Superzooms

18-180 mm Olympus Zuiko Digital FourThirds

Als Superzoom bezeichnet man Objektive, die in den Anfängen ganz grob zwei übliche je etwa Dreifach-Brennweitenbereiche 24/35-70/85 mm und 70/80-200/210 mm in einem Objektiv mit etwa sechsfachem Zoombereich vereinigen. Wobei ein 24/28-200 mm Zoom heute nichts Besonderes darstellt. Bereits 1967 stellte Nikon sein 4,5/50-300 mm Zoom vor, dessen Brennweitenende stärker im Telebereich liegt. Canon produzierte ab 1993 ein 35-350 mm 10-fach Zoom. Beginnend mit den Digital-SLRs und ihren anfangs nur kleineren 15x23 mm Sensoren, gab es zunächst 18-200 mm Zooms, umgerechnet 27-300 mm fürs analoge 24x36 mm Kleinbild- bzw. digitale Vollformat. Rekord hält für APS-C Sensoren derzeit das 2017 vorgestellte 22-fach Tamron 18-400 mm Zoom, 27-600 mm @KB.

Das alles ist aber nichts gegen die in Bridgekameras eingebauten Zooms. Nach dem in einigen Nikon Kameras eingebauten 24-1000 mm 42-fach Zoom folgten mit dem 83-fach 24-2000 mm Zoom der Coolpix P900 schließlich das 125-fach 24-3000 mm Weltrekord-Zoom der Nikon Coolpix P1000. Mit noch mehr Bildwinkel bei Startbrennweite gibt es auch noch die Panasonic Lumix DMC-FZ72 mit 60-fachem Rekordzoom, umgerechnet aufs Kleinbildformat 20-1200 mm.

Lässt man die Rekorde dieser Bridgekamera-Zooms, die fürs Vollformat oder 15x23 mm von Abmessungen, Linsendurchmessern und Massen wohl nur mehr theoretisch baubar wären, mal außen vor, spricht man bei 10-fachen Brennweitenbereich von einem Superzoom. Exakt diesen Bereich bietet das 3,5-6,3/18-180 mm Zoom, vorgestellt 2006 für Leica-, Olympus- und Panasonic DSLRs mit 13x17 mm FourThirds Sensor und entsprechendem Bajonett. Auf dem Objektiv unübersehbar als 36-360mm equiv. (KB äquivalent) markiert.

Kurz vor den Ferien habe ich noch dieses 3,5-6,3/18-180 mm Superzoom in meine Ausrüstung aufgenommen. Zu meiner Freude passt das Zoom natürlich nicht nur auf die FT-Kameras, sondern es wird auf dem chinesischen FT-/mFT-Adapter auch von meiner 199 Euro Olympus OM-D E-M10 autofokussiert! Die Kombination ist nichts für Action, weil sehr gemächlich aber sicher auf den Punkt fokussierend. Das Super-Zoom geht mit auf Reisen, wenn bei kürzeren Trips aus Bequemlichkeit auf der OM-D nur ein Objektiv sitzen soll. Das Zoom ist in eingefahrenem Zustand recht kompakt.

Neu immer noch mit 450 bis weit jenseits der 500 Euro gelistet, werden gebrauchte Exemplare für Größenordnung 190 bis 250 Euro angeboten. Was mir für Bequemlichkeit und ein Objektiv zum Spielen aber immer noch viel zu hoch ist. Als Anfang Juli ein als "STARK GEBRAUCHT" und weiter: "viele Abnutzungsspuren, technisch voll funktionstüchtig" deklariertes Exemplar für 99 Euro offeriert wurde, habe ich sofort zugegriffen. Gefahrlos, da vom Profianbieter mit Rückgaberecht. Bis auf einen unübersehbaren Fehler waren "viele Abnutzungsspuren" nicht erkennbar und das 10-fach Zoom tatsächlich "technisch voll funktionstüchtig". 

