Olympus E-500 Kurzbericht

Hier stelle ich eine frühe digitale Spiegelreflexkamera von Olympus mit FourThirds-Bajonett vor. Ralf Jannke hat sie ebenfalls präsentiert.

Spezifikationen

  • Die 2005 vorgestellte Olympus E-500 ist 130 x 95 x 66 mm groß und wiegt 435 g.
  • Der FT LiveMOS-Sensor 4/3“ (17,3 x 13 mm) löst maximal 3264 x 2448  = 8 Megapixel auf (8,88 Megapixel Rohdaten). Der Pixelpitch beträgt 5,3µm. Mit der ISO-Automatik oder manuell sind 100 bis 1600 ASA einstellbar. Videos sind nicht möglich, LiveView ist ebenfalls nicht möglich. Bilder werden als JPEG, TIFF oder ORF (RAW-Format) auf CompactFlash-Karten (Typ I oder II, max. ca. 64 GB) oder xD-PictureCards (max. 2 GB) gespeichert.
  • Das Objektivbajonett ist das FT-Systembajonett, Objektive von Leica/Panasonic und anderen Anbietern sind kompatibel
  • Das Motiv wird über einen Pentaspiegel-Prismensucher angezeigt (95% Bildfeldabdeckung), zusätzlich ist ein 2,5“ TFT LCD Monitor mit 230.000 Subpixeln vorhanden, der auch die Menüsteuerung übernimmt.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S) oder kontinuierlicher Autofokus (AF-S) sowie manuelle Scharfstellung mit Fokusunterstützung, 3 AF-Felder, Ermittlung durch Phasenerkennung-Sensor, durch teilreflektierenden Hauptspiegel und Hilfsspiegel abgegriffen.
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatik, Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik oder manuellen Modus, Motivprogramme, Matrixmessung, mittenbetont integrale Messung oder Spotmessung, Belichtungszeiten 60s bis 1/4000 sek. und „B“, Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit
  • manuell entriegelbarer Blitz mit Leitzahl 12, zusätzlich Norm-Blitzschuh inkl. TTL-Kontakten
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • keine Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch Lithium-Ionen-Akku

Besonderheiten

Die E-500 ist der zweite Nachfolger der ersten spiegellosen Spiegelreflexkamera von Olympus, der E-1 von 2003. Einstellige Modelle waren die Profikameras, die 5x0-Modelle waren Einsteigerkameras (E-500, E-510 und E-520). Ihr Vorgänger war die E-300 (mit seitlichem Suchereinblick aufgrund des Porro-Prisma-Systems statt bei dSLRs üblichem Pentaprisma), mit der die E-500 viele technische Gemeinsamkeiten hat.

Das „E“ in der Typenbezeichnung steht für „Evolt“, möglicherweise einer Abkürzung von „Evolution“. Bei späteren FT-Kameras schrieb Olympus das nicht mehr auf das Gehäuse bzw. die Anleitung, nur das „eckige“ E wurde beibehalten.

Der verwendete Akku BLM-1 paßt in etliche andere Olympus Spiegelreflexkameras, aber auch in Prosumerkameras wie die C-7070 oder C-8080. Optional war ein Batteriehalter nachzukaufen, der die Kamera mit 3 Lithiumbatterien CR123A benutzbar macht. Einen Hochformatauslöser mit Einsatzmöglichkeit von zwei Akkus gibt es zur E-500 nicht.

Als Speichermedium dienen CompactFlash-Karten bis ca. 16-64 GB, wobei auch die etwas dickeren Karten des Typs II passen, also auch Microdrive oder Adapter CF-auf-SD. Olympus-typisch für die 2000er-Jahre ist zusätzlich ein xD-PictureCard-Schacht vorhanden, er akzeptiert alle Karten von 16 MB bis 2 GB.

Die Speichergeschwindigkeit ist aus heutiger Sicht recht langsam, da der CF-Controller nicht die damals neuen schnellen CF 2.0-Standards beherrscht.

Der Gehäuseblitz ist eingebaut, er klappt je nach Modus selbsttätig oder durch Druck auf einen Knopf aus. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL mittels Vorblitz. Zusätzlich ist ein Norm-Blitzschuh mit TTL-Zusatzkontakten vorhanden (kompatibel zu allen Systemblitzen des Olympus/Panasonic/Leica mFT-Systems). Mit einem geeigneten Aufsteckblitz ist auch die FP-Synchronisation bis herab zur 1/4000s möglich (der Blitz feuert dann während des gesamten Verschlußablaufes schwache Stroboskop-Blitzimpulse ab). Drahtlose Steuerung entfesselt betriebener Systemblitze ist nicht möglich, dieses Feature baute Olympus erst in später erschienenen Kameras ein.

Die Kamera hat aus Gewichts- und Kostengründen kein Pentaprisma aus Glas, sondern eine Pentaspiegelkonstruktion aus verspiegelten Kunststoff-Elementen. Der Suchereinblick ist recht klein und düster, da Sensor und Mattscheibe nur ein Viertel der Fläche von Kleinbild haben. Es gab für 50 EUR einen Okularvorsatz ME-1, er vergrößert den Suchereinblick um den Faktor 1.2; er baut recht weit nach hinten auf,  damit wird auch das „Anstupsen“ der Nase an das Display verringert.

