Trotz Vorbehalten: Mit der Olympus OM-D E-M10 zum Basketball

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dieses Stück schwarz eloxiertes Aluminiumrohr nun als "Design" ansehe oder hässlich finden soll… Aber zweckmäßig und preiswert ist/war es, das SIGMA 60mm F2.8 DN "Art". Aus einer Dreierreihe, bestehend aus den Festbrennweiten 2,8/19, 2,8/30 und 2,8/60 ist das 60er mit Abstand das in Pohotozone.de als am besten getestete Objektiv! Es wurde auf der spiegellosen 24 Megapixel APS-C DSLM Sony Alpha NEX-7 getestet. Und wenn man sieht, wie manche zierliche Vollformat DSLM mit autofokuslosen 1 kg Objektiv-Monstern vollkommen ad absurdum geführt wird, stimmt hier das Gesamtkonzept der Miniaturisierung! Wobei: Ich werde der OM-D noch einen Zusatzgriff (preiswerter Nachbau!) spendieren. An eins muss man sich nur beim 60 mm Sigma gewöhnen: Es klappert. Erst wenn das Objektiv "unter Strom" steht, herrscht Ruhe. Im Objektivinneren sind offensichtlich Bauteile, die ohne Strom konstruktiv großes "Spiel" haben…

Ins Bild montiert, die Olympus Ur-OM-Ds... DSLMs der Olympus OM-D-Linie sind die digitalen Nachfolger der zwischen 1972 und 1987 produzierten analogen Spiegelreflexkamera Olympus OM-1. Erstaunlicherweise ist nicht die E-M1 von 2013 die erste digitale OM-D sondern die E-M5 von 2012. Ich begnüge mich einstweilen mit der „Sparversion“ E-M10. Soviel erstmal zur Historie.

Vorbehalte?

Ich erinnere mich noch gut an meine verzweifelten Versuche mit der spiegellosen Olympus PEN E-P3 ein einziges scharfes Bild von den sich schnell auf die Kamera zu oder von ihr weg bewegenden, blitzartig stehenbleibenden oder abrupt die Laufrichtung ändernden Basketballspielern hinbekommen. Warum seinerzeit parallel zur bewährten digitalen Spiegelreflexkamera überhaupt eine spiegellose Systemkamera – DSLM? Weil ich tatsächlich so naiv war, den Aussagen der jeweiligen Hersteller zu glauben, ihre brandneue Kamera hätte den schnellsten Autofokus der Welt. Die DSLM sollte parallel mit in die Basketballhalle gehen, was aber schnell beendet war.

Der in den ganz frühen DSLMs ausschließlich werkelnde Kontrast-Autofokus konnte das in Kombination mit (zu) wenigen Autofokusfeldern und (zu) geringer Kamera-Computerrechenleistung gar nicht leisten. Trotzdem boten die DSLMs die Einstellung AF-C für „AutoFocus-Continuous“, zu Deutsch „kontinuierlicher Autofokus“ zur Verfolgung sich bewegender Motive. Was bei nicht zu schnellen und sich gleichmäßig bewegenden Motiven noch funktionieren kann, beim Ballspieler – dass kann dann auch Fußball oder Handball sein, von Eishockey ganz zu schweigen – aber von der Trefferquote bis zur Unbrauchbarkeit einbricht. 

Erst nachdem der Phasen-Autofokus Einzug in die Welt der spiegellosen DSLMs Einzug hielt, wurde gegenüber der digitalen Spiegelreflexkamera mächtig aufgeholt. So stark, dass beispielsweise eine Fuji X-T2 zumindest im Basketball mit der DSLR mithält, was im Blogeintrag „ZEITWENDE“ nachzulesen ist.

Was aber manche Fachredaktion nicht davon abhält bei einer DLSM im ganz hohen vierstelligen Preisbereich zum Beweis der Autofokusklasse völlig untaugliche Sportfotos zu zeigen. Warum eigentlich? Die gezeigten Sportler/Sportarten wurden so abgelichtet, dass der Autofokus sitzt. Dumm nur, dass das bei dieser Arbeitsweise auch jede 400 Euro Einsteiger DSLR/DSLM geschafft hätte, dazu braucht es keine DSLM mit Rekord-Bildfrequenz, die in der Preisregion der Profi-Flaggschiffe von Canon und Nikon liegt… Wie der Teufel das Weihwasser wird der Gang in eine Ballsport-Arena der Wahl gemieden. Das würde (zumindest für mich) jeden Zweifel an der Klasse eines Autofokus’ beseitigen.

