Die Minolta Analog-Spiegelreflexlinie der SR-Modelle

Oder: Zwei, Eins, Drei, Sieben …

So startete Minolta in die Welt der hochwertigen Spiegelreflexkameras: 1958 wird das System SR-2 präsentiert

2003 fusionierte Minolta mit Konica 2003 zu KonicaMinolta, um 2005 eine strategische Partnerschaft mit Sony einzugehen. Zu spät. 2006 stellte KonicaMinolta die Produktion von Kameras, Objektiven und Zubehör ein. 12 Jahre, bevor Minolta 2018 90-jähriges Firmenjubiläum hätte feiern können. Beschrieben und dokumentiert in „2018: 90 Jahre Minolta

Im Zuge der Minolta-Geschichtsaufbereitung hatte ich die erste Spiegelreflexkamera der Welt mit im Gehäuse eingebauter Belichtungsmessung erworben, eine Minolta SR-7. An dieser analogen Kamera Gefallen gefunden, wurde die SR-7 mit selbst zu verarbeitendem SW-Film geladen: „Analogfotografie mit der Minolta SR-7

Zu dieser SR-7 gesellten sich nach und nach weitere Modelle der Minolta SR-Linie. Ein in Digitalfotozeiten eigentlich sinnloses, aber überschaubares Sammelgebiet … Denn es gab „nur“ die Minolta-Modelle SR-1, SR-2, SR-3 und SR-7. Selbst diese relativ kleine Reihe komplett zu bekommen, gestaltet sich schwierig. Das Vorhandene soll aber jetzt einfach mal präsentiert werden.

Die etwas merkwürdige Überschrift/Zählweise: „Zwei, Eins, Drei, Sieben …“ erklärt sich im Erscheinungsdatum der Minoltas und den technischen Möglichkeiten.

Minolta SR-2 (1958)

Die SR-2 wurde 1958 vorgestellt und bis 1960 gebaut. Sie bot als schnellste Verschlusszeit 1/1000 s, was die Kamera teuer machte. Die SR-2 bot keine Belichtungsmessung. Um mehr Interessenten den Kauf einer Minolta zu ermöglichen, hatte die ein Jahr später (1959) vorgestellte, aber numerisch erste Minolta SR-1 nur eine 1/500 s als schnellste Verschlusszeit. Die SR-2 fehlt in meiner Reihe noch. Sie wird durchaus angeboten. Aber zu Preisen, die ich nicht bereit bin in eine uralte Analog-SLR zu investieren …

Hier liegt das englische SR-2 Manual

Minolta SR-1 Modelle

Volker Fabian listet auf seiner Seite sechs unterschiedliche Varianten der Minolta SR-1. Die SR-1 wurde von 1959 bis 1971 gebaut. Auch die englischsprachige Seite „The Minolta SR Series 1958 - 1971“ listet mit den SR-1 Modellen a, b (1960), c (1961), d (1962), e (1963), V (1965) sechs Varianten. Um das Ganze dann mit einem siebten Modell, der SR-1s zu komplettieren.

Eine der besten Quellen zur Minolta SR-1!

An ein paar spezifischen Erkennungsmerkmalen lassen sich meine SR-1 Varianten einordnen. Bei den direkten Nachfolger der SR-2, den SR-1 Modellen a, b, c musste das Einstellrad für die Verschlusszeiten angehoben werden, um die gewünschte Verschlusszeit zu wählen. Das deutlichste Erkennungszeichen ist aber die Modellbezeichnung auf der linken Frontseite.

Wie die SR-2 konnte keins dieser SR-1 Modelle mit einem Aufsteckbelichtungsmesser erweitert werden! Um diese Belichtungsmesser nicht nur montieren, sondern auch mit dem Verschlusszeitenrad koppeln zu können, musste die Kamerabezeichnung bei Nachfolgemodellen auf die rechte Frontseite wechseln, um Platz für die Halterung des Belichtungsmessers zu schaffen.

