Digibacks: Die ersten digitalen Rückwände für Mittelformat SLRs und Großformat-Fachkameras und Scankameras aus den Mitte 1990er Jahren

Für rund 350 Euro wird dieses Digitalrückteil jetzt seit Wochen vergeblich für eine Sinar-Großformatkamera (Filmfläche 9x12 cm und größer) angeboten. Ich würde so ein Digitalrückteil allenfalls für ein Zehntel des geforderten Startpreis' als nicht funktionierendes, nicht einsetzbares Gerät als "Dekoration" in meine Digitalkamera-Sammlung aufnehmen, zumal neben der Großformatkamera sämtliche Kabel und ggf. Software fehlen.

Warum?

Um die genauere Beantwortung dieser Frage geht es in diesem Beitrag.

Die Reproduktion dieser AGFA-Anzeige aus einem schwedischen Fotomagazin eignete sich gut als Intro

Abgebildet eine Nikon F, eine Hasselblad und eine (Linhof?) Großformatfachkamera. Zu laden natürlich mit AGFA-Film ;-) Diese Kameras waren DAS Profiwerkzeug der 1960er/1970er Jahre.

Ersetzt man den AGFA-Film in Gedanken durch entsprechende digitale Rückwände ist man beim Thema dieses Beitrags

Einmontiert habe ich noch eine Mamiya RB67 Rollfilm-SLR, die auch zum bevorzugten Werkzeug manches Profis gehörte, wenn mehr Filmfläche gefordert war als das quadratische 6x6 Format der schwedischen Hasselblad. Für die Mittel- und Großformatkameras gab es zum Start in die Welt der filmlosen Digitalfotografie zahlreiche Digital-Rückteile – Digibacks – verschiedener Anbieter, Auflösungen und Funktionen.

Für das 24x36 mm Kleinbildfilmformat hat es um 2018/2019 für eine kurze Zeit ein Digiback gegeben

Das abgebildete Digiback "I'm Back" für meine Nikon F plus Adapter für die Nikon F2 und F3 hat mich viel, zu viel Lehrgeld gekostet. Die Idee war gut, und es hat fürs "I'm Back" Adapter für zahlreiche SLRs und die Messsucherkamera Leica M gegeben. Das Produkt ist aber meiner Meinung nach nie über ein leidlich funktionierendes Prototypen-Stadium rausgekommen. Man kann „I’m Back“ mit “Ich bin zurück" im Sinne von „Die Analogkamera ist zurück“ übersetzen. Aber noch mehr steht „I’m Back“ für „Ich bin ein Rücken“, exakt „Ich bin ein Kamera Rückteil“. Von der auf den ersten Blick vielversprechenden Neuauflage "I'm Back Mark II" werde ich schon aus Kostengründen großen Abstand halten! Nicht nochmal Lehrgeld!

Im Gegensatz zu "I'm Back" hochprofessionell war das Leica Digital-Modul-R für die beiden Leica SLRs R8 und R9

(Die Abbildung gibt es später in anständiger Qualität!) Leider hat es diese Digitalrückwand nur von 2005 bis 2007 für kurze 2 Jahre gegeben …

Die wichtigsten Daten

  • 26,4 x 17,6mm CCD-Chip, Verlängerungsfaktor 1,37, maximale Auflösung 3.872 x 2.576 Pixel, 10 Megapixel
  • Empfindlichkeit ISO 100 - 1600
  • Maximale Bildfrequenz 2 B/s, max. 9 Bilder 
  • Monitor 1,8”-Farb-Display mit 130.338 Pixeln
  • Speicherformat DNG (DigitalNeGative), TIFF, JPEG
  • Speichermedium SD-Karte bis 2 GB, größere SD-Karte mit Firmware-Update.

Diesem Digital-Rückteil widmen wir einen ausführlichen Folgebericht!

Zu digitalisierende Analog Mittel- und Großformatfachkameras

Grundvoraussetzung zur Digitalisierung einer Mittelformat SLR oder Großformat-Fachkamera

IMMER die Möglichkeit auf mit Film geladene trennbare Rückteile zurückgreifen zu können!

Was bei der Großformatkamera seit Plattenkamerazeiten immer so war! Die Rückwand der Kamera mit der Mattscheibe zur Motiverfassung und Fokussierung wurde zur Aufnahme einfach abgezogen und durch eine lichtdichte Kassette ersetzt, die zu Beginn der Fotografie entsprechend beschichtete Glasplatten enthielt. Später wurden die bruchempfindlichen Glasplattennegative durch so genannten Planfilm der gleichen Größe ersetzt. Alternativ gab es auch Rückteile, die den 6 cm breiten Rollfilm für 6x9 cm Formate aufnahmen.

