. Was immer das bedeutet. Aber ISO 4000 sind nutzbar! Womit die DCS620X der DCS620 und DCS520 entsprechend überlegen ist

Ralf Jannke, Februar 2017

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