Von der analogen Ur-IXUS für APS-Film in die digitale Canon IXUS-Welt: Canon IXUS V2 und Canon PowerShot S20

Oberes Foto: Man muss schon genauer hinsehen, aber eine Kamera in der Reihe ist „falsch“... In der Mitte steht die analoge IXUS, die mit dem größten Flop der Fotogeschichte, APS-Film, geladen werden musste. APS-Film wird nicht mehr produziert. Aber schön zu sehen, wie Canon das IXUS-Konzept von analog auf digital übertragen hat! Eins hat aber vom analogen APS-Film überlebt. In Anlehnung an die „Classic“ Negativgröße mit dem 3:2 Kleinbildseitenverhältnis von 16,7 x 25,1 mm wird auch der Sensor kleinerer DSLRs/DSLMs, der eine Größe von ca. 15 x 23 mm hat, als APS-C Sensor bezeichnet.

Canon PowerShot S20

Als „Digitalkamera im erfolgreichen IXUS-Design, mit robustem Metallgehäuse,“ beschrieb digitalkamera.de die Canon PowerShot S20 bei Erscheinen. Der Irrsinn der Modelvielfalt, an dem die Hersteller fast erstickt sind, war auch analog schon vorhanden: Wikipedia listet 19 analoge IXUS-Modelle!

Boris Jakubaschk hat die 2000 vorgestellte und mit 106 x 69 x 34 mm Größe und 355 g Gewicht ziemlich mächtige Canon PowerShot S20 schon ausführlich gewürdigt und Bilder gezeigt, so dass ich mich mit der Technik ganz kurz fassen kann. Das vom Zoomfaktor schwach ausgefallene 2,9-4/6,5-13,0 mm (32-64 mm @KB) 2-fach Zoom kann wenigstens mit 32 mm (= mehr) Weitwinkel-Anfangsbrennweite punkten, als viele Mitbewerber dieser Zeit. Bei der von einem Freund überlassenen S20, der die Canon kaum benutzt hat, ist der 1,8" TFT LCD Monitor mit 114.000 Bildpunkten gealtert (?) und als zu duster nur noch zum Einpassen des Motivs geeignet.

Weitere Details in der (englischen) Bedienungsanleitung der PowerShot S20

Obwohl der 2.018 x 1.536 = 3 Megapixel CCD-Sensor mit 1/1,8" 7,2 x 5,3 mm recht groß ausgefallen ist, was in einem Pixelpitch von 3,4 µm (gut ist alles über 3 µm) resultiert, neigt die PowerShot S20 bereits bei Nennempfindlichkeit zum Rauschen. Die als „Signalanhebung (englisch Gain)“ deklarierte ISO-Verstärkung ist mit Vorsicht zu genießen. Schon bei ISO 100 ist in dunklen (unterbelichteten Motivbereichen) ein leichtes, aber noch tolerierbares Farbrauschen zu erkennen. Sicher begünstigt durch meine Routinebelichtungskorrektur von - 1/3 EV, um das Ausbrennen der Lichter zu minimieren. Bei einer Signalanhebung (Gain) +1 (= ISO 200) wird das Rauschen unübersehbar, bei Signalanhebung +2 (= ISO 400) wird die Aufnahme meiner Meinung nach unbrauchbar. Beachten Sie bitte die ISO 100, 200 und 400 Fotos in voller 3 Megapixel-Auflösung. Letzteres hat mich dann doch überrascht. Meine 1999/2000 zum nördlichen Polarkreis = Polarnacht für 24 h mitgenommene Nikon Coolpix 950 verhielt sich da weit besser. OK, da stehen nur 2 Coolpix-MP den 3 MP der Canon PowerShot S20 gegenüber.

Boris bescheinigte der S20 eine "ausgezeichnete Bildqualität", was meiner Meinung aber nur bei "Schönwettermotiven" zutrifft. Die Schärfe ist in der Tat gut, aber sobald da Licht nachlässt, kommt Rauschen dazu. Warum die Canon PowerShot S20 aber gegenüber den Ur-IXUSsen derartig in der Größe gewachsen ist, weiß wohl nur Canon.

Canon DIGITAL IXUS V2

Was die Gehäuseform/-größe angeht, kann man von einer gelungenen 1:1 Umsetzung der analogen in die digitale IXUS sprechen. Beachten Sie aber die Brennweite der analogen IXUS: 23-46 mm Brennweite. Multipliziert mit dem Faktor 1,5 sind das etwa 35-70 mm Kleinbild entsprechender Brennweite.