Warum jetzt ein Versuch mit der Olympus OM-D E-M10? Die keinen Phasen-Autofokus bietet…

Aus Neugier und um die von mir als Sportfaktor bezeichnete Güte eines Autofokus in dieser Tabelle zu widerlegen oder zu bestätigen. Und auch durch die moderaten Gebrauchtpreise der eingesetzten Kombination Olympus OM-D E-M10 und 2,8/60 mm Sigma. Die Oly hat 199 Euro gekostet, das 60er 125 Euro.

Sind die Werte für den Sportfaktor realitätsfern?

Nach meiner primitiven Formel liegt die moderne Olympus OM-D E-M10 von 2014 mit einem Sportfaktor 6 noch unter dem Sportfaktor 9 der Kodak/Nikon F801s DCS 200ci von 1992, wobei das analoge Basisgehäuse, bzw. dessen Autofokus noch ein Jahr älter, aus 1991 ist.

Während der Sportfaktor mit jeder digitalen SLR-Generation immer weiter steigt, erreicht noch nicht mal die aktuelle, dritte Version der OM-D E-M10, die MK III von 2017 die Kodak DCS200ci. Was ich mangels Kamera nicht ausprobieren kann! Hochinteressant wäre der Einsatz einer Olympus OM-D E-M1 (Vorstellungsjahr 2013), denn die hat den für derartige Sportfotografie benötigten Phasen-Autofokus! Dafür aber "mal eben" bis siebenhundert Euro in eine gebrauchte OM-D E-M1 zu investieren, kommt überhaupt nicht in Frage! Für den Preis bekommt man mit etwas Glück eine gebrauchte 12 Megapixel Vollformat Nikon D3 oder für unter (!) 400 Euro eine Canon EOS 1D MK II/n, beides richtige Sportmaschinen!

Schaut man auf die Tabelle im Blogbeitrag „Sportfotografietauglichkeit“ erreicht die Panasonic G(H)1 im Vergleich zur simplen bis Profi-DSLR nur einen theoretischen „Sportfaktor“ von 3 Prozent. Alte DSLRs erreichen Größenordnung 15 bis 20 Prozent, die DSLR-Flaggschiffe je nach Alter 40 bis 70 Prozent. Die Nikon D5 erreicht nach der Rechnung 100 Prozent, die vom reinen Zahlenwert von der erwähnten Fuji X-T2 sogar noch deutlich übertroffen wird – mit 218 Prozent. Nach der gleichen Berechnung kommt die Olympus OM-D E-M10 mit ihrer Kontrast-AF-Messung über 81 Messfelder übrigens auf 6 Prozent. Immerhin das Doppelte der Panasonic G(H)1. Wie der „Sportfaktor“ ansteigt, zeigt der aktuell letze Nachfolger der OM-D M-10, die Version MK III mit 121 Kontrast-AF-Messfeldern, da liegt der Faktor bei 8. Eine – zumindest in der Theorie – starke Verbesserung liefert aber erst die OM-D M-EINS (1) mit ihren 19 Phasen-AF-Sensoren: Die erreicht einen Sportfaktor von 31.

Zum weiteren Vergleich habe ich noch meine verflossenen Olympus PEN E-P3 und die existierende E-P2 in die Tabelle mit aufgenommen. Neben der reinen Anzahl AF-Sensoren spielt sicher auch die Prozessorleistung des Kamera-Computers eine große Rolle. Was erklärt, warum die GH1 von der AF-Verfolgungsleistung besser war als die der Olympus PEN E-P3. Genug dieser Theorien… 

Grundsätzlich unterstützt das microFourThirds-Sensorformat durch seine Größe von 13x17 mm gegenüber dem 24x26 mm Kleinbildformat den Autofokus. Denn der Cropfaktor 2 des mFT-Formats ist nicht nur auf die Brennweite, sondern auch auf die gewählte Blendenzahl (nicht Lichtstärke!) anzuwenden! 