Die Kamera hat recht viele Tasten und Knöpfe. Es gibt ein Moduswahlrad und ein Daumenrad. Viele Funktionen haben einen eigenen Knopf, vier andere werden durch Doppelbelegung des Steuerkreuzes aufgerufen. Viele Bildeinstellungen können in einem Quick-Menu verstellt werden.

Das Objektivbajonett ist das FT-Systembajonett, Objektive von Leica/Panasonic und anderen Anbietern sind kompatibel. Man kann auch ohne angesetztes FT-Objektiv fotografieren, um mit „dummen“  Adaptern etliche alte Manuellfokusobjektive zu verwenden. Die Belichtungsmessung ist dabei aktiv, die verwendete Brennweite muß dazu manuell eingegeben werden, die Objektivblende muß von Hand vor jeder Aufnahme auf den gewünschten Wert geschlossen werden. Von Olympus gab es einen Adapter für die alten Zuikos des OM-Systems.

Das Bajonett ist für die Sensordiagonale recht groß dimensioniert, dadurch können die das Objektiv verlassenden Lichtstrahlen sehr parallel sein, was insbesondere bei Weitwinkelobjektiven die Bildqualität im Randbereich entscheidend verbessert.

Die Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera findet rein elektrisch statt, in jedem Objektiv ist je ein Antrieb für die Fokussierung und die Blendansteuerung vorhanden. Manuelles Fokussieren ist auch nur elektrisch möglich, an jedem Objektiv git es einen Encoderring, bei dessen Drehung der Fokusmotor entsprechend das Objektiv verstellt.

Das Tiefpaßfilter vor dem Bildsensor kann durch einen Ultraschall-Mechanismus in Bewegung versetzt werden, um am Sensor anhaftenden Staub „abzuschütteln“, dies kann entweder manuell im Menu ausgelöst werden oder auf Wunsch auch automatisch bei jedem Ein- und Ausschalten geschehen. Bei jedem Reinigungsvorgang leuchtet eine blaue LED auf der Kameraoberseite auf.

Das Display ist vor mechanischer Beschädigung durch eine Kunststoffscheibe geschützt, diese sollte durch eine weitere Folie vor Kratzern geschützt werden.

Das Kamera-Menu ist ausufernd und etwas unübersichtlich, es gibt insgesamt ca. 70 Unterpunkte, wobei eigentlich zusammengehörende Dinge teilweise in verschiednen Untermenüs „verstreut“ sind. Beispielsweise verstellt man den Bildtyp (Raw, JPEG, TIFF) im Aufnahmemenü, die JPEG-Kompression hingegen im Setup-Menu.

Wie bei vielen Olympus-Digitalkameras gibt es im System-Menu einen Eintrag „Pixelkorrektur“, damit werden Hotpixel (dauerhaft leuchtende Bildpunkte) und Deadpixel („tote“ = defekte Pixel) erkannt und zukünftig herausgerechnet.

Der Sensor wurde von Kodak hergestellt und auch in der E-300 eingebaut.

Wer sich wundert, weil die Kamera nach Druck auf den Auslöser eine Pause macht, bis der Verschluss abläuft: Dann ist „Anti-Shock“ im Systemmenü eingeschaltet, die Olympus-Bezeichnung für die Spiegelvorauslösung, deren Zeit von 1 bis 30 Sekunden eingestellt werden kann.

Die ISO-Automatik erhöht merkwürdigerweise die Empfindlichkeit nur beim Blitzeinsatz, ohne Blitz bleibt die Kamera stoisch bei 100 ASA, höhere ASA-Zahlen müssen manuell angewählt werden.

Die Kamera speichert in den MakerNotes der ORF-EXIFs viele interessante Dinge, darunter die Kameraseriennummer, die Objektivseriennummer, die Seriennummer des Aufsteckblitzes (sofern von Olympus), die Firmware-Version von Kamera, Objektiv und Blitz, die Sensordiagonale, viele Angaben zur Belichtung und weiteren Bildparametern, die Objektivkorrekturdaten für Verzeichnung, Vignettierung, chromatische Aberration usw,, den Status der Gesichtserkennung, die Anzahl der Zoomstufen des Objektivs, die Anzahl der Fokusstufen des Objektivs usw.

Laut Olympus sind die Parameter zur Korrektur von Verzeichnung, chromatischer Aberration und Vignettiereung nicht bei jedem Exemplar eines Objektivtyp gleich, sondern während der Herstellung wird jedes Objektiv einzeln vermessen und die Korrekturdaten in seinen „Chip“ einprogrammiert, womit winzige Abweichungen vom errechneten Ideal (hervorgerufen durch Herstelltoleranzen) ausgeglichen werden.