Für die Hasselblad gab/gibt es Filmmagazine, die vor dem Aufnahmetermin zeitsparend bereits mit Film geladen waren. Bei drei Magazinen hatte der Fotograf beispielsweise die Auswahl zwischen zwei Magazinen mit verschieden empfindlichen Farbfilmen und einem dritten Magazin mit Dia- oder Schwarzweiss-Film. Statt dieses Filmmagazins wurde zum Start der Digitalfotografie dann ein "Magazin" montiert, das den entsprechenden Bildsensor enthält.

Neben der Hasselblad gab es weitere Hersteller von Mittelformat-SLRs, die ebenfalls Wechselmagazine boten! Beispielsweise Bronica, Mamiya und Rollei. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit! Die Pentax 6x7 hatte keine Filmwechselmagazine, folglich gab es für die Pentax 67 auch nie ein Digitalrückteil — schade. Was für sämtliche zweiäugigen 6x6 Spiegelreflexkameras ebenso zutrifft – keine Digibacks. Und neben dem deutschen Hersteller Linhof gab es noch Plaubel, die schweizer Sinar und weitere japanische und US-Hersteller von Großformatkameras! Eine gute Auflistung und Darstellung zahlreicher Großformatkameras bietet die Seite "Die Fachkamera – in der Architektur- & Studiofotografie" Die Aufstellung ist aber über 10 Jahre alt! Und das ist, wenn man auf die Entwicklungen schaut, alt, verdammt alt. Für etliche der gezeigten Großformatkameras gab/gibt es digitale Rückteile …

Und genau auf diese Kameras hatten es die Anbieter der ersten Digitalrückwände ab Mitte der 1990er Jahre "abgesehen"

Dahinter stand sicher nicht nur der ehrenwerte Versuch hochwertige, hochpreisige (!) Mittel- und Großformatkameras in die digitale Zukunft zu transformieren, zu retten, sondern natürlich auch entsprechende Gewinninteressen!

Dabei reichte die Spannweite 1994 auch von Selbstbauten bis zu merkwürdigen "Kästchen", die sich auf der Rückseite einer Großformatkamera regelrecht "verloren"

Reproduktion aus der CHIP SPECIAL Digitale Fotografie 1994, für die ich 1994 gerne 49 DM investiert hatte!

Damalige Kosten für Digitalkameras und Digitale Rückteile

Meine absolute Fundgrube, die beiden CHIP SPECIALs. Vor 30 (!) Jahren gekauft. Von dem Wissen um Druckauflösungen und so weiter zehre ich bis heute. Aber erst die Preislisten!!!

Den "Vogel abgeschossen" hatte das Dicomed BigShot 3000. Für eine 60x60 mm Sensorfläche bei 4.096x4.096 Bildpunkten = 16 Megapixel wurden astronomische 91.885 DM aufgerufen. Einsetzbar nur an der Hasselblad und Fachkameras. Farbfotos nur als Threeshot RGB durch entsprechende Farbfilter – sprich ausschließlich statische Motive. Bewegte Motive nur im SW-Modus. Erst der Nachfolger Dicomed BigShot 4000 konte auch bewegte Farbmotive ablichten. Und – Achtung: Eigene Mac-Software natürlich nur für Apple Macintosh Rechner. Windows? Was war das denn? ;-)

  • AGFA StudioCam, 36x29 mm Sensor, 4.500 x 3.648 Pixel = 16 MP, Apple Macintosh Rechner erforderlich, 17.250 DM
  • Arca Swiss Monolith Megavision, 30x30mm Sensor, 2.048 x 2048 Bildpunkte = 4 MP, Apple Macintosh Rechner erforderlich, 53.000 DM
  • ColorCrisp Carnival, 31x31 mm Sensor, 2.048 x 2.048 Bildpunkte = 4 MP, Apple Macintosh Rechner erforderlich, 46.000 DM
  • HWZ Scanner für Rolleiflex 8008 und Großformatkameras, Auflösung 1.648 x 3.510 Bildpunkte = 6 MP, Windows(!) PC plus Digitizer Karte, 8.000 DM
  • Kontron ProGres 3012, Auflösung 3.072 x 2.320 Bildpunkte = 7 MP, Windows PC, Mac, Unix-Rechner, 48.300 bis 52.900 DM
  • Leaf Lumina, 3.400 x 2.700 Bildpunkte = 9 MP, Apple Macintosh Rechner erforderlich, 8.900 DM
  • Megavision T2 Cambo, 31x31 mm Sensor,  2.048 x 2.048 Bildpunkte = 4 MP, Apple Macintosh Rechner erforderlich, 59.800 DM
Und was sind diese Scan-Kameras und niedrig auflösenden Digitalrückwände von vor 2000 heute noch wert?
Ganz ehrlich? Je nach Vollständigkeit wenig bis ja – nichts …

