Pentax *ist D L2 - zum Zweiten...

Es geht in diesem Fall weniger um die hier schon ausführlich gewürdigte Pentax *ist D L2 DSLR, als viel mehr um die Möglichkeiten, die ein über Jahrzehnte weitgehend gleicher Objektivanschluss bietet. Was durchaus etwas Besonderes ist!

So nimmt die digitale *ist D L2 von 2006 ein voll mechanisches, manuell zu fokussierendes Objektiv des Baujahrs 1979 auf, das 21-35 mm F3,5-4 Zoom-Gamma von Sigma mit Pentax-Anschluss.

Ohne es auf dem Flohmarkt zu wissen, hatte ich für rund 5,50 Euro das erste Weitwinkelzoom der Welt erworben! Angesichts der Anfangsbrennweite dürfte das Objektiv völlig zu Recht sogar als Super-Weitwinkelzoom bezeichnet werden.

Objektiv-Anschlüsse

Obwohl 1958 von Minolta als SR-Bajonett eingeführt, 1966 zum MC- und 1977 schließlich zum MD-Bajonett modifiziert, das bis 2001 Bestand gehabt haben soll, geht der erste Platz an den Rekordhalter in dieser Disziplin: Nikon mit seinem 1959 eingeführten F-Bajonett.

Denn mit der ersten Autofokus SLR der Welt, der Minolta 7000 AF kam bei Minolta 1985 der Wechsel aufs A-Bajonett, was nach dem Rückzug von Minolta als Kamerabauer in Sony DSLRs weiterlebt.

Das Nikon F-Bajonett ist selbst 2016 in jeder digitalen Spiegelreflexkamera zu finden! OK, es hat einige Modifikationen gegeben, aber je nach Nikon DSLR-Gehäuse kann 2016 mit ganz wenigen Ausnahmen fast jedes je gebaute Nikon-Objektiv nicht nur gefahrlos an die Kamera montiert, sondern auch zum Fotografieren benutzt werden!

Dass Canon mit seinem 1970 eingeführten Objektivanschluss nicht auf dem zweiten Platz landet, liegt am radikalen Bruch, den Canon nach 16 Jahren 1986 mit dem Wechsel vom FD- auf das EOS-Bajonett vollzog.

Der zweite Platz geht deshalb an Pentax mit seinem K-Bajonett von 1975, das trotz mehrfacher Modifikationen auch 2016 Bestand hat. Deshalb jetzt eine Ladung Beispielfotos, aufgenommen mit dem "analogen" Sigma 3,5-4/21-35 auf der digitalen *ist D L2.

Was zunächst nicht „laufen“ wollte, denn die Kamera blockierte den Auslöser! Dann fiel mir aber rechtzeitig ein, dass da doch irgendwo im Menü „C Eigene Einst.(ellungen)“ ein Eintrag „Blendenring“ versteckt war. Von „1: Verw.(endung) unzulässig“ auf „2: Verwendung zulässig“ gewechselt, stand dem Fotografieren mit dem Sigma-Zoom auf der Pentax *ist D L2 in der Betriebsart Zeitautomatik dann wirklich nichts mehr im Weg. Manuelle Arbeitsweise ist möglich, aber ohne Belichtungsmessung. Trotzdem übertrifft die *ist D L2 damit sogar etliche Nikon-DSLRs, die ein altes Objektiv zwar aufnehmen, aber gar keine Belichtungsmessung/-steuerung bieten! Ob es angesichts des vorhandenen 3,5-5,6/18-55 mm Pentax Autofokus-Zooms so sinnvoll ist, auf mehr Bildwinkel zu verzichten, mag dahingestellt sein. Mit dem 18-55 habe ich 27 mm (@KB) Anfangsbrennweite, mit dem 21-35 nur 31,5 mm Anfangsbrennweite. Aber die Neugier aufs alte Sigma und der Reiz mit dem Sigma "ziemlich" manuell zu fotografieren war hoch ;-) Viel Spaß beim virtuellen Rundgang durchs Museum...

