Spritzwassergeschützte Digitalkameras

Sommerzeit, Badezeit, Strand…

Da sollte die Kamera wenn schon nicht wasserdicht, so aber wenigstens spritzwassergeschützt und staubdicht, heißt in diesem Fall sand-dicht sein. Und da gibt es für meine Zielgerade der Konsumerkameras noch drei (vier) interessante Modelle.

Spritzwassergeschützt = wasserdicht? Nein!

Wenn man in die Beschreibungen und Bedienungsanleitungen schaut, findet man verschiedene Normen, die Spritzwasser- und Staubschutz beschreiben, aber keine Wasserdichtigkeit garantieren. Heißt ein paar schnelle Schüsse unter Wasser in 1 m Schnorcheltiefe sind vielleicht möglich, mehr und tiefer aber nicht. 

Nach der hier schon März 2016 vorgestellten Kodak DC5000 ZOOM Outdoorkamera (Vorstellungsjahr 2000) und der Sommer 2017 gezeigten Olympus CAMEDIA C-840L im Unterwassergehäuse gibt es im Sommer 2018 noch ein paar Zeilen und Beispielfotos zu drei Kameras fürs gleiche Einsatzgebiet:

  • 2 Megapixel Sony Cyber-shot DSC-U60 (2003)
  • 3 Megapixel Pentax Optio 33WR (2003)
  • 8 Megapixel Ricoh Caplio 500G Wide (2006)
  • 10 Megapixel Olympus mju 1030 SW (2008)

Nicht in den nassen Sand stellen, möchte ich die…

… Sony Cyber-shot DSC-U60

Nicht, dass sie nicht mehr dicht genug wäre, aber der viel zu kleine und altersschwache Monitor gestattet keine ausreichende Motivbeurteilung und Einstellung der Kamera. Selbst mit meiner 3,5 Dioptrien Lese-"Bastel"-Brille hatte ich Mühe etwas zu erkennen vom Tageslicht "überfluteten" LCD ganz zu schweigen. Die Cyber-shot DSC-U60 funktioniert noch – Beispielbilder unten – aber mit in die Ferien nehme ich diese Sony nicht.

Wer noch ein paar mehr Bildchen der Sony U-Klasse sehen möchte, dem empfehle ich einen Blick in den Praxisbericht: "Die Sony Cyber-shot U Klasse". Dort gibt es Fotos, aufgenommen mit der gleich auflösenden (1.632 x 1.224 Pixel) Sony Cyber-shot DSC-U20.

Sony Cyber-shot DSC-U69 Funktionskontrolle…

Von Farbe und Kontrast gibt es nicht auszusetzen. Nachdem die ehrlich als defekt angepriesene und so für 8 Euro erworbene Sony mit frisch geladenen Akkus und Memory-Stick bestückt war, ging tatsächlich – NICHTS. Fast nichts :-( Kurzes Aufleuchten einer Kontroll-LED, kurzes Flackern des LCD, Schluss. Also die DSC-U60 so weit wie möglich zerlegt. Kontrolle, ob an den Tippschaltern was klebt, mit WD-40 eingesprüht – dasselbe Verhalten. Jetzt war eh alles egal… Ein harter Schlag mit der Kamera auf eine Holzoberfläche – ein Wunder: Kamera läuft. Mehr möchte ich der Sony U-60 aber nicht zumuten.

In ihrem Element

Funktionskontrolle Olympus mju 1030 SW an Land

mju 1030Sw Funktionskontrolle unter Wasser

Wassereinbruch?

Nach der Unterwasseraufnahme zeigte der Monitor kurz eine nicht lesbare Meldung und dann gar nichts mehr. Zu Hause angekommen, reagierte der Monitor wieder, zeigte aber nur etwas, dass auf einen Sensortod hindeutete. Versuchsweises Auslösen und Kontrolle der Bilder auf der xD-Karte auf dem Notebook zeigte aber: Sensor Ok! Nach einer Nacht mit offenem Batteriefach/Speicherkarteneinschub zeigte der Monitor nach Start der mju 1030 SW wieder, was er soll - das Motiv. Also werde ich der Oly keine weiteren Unterwasserexperimente abverlangen und nur eine Reihe "normaler" Fotos mit 10 und 2 Megapixel zeigen.