SR-1 Modell a, b oder c, 1959 bis 1961

Wie die SR-2 trägt diese schwarze Variante einer SR-1 in der schwedischen Werbeanzeige die Modellbezeichnung links auf der Frontseite. Dort, wo bei späteren SR-1 Modellen die Aufnahme für den Aufsteckbelichtungsmesser hinkommt!

SR-1, Modell d (1962)

SR-1, Modell d (1962), Filmzählwerk links, Herstellerbezeichnung CHIYODA KOGAKU, Seriennummer 1405977. Bestückt mit einem AUTO ROKOR-PF 1:2 f=55mm von 1967, aufgebaut aus 6 Linsen in 5 Gruppen. Eine Belichtungsaußenmessung an der Kamera konnte bei dieser SR-1 Variante durch Aufstecken der Belichtungsmesser Minolta SR METER 2, Messung durch batteriebetriebene CdS-Zelle oder Minolta SR Meter, Selen-Prinzip (keine Batterie notwendig) bewerkstelligt werden.

SR-1, Modell e (1963)

SR-1, Modell e (1963), Filmzählwerk rechts, Herstellerbezeichnung MINOLTA CAMERA CO. LTD, Seriennummer 2101926. Bestückt mit einem selteneren AUTO ROKOR-PF 1:2 f=53mm von 1964. Aufgebaut aus 6-Linsen in 5 Gruppen. Aufgesteckt ist der batterielose Selenbelichtungsmesser Minolta SR Meter.

SR-1s (1967)

SR-1s (1967), MINOLTA CAMERA CO. LTD, Seriennummer 4067509. Geänderte Belichtungsmesseraufnahme für den seit 1962 verfügbaren, batteriebetriebenen SR METER V (Messprinzip CdS) mit besserer Empfindlichkeit bei wenig Licht. Bestückt mit einem MC ROKKOR-PF 1:1.7 f=55mm Seriennummer, gebaut von 1966 bis 1970. Aufgebaut aus 6 Linsen in 5 Gruppen.

SR-3 (1960)

1960 ersetze die SR-3 Herstellerbezeichnung CHIYODA KOGAKU, Seriennummer 1424390 die SR-2, die mit keinem Aufsteckbelichtungsmesser erweitert werden konne. Meine SR-3 ist defekt. Das Exemplar genügt zum Beleg, es hat nur 3,30 Euro gekostet. Montiert ist ein MC W.ROKKOR-SG 1:3.5 f=28mm. Produziert von 1973 bis 1975. Aufbau 7 Linsen in 7 Gruppen. Zur Demonstration ist der Belichtungsmesser Minolta (Selen) SR Meter montiert. 1961 gab es ein Update der SR-3. Vor dem Update blieb die Blende nach jeder Aufnahme auf dem eingestellten Wert. Erst beim Filmtransport, Spannen des Verschluss’ öffnet sich die Blende auf die Lichtstärke. Das entfiel bei der natürlich nicht so bezeichneten SR-3 "Mark II".

Herstellerbezeichnungen CHIYODA KOGAKU und MINOLTA CAMERA CO. LTD und Aufsteck-Belichtungsmesser

MINOLTA SR METER 2

Die beiden in der Samlung vorhandenen Aufsteckbelichtungsmesser wurden oben gezeigt: Linke in den Fotos der Minolta SR Meter mit der großen Wabenmesscheibe, Selen-Prinzip, keine Batterie notwendig, rechts in den Fotos der SR METER V, CdS-Prinzip, batteriebetrieben. Dazu gesellt sich noch der nach dem CdS-Prinzip messende SR METER 2, der wie der SR METER V zum Betrieb eine Batterie benötigt.

Manual Minolta SR METER-2

Mit der SR-7 stellte Minolta 1962 die erste Spiegelreflexkamera der Welt mit eingebauter Belichtungsmessung vor!

Minolta SR-7 Varianten

Bis auf den auffälligen Farbunterschied muss man bei den anderen Details etwas genauer hingucken. Der minolta-Schriftzug wanderte auf die obere Prismenkappe. Die Verschlusszeitenräder sind unterschiedlich und der Suchereinblick wechselte von rund auf rechteckig.