Für die AGFA StudioCam habe ich vor Jahren 250 Euro bezahlt. Aber nur, weil sie komplett mit Netzteil, Kabeln und der Apple Macintosh-Software kam! Einen derartigen Betrag würde ich für eine Scankamera heute nicht mehr bezahlen. Die Leaf Lumina lag in der Erinnerung unter 100 Euro und zum Zeitpunkt des Kaufs konnte ich die benötigte Apple-Software noch runterladen … Heute ist das alles im Nirvana verschwunden. Und ohne Netztteil, Software, SCSI-Kabel und Apple-Rechner ist das letztlich nur Elektronikschrott.

Warum ist das so?

Diese ganz frühen Digibacks, wozu ich die AGFA StudioCam und die Leaf Lumina jetzt einfach mal mit dazu zähle, benötigen wie bereits oben geschrieben zum Betrieb fast ausschließlich Uralt Apple Macintosch Rechner, die die erforderliche SCSI-Architektur haben. Hier die beiden Berichte zur AGFA StudioCam und Leaf Lumina. Diese beiden funktionierenden Scanner-Digitalkameras haben den Vorteil, dass ich nur ein Objektiv mit Nikon F-Bajonett montieren musste, um loszulegen. Bei den Digibacks war eine kostspielige Hasselblad, Bronica (bestimmte Modelle!), Mamiya (RB67/RZ67) oder bestimmte 6x6 Rolleiflex SLRs Voraussetzung. Oder eben eine verstellbare Großformat-Fachkamera. Von den weiterhin benötigten Objektiven ganz zu schweigen!

Was macht(e) die verstellbare Großformat-Fachkamera in Analogzeiten so besonders und unentbehrlich?

Zu allererst die enorme Filmfläche von beispielsweise 9x12 oder 13x18cm, die gegenüber dem vergleichbar winzigen 24x36 mm Kleinbildformat und selbst dem 6x6 bis 6x9 cm Mittelformat von Haus aus entsprechende Reserven für Riesenvergrößerungen mitbrachte.

Noch wichtiger aber war/ist die Verstellmöglichkeit der Fachkamera. Nur mit der Fachkamera war es in Analogzeiten möglich Architektur ohne "stürzende Linien" zu fotografieren. Nur mit ihr war es möglich durch Kippen der sogenannten Standarten, die Objektiv, Verschluss und Planfilm-/Rollfilmhalter beherbergen, Schärfenbereiche zu erzielen, die durch Abblenden eines starren Objektivs niemals erreicht werden konnten. Beziehungsweise, wo die Beugung durch eine zu kleine Blende die Gesamtschärfe zunichte machte.

Ja, es gab für Kleinbild- und Mittelformat-Spiegelreflexkameras zu Analogzeiten Objektive die für Architekturaufnahmen verschiebbar oder für mehr Schärfentiefe kippbar waren. Aber es blieb eben immer beim deutlich kleineren Filmformat! Mit Einführung der Digitalfotografie war die Filmformatfläche des Analog-Films kein Thema mehr! Zu Beginn wurden einem 200 Linien pro Millimeter auflösenden Kleinbildfilm eine theoretische Auflösung von rund 35 Megapixel errechnet. Bei Vorstellung der Canon EOS D60 vertrat ein Mac-Magazin aber 2002 die Auffassung, dass mit den 6 Megapixel der EOS D60 die realistische Auflösung des Kleinbildfims wohl erreicht sei. 2024 können wir wählen zwischen 24, 36, 45, und 60 Megapixel im Kleinbildformat. Der 33x44 mm Sensor der Fuji liefert bis zu 102 Megapixel. Da fehlen zur Großformat-Fachkamera eigentlich nur noch deren Verstellmöglichkeiten.

Und es hat lange begonnen, diese Möglichkeiten mehr und mehr zu geben!

