Die Kodak "Ziegelsteine" DC40, DC50, DC120

Eine Kamera-Familie ähnlicher Bauart. Im Foto die DC 120. Mancher spricht angesichts der frühen Kodak-Digitalkameras wohlwollend von Feldstecher-Design. Für mich ist das ist weder Feldstecher noch Design, das ist Backstein ;-) Und irgendwie zieht sich diese vielleicht als zweckmäßig gedachte, für mich aber lieb- und designlose Plastikanmutung lange Zeit durch die Kodak DC Linie. Aber interessant ist „er“, der DC120-„Ziegelstein“: Als Kodaks erste "Megapixel"-Kamera...

Die Modelle der DC-Reihe

DC 40

Vorgestellt 1995, 756x504 Pixel, 2,8/42 mm (@KB) Fixfokus-Objektiv, ISO 84, P-Automatik, Verschlusszeit: 1/30 to 1/175 s, 4 MB Speicher eingebaut, 4 AA-/Mignon-Batterien/Akkus. Die DC40 wurde auch als Logitech Pixtura vertrieben! Englische DC40-Bedienungsanleitung

DC 50

Vorgestellt 1996, 756x504 Pixel, 37-111 mm (@KB) Zoom, ISO 84, 1 MB Speicher intern, Erweiterung durch PCMCIA-Speicherkarteneinschub, oder Compactflash-Karte im PCMCIA-Adapter, 4 AA-/Mignon-Batterien/Akkus, 1/16 - 1/500 s; Englische DC50-Bedienungsanleitung Der Kodak DC50 wurde auch als sehr ähnliche Chinon ES 3000 Variante und Dycam Model 10-C vertrieben, die mit einem anderen Sensor allerdings nur 640x480 Pixel auflösen.

DC 120

Vorgestellt 1997. Aus einem Hochformat-850x984 Pixel-Sensor wird das fertige, querformatige 1280x960 Pixel Foto generiert (interpoliert!). 2,5-3,5/38-114 mm (@KB) Ektanar, ISO 160, P-Automatik, Verschlusszeiten 16 - 1/500 s, 2 MB intern, Speichererweiterung durch Compactflashkarte Typ I, 4 AA-/Mignon-Batterien/Akkus, 1,5 Inch (3,8 cm) LCD-Monitor zur Bildkontrolle aber noch ohne Liveview-Funktion. Englische DC120-Bedienungsanleitung

Die Kodak DC120 speichert in einem herstellereigenen K(odak)D(igital)C(amera)-, KDC-Rohformat der Kompressionsstärken 73:1, 46:1, 26:1 und 6:1. Adobe Lightroom/RAW kann das Datenformat nicht lesen! Die ersten drei Kompressions-Varianten wären nach normalem Verständnis zumindest im JPEG-Format jenseits von gut und böse! 1:6 zwischen den JPEG-Stufen 1:4 = sehr gut und 1:8 gut ist OK, ab 1:16/1:20 gibt es massive Kompressionsartefakte.

Auch wenn die DC 120 nicht im JPEG-Verfahren speichert, kam auch Jürgen Albrecht in seinem interessanten Erfahrungsbericht zur Kodak DC120 vom 22. Juni 1998 zu einem ähnlichen Ergebnis: „Man hilft sich mit Bildkomprimierung. Die DC 120 hat vier verschiedene Stufen. Aber nur zwei sind benutzbar, sonst wird die Bildqualität auch für das Internet zu schlecht.“

Im deutschen DC 120-Prospekt wird die 6:1 Komprimierung gar als „unkomprimiert“ beschrieben. 

"Mogelpackung" Interpolation

Obwohl die DC 120 die fertige Bildpunktzahl von 1280x960 Pixel beim 850x984 Pixel-Sensor ja „nur“ horizontal um knapp 150 Prozent vergrößern muss, hätte das zumindest von der Theorie her ein deutlich besseres Ergebnis liefern müssen. Selbst die nur 1024x768 Pixel der Olympus Camedia 800L lieferten 1996 ein besseres Resultat, von der Canon Powershot Pro 70 mit ihren nominell nur wenig mehr 1536x1024 Pixel ganz zu schweigen! Mit diesem aufgeblasenen, schwammigen Bildergebnis, was die Kodak DC 120 liefert, war weder heute noch 1997 Staat zu machen! Hier zwei Originalfotos aus der DC 120, die nur auf 640x480 Pixel runtergerechnet, dann aber akzeptabel sind. Die 640x480 Pixel Verkleinerung ist jeweils ins 1280x960 Pixel Original montiert.

Was diese „Qualität“ angeht, sollte man bedenken, dass sie unter Umständen nur für dieses eine Exemplar einer DC 120 zutrifft und nicht notwendigerweise für die ganze Bauserie gelten muss! Trotzdem grenzt es schon an Frechheit, die Bezeichnung „MEGAPIXEL“ aufs Kameragehäuse zu drucken. Es hätte der Kodak gut zu Gesicht gestanden, wenn es auf dem Gehäuse so unübersehbar zu lesen wäre, wie bei der Sony Mavica FD83: „INTERPOLATED MEGA PIXEL IMAGE“.

Um die *.kdc Dateien unter Mac OS 10 zu öffnen, braucht es Lemkes GraphicConverter, der in der Exif auch fast alle Kameradaten anzeigt.

XNconvert für Mac OS 10 kann die KDC-Dateien zwar öffnen, erzeugt daraus aber nur 651x488 Pixel Bilder, was der Realität entspricht. 

Unter Windows können Irfanview oder XnView die *.kdc Dateien lesen.

Ich habe bei den gezeigten Bilder zur Konvertierung der KDC-Dateien zur uralten Kodak-Software Picture Transfer for Windows 95/NT, v1.0.2 gegriffen, die unter Windows XP installiert wurde. Das XP läuft in einer virtuellen Umgebung unter der VirtualBox unter Mac OS 10.

Ralf Jannke

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