Etwas exakter

  • Minolta SR-7 Version 1 von 1962: In der Bodenplatte KEIN ON/OFF-Schalter für den CdS-Belichtungsmesser. Der Bereichsumschalter für den Belichtungsmesser liegt auf der Kamerarückseite links neben dem Okular.
  • Minolta SR-7 Version 2, gebaut von 1963 bis 1965: In der Bodenplatte ON/OFF-Schalter für den CdS-Belichtungsmesser. Der Bereichsumschalter für den Belichtungsmesser liegt auf der Kamerarückseite links neben dem Okular.
  • Minolta SR-7 Version 3 oder auch "Modell V", ab 1965: In der Bodenplatte ON-/OFF-Schalter und zusätzlich BC (BatteryCheck) für den CdS-Belichtungsmesser. Die Oberkappe wird rechteckig. Wie der Suchereinblick. Das Okular wechselt von rund auf rechteckig. Der "minolta"-Schriftzug wird auf die obere Prismenkappe verlegt. Der Bereichsumschalter für den Belichtungsmesser wurde auf die Kameravorderseite unter das Prisma verlagert.

Die erste Spiegelreflexkamera Japans mit eingebautem CDS-Belichtungsmesser bietet ein umschaltbare Messempfindlichkeit (mit Skalenanpassung) betrug LV 1 bis 17 bei 21 DIN, der Messwinkel 30°. Als erste SLR-Minolta hatte die SR-7 einen arretierbaren Spiegel für die damaligen Weitwinkelobjektive (z.B. die alten 21er) mit kleiner Schnittweite.

Minolta SR-7, Version 1 1962 (kein Batterie ON/Off-Schalter)

Objektiv: AUTO W.ROKKOR-HG 1:2.8 f=35mm, Produktionsjahr 1962, Aufbau: 7 Linsen, 6 Gruppen

Minolta SR-7, Version 2 1963 - 1965 (Batterie ON/OFF Schalter)

Das Objektiv ist einen Rarität: Ein Tokyo Koki W. TOKINA 1:3 f=28 mm

Hier gibt es einen Erfahrungsbericht zum 3/28 mm Tokina

Das Unternehmen Tokina wurde im Mai 1950 in Shinjuku, Tokio, als Tokyo Optical Equipment Manufacturing gegründet. Frühe Objektive wurden mit Tokyo Koki gekennzeichnet (…) Die Firma wurde von ehemaligen Nikon-Ingenieuren als OEM-Hersteller gegründet und produzierte ursprünglich Objektive für andere Unternehmen wie Ponder und Best (später Vivitar). In den frühen 1970er Jahren begann das Unternehmen mit dem Verkauf von Objektiven unter dem Markennamen Tokina, während es auch weiterhin Objektive für andere Marken wie Soligor und Asanuma herstellte.

Aus http://camera-wiki.org/wiki/Tokina

Als Tokyo Koki Objektive mit Vorwahlblende werden nur lange Brennweiten gelistet:

  • Tokyo Koki Tele-Tokina 105mm f/2.8
  • Tokyo Koki Tele-Tokina 135mm f/3.5
  • Tokyo Koki Tele-Tokina 200mm f/4.5
  • Tokyo Koki Tele-Tokina 300mm f/5.5
  • Tokyo Koki Tele-Tokina 400mm f/6.3

Das 3/28 mm existiert dort nicht. Mehr als Lichtstärke und Brennweite und dass die Blende aus 8 Lamellen besteht, ist nicht bekannt.

