Canon PowerShot S50 "Microdrive Edition" in Schwarz...

... lautete die ursprüngliche Überschrift dieses Beitrags. Aber gemäß dem Motto: "Das Bessere ist des Guten Feind" wurde die PowerShot G50 jetzt "verdrängt". Denn es kam eine besser ausgestattete und höher auflösende PowerShot S70 vom Flohmarkt ins Haus.

Canon PowerShot S50

Im Foto nicht ganz korrekt ;-) Die S50 gab es „nur“ mit dem 340 MB IBM Microdrive. Hier abgebildet der 1 GB IBM Microdrive. Die "normale" Version der S50 ist in Chrom gehalten.

Profi-Schwarz und das Speichern im Rohdatenformat sind aber die einzigen professionellen Eigenschaften der 2003 vorgestellten S50. Denn die S50 ist ein furchtbar unausbalancierter Klotz, der im Vergleich zur hier schon ausführlich gewürdigten Canon PowerShot G2 ganz schlecht in der Hand liegt und ohne Handschlaufe – ein MUSS – die fatale Tendenz zum Rausrutschen aus der Hand und Runterfallen zeigt.

Mit der Möglichkeit im Kamerarohformat zu speichern, spielt die S50 aber automatisch in einer höheren Konsumerkamera-Liga. Solange man nicht glaubt ein besserer, professionellerer Fotograf zu sein, bloß weil man in RAW (Datenrohformat) „arbeitet“, ist das in Ordnung. Ganz klar bietet das Rohformat aufgrund seiner höheren Farbtiefe mehr Reserven. Und gar nicht mal, um falsch belichtete Aufnahmen zu retten, zu verbessern... Aber wenn es beispielsweise ums Aufhellen von Schatten geht, sind 30/36 bit Farbtiefe (= 1024/4096 Abstufungen pro Farbe) eben besser als 24 bit (= 256 Abstufungen pro Farbe). Und manchmal zeigen überbelichtete Motivdetails bei höherer Farbtiefe noch Zeichnung, die sonst weg wäre. Auch wenn es mit ISO 400 (manchmal 800) an die Empfindlichkeitsgrenzen der Konsumer-Digitalkamera-Klasse geht, gelingt das notwendige Entrauschen bei von der Kamerafirmware ungeschärften Rohbildern besser, um anschließend ganz nach Verwendungszweck (Drucken) zu schärfen. Und zum „Entwickeln“ der Rohdateien muss es noch nicht mal eine Bezahlsoftware wie Adobe Lightroom sein, es gibt kostenlose Rohdatenentwicklungsprogramme, zum Beispiel „Raw Therapee“ oder "darktable". Und schließlich Canons eigene, kostenlose Software DPP!

Übrigens greift die jeweilige Kamera-Firmware im Rohformat am wenigsten in die Bildaufbereitung ein. Was aber wirklich “roh" ist, bestimmt allein der Kamerahersteller! Oder: "Roh ist gar nicht roh...

Die S50 ist 112 x 58 x 42 mm groß und wiegt 260 g. Der 1/1,8" 7,2 x 5,3 mm  große CCD-Sensor (Pixelpitch 2,8 µm – besser ist >/= 3 µm) löst maximal 2.592 x 1.944 Pixel = 5 MP auf. Die Empfindlichkeit kann von ISO 50 bis auf ISO 100, 200 und 400 verstärkt werden. Die ISO-Automatik soll sich zwischen 50 und 150 bewegen. Heißt bei wenig Licht und drohender Verwacklung manuelle Wahl von ISO 200, 400!

Gespeichert wird mit 24 bit Farbtiefe in den JPEG-Einstellungen „L“ (5 MP), „M1“ (2 MP), „M2“ (0,8 MP) und „S“ (0,4 MP). Und zusätzlich zu jeder JPEG-Einstellung in den Komprimierungsqualitäten: Superfein, Fein und Normal. Alternativ können die Fotos im Canon-eigenen Rohdatenformat mit 30 bit Farbtiefe als RAW aufgenommen werden. Videos mit Ton können im Mäusekinoformat 320 x 240p und 15 B/s für je 180 s pro Video aufgenommen werden. Gespeichert wird im AVI-Format. Fotos und Videos werden auf Compactflash-Speicherkarten abgelegt, wobei sogar der dicke Microdrive in den Kartenschacht passt. Übrigens: Der IBM 340 MB Microdrive mit 340 MB Speichervolumen kostete bei Vorstellung 1000 DM! Da Speicherkarten heute kein finanzielles Problem mehr darstellen, passen beispielsweise auf die 4 GB CF-Karte 826 Aufnahmen im Rohformat oder 1562 JPEGs höchster Auflösung (5 MP) in „Superfein“-Qualität...

Objektiv ist ein 2,8-4,9/7,1-21,3 m (35 bis 105 mm @KB) 3-fach Zoom, dessen Makrobereich bei Weitwinkel zwischen 10-50 cm und bei Tele zwischen 30-50 cm liegt.

Die Entfernung kann manuell eingestellt werden oder automatisch. Im Einzel-AF-Betrieb (AF-S), Nachführ-AF (AF-C) mit verschiebbarem AF-Messfeld. High Speed-Serienbildmodus mit 2 B/s über 8 Bilder in Folge.