Olympus mju 1030 SW Spezifikation und mehr

Die mju 1030 SW kam für 5 Euro vom Flohmarkt in einem Zustand, dass ich sie kaum identifizieren konnte.

Alle Daten in der englischen Bedienungsanleitung

Olympus mju 1030 SW über Wasser, 10 Megapixel

Da geht es an die Grenze – mit 10 Megapixel. Kann man sicher aufs Papier belichten/drucken, aber man erkennt schon eine gewisse Schwammigkeit.

Noch ein bisschen Überwasser mit der mju 1030 SW, 2 Megapixel

Pentax Optio 33WR (2003)

Quadratisch, praktisch, gut ;-)

WR? WaterResistant – Spritzwassergeschützt

Tauchkamera?

Auch wenn digitalkamera.de angibt, dass die Optio 33WR "sogar unter Wasser (wenn auch nur bis zu einer Wassertiefe von 1 Meter und dann auch nur maximal 30 Minuten lang) mitzunehmen (ist)", werde ich das besser nicht probieren! Auch wenn Batterie-Speicherkartenfachdeckel und der Deckel, der u.a. den USB-Anschluss bedeckt, erkennbar Gummidichtlippen aufweisen.

Die Optio 33WR besitzt den von der Größe und Auflösung gleichen 1/2,7" 5,4 x 4,0 mm CCD-Sensor mit maximal 2048 x 1536 Bildpunkten = 3 Megapixel Auflösung wie die Pentax Optio 33LF/Optio 33L. Anders als die eben genannten 3 Megapixel Pentax-Modelle besitzt die Optio 33WR eine Periskop-Optik wie hier hier schon vorgestellten Modelle: Konica/Minolta Dimâge X31 und Sanyo VPC J1 EX (ebenfalls 3 MP und 1/2,7" 5,4 x 4,0 mm CCD-Sensor), zwei "Ubootkameras".

Die technische Qualität der Optio 33WR-Fotos dürfte sich also nicht von den eben genannten Modellen unterscheiden. Sensorempfindlichkeit ISO-Automatik oder Einzelwerte ISO 50, 100, 200, 400. Die 82 x 76 x 42 mm große und 160 g schwere Optio 33WR wurde 2003 vorgestellt. Das Gehäuse ist nach JIS-7-Standard spritzwasser- und staubgeschützt. NICHT wasserdicht! Neben 3 MP Fotos können Videos mit 320 x 240p und 15 B/s aufgenommen werden. Gespeichert wird auf SD-Karte.

Bilderfassung über optischen Sucher und 1,6" TFT LCD Monitor mit 84.000 Bildpunkten, der auch die Menüsteuerung übernimmt. 2,8-3,9/5,7-16 mm (37-104 mm @KB) 2,8-fach Zoom. 

Entfernungsmessung/-einstellung manuell (Vorwahl) oder Einzel-Autofokus (AF-S) oder kontinuierlich (AF-C). Mittenbetonte Integral-, Matrix/Mehrfeld- oder punktförmige Spot-Belichtungsmessung. Belichtungssteuerung per Programmautomatik, Belichtungszeiten 2 bis 1/2.000 s. Belichtungskorrektur +/- 2 EV in 1/3 EV-Schritten. Die Blitz reicht maximal 2,9 m weit und bietet die üblichen Funktionen An/aus, Automatik, Langzeitsynchronisation, Rote-Augen-Reduktion. Manueller oder automatischer Weißabgleich, sowie Wolken, Sonne, Leuchtstofflampe, Glühlampenlicht. Energieversorgung zwei 1,5 V/1,2 V AA-Batterien/Akkus.

Beispielfotos, aufgenommen mit der Pentax Optio 33WR, 2 Megapixel

Qualitätseindruck

Das muss zur Pentax Optio WR 33 genügen. Obwohl der Batterie-/Speicherkartenfachdeckel per O-Ring abgedichtet ist, habe ich es nicht gewagt die Pentax unter die Wasseroberfläche zu nehmen. Die Bildchen sollten zur Demonstration reichen. Aus Platzgründen auf 1.600 x 1.200 Pixel reduziert, die volle 3 MP-Auflösung von 2048 x 1536 Pixel Aufllösung ist kein Problem. Schnellkorrektur mit Photoshop – Apfel/STRG-(CTRL-)Shift-L/B –, keine Nachschärfung. 