Dazu noch meine Handmessungen: Länge 63 mm, Durchmesser 60 mm, Filtergewinde 58 mm, Gesicht 263 g mit Minolta-Anschluss

Minolta SR-7, Version 2 1963 - 1965 (Batterie ON/OFF Schalter)

Objektiv MC TELE ROKKOR-PF 1:2.8 f=135mm, produziert zwischen 1970 und 1973,  Aufbau 6 Linsen in 5 Gruppen

Minolta SR-7, Version 3, Modell V 1965 (Batterie ON/OFF Schalter plus BC – Battery Check)

Objektiv: MC ROKKOR-PF 1:1.7 f=55mm, produziert 1966-1970, Aufbau: 6 Linsen 5 Gruppen

Die Angaben zu den Minolta Objektiven kommen von der Internetseite Minolta SR LENS INDEX

OWNER'S MANUAL Minolta SR-7

Eine Minolta SR fehlt noch. Die aber gar keine SR ist. Die Rede ist von der SR-M(otor), 1970 - 1975

Zum Foto das unumgängliche Kleingedruckte

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Die Modellbezeichnung – SR-M – ist missverständlich! Die motorisierte Minolta ist keine SR, sondern der Nachfolger SRT ohne Belichtungsmessung.

MINOLTA SR-M, OWNER'S MANUAL

EINS – SIEBEN

Als wenn es die Modelle SR-2 und sr-3 nie gegeben hätte… Interessante Parallele der SR-1s und SR-7 Modell V. Bis auf die unterschiedliche Breite ist die Anmutung von oben sehr ähnlich. Weg vom "Runden" der SR-1/SR-7 Vorgänger-Modelle, hin zum mehr Rechteckigen.

Und Immer wieder Schweden …

Wie kommt das? Erst als es mit der deutschen Fotoindustrie abwärts ging, "entdecken" deutsche Fotofachmagazine hochwertige japanischen Spiegelreflexkameras. Entsprechend wurden bis zum Niedergang kaum bis keine japanischen Erzeugnisse in den Fachblättern beworben. Einer schwedischen Mittelformat-Hasselblad konnten japanische Kleinbildkameras nicht schaden. Entsprechend wurde Minolta in Schweden nicht nur beworben, sondern die Minolta SR-SLRs auch in den 1960er Jahren gekauft. ALLE 2020 hier vorgestellten Minolta SR-Modelle wurden inklusive der Objektive in Schweden erworben!

Wer sich für die Minolta-Geschichte interessiert, sollte unbedingt die Internetseite "minolta manual focus cameras" aus den Rokkor Files besuchen! 

Wozu das Ganze?

Weil es mir Freude in der überdigitalisierten Welt macht! Natürlich sind diese Analog-SLRs mehr oder weniger nur Anschau-Objekte. Immerhin habe ich einer der gezeigten Minolta SR-7 Kameras und der nicht in diese Reihe gehörende Minolta ER einen selbst zu verarbeitenden SW-Film gegönnt, dessen Ergebnisse in den Praxisberichten zu bewundern sind.

Etwas lebt aber von diesen historischen Kameras weiter. Es sind ihre "Augen", ihre Objektive. Bisher durften sie nur auf kleinen 15 x 23 mm APS-C Sensoren zeigen, was sie Jahrzehnte nach ihrer Produktion trotz übler Rempler noch drauf haben:

Das wird sich spätestens 2021 ändern, wenn dann adaptiert auf eine spiegellose 24 Megapixel Vollformat-Kamera auch in die Bildecken der jahrzehntealten Schätze geschaut wird!

Ralf Jannke, Herbst 2020

Zum Schluss …

Kleiner Nachtrag …

Der niederländische Nikon-Kenner Nico van Dijk meinte zu Minolta trocken, man solle mal eine Nikon Nikkormat mit einem 1,8 oder 2/50 mm Objektiv bestücken und dann eine Minolta SR-1/SR-7 mit einem gleich lichtstarken Normalobjektiv. Bis zu zwei Blenden soll der Minolta Spiegelreflexsucher heller sein! Diesen extremen Unterschied konnte ich nicht nachvollziehen, aber heller sind die Minolta SR-Sucher tatsächlich ...

In einem kleinen Youtube-Video stellt Michael Buchberger die Minolta SR-1 vor und zeigt die Unterschiede der verschiedenen Varianten.

 

 

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