Das Motiv kann stromsparend über einen optischen Sucher oder über einen 1,8“ TFT LCD Monitor erfasst werden. Das Menü wird auf dem Monitor angezeigt. Die Belichtung wird wahlweise mittenbetont, integral, über mehrere Felder (Matrix) oder punktförmig als Spot gemessen. Gesteuert wird die Belichtung manuell oder durch Programm-, Zeit- oder Blendenautomatik. Dazu kommen diverse Motivprogramme. Die automatische Belichtung kann im Bereich +/- 2 EV in 1/3 EV-Schritten korrigiert werden. Die Belichtungszeiten bewegen sich zwischen 15 bis 1/1.500 s. Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit.

Der eingebaute Blitz reicht im Weitwinkelbetrieb 4 m weit und bietet die üblichen Einstellungen: An/Aus, Automatik, Aufhellblitz, Langzeitsynchronisation, Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang, Rote-Augen-Reduktion. Der Weißabgleich erfolgt wahlweise automatisch, mit den Voreinstellungen Wolken, Sonne, Glühlampen-, Blitzlicht, Leuchtstofflampe mit 2 Voreinstellungen. Energieversorgung über Lithium-Akku NB-2L.

Vergessene Details, Einzelheiten können in der deutschen Bedienungsanleitung der Canon PowerShot S50 nachgelesen werden.

Canon PowerShot S70

PowerShot S50 (links), PowerShot S70 (rechts)

"Das Bessere ist des Guten Feind"... hieß es oben

Gegenüber der 5 Megapixel PowerShot S50 und ihrem 2,8-4,9/7,1-23,3 mm (35-105 mm @KB) 3-fach Zoom bietet die PowerShot S70 mit 3.072 x 2.304 = 7 Megapixel eine höhere Auflösung und – mir wichtiger – das weitwinkligere 2,8-5,3/5,8-20,7 mm (28-100 mm @KB) 3,6-fach Zoom. Im Unterschied zur schwarzen PowerShot S50 hat die S70 ein dezenteres Dunkel-Anthrazit. Die PowerShot S70 liegt allerdings genau so schlecht in der Hand wie die S50.

Alle weiteren Angaben zur Technik der Canon PowerShot S70 in der deutschen Bedienungsanleitung

RAW vs. JPEG – oder: So geht JPEG!

Wer ist wer?

Ich habe bewusst keine Texte in die Bilder montiert, aber wer genau hinschaut, sieht am Dateinamen, welche JPEG aus der Canon *.CRW-Rohdatei entwickelt wurde und welche die o(ut)o(f the)c(am) JPEG direkt aus der Canon PowerShot S70 ist…

ISO Reihe, JPEG vs. RAW, volle Auflösung 7 Megapixel

Bitte auf die Fotos klicken. Obere Reihe JPEG, untere Reihe RAW (*.CRW), ISO 50, 100, 200

ISO 400 (200): JPEG vs. RAW, Lightroom entrauscht

Bitte auf die Foto klicken. Obere Reihe ISO 400 JPEG links, ISO 400 RAW (*.CRW) rechts. Untere Reihe ISO 400 RAW (*.CRW) mit Lightroom entrauscht, Luminanz 80, linkes Bild, ISO 200 RAW (*.CRW) mit Lightroom entrauscht, Luminanz 50, rechtes Bild.

Keine Frage, dass sich die PowerShot S70 bei ISO 50 am wohlsten fühlt. ISO 200 ist der beste Kompromiss wenn das Licht weniger wird.

Aber auch wenn die PowerShot 70 bei ISO 400 kräftig rauscht, hätte ich kein Problem die ISO 400 auch zu benutzen, wenn nur die Wahl zwischen einem wahrscheinlich schon verwackelten oder einem noch – sagen wir – hinreichend scharfen Foto besteht. Und dann auf jeden Fall Speichern im Rohformat der S70. Trotz des Rauschens bleibt die Schärfe unbehandelt aber erhalten. Gut dass nicht ein untauglicher Algorithmus versucht das Ganze so zu glätten, zu zuschmieren um das Rauschen zu entfernen!

ALLE Fotos des ISO-Testvergleichs vom Stativ mit Zeitautomatik, Blende f/5,6. Mit Lightroom 5.7.x aufgehellt, Regler Tiefen auf +80

Beispielfotos, aufgenommen mit der Canon PowerShot S70: 7 auf 4 Megapixel reduziert

Autowaldfriedhof Kyrkö Mosse, Sommer 2017

Viel ist nicht mehr übrig von Åke Danielssons Düngerproduktionsmaschine. In der wurde selbst gestochener Torf mit Tierexkrementen vermischt und das Ganze dann den Bauern als Dünger verkauft. Industriell hergestellter Dünger bereitete dem ein Ende, Åke begann mit dem Aufbau seines Schrottplatz' im Wald.