Ricoh Caplio 500G wide (2006)

Spezifikation Ricoh Caplio 500G wide

Die Caplio 500G wide ist nach japanischer Industrienorm JIS Schutzgrad 7 „water-resistant“. Übersetzt bedeutet das wasserabstoßend, wasserbeständig oder wasserfest. Neben einem auszuhaltenden Regenguss soll eine verdreckte Caplio G500 wide auch unter dem Wasserhahn abzuwaschen sein und in einer Wassertiefe von 1 m 30 Minuten dicht bleiben. Die Ricoh kann nach JIS Schutzgrad 6 gefahrlos in staubigen und sandigen Umgebungen eingesetzt werden. Die Caplio 500G wide soll laut Testprozedur MIL-STD-810F des US-Verteidigungsministeriums den Fall aus 1 m Höhe überstehen. Durch die großen Bedienungselemente kann die Kamera auch mit Handschuhen problemlos  eingestellt werden. So oder so: Eine kurze Schnorchelrunde in flachem Wasser sollte mit der Ricoh möglich sein. 

Die 133,0 x 78,5 x 74,0 mm große Caplio 500G wide wiegt (ohne Akku/Batterien) 400 g. Der 1/1,8" CCD löst maximal 8 Megapixel auf. Die Empfindlichkeit wird per ISO-Automatik gesteuert oder mit manueller Wahl von ISO 64, 100, 200, 400, 800 oder 1600. Speicherformat ist JPEG in den Qualitätsstufen F(ine) und N(ormal). Gespeichert wird in den internen Speicher von 26 MB oder auf SD-Karte mit maximal 2 GB. 614 8 MP Fotos in Fine-Qualität passen drauf. Videos nimmt die Caplio mit nutzlosen 320x240 Pixel auf. 

Das Motiv kann mit einem optischen Sucher erfasst oder per Liveview auf dem 2,5“ TFT-LCD mit 153.000 Pixel eingefangen werden. Der Monitor übernimmt auch die Menüsteuerung.

Objektiv ist ein 9-linsiges (7 Gruppen) 2,5-4,3/5,8-17,4 mm (28-85 mm @KB) 3-fach Zoom.

Scharfeinstellung manuell oder per Autofokus. Zusätzlich Fixfokus- (Snap-) und Unendlich-Einstellung.

Belichtungsmessung über mehrere Felder (256/Matrix-Messung), mittenbetont oder punktförmig als Spot. Belichtungssteuerung per Programmautomatik und mehrere Motivautomatiken, Belichtungszeiten 8 bis 1/2000 s (elektronischer und mechanischer Verschluss). Selbstauslöser mit 10 oder 2 s Vorlaufzeit. Timer-Aufnahmen in Intervallen von 30 Sekunden bis 3 Stunden (in 30-Sekunden-Stufen). Belichtungskorrektur +/- 2 EV in 1/3 EV-Schritten, automatische Belichtungsreihen. Der eingebaute Blitz reicht bis zu 10 m weit und bietet die Standards an/aus, Automatik, Langzeit-Synchronisation, Rote-Augen-Reduzierung. Manueller oder automatischer Weißabgleich und Vorwahlen: Sonne, Wolkenhimmel, 2x Glühlampe, 2x Fluoreszenz-Licht. Energieversorgung über Lithium-Ionen-Akku DB-43 oder zwei 1,2/1,5 Volt Akkus/Batterien der Größe AA.

Die "ANTIBLUR"-Funktion der Ricoh Caplio 500G wide

Dabei sorgt allerdings kein beweglich aufgehängter Sensor für weniger verwackelte Fotos bei wenig Licht, sondern schlicht das Hochfahren der ISO. Eigentlich lächerlich, aber manche ISO-Automatik schafft nicht mal das, wenn es an zu lange Verschlusszeiten geht. Anstatt rigoros hochzufahren, steigert man die Empfindlichkeit nur ein bisschen. Um als Ergebnis ein verwackeltes Foto zu bekommen. Schnell im abendlichen Wohnzimmer probiert, geht die "normale" ISO-Automatik auf ca. 160, ANTIBLUR geht auf ISO 800!

