Ostern 1996, Ostern 2017 – 21 Jahre...

Verwandtschaft nicht zu leugnen: Chinon ES-3000 und Kodak DC50 Zoom

... ist es jetzt her, als ich das erste Mal mit einer Digitalkamera in Berührung kam.

Als in Deutschland der dämliche denglische Begriff „Handy“ noch nicht erfunden war, telefonierte Schweden schon kompakt mobil. Auch begannen Skandinavier mit den ersten verfügbaren Digitalkameras Produktionsabschnitte und -details zu dokumentieren, wo man sich im Unternehmen, wo ich beschäftigt war, noch mit Polaroid abmühte. 

Es war Ostern 1996, als ich über meine in Schweden lebende Schwester in den Wochenend-Leihgenuss einer Chinon ES 3000 kam. Trotz der schwachen 640x480 Pixel VGA-Auflösung war das die „Initialzündung“, die im Herbst 1996 zum Kauf der ersten eigenen Kodak DC20 führte, und bis Jahresende in die seinerzeit hochauflösende Olympus Camedia 800L mündete. Nachdem vor einiger Zeit etliche alte externe Festplatten gesichtet wurden, tauchte dort ein Ordner Chinon ES 3000 auf. Gefüllt mit einer Handvoll Urlaubserinnerungen von Ostern 1996. Jetzt wurde eine Chinon ES 3000 angeboten, und ich habe sofort zugegriffen!

Die Chinon ES-3000 ist übrigens nicht allein, Rodger L. Carter listet auf seiner Seite DigiCamHistory.Com 1995 neben der Chinon ES-3000 noch die Varianten DYCAM 10-C und die hier bereits vorgestellte Kodak DC-50 Zoom.

Für die Produktion der DC-50 wurden die Kunststoffspritzgussteile des Gehäuses allerdings grauschwarz eingefärbt, und die DC-50 hat ein anderes Innenleben. Zum Beispiel einen mit 756 x 504 Pixel etwas höher auflösenden, angeblich fototauglicheren Sensor. Chinon & Co lösen "nur" 640 x 480 Pixel auf. Was der Kodak aber wenig nützt, ich erinnere mich mit Schaudern an die "Qualität" der DC-50 Dateien...

Zur Kodak "Ziegelstein-Design-Reihe", in die auch die DC-50 gehört gibt es bereits einen Bericht

Auch Boris Jakubaschk hat die Kodak DC-50 gewürdigt

Neben den drei bei Rodger L. Carter genannten Versionen existieren zwei weitere Kameras gleicher Bauart.

Wo anders als beim kanadischen Sammler "maoby" sollten sie zu finden sein? Hier ist der Link zum Foto. Im eBay-Archiv noch zu finden, wurde 2016 die bei maoby gezeigte Dakota DCC 9500 lange Zeit vergeblich für 600 US $ angeboten. Sie ging dann irgendwann für immer noch irre 200 US $ weg. Da lag die jetzt erworbene Chinon ES-3000 mit umgerechnet 10 Euro inkl. Porto doch genau richtig... Mir genügt das preiswerte Pärchen Kodak DC50 und Chinon ES 3000 schon wegen der persönlichen Geschichte...

Chinon ES 3000

Extrem wählerisch! Die Chinon ES-3000 akzeptiert von den Speicherkarten nur die links liegende 8 MB Pretec PCMCIA. Die danebenliegende PCMCIA-Karte und die 8 MB CompactFlash-Karte im Adapter werden mit einer Fehlermeldung verweigert:

Die ES 3000 wurde 1995 vorgestellt und hat einen CCD-Sensor der maximal 640 x 480 Pixel auflöst. Die Empfindlichkeit liegt bei ISO 84. Objektiv ist ein kleinbidäquivalentes 2,8/38-114mm Dreifachzoom. Belichtung per Programmautomatik, Belichtungszeiten von 1/16 bis 1/500 Sekunde. Interner Speicher für 4 S(uperfine), 8 F(ine) oder 32 N(ormal) Fotos, Erweiterung durch PCMCIA-Speicherkarte. Die spezielle Karte nimmt 43 S-, 86 F- oder 344 N-Fotos auf. Was im ersten Gedanken Erleichterung auslöste, sich aber sofort als Trugschluss erwies. Weder mein externer PCMCIA-Kartenleser, noch der im alten Notebook eingebaute PCMCIA-Slot konnte mit der in der Chinon ES-3000 steckenden Speicherkarte etwas anfangen. Sie passt, aber es tut sich – NICHTS.

Rien ne va plus

Nichts geht (mehr) – ohne die Chinon-Software!

So exotisch, wie die 8 MB PCMCIA-Speicherkarte der Chinon ist, ist auch das Bilddatenformat. Die Fotos werden nämlich nicht einzeln auf der Speicherkarte abgelegt, sondern in eine Datenbank geschrieben.

Erst nach Download und Installation der glücklicherweise noch existierenden Chinon Windows 3.x/95 Software und Anschluss der ES-3000 über den schneckenlahmen seriellen COM-Port meines uralten Windows 98 PCs war an die mit der Chinon aufgenommenen Bilder zu kommen – siehe oben.

Dabei hält man sich nicht mit Auswahl und Download/Konvertierung einzelner Bilder auf, sondern überträgt idealerweise die Chinon ES-3000 Datenbank, die die Bilder enthält, in einem Rutsch auf den PC. Das geht insgesamt schneller. Und auf dem PC lässt man dann mit der Chinon-Software im Batchverfahren alle Fotos aus dieser Datenbank wahlweise als unkomprimierte TIFF oder komprimierte JPEG in wahlweise drei Qualitäten automatisch nummerieren und benennen.

Komplette Technik (englisch)

InfoWorld 4. Nov. 1996

Popular Photography März 1996

Englische Bedienungsanleitung zur weitgehend baugleichen Kodak DC50

Historische Digitalfotos – 21 Jahre alt...

Wie weit ich diese Bildchen damals noch aus aus Unerfahrenheit nachgearbeitet habe, ist nicht mehr feststellbar. Auch gab es keine Exifs zu den Chinon ES 3000 Dateien. Vermutlich auch nicht im Original-Zustand... 

Und jetzt das Ganze frisch mit der eigenen Chinon ES-3000 2017 aufgenommen...

Für mich war es Nostalgie pur, eigene Geschichte. Ich hätte die Chinon ES-3000 auch genommen, wenn sie defekt gewesen wäre. Aber so: Noch besser!

Ralf Jannke, April 2017

 

Kommentare (1)

  • Dirk
    Dirk
    am 12.01.2019
    Oh ja, von den Farben her war sie schon super. Es war auch meine erste Digicam. Leider habe ich sie irgendwann verschenkt. Jetzt hätte ich gerne wieder eine, um in alten Erinnerungen zu schwelgen.

    Danke für diesen sehr schönen Artikel und die vielen Fotos.

    Gruß Dirk

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