Olympus Camedia E-10 (E-20)

Und die Batterien? Einfach mal lesen!

Mit der digitalen Spiegelreflexkamera C-2500L ging Olympus 1999 einen Schritt in Richtung Professionalität. Die C-2500L bot zwei Speicherkartenplätze und einen bei Bedarf TTL-fähigen Blitzschuh für entsprechende Systemblitzgeräte oder gewöhnliche Computerblitzer.

Die OLYMPUS E-10 bietet ein Jahr später ein wesentlich robusteres Gehäuse, ein lichtstarkes 2-2,4/35-140 mm (@KB) 4-fach Zoom mit gewohnt manuell drehbarem Zoomring für feinfühlige Brennweiteneinstellung. Dazu löst die E-10 mit 4 MP höher auf als die C-2500L. Ein Ausstattungsdetail macht die E-10 aber nicht nur für Olympus besonders: Der schwenkbare Monitor der E-10 bietet erstmals in der Digitalkamerageschichte in einer Spiegelreflexkamera Liveview! Ja die E-10 ist die erste DSLR des Weltmarkts überhaupt mit Liveview! Mit einer „winzigen“ Einschränkung. Der E10 fehlt für eine Spiegelreflexkamera ein entscheidendes Detail – der Spiegel! Statt eines Schwingspiegels wird das Bild durch eine spezielle Prismenkonstruktion gleichzeitig auf den optischen Sucher und den CCD-Sensor geworfen. Und vom Sensor über die Elektronik kann das Bild auf dem LCD-Monitor angezeigt werden. Durch die Lichtteilung ist das Sucherbild etwas dunkler als für eine Spiegelreflexkamera gewohnt. Der Einfachheit halber wird die E-10 aber als DSLR bezeichnet, also lassen wir es auch dabei.

Musste einen harten Stoß oder Fall aushalten, das Filtergewinde des Objektivs! Meine E-10 kann mit NiMH-Akkus wenig anfangen. Selbst voll geladen, signalisiert die Kamera nach kürzester Zeit leere Akkus. Mit frischen 1,5 V Batterien konnte sie trotz der höheren Spannung (4 x 1,5 = 6 V) auch nichts anfangen. Mit zwei teuren CR-V3 Lithium-Einwegbatterien – siehe ganz oben – war dann Ruhe, und es ließ/lässt sich unbeschwert Bild nach Bild aufnehmen... Bei häufigem Gebrauch kommen dann die gezeigten CR-V3 3 V Li-Akkus zum Einsatz.

Die 2000 vorgestellte E-10 ist 129 x 104 x 161 mm groß und wiegt 1.130 g. Der 8,8 x 6,6 mm 2/3“ CCD-Sensor löst maximal 2.240 x 1.680 Pixel = 4 MP auf und hat eine Empfindlichkeit von ISO 80, 160, 320 oder Auto. Gespeichert wird in 24 bit Farbtiefe unkomprimiert als TIFF oder komprimiert als JPEG in 3 Komprimierungsstufen – 1:2,7, 1:4 und 1:8. Alternativ kann mit 36 bit Farbtiefe im Rohformat gespeichert werden.

Die Fotos werden auf SmartMedia-Speicherkarte bis maximal 128 MB abgelegt oder – professioneller – auf Compactflashkarten übertragen, wobei Olympus vom IBM Microdrive abrät, weil der im Betrieb warm wird. Das könnte sich auf den Sensor übertragen und durch erhöhtes Rauschen negativ bemerkbar machen. Fotos können kameraintern von Speicherkarte zu Speicherkarte hin- und herkopiert werden. Bei den heutigen Speicherkartenpreisen ist eine empfindliche und viel zu kleine (128 MB) Smartmediakarte aber unsinnig. Auf eine 2 GB Compactflash-Karte passen rund 270 Fotos im Rohdatnformat!

Das Zoom-Objektiv der E-10 besitzt ein 62 mm Filtergewinde, das die Vorsätze Makro Pro (MCON-35), 0,8x Weitwinkel Pro (WCON-08B), 1,45x Tele Pro (TCON-14B) und 3x Tele 300 Pro (TCON-300) inkl. Stützarm 2 (TCON-SA2) aufnehmen kann. All das kommt für mein Exemplar aber nicht in Frage, da das Filtergewinde durch einen massiven Stoß oder Fall eingedrückt ist...

Was den oben beschriebenen Strahlengang und die verschiedenen Zubehörteile zur Olympus E-10 angeht, kann zum Studium die (englische) Broschüre sehr empfohlen werden. Oder in den folgenden Repros aus dem E-20 Prospekt. Als baugleiche Kameras verwenden E-20 und E-10 das gleiche Zubehör.

Aus dem Olympus-Prospekt der bis auf die höhere Auflösung (5 MP) praktisch baugleichen Olympus E-20.