Das 2,8/60 mm Sigma mutiert zum 60 x 2 = 120 mm Tele. Die Lichtstärke bleibt natürlich bei f/2,8. Die Tiefenschärfe entspricht bei Offenblende f/2,8 aber der im Kleinbildfomat entsprechenden Blende f/2,8 x 2 = f/5,6. Und diese höhere Tiefenschärfe unterstützt den Autofokus ganz sicher. Wenn bei 60/120 mm Brennweite und Lichtstärke f/2,8 der kontinuierliche Autofokus (AF-C) nicht perfekt nachsteuert, gibt es kein scharfes Foto. Bei Blende f/5,6 könnte es aber noch scharf sein, weil der Fokus (noch) in der Tiefenschärfe liegt.

Mit diesem Wissen ausgestattet ging es mit der OM-D E-M10 zusammen mit dem 2,8/60 Sigma in die Basketballhalle.

Gelungenere Spielszenen aus der Basketballhalle

 

Und so kam es, wie es kommen musste...

Die ordentlichen Fotos vom Einlauf der Spieler deuten darauf hin, dass die OM-D E-M10 mit den gleichmäßigen Bewegungen und viel Tiefenschärfe mithalten konnte. So wie die Tiefenschärfe bei dem Moped-Versuch mit der Panasonic GH1 und dem 4-5,6/40-150 mFT Zoom stark geholfen hat, dürfte es sich auch hier verhalten haben. Das 3,5-5,6/14-45 Panasonic OIS entspricht einem 28-90 mm KB-Zoom bei Tiefenschärfe 7-11 bei Offenblende je nach Brennweite.

Aber beim 2,8/60 Sigma reichte die Offenblende 2,8 = f/5,6 Tiefenschärfe im KB-Format bei umgerechnet 120 mm Brennweite nicht, den erfassten Spieler im Fokus zu halten!

Da kann man nur Schulnote 6 - ungenügend - geben.

Ob es aber gar nicht an der braven Olylympus, sondern am lahmen AF des 2,8/60 mm Sigmas liegt, könnte ich nur mit einem vergleichbaren Original Olympus 1,8/45 mm mFT testen. Dessen Investition ich aber scheue! Ich möchte nicht mehr mFT-Objektive, als die vorhandenen!

Immerhin hat die Olympus OM-D E-M10 und ihrem kleinen 13x17 mm mircoFourThirds-Sensor bei den hohen ISO-Empfindlichkeiten positiv überrascht. Bei den Fotos des Spieler-Einlaufs waren ISO 5000 eingestellt, für die Fotos vom Spiel ISO 2000. Alles Offenblende beim 2,8/60 Sigma.

Und jetzt?

Trotz dieser Katastrophe gefällt mir die kompakte und unscheinbare OM-D E-M10, und ich werde sie auf jeden Fall als Urlaubs- und Freizeitkamera behalten und nutzen!

Mit der Sporthalle werde ich die OM-D E-M10 nicht mehr überfordern... Wer sich mit dem Gedanken trägt auch solche Motive sicher zu erwischen, kommt an der DSLR oder der spiegellosen DSLM MIT Phasen-Autofokus nicht vorbei! Und diese Modelle gibt es ja mittlerweile in ausreichender Zahl von mehreren Herstellern.

Aber was diesen Test anging: Es ist sicher nicht die Aufgabe eines unwichtigen Digitalkamera-Sammlers, der seine spiegellose DSLMs selbst erworben hat, diese auf ihre Autofokustauglichkeit zu testen. Auch wenn ich Fachmagazine schon lange verweigere, wäre es deren Job mit den entsprechenden neuen spiegellosen Modellen eine Ballsportart der Wahl oder gar Eishockey zu wählen, um dort vor Ort zu testen, wie gut der Autofokus wirklich ist. Gerne auch mit einer Profi-Optik, wie beispielsweise einem Olympus Zuiko AF 2,8/40-150. Ich kann mich an keinen derartigen Test erinnern. Oder habe ich was verpasst, übersehen?