Und der Fehler?

Unübersehbar einige Kratzer auf der Frontlinse. Ich lege ein Objektiv für blitzschnelle Wechsel auch gerne mal "nackt" ohne Deckel in die Fotowestentasche. Dann aber immer allein, damit nichts kratzen kann! Gerne wird in Annoncen bei etwas Staub im Objektiv und kleinen Linsenkratzern so formuliert: „hat keinen Einfluss auf die Abbildungsqualität“ oder so ähnlich. Was OK ist, wenn es sich beim Staub auch wirklich um eine geringe Menge Staub und nicht um Fungus, Linsenpilz handelt. Wirklich "gefährlich" wird es bei zerkratzten Objektiv-Hinterlinsen. Was mich nicht daran hindert auch mit so einem Objektiv zu fotografieren. Frontlinsen sind da vergleichsweise unkritisch. Mein 3,5-5,6/16-85 mm AF-S DX Nikkor hat auch einen kleinen Kratzer auf der Frontlinse. Und? Ich will ein Objektiv zum Fotografieren benutzen, nicht ausschließlich zum Testen... Selbst mit dem heftig misshandelten Zoom der FUJIFILM FinePix S602 Zoom lassen sich Bilder aufnehmen! Und so ist es auch bei diesem 18-180 mm Olympus Zoom, das von mir noch eine einfache Gummi-Gegenlichtblende spendiert bekam. Bei einem 99 Euro Objektiv kaufe ich keine 50 Euro Original Olympus-Blende.

Was die optische Leistung des Zooms angeht, wird das Objektiv unterschiedlich bewertet. Trotz aufwändiger Konstruktion mit 15 Linsen (inkl. asphärischen Linsen) in 13 Gruppen schrieb das PC-Magazin seinerzeit: „Das 18-180er überzeugt bei keiner Brennweite, hinzu kommen vergleichsweise geringe Kontraste im Telebereich." und "durch die kleinen Sensormaße (13 x 17 mm FT/mFT) begrenzt die Beugung bereits ab Blende 8 die Auflösung der Olympus E-400 - 10 Megapixel"

Andere Tests vergeben ein "Sehr Gut" an das 18-180 mm Olympus Zoom. Was bei 4 von 5 Sternen allerdings falsch benotet ist. 4 von 5 sind 80 Prozent und noch nicht mal Schulnote Zwei. 77,5 Prozent und Note 2,2 sind auch falsch, aber realistischer… Das 4-5,6/45-200 mm mFT Panasonic mit Note 1,3 bewertet. Das ist auch im Gepäck, aber eben ein reines Telezoom. Bei gewünschte Brennweitenabdeckung bis in den Weitwinkelbereich müsste also ein zweites Zoom mitgenommen werden... Machbar, aber wenn die Faulheit siegt: 18-180/36-360 mm.

Ohne auch nur einen Augenblick mit den Testergebnissen der Fachmagazine zu hadern, habe ich mit dem 10-fach Zoom einfach zwei Kameras abgelichtet, die in eigenen Artikeln noch größere Beachtung finden:

Bildbeispiele, aufgenommen mit dem 18-180 mm Olympus Zuiko Digital

Warum das 18-180 mm Zuiko in Tests so schlecht wegkommt, konnte sich mir bei den ersten Versuchen nicht erschließen. Die beiden Fotos zeigen 3000 x 2000 Pixel 1:1 Ausschnitte aus 16 MP Dateien der spiegellosen Olympus OM-D E-M10. Gespeichert wurde im Olympus *.orf Rohdatenformat, entwickelt mit Adobe Lightroom 5.7.1. ISO 800, Blende f/11, 1/125 s und 180/360 mm Brennweite plus Gehäuseblitzerchen der E-M10.

Ein ausführlicher Praxisbericht über die spiegellose mFT Olympus OM-D E-M10 folgt…

Ralf Jannke, Sommer 2018

 

 

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