Der Kanon der Digitalkameras

Vorschlag von Harald Lenz

Ich selbst hätte mich bis vor Kurzem noch nicht als Sammler bezeichnet, kaufte ich doch eigentlich alle meine Kameras, um auch damit zu fotografieren. Einige haben jedoch mittlerweile ein Alter erreicht, in dem sie für die alltägliche Fotografie doch nicht mehr ausreichen, ich mich jedoch aus verschiedenen Gründen nicht von ihnen trennen möchte. Im Zuge dessen wuchs auch mein Interesse an der technischen Entwicklung vor allem „meiner“ Marke sowie an technischen Lösungen, die heute etwas exotisch erscheinen.

Der Kern meiner Sammlung besteht daher aus Apparaten der Firma Konica Minolta. Dies ist insofern ein überschaubares Sammelgebiet, weil es die Fotosparte dieses Herstellers nur 2 Jahre gab. Mein Interesse gilt darüber hinaus dem kompletten „Alpha“-Bajonett seit 1985 (Minolta AF) bis in die Gegenwart (Sony Alpha A-Mount) sowie den Minolta Dimage Digitalkameras. Einige für mich interessante Kameras habe ich außerdem von den kleineren Herstellern Sigma und Pentax.

Meine persönlich zehn wichtigsten Museumskameras wären jedoch folgende:

1. Konica Minolta Dynax 7D (2004)

Minolta stieg mit dieser Kamera – unterstützt durch die neue Zusammenarbeit mit Konica – endlich in das Geschäft mit digitalen Spiegelreflexkameras ein. Ein wertiges Gehäuse, sensorbasierte Bildstabilisierung und ein intuitives Bedienkonzept, das aus den analogen Vorgängerkameras abgeleitet und verfeinert wurde, zeichneten die Kamera aus und begeistern ihre Fans bis heute.

2. Konica Minolta Dynax 5D (2005)

Als zweite (und letzte) DSLR vorgestellt, sollte die gleiche Sensortechnik in einem kleineren und günstigeren Kunststoffgehäuse die breitere Masse ansprechen und für Stückzahlen sorgen. Hier wurde ein komplett anderes Bedienkonzept gewählt.

Beide Dynax Digitalkameras hatten leider einen oft auftretenden Serienfehler (Error 58), den Konica Minolta auch noch Jahre nach dem Verkauf der Fotosparte kostenlos reparierte. Mittlerweile gibt es allerdings keine Ersatzteile mehr.

Neben den Gehäusen gehören zu meiner Sammlung auch die wenigen mit „Konica Minolta“ gelabelten Objektive, die großteils von Tamron zugeliefert wurden. Daneben wurde aber weiterhin das bestehende Minolta-Objektivprogramm weitergeführt.

3. Sony Alpha 100 (im seltenen silber) (2006)

Als Sony die KonicaMinolta Fotosparte kaufte, übernahmen sie auch die Weiterentwicklung der beiden Dynax-Gehäuse. Premiere feierte als erstes die Weiterentwicklung der Dynax 5D als „Sony Alpha 100“. Im Wesentlichen wurde ein 10MP Sony-Sensor eingebaut und der Akkutyp wurde auf den Sony NP-FM50 umgestellt, den Sony schon in der DSC-R1 benutzte. Das Bedienkonzept wurde wiederum überarbeitet, trug aber noch die Minolta-Handschrift.

4. Sony Cyber-shot Pro DSC-D770 (1999)

Jüngster Neuzugang meiner Sammlung ist die technisch interessante D770 aus dem Jahr 1999. Mit damals schon vergleichsweise bescheidenen 1,5MP Sensorauflösung konnte die Kamera ihre Daten relativ schnell verarbeiten und zielte damit hauptsächlich auf die Pressefotografie. Schon damals nutzte Sony einen halbdurchlässigen, feststehenden Spiegel, um einerseits einen echten Spiegelreflexsucher und andererseits das Fotografieren über den Bildschirm in Echtzeit (sog. „Liveview“) zu ermöglichen. Daneben bietet die Kamera mit einem PCMCIA-Steckplatz eine große Variabilität bezüglich der Speichermedien. Sie ist  – nach dem weitgehend baugleichen Vorgängermodell D700 – Sonys erste Spiegelreflexkamera und irgendwie auch der Urahn der heutigen Sony-SLT-Kameras.