Bei dem einen Baum wurde noch versucht ihn so zu fällen, dass möglichst wenig beschädigt wird. Aber der zweite, im Sturm umgefallene Baum beginnt der Holzhütte den Rest zu geben. Vor dem Chaos Åkes Traktor, mit dem er die Autowracks in den Wald zog. Åke hatte nie einen Führerschein und fuhr nur Fahrrad und eben diesen Traktor… 

Nachdem ich den Autowaldfriedhof seit Oktober 2012 das erste Mal besucht habe und dabei immer eher schweres Gerät, sprich DSLRs dabei hatte, kam ich mir diesmal mit der kleinen Canon PowerShot S70 regelrecht verloren vor. Vom Kameragefühl ganz sicher. Aber was die Konsumerknipse unter den Bedingungen ablieferte, kann nur als erstklassig bezeichnet werden. Nach Studium des Wetterberichts war klar, dass es in der Nacht zuvor reichlich geregnet hatte. Ideal! Statt der staubigen, stumpfen Farben in einem (zu) trockenen Sommer, lebten Moos und Flechten. Unterschätzt hatte ich lediglich das Licht. Ohne zu probieren, ob die ISO-Automatik der S70 funktioniert, wurde sofort ISO 100 gewählt. Um dann festzustellen, dass es zu (ver)wackeln anfing. Also ISO 200 und 400.

Die aufgenommenen Fotos wurden mit allem, was Lightroom 5.7.x an Möglichkeiten und Effekten (SW-Umsetzung, Crossentwicklung, hinzugefügte Vignettierung usw.) hergibt, bearbeitet. Geglättet, heißt entrauscht wurde nicht mal bei ISO 400. Passt das digitale Korn doch perfekt zum Rost der Wracks. ALLE Fotos wurden aus Platzgründen auf 1.800 x 1.350 Pixel = 2,4 Megapixel reduziert. Als 7 Megapixel-Original wäre das eine oder andere problemlos als Poster an die Wand zu hängen!

Wer Lust hat, sich die Bildchen größer anzuschauen, bitte einfach auf die Fotos klicken.

Kyrkö Mosse, Kyrkö Moor, Ryd, Kronoberg Län, Südschweden

Finale

Das Einzige, was mir an der Canon PowerShot S70 missfällt, das ist das reine Halten. Sie liegt einfach schlecht in der Hand. Handschlaufe ist Pflicht, denn es wäre wirklich schade, wenn diese kompakte und unauffällige Fotomaschine auf den Boden knallt!

Die für alle Fälle zum Schrottplatz mitgenommene "Ersatzkamera" Panasonic Lumix DMC-GH1 blieb dort wo sie war, auf dem Parkplatz, unsichtbar in der Ablage über dem Fahrersitz. Ich hatte mir vorher nicht vorstellen können, dass die Canon PowerShot S70 derartig hoch punktet!

Sammelwert der PowerShot S70?

Boris taxiert den ganz ähnlichen, mit 8 MP nur wenig höher auflösenden Nachfolger PowerShot S80 mit 28 Euro. 5 – FÜNF – Euro habe ich für diese Superkamera bezahlt. Die S70 ziehe ich von den Möglichkeiten jedem 10+x MP Smartphone vor! Selbstverständlich bekommt die S70 meine Empfehlung!

Ralf Jannke, August 2017

PS.: Da die ganz zu Beginn erwähnte 5 Megapixel PowerShot S50 nicht in der Liste der gefährdeten 5 Megapixel Sony-Sensoren steht, werde ich auch mit der mal einen Rundgang machen. Das interessiert mich dann doch, ob die S50 bei ISO 400 weniger rauscht, als die S70. Wobei ich der höheren Auflösung, so wie hier im Beitrag zur S70, immer den Vorzug gebe…

Nachtrag zur PowerShot S70 – Stichwort Intervall, Timelapse, Zeitraffer

Auch wenn dieser Effekt gewisse Abnutzungserscheinungen zeigt, wie spätestens das 100. Fisheyefoto oder zu viel GoPro-Action, ist es wert diese Funktion gelegentlich einzusetzen. 

Wenn die Kamera unbemannte Fotografie in zuvor festgelegten Intervallen (Zeiten) bietet, genug Geduld (bis zu Stunden!) und ein sicherer Standplatz für die Kamera – Stichwort Diebstahl und Wetterschutz der unbeaufsichtigten Kamera, die dann nach Vorgabe Bild für Bild schießt – gefunden ist. Die Canon PowerShot S70 kann bis zu 100 Fotos im Ein-Minuten-Abstand aufnehmen. Das fertige Zeitraffer-Timelapse-Video besteht folglich aus 100 Bildern und 100 Minuten Aufnahmezeit, wobei die Auflösung von 1.600 x 1.200 Pixel der Einzelbilder von Time Lapse Assembler 1.5.3 für Mac OS X auf 1.280 x 720 Pixel HD-Videogröße reduziert und das 4:3 Bildformat aufs 16:9 Videoformat gezogen und wurde. Um die 100 Fotos dann in 7 Sekunden mit 15 B/s ablaufen zu lassen.

So sieht das mit der Canon PowerShot S70 aufgenommene und mit Time Lapse Assembler erstellte Zeitraffer-Video aus: https://youtu.be/rC7AFF1pahM

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