Beispielfotos, aufgenommen Oktober 2016 mit dem 21-35 mm Sigma auf der Pentax *ist D L2

Alle hier gezeigten Fotos entstanden beim Rundgang durchs "Haus der Geschichte (der Bundesrepublik Deutschland) Bonn", wo außer Blitz- und Stativ-Verbot keine weiteren Fotografierverbote gelten. Beschämend die hündische Verehrung des Diktators und Massenmörders Josef Stalin

Auf der Pentax *ist D-L2 mit ihrem 15 x 23 mm APS-C-Sensor wird das 21-35 mm nur zum 31,5-52,5 mm Zoom, was dem Fotografierspaß keinen Abbruch tat. Die meisten Fotos entstanden mit kürzester 21/31,5 mm Brennweite des Sigma-Zooms unter Schätzen der Entfernung und Anwendung der Tiefenschärfeskala. Für die, die noch wissen, was das ist, und wie das geht ;-) Heißt Blende 5,6 bis 8 und Empfindlichkeiten von ISO 400 bis 1600. Für meine Augen mit vor Jahrzehnten lasergeschweißten Löchern in der Netzhaut ist das Fokussieren recht mühsam, zumal die Pentax auch keine elektronische Fokussierhilfe bietet... Was mich aber nicht vom Fotografieren abhalten konnte! Bis auf die in einigen Fotos sichtbare Verzeichnung, obwohl nur der mittlere Bildteil auf den APS-C-Sensor projiziert wird, gibt es kaum was zu bemängeln. Die man per Lightroom/Photoshop hätte rauskorrigieren können, ich hab die Verzeichnung dringelassen. Für ein 37 Jahre altes viellinsiges Zoom liefert das Sigma auch 2016 eine gute Leistung ab.

Paradiesische Spritpreise - das sind Pfennige und nicht Eurocent (!) - und doch eine total leere Autobahn durch das Fahrverbot an vier Sonntagen beginnend am  25. November 1973...

Wenn man sich einen schlimmeren Fehlgriff als den Kodak Diskfilm samt der dazugehörigen, minderwertigen Kameras und das erfolglose APS-Filmformat samt Kameras vorstellen kann, im Haus der Geschichte ist er zu besichtigen:

Die AGFA Family für 499 DM

„Erinnern Sie sich noch an das Agfa Super-8-Kamerasystem „Family“? Das war ein am grünen Tisch konzipierter Flop von gigantischen Dimensionen. Laut Gerücht wollte der Verantwortliche dafür bei der Agfa sich mit Selbstmordabsichten aus dem vierzehnten Stock der Verwaltung stürzen: Es gelang nicht. Draußen stapelten sich schon bis zum zwölften Stock die unverkäuflichen Kartons mit dieser Plastic-Filmkamera. Wenn es im „Guinness-Buch der Rekorde“ eine Eintragung für das falscheste Produkt am verkehrtesten Platz zum ungünstigsten Zeitpunkt gäbe, Agfa hätte sie hierfür sicher bekommen.“ Keiner hätte es besser ausdrücken können als Fritz Pölking in Wikipedia zur AGFA Family.

Was mir noch aufgefallen war: Mit dem mechanischen Sigma-Zoom auf der Pentax gingen die Fotos trotz Zeitautomatik deutlich in Richtung Unterbelichtung. Was durch Speichern im Pentax-Rohformat zwar problemlos auszugleichen war, aber auch zu stärkerem Rauschen führte. Selbst bei gemäßigten ISO 800. Entsprechend vorher korrigiert, sähe das bei hohen Empfindlichkeiten natürlich besser aus!

Ralf Jannke

Nur bei dieser Aufnahme lässt sich auf ein älteres Objektiv schließen. Bei einem modernen, viellinsigen Zoom gibt es keine derartigen "Regenbogenkreise"...

Unterwegs nach Skandinavien: Oktober 2016 mit dem 21-35 mm Sigma auf der Pentax *ist D L2

Man hätte die ISO hochdrehen können. Ich habe mich für die verwackelte "Kunst" entschieden ;-) Bevor es auf die Öresundbrücke geht, die Dänemark mit Schweden verbindet, fährt man ca. 5 km unter dem Öresund, wo das obere Foto entstand, bevor man die Auffahrt der Brücke erreicht. Aufgrund der starken Böen auf der Brücke habe ich das Fotografieren/Auslösen dann doch lieber meiner Frau überlassen!

Sie finden diesen Beitrag besonders gelungen, vollkommen verunglückt oder möchten noch etwas ergänzen? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion!

Dieser Beitrag wurde noch nicht kommentiert.

Kommentar schreiben