Die Zahl der Auslösungen ist nicht in jedem Bild enthalten, sie läßt sich aber im Servicemenü ablesen, dieses muß jedoch durch eine recht umständliche Tastensequenz eingeschaltet werden.

Im ORF (Olympus Raw Format) werden die Sensordaten immer leicht verlustbehaftet komprimiert abgespeichert, wobei fast die gesamten Sensorpixel aufgezeichnet werden. Sowohl Olympus View als auch Adobe Lightroom/Camera RAW nutzen die Randpixel zur Korrektur der Objektiv-Verzeichnungen und geben nur 3264 x 2448 Pixel aus. Freie RAW-Konverter wie DarkTable, Raw Photo Converter usw. können 3340 x 2504 Pixel ausgeben.

Für die USB- und die Video-Schnittstelle (gleichzeitig Drahtauslöser-Anschluß) muß ein gerne verlorenes Spezialkabel benutzt werden, da sie zu einer Kombibuchse zusammengefaßt wurden. Allerdings hat Olympus diese Buchse für viele Jahre unverändert benutzt.

Die USB-Schnittstelle ist zwar USB 2.0, unterstützt aber nur den „Full Speed“-Modus mit ca. 1 MB/sek. Übertragungsgeschwindigkeit, sie ist zum Auslesen der Bilder somit ziemlich ungeeignet und eher nur für den direkten Anschluß von Fotodruckern gedacht.

Die UVP der Olympus E-500 betrug etwa 450 Euro. Es gab auch verschiedene Sets mit Kit-Objektiven. Ich erwarb mein Exemplar 2018 für etwa 50 Euro mit einem 40-150 Zoom,  die Kamera hatte nur etwa 3000 Auslösungen beim Vorbesitzer machen müssen.

Beispielfotos

Alle Aufnahmen entstanden bei 100 ASA, gespeichert als ORF, gewandelt mit Olympus Viewer 3, bearbeitet mit Photoshop CS6. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde bearbeitet, Aufnahmeparameter und 100%-Ausschnitte habe ich nicht eingebettet, da die Bildqualität stark vom verwendeten Objektiv abhängt.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der Olympus E-500 ist fast komplett aus Kunststoff, aus Metall ist das Stativgewinde, das Objektivbajonett und der Blitzschuh. Die Kamera ist „Made in China“, was nicht auf dem Typenschild, sondern auf einem Extra-Aufkleber am Kameraboden steht (möglicherweise wurden die ersten Exemplar in einem anderen Werk bzw. Land gefertigt). Zur Vorstellung war sie für kurze Zeit die leichteste dSLR des Weltmarktes.

Wie für Einsteigerkameras damals üblich gab es die E-500 neben dem gezeigten Silber auch komplett in Schwarz.

Die Kamera gehört zur Klasse der digitalen Einsteiger-Spiegelreflexkameras im FT-System. Der Autofokus mit nur drei AF-Feldern war nicht mehr zeitgemäß, damals waren auch in Einsteigerkameras längst 5 Sensoren üblich. Die AF-Geschwindigkeit ist aus heutiger Sicht langsam, für Sportaufnahmen oder die Verfolgung schneller Autos ist sie nicht geeignet.

Die objektivseitigen vorhandenen Bildfehler wie Verzeichnung und Vignettierung werden bei JPEGs und TIFFs durch den Bildprozessor weggerechnet. Die Objektivkorrekturparameter werden in die EXIFs der RAWs eingebettet, die meisten Konverter wie AdobeCameraRaw, Lightroom usw. wenden diese automatisch an. Lediglich „freie“ Konverter wie Darktable lassen sich auf Wunsch ohne Objektivkorrekturen benutzen, die je nach Objektiv enormen Verzeichnungen (besonders in der Weitwinkelstellung) werden dann schonungslos sichtbar.

Bei höheren ASA-Zahlen rauscht der Sensor, worunter die Bildschärfe aufgrund des Kameraprozessoreingriffs leidet. 1600 ASA ist eigentlich nur ein Notbehelf. Olympus wußte das, darum müssen Empfindlichkeiten oberhalb von 400 ASA erst im Systemmenü „freigeschaltet“ werden, bevor sie benutzt werden können, ab Werk ist die Kamera auf die manuelle und automatische ASA-Wahl von 100 bis 400 begrenzt.

Die Bildqualität der E-520 ist heutzutage gerade noch als gut zu bezeichnen, Bei kritischen Gegenlichtsituationen neigen helle Bildpartien zum „Ausbrennen“. Bei „Schönwetter“ ISO 100 gibt es an den Bildern nichts auszusetzen. 8 Megapixel sind für etliche Anwendungen noch ausreichend. Trotz des recht kleinen Sensors (FT entspricht in etwa der Negativfläche des analogen Pocket-Systems) sind die Bilder ansprechend, die Olympus-typische Farbabstimmung überzeugt mich immer wieder.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch nicht uninteressante Kamera (mindestens eine Amateur-dSLR von Olympus gehört in jede Kamerasammlung), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen bei niedrigen ASA-Zahlen noch gut geeignet.

Christian Zahn

 

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