Canon ION Daten-Rettungsaktion

Ist auf Videofloppies der ersten Hälfte der 1990er Jahre noch etwas zu finden, zu retten?

Dieser Hilferuf erreichte das digicammuseum.de in den August-Tagen. In den Mitte der 1990er-Jahren ist filmlose Fotografie mit Stillvideokameras wie den hier schon gewürdigten Modellen Canon ION 250/251, RC-260 sowie RC-560 – siehe oben – spurlos an mir vorüber gegangen.

Und doch haben an moderner Technik interessierte Menschen vor 20 Jahren begonnen, neben technischen Dokumentationen damit auch die eigene Umgebung, Familienfeste und Urlaubserinnerungen festzuhalten. Problem anno 2016: Die meisten der ION-Kameras sind hinüber und können noch nicht mal mehr zum Abspielen der uralten Aufnahmen auf dem heimischen Fernseher benutzt werden. Sofern die Video-Disketten ihre Bilder nicht "vergessen" haben...

8 bis 9 von 10 ION-Kameras sind 2016 unreparierbar defekt!

Nach meinen Erfahrungen sind von 10 ION-Modellen der Reihe 250/251, 260, dessen deutschem Klon Bauer S10, sowie die höherwertige 560 und alle Ausgaben fürs amerikanische, japanische NTSC-Fernsehsystem mindestens 8 hinüber. Hier wurde schon mehrfach darauf hingewiesen von überteuerten Angeboten ohne Rückgaberecht tunlichst Abstand zu halten! Lesen Sie dazu unbedingt die Tipps im Finale der ION-Serie. Hier im Auszug:

Tipps (nicht nur) zu den häufiger auftauchenden Modellen der Canon ION-Serie, RC-250/251 (Q-Pic), RC-260/360 (Bauer S1) und RC-560/570

Dass die ION-Kameras/Ausrüstungen häufig als ungetestet, zur Vorsicht auch als „defekt“ deklariert angeboten werden, ist OK, wenn der Preis stimmt. Idealerweise zum Startpreis von 1 Euro. (...) Sollte aber eine komplette Ausrüstung hochpreisig angeboten werden, die neben Netzteil und Adapter sogar ein externes Batterieteil enthält UND dazu Video-Disketten, ist bei Anzeigentexten wie „konnte nicht getestet werden“ größte Vorsicht geboten!

In diesem Fall genügt die Bitte um einen einfachen Test. Dazu muss der Anbieter, er will ja schließlich Geld für seine alte Kamera, die angebotene ION mit Strom versorgen und eine Video-Diskette einlegen. Lässt sich das Ganze überhaupt anschalten? Und wenn ja, was passiert, wenn der Anbieter mit eingelegter Diskette ein Foto aufnimmt? Schaltet das Zählwerk nach dem Foto auf die nächste Bildnummer, oder läuft die Anzeige durch bis 50? In diesem Fall ist die angebotene Kamera von der (...) "ION-Krankheit" befallen und UNREPARIERBAR! Und für Elektronikschrott als reines Anschau-/Beleg-Exemplar MUSS der Preis stimmen (...)

Aber bei dreistelligen Preisen? Versehen mit der Bemerkung – "Privatverkauf, keine Garantie und Rücknahme": FINGER WEG! Nicht bieten/kaufen! (...)

Aktuell wird eine extrem seltene Canon RC-760 mit dem Zusatz: "used - may not work" – "gebraucht - könnte nicht funktionieren" angeboten. Hätte ich liebend gern, diese historische Stillvideo-Kamera. Aber nicht für 480 Euro inkl. Versand. Ein hochinteressantes Stück Kamerageschichte ist als Beleg-/Demoexemplar in der Vitrine mit 100 Euro bereits überbezahlt...

Zurück zu den Video-Disketten und der Bitte, ob noch was zu finden und wieder herzustellen sei

Ja, es war noch was zu finden! Die Erfolgsquote lag aber nur bei knapp 55 Prozent. Auf die 8 Video-Floppies hätten 8 x 50 = 400 Aufnahmen gepasst. Gelesen und digitalisiert werden konnten 219 ION-Fotos, die dem Hilfesuchenden dann unkomprimiert als TIF und komprimiert als JPEG zugingen.

Nach späterer Rücksprache mit dem Besitzer der Video-Floppies stellte es sich heraus, dass er auf einigen Disketten selbst etliche Bildchen gelöscht hatte. Nimmt man die eher unwichtigen Allerweltsfotos aus der Berechnung der Wiederherstellquote raus, steigt selbige bei den persönlich wichtigen Urlaubserinnerungen auf 61 Prozent.

Der ION-Fotograf wusste auch noch zu berichten, dass er bei einem Fototrip bemerkt habe, dass die Kamera „spinne“, weshalb es von 50 nur 7 wiederherstellbare Fotos gab. Er war in eine Gegend gekommen, die „magnetisch“ sein soll. Hört sich verrückt an, ist aber nicht unmöglich!

Wie beim Tonbandgerät der 1950er/60er/70er Jahre. Nicht ohne Grund nannte man die Geräte ja auch mal "Magnetophon". Weil die Tonbänder durch gezielte Magnetisierung bespielt wurden. Wie auch im späteren Kassettenrekorder oder Videokameras mit Magnetband. Alles wo Tonköpfe drinstecken. Eben auch in Computer-Diskettenlaufwerken und dem Video-Disketten-Laufwerk in der ION. Ein Ton-/Videoband oder eine Diskette dicht genug an einem starken Magneten vorbeigezogen, dürfte Löscheffekte verursachen. Ist natürlich die Frage wie stark „magnetisch“ diese Gegend auf Kreta sein soll. Aber denkbar ist es. Und vielleicht 40 Grad und mehr in einem nicht klimatisierten Auto wären für eine Elektronik auch wenig zuträglich.

Die ION 260 löst 380 x 276 Punkte auf, bzw. so wird die Auflösung in der Canon ION-Software angezeigt. Die lassen sich in der 1:2 Einstellung der ION-Software so öffnen und wahlweise unkomprimiert als TIF oder komprimiert als JPEG speichern. In der 1:1 Einstellung vergrößert die Software gleich auf 760 x 552 "Größe" brauchbarer Qualität. Diese Einstellung wurde gewählt, um wenigstens ein bisschen was zum Anschauen zu haben. 380 x 276 Pixel ist "Mäusekino", 760 x 552 Bildpunkte "verlieren" sich nicht vollkommen auf einem Full HD 1920 x 1080 Pixel und größer Monitor und lassen sich mit Abstrichen noch bei 120 ppi Qualität 16 x 12 cm groß drucken belichten...

Mit Erlaubnis des Besitzers gezeigt hier eine Handvoll private Mitte der 1990er-Jahre aufgenommene Urlaubserinnerungen aus Griechenland

Ralf Jannke

 

 

 

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