5. Konica Minolta Dimage Z2 (2004)

Diese Kamera ist der direkte Nachfolger der Minolta Dimage Z1, die durch ihr Raumschiffdesign bekannt wurde. Etwas skurril mutet auch die Umschalttechnik für ihren Sucher an: Statt eines eigenen Sucherdisplay verbaute man eine Mechanik, die auf Knopfdruck das Bild des hinteren Displays in den Sucher umlenkte. 4MP und ein Zehnfach-Zoomobjektiv machten die Kamera vielseitig und heute noch nutzbar, ein Blitzschuh mit vollständiger Unterstützung des digitalen Minolta Blitzprotokolls (außer drahtlos Blitzen) war eine weitere Besonderheit.

6. Konica Minolta Dimage A2 (2004)

Auch diese Kamera ging auf ein Minolta-Modell zurück, die Dimage A1 - eine der ersten Kameras mit stabilisiertem Bildsensor. Die A2 bildete die „Prosumer“-Klasse von Konica Minolta, man hatte die volle Kontrolle über alle Einstellungen inkl. Rohdatenspeicherung, die Kamera war ausreichend schnell und hatte einen hochklappbaren elektronischen Sucher mit der damals höchsten erhältlichen Bildauflösung. Zur Kamera gehören ein Batteriegriff für 2 Akkus sowie Weitwinkel- und Telekonverter.

7. Minolta Dimage 5 (2001)

Der Urahn der Dimage A2 war in vielen Punkten ein Unikum. Dazugehörten das eigenwillige Gehäuse mit dem untenliegenden Fach für 4 AA-Akkus, der hochklappbare Videosucher, das Bedienkonzept mit seitlich angebrachten Vorwahlscheiben und nicht zuletzt ein eigener Farbraum, in dem die Bilder abgespeichert wurden und aus dem sie mittels eigener Software in den RGB-Farbraum umgerechnet werden mussten. Das Objektiv war schon das gleiche wie in den nachfolgenden Modellen. Gegenüber dem 5 MP Schwestermodell Dimage 7 und deren Nachfolgern besaß die Dimage 5 allerdings einen Bildsensor, der nicht nur mit 3,3MP eine geringere Auflösung bot, sondern auch kleiner war. Wegen des anderen „Cropfaktors“ war deshalb auch die Brennweite bezogen auf das Kleinbildformat etwas anders.

8. Konica Minolta Dimage A200 (2004)

Technisch eng mit der Dimage A2 verwandt, aber komplett überarbeitetes Gehäuse. Die A200 markiert den Übergang von der eigenwilligen Gehäusegestaltung zu den Bridgekameramodellen, wie wir sie heute noch kennen. Objektiv und Bildsensor der A2 waren hier in besonders kompakter Form zu haben.

9. Polaroid x530 (2004)

Diese Kamera dürfte es eigentlich gar nicht mehr geben, denn der Hersteller rief alle ausgelieferten Kameras im Jahr 2005 wieder zurück. Grund waren angeblich große Serienstreuungen in der Produktion, aber wohl auch der „zickige“ Foveonsensor bzw. dessen Datenverarbeitung. Die Chargen gelangten einige Jahre später dennoch über Drittverwerter in den Onlinehandel und so konnte ich diese Digitalkamera 2010 fabrikneu erstehen. Wenn man behutsam belichtet und große Bildkontraste vermeidet, dann kann man der kleinen Polaroid erstaunlich farbige, räumliche Fotos entlocken. Wie bei allen älteren Foveon-Kameras sollte man dazu die Rohdaten aus der Kamera mit der speziellen Polaroid bzw. Sigma-Software nachbearbeiten.

10. Sigma SD-9 mit „Powerpack“ (2002)

Auch wieder so ein Exot: Die SD-9 von 2002 war die erste Kamera mit dem neuartigen Foveon-Sensor. Ihr Gehäuse war jedoch noch gar nicht so futuristisch: Spiegelgehäuse und Stromversorgung kamen noch vom analogen Vorgängermodell SA-9, die Mattscheibe dunkelte man wegen des kleineren Sensorformats einfach außen herum ab und bezeichnete das Ganze als Sportsucher. Im Powerpack lassen sich ganze 8 Mignon-Akkus verstauen, aber dennoch braucht der analoge Teil der Kamera noch zwei CR123-Lithiumbatterien. Der große Spiegel versucht bei jeder Auslösung einen Nasenbeinbruch hinzukriegen und das winzige Display reicht gerade so zum Erkennen der wenigen Menüpunkte. Dennoch kann man der Sigma heute noch tolle Fotos in den kräftigen Foveon-Farben entlocken, wenn man die Geduld hat, die langsame Datenverarbeitung abzuwarten und die Bilder am PC aus den Rohdaten zu entwickeln.

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