Das Motiv wird über den so genannten High-Eyepoint-Spiegelreflexsucher (wichtig und sehr hilfreich für Brillenträger!) mit Dioptrienausgleich und Okularverschluss oder im zusätzlichen Liveview auf dem 1,8"-TFT-Monitor mit 118.000 Bildpunkten eingepasst. Der TFT dient auch zur Kamerasteuerung. Die Belichtung kann über mehrere Felder (Matrix), mittenbetont oder punktförmig (Spot) gemessen und manuell oder per Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik gesteuert werden. Belichtungskorrekturmöglichkeit in 1/3 EV-Schritten im Bereich +/- 3 EV. Reihenbelichtung über drei Aufnahmen mit 1/3, 2/3 oder 1 EV Unterschied. Verschlusszeiten 8 bis 1/640 s. 3 B/s bei höchster Auflösung. Selbstauslöser mit 12 s Vorlaufzeit oder per Fernbedienung 2 s. Entfernungsmessung/-steuerung manuell, Einzel-AF (AF-S), KEIN kontinuierlicher AF (AF-C). Eingebauter Klappblitz Leitzahl 18 und Blitzschuh mit Mittenkontakt und Kontakten für externen Computer- oder Olympus Systemblitzgerät FL-40. Langzeitsynchronisation auf den 1. oder 2. Verschlussvorhang, Blitzbelichtungskorrektur um +/- 2 Blenden in 1/3 Stufen. PC-Stecker für den Anschluss von Studio-Blitzanlagen. Automatischer Weißabgleich oder Einstellungen zwischen 3.000 und 7.500 K. Energieversorgung mit 2 CR-V3 Lithium-Einwegbatterien oder einen Batteriehalter, der 4 1,5/1,2 Volt Batterien/Akkus im AA-Format aufnimmt. Alternativ einen damals teuren (rund 900 Euro!) Power-Griff B-30LPS samt Lithiumpolymer-Akku B-10LPB und Ladestation B-20LPC mit zusätzlichem Auslöser für Hochformat-Aufnahmen.

Alle Kamera-Einstellungen können bei völliger Dunkelheit gemacht werden: Auf Knopfdruck wird die LCD-Anzeige an der Kameraoberseite beleuchtet.

Für Reportagefotografie könnte das Zoom in der Anfangsbrennweite etwas weitwinkliger sein! Von der Anfangs-Lichtstärke f/2 ist es sehr gut, die bei 135 mm Brennweite bei immer noch sehr lichtstarken f/2,4 endet. ABER: Für „Action“ oder gar Sportfotografie ist die E-10 durch den fehlenden Nachführ-Autofokus (AF-C) – und den einzigen, mittigen AF-Sensor unbrauchbar. Das konnten 2000 die Canon EOS D30 oder die Fujifilm FinePix S1 Pro besser! Bei ungleich größerer Wechsel-Objektivauswahl!

Da half/hilft der E-10 auch kein „Fokus Peaking“, wo bei der manuellen Scharfstellung mit Liveview die Motivkanten stark überschärft dargestellt werden, was die Fokussierung erleichtern soll. Eine Fokussierhilfe mit Hilfe von Pfeilen und „Waage“ fehlt, und dazu ist die „manuelle“ Fokussierung nicht echt, weil sie servogesteuert arbeitet.

Was die hohe Lichtstärke von f/2-2,4 angeht, birgt die kein hohes Freistellungspotential, wenn sich ein Hauptmotiv besser von einem unscharfen Hintergrund „lösen“ soll. Durch den kleinen Sensor der E-10 habe ich einen Cropfaktor von rund 4. Damit muss auch die auf dem Zoom-Objektv der E-10 angegebene Brennweite multipliziert werden, um aufs 24 x 36 mm Kleinbildformat umrechnen und besser vergleichen zu können. Der Cropfaktor 4 hat aber eine weitere Konsequenz. Belichtungsmesstechnisch bleibt Anfangs-Blende f/2 auch f/2. Für den Schärfebereich wird aus Blende f/2 aber f/2 x 4 = f/8. Für viele Motive ist eine durchgehende Schärfe wünschenswert, „freistellen“ wird mit Blende f/8 aber schwierig bis unmöglich.

Alle Details zur Olympus E-10 in der deutschen Bedienungsanleitung

Die Olympus E-10 soll infrarotfotofähig sein!

Tip - nicht nur für Olympus!

Das furchtbare Kleben des sich zersetzenden Kunststoffs der "Belederung" dieser E-10 kann nach Rücksprache mit dem ehemaligen Betriebsassistenten meines Arbeitsplatzes auf chemischem Weg nicht umgekehrt werden. Talkum aus der Puderdose ist eine hoch wirksame Hilfe! Auch bei anderen Kameras, deren Kunststoff beginnt zu kleben! Es hält lange! Bei Bedarf einfach mal nachpudern.

Olympus E-20 (in der Überschrift)

Bis auf die höhere Auflösung – 5 gegenüber 4 Megapixel – sind die Olympus-Modelle E10 E-20 praktisch identisch. Daher die Nennung und die Reproduktion der E-20 im E-10 Beitrag.

Ralf Jannke

Beispielfotos, aufgenommen März 2016 mit der Olympus E-10

Wie immer gilt für alle abgebildeten Fotos: Bitte einfach auf die Fotos klicken oder tippen (Smartphone, Tablet-Computer), dann werden sie auf 900 Pixel Breite/Höhe geöffnet. 

ISO 320 sind kein Problem für die Olympus E-10

Auch diesen Olympus DSLR-"Test" hätte ich mir schenken können! Warum? Einfach benutzen, die E-10. Das ist eine richtige Foto-mach-Maschine. Wenn es nicht gerade um "Action" geht. Das Einzige, was ich auch an dieser Olympus nicht mag, ist das in meinen Augen veraltete 4:3 Seitenformat. Ich bin 3:2 Kleinbildseitenverhältnis-Anhänger!

Um das Maximum aus den Bildern rauszuholen, wurde im Olympus Rohdatenformat gespeichert. Auch weil sich dieses E-10 Exemplar weigerte im komprimierten JPEG-Format zu speichern. Immer wieder wechselte diese E-10 ins zwar unkomprimierte, aber unsinnige TIFF-Format, weil es auch nur 24 bit Farbtiefe bietet. Die Vorgabe "RAW" beendete diesen Spuk, es gab Fotos mit 30 (48) bit Farbtiefe. Öffnen, Bearbeiten der E-10 Rohdateien mit Adobe RAW/Photoshop.

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