Boris Jakubaschk hat die 2002 vorgestellte und mit 87 x 57 x 27 mm und 190 g Gewicht deutlich zierlichere Canon Digital IXUS V2 schon gewürdigt, so dass ich mich auch hier mit der Technik ganz kurz fassen kann. Durch den kleineren 1.600 x 1.200 = 2 Megapixel CCD-Sensor 1/2,7" 5,4 x 4,0 mm entspricht das 2,9-4/6,5-13,0 mm auf der IXUS V2 einem 35-70 mm Zoom bei Kleinbild. Außerdem beginnt die Empfindlichkeit des Sensors hier bei ISO 50, um über ISO 100 und 200 auch bei ISO 400 zu enden. Die ISO-Automatik arbeitet zwischen ISO 50 und 150. Im Gegensatz zur PowerShot S20 werden die ISO-Werte in der IXUS V2 „richtig“ angewählt, nicht per „Signalanhebung (Gain) +1 (für ISO 200) und +2 (für ISO 400). 

Weitere Details in der (englischen) Bedienungsanleitung der Canon Digital IXUS V2

Dass es aus der IXUS V2 keine Bilder gibt, liegt am Akku, der am Ende ist. Von drei Akkus konnten zwei sofort entsorgt werden, und der dritte Akku hält vielleicht noch 60 Sekunden. Neukauf lohnt einfach nicht. Wobei ich keine Zweifel habe, dass die 2 Megapixel IXU V2 schlechter sind, als die einer 2 Megapixel Nikon Coolpix 800 oder Panasonic LUMIX DMC-FZ2.

Beispielfotos, aufgenommen mit der Canon PowerShot S20 November 2016, niedrig aufgelöst

Canon PowerShot S20 3 Megapixel, ISO 100 – volle Auflösung, keine EBV

Bitte einfach auf die folgenden 3 MP-Fotos klicken (Tippen/Tabletcomputer)

Canon PowerShot S20 3 Megapixel, ISO 200 – volle Auflösung, keine EBV

Canon PowerShot S20 3 Megapixel, ISO 400 – volle Auflösung, keine EBV

Ralf Jannke, November 2016

 

 

Sie finden diesen Beitrag besonders gelungen, vollkommen verunglückt oder möchten noch etwas ergänzen? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion!

  1. Flo Krammel
    Flo Krammel vor 4 Tagen
    Hallo und danke für den Beitrag.

    Ich muss da zwei Dinge einfügen bzw. richtig stellen.

    1) APS war in keinerlei Hinsicht ein Flop! Das System war sehr durchdacht und bot extreme Möglichkeiten im Vergleich zu KB. Leider kam das viel zu spät und die Hersteller haben sich viel zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht. Ich denke, APS wäre in 1990 ein voller Erfolg geworden. Ein Flop ist aber was anderes.

    2) ISO ist immer eine "Gain" Verstärkung! Das wird hier so dargestellt, als ob nur die Powershot eine Verstärkung hätte. Es gibt keinen digitalen Sensor, der nur ansatzweise eine Varianz in der Lichtempfindlichkeit a`la ISO besitzt. Das sind angelehnte Werte der Verstärkung, haben aber weder eine Norm wie das ISO des Films war, noch ist es eine wechselnde Empfindlichkeit des Sensors. Jeder Hersteller kocht seine eigene Suppe und nutzt diese angeblichen ISO Werte als Marketing Werkzeug.

    Beste Grüße, Flo
  2. Ralf Jannke
    Ralf Jannke vor 4 Tagen
    1) APS war in keinerlei Hinsicht ein Flop!

    Dazu empfehle ich das Studium Jürgen M. Beckmessers Beitrags: „APS: Vom Scheitern eines Format-Putsches“

    https://www.photoscala.de/2014/12/29/aps-vom-scheitern-eines-format-putsches/

    2) Angebliche ISO durch Verstärkung

    Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des seit Jahren fotografisch begleiteten Basketballvereins gab es 2007 einen Kalender mit diversen Fotos – in A2 Größe. Einsamer „Höhepunkt“ ein Foto vom Aufstieg von der zweiten in die erste Liga. Es ist Brauch, das Basketballnetz als Trophäe abzuschneiden. Das Foto wurde analog mit dem damals (1996) erstklassigen Fuji 800 Farbnegativfim aufgenommen. Die Qualität war – GRAUENHAFT. Dass, was eben mit einer der besten Farbnegativfilme dieser Zeit lieferte. Grauenhaft im Vergleich zu heutigen Fotos – natürlich auch in A2-Ausgabe –, die mit ISO 1600/3200 aufgenommen werden. Mir ist vollkommen egal, ob die hohen ISO aus der Digitalkamera angeblich „falsch“ und „nur“ durch Verstärkung der Sensorgrundempfindlichkeit erreicht werden. Es zählt nur, was ich auf dem Monitor oder noch besser großformatig gedruckt/belichtet auf Papier sehe. So einfach…

Kommentar schreiben