Und dann ist der für mich noch der zwar uninteressante, aber erwähnenswerte CALS-Modus. Der produziert 1.280 x 960 Pixel Bilder, "suitable to be submitted as official public works pictures". DeepL-Übersetzt heißt das etwa: "geeignet zur Einreichung als öffentliche Arbeiten Bilder". Es muss etwas zu tun haben mit: "CALS (engl. Computer-Aided Acquisition and Life-Cycle Support, computergestützte Beschaffungs- und Lebenszyklus-Unterstützung) (…) die Bezeichnung für eine weltweite Strategie von Behörden und Unternehmen zur Umstellung umfangreicher technischer Dokumentationen von Papier auf elektronische Dokumente." Quelle Wikipedia. Wer etwas dazu sagen kann, ist herzlich per Kommentar-Funktion dazu eingeladen!

Per DW-5 kann die Brennweite um den Faktor 0,8 verkürzt, der Bildwinkel vergrößert werden. Wie bei vergleichbaren Vorsätzen anderer Hersteller aber völlig uninteressant. Denn ein DW-5 kostet ab 80 Euro aufwärts. Das passt wenig zum Kaufpreis der Ricoh, die für 26 Euro in die Sammlung aufgenommen wurde.

Ricoh Caplio G500 wide, 8 MP 1:1 Crop

Ricoh, 2 MP

Ins letzte Foto wurde eine Unterwasseraufnahme einmontiert, die de Hebung des Bugspriets eines vor der schwedischen Küste gesunkenen dänischen Schiffs zeigt. Dem Drachen nachempfunden wurde das Spielgerät auf dem Rastplatz…

Ebenfalls auf dem Rastplatz, das auf einem schweren Pfeiler montierte, ausrangierte schwedische Militärflugzeug Saab JA 37 Viggen (deutsch Der Donnerschlag), dem ich per Photoshop und Kerzenflamme wieder das Fliegen beibringen musste ;-) PS.: Ich bin kein Militarist!

Qualitätseindruck

Für knackige Bilder, aufgenommen an einem Tag mit eher trübem Wetter, braucht die Ricoh EBV-Unterstützung! Nicht, was die Bildchärfe angeht, aber die Kontraste wurden per Photoshop-Gradationskurve verbessert.

Ricoh am Wasser

Als Schnorchel-Areal musste die Mikro-"Hafen" samt Umgebung herhalten. Bei wochenlangen auch in Schweden Hochsommertemperaturen von 24 Grad aufwärts hat auch die Ostsee über 20 Grad.

Ricoh unter Wasser, ISO 200 8 Megapixel

ISO 200 2 Megapixel

Wasserdicht!

Da die Ricoh den ersten Ausflug ins nasse Element unbeschadet überstanden hat, gibt es noch einen kl. Nachschlag. ISO 100 lieber nicht, da zu viel Bewegung im Wasser ist. Was nützt weniger Rauschen (in den dunklen Motivanteilen), wenn das Foto verwackelt ist. Nach den ersten Bildern habe ich auch den Blitz weiter aus gelassen. Der würde nur die reichlich vorhandenen Schwebeteilchen so richtig und unerwünscht zum Leuchten bringen. 

Die UW-Bilder sind alle mehr oder weniger in Lomomanier ohne Sucherbenutzung entstanden. Durch die Taucherbrille wird der optische Sucher der Caplio unbenutzbar, und der (gealterte?) Monitor taugt weder über noch unter Wasser zur Motiveinpassung... Also auch beim zweiten Versuch unter Wasser mit kürzester Brennweite und Schätzen. Oder hat es für die Ricoh einen Rahmensucher gegeben, der einfach in den Blitzschuh montiert wird? Der würde das Problem lösen!

Und noch ein Schnorchelgang mit der Ricoh Caplio 500G wide

ISO 200 8 Megapixel

ISO 200 2 Megapixel

Finale

Damit ist aus meiner Sicht der Part wasserfester/wasserdichter Digitalkameras im Digicammuseum.de genug gewürdigt. Mit der letzten UW-Bildserie hat sich die 8 Megapixel Ricoh Caplio 500G wide auf jeden Fall den Eintrag in die Liste "Auch heute zum Fotografieren brauchbare (alte) Digitalkameras" erkämpft und bekommt einen Eintrag in "Mein (ziemlich) finaler Kanon"!

Ralf Jannke, Sommer 2018

 

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