Stattdessen legte ein Fachmagazin 2016 einen Test so geschickt an, dass die zum Überleben der Fachmagazine notwendigen Anzeigenkunden auf keinen Fall verprellt wurden/werden. Da wurden mit verschiedenen Kameras – spiegellos und mit "Klapper"-Spiegel" – Messreihen mit unterschiedlichen Helligkeiten und zwei mit gleichmäßigen Geschwindigkeiten auf ein gleichmäßig bewegtes Testmotiv im Stil eines Siemenssterns durchgeführt: mit 0,4 m/s und 1 m/s Geschwindigkeit.

Wie "schnell" ist das eigentlich?

1,44 km/h bzw. 3,6 km/h... Ob da mal jemand gerechnet hat, welche (Durchschnitts-) Geschwindigkeit beispielsweise ein 100 m Läufer erreicht? Bei 100 m in 10 s sind das 36 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Die 10-fache Geschwindigkeit dieses „Tests“! Nicht nur Leichtathleten schaffen das, auch Top-Sportler in den verschiedenen Ballsport-Ligen sind zumindest in kurzen Sprints derart schnell. Im Jugendsport laufen 8-jährige die 50 m in 10 s, also mit 18 km/h. Fürs Sportabzeichen in Gold müssen Männer die 1000 m in 5 min schaffen – mit 12 km/h. Mit dagegen Schneckengeschwindigkeiten soll dann also die Güte eines AF's bewiesen werden…

Von ihrem Vorstellungsjahr 2014 ist die Olympus OM-D E-M10 aus Sammlersicht natürlich vollkommen "off topic", eben nicht zum Thema "Sammeln von (alten) Digitalkameras" gehörend. Ich hatte aber einfach Lust zu diesem Beitrag aus der Praxis, und so wird es 2018 vielleicht einen zweiten "off topic" Erfahrungsbericht zur kompakten und handlichen OM-D E-M10 geben. Immerhin ist diese OM-D historisch gesehen nach der E-M5 und E-M1 die erste Einsteiger DSLM von Olympus mit fest eingebautem E-Sucher.

UNSCHARF!

Eine typische Spielszene – wo einem die Augen tränen :-(

Was nützen 8 B/s, wenn ALLE Bilder einer Serie unscharf sind? Das AF-Messfeld wurde selbstverständlich auf dem wichtigen Spieler platziert. Experimente mit dem Vergrößern des AF-Felds von einem mittelgroßen auf 9 Felder oder Fokus-Tracking brachte nichts. JEDE Einsteiger DSLR hätte diese Aufnahmen mindestens in akzeptabler, wenn nicht gar perfekter Schärfe gemeistert. Wie habe ich schon öfter gelästert: "Schnellster Autofokus der Welt…" So deklarierten besonders zu Beginn die Hersteller ihre jeweils neueste DSLM. Aber wohin mit dem Autofokus? In die Zuschauermenge?

Diese drei unscharfen und alle folgenden Fotos sind Ausschnitte aus den 16 Megapixel-Aufnahmen der Olympus OM-D E-M10. Gespeichert wurde in der Photoshop JPEG-Q-Stufe 7. Speicherformat in der OM-D JPEG.

Bitte auf die Fotos klicken!

ISO 5000 mit der Olympus OM-D E-M10

In Anbetracht des relativ kleinen 13x17 mm microFourThirds-/mFT-Sensors halte ich die Qualität bei ISO 5000 für gar nicht erwartet beachtlich. Sicher nicht super, aber mindestens brauchbar. Und spätestens, wenn ich die Pixelzahl reduziere.

Time out, Auszeit: Zeit für die Cheergirls…

Nach dem (gewonnenen) Spiel

Hier hat der Autofokus getroffen. Wobei der jeweilige Spieler in geringerer (Vorwärts-)Bewegung war, als bei den total unscharfen Fotos! Immerhin: Mit meiner verflossenen Olympus PEN E-P3 waren selbst solche Fotos nicht möglich! Da bringt die OM-D E-M10 schon einen deutlichen Fortschritt!

Ralf Jannke, Herbst 2017

2018 gibt es dann einen weiteren Erfahrungsbericht zur Olympus OM-D E-M10. Draußen, in der freien Natur ;-) Besonders der "Kampf" mit den Vor-Einstellungen des Autofokus' und überhaupt den Menüs und der Bedienung der OM-D E-M10 werden ausführlich beschrieben…

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