Zur Demonstration und zum Verständnis der Verstellmöglichkeiten für ganz wenig Geld das unterste Qualitätsende

Links auf der Fuji X-T30 ein Plastik-Shiftobjektiv mit Verschiebemöglichkeit in der optischen Achse um ein paar Milimeter, rechts auf der Olympus OM-D E-M5 ein preiswerter Adapter, mit dem das Objektiv um ein paar Grad in alle Richtungen gekippt werden kann.

Von mir nur aus Neugier und zu Demonstrations- und Lernzwecken erworben und hier beschrieben:

Was da am unteren Qualitätsende möglich ist, gibt es aber auch professionell fürs 24x36 mm Vollformat und größer!

Das abgebildete Canon EOS 3,5/24 mm TS – für Tilt-Shift (Verschwenken/Verschieben) – wird durch diverse verstellbare Objektive längst unterboten!

Etwas Geschichte

Nikon

  • präsentierte 1962 sein erstes 3,5/35 mm PC (PerspectiveControl) Nikkor, das bis zu 11 mm verstellt werden kann, um in der Architekturfotografie stürzende Linien auszugleichen.
  • 1975 folgte ein weitwinkligeres 4/28 mm PC-Nikkor.
  • 2008 kommt das 3,5/24 mm PC-E Nikkor, das nicht nur in der optischen Achse verschoben, sondern auch um +/- 8 Grad gekippt werden kann.
  • Den Weitwinkel-Rekord hält bei Nikon dann das 4/19 mm PC-E Nikkor. Dazu gesellen sich langbrennweitigere 45 und 85 mm PC-E Nikkore.

Und Canon?

  • 1973 stellt Canon das weltweit erste kipp- und verschiebbare T(ilt)S(hift) 35mm f/2.8 S.S.C. fürs alte FD-Bajonett vor 
  • 1991 kommen fürs neue EOS-Bajonett gleich drei TiltShift-Objektive: TS-E24mm f/3.5L, TS-E45mm f/2.8 und TS-E90mm f/2.8
  • 2009 kommt Canons Rekordhalter, das TS-E17mm f/4L

Neben den Platzhirschen Canon und Nikon gab/gibt es noch weitere Anbieter verstellbarer Objektive. Unter "Tilt-und-Shift-Objektiv" listet Wikipedia weitere Anbieter. Darunter sogar Objektive in bezahlbaren Regionen ;-)

Und jetzt?

Die eben genannten Spezialisten von Canon und Nikon können die extremen Verstellmöglichkeiten der analogen Großformat-Fachkamera nicht (ganz) erreichen.

Müssen sie auch gar nicht mehr, denn:

Mit dem oben gezeigten 3,5/24 mm T(ilt)S(hift) Canon Weitwinkel auf der digitalen 10 Megapixel Spiegelreflexkamera EOS 1D MK III lässt sich bereits einiges anstellen, wenn es um Perspktiv-Korrekturen geht. Auf einer EOS 1DX würden sogar 20 Megapixel zur Verfügung stehen!

Sobald dieses und die oben gelisteten TS-Objektive aber auf eine spiegellose Systemkamera adaptiert werden, werden die Auflösungen auf rund 100 Megapixel und die Verstellmöglichkeiten extrem erweitert! Schauen Sie bitte auf den Screenshot der Hartblei-Internetseite. Unter http://hartblei.de/de/index.htm ist alles gelistet, was an Adaptern, Verstellmöglichkeiten zur Verfügung steht. Natürlich gehen die Kosten dann auch locker in den 5-stelligen Eurobereich! Braucht man bei diesen Hartblei-Möglichkeiten noch zwingend Großformakameras?

  • Wieviel neue Automodelle werden heute noch in riesigen Studios tatsächlich fotografiert? Perfekt schattenfrei mit metergroßen, langen Leuchtwannen/Blitzanlagen ausgeleuchtet und mit einer Großformatfachkamera abgelichtet.
  • Wieviel Architektur muss wirklich noch mit der Großformatkamera mit all ihren Verstellmöglichkeiten dokumentiert werden?

Und wenn, musste es schon ein Scan-Digiback sein, das von der Großformatfläche zwischen 9x12/13x18 cm und größer auch genügend Fläche, idealerweise das ganze Format digitalisieren kann. Was sollte Mitte der 1990er Jahre ein 3x3 cm 4 MP oder 6x6 cm 16 MP-Sensor bei 9x12/13x18 cm Filmformat? O.K. durch Objektivwechsel ließ sich sicher einiges bewirken. Aber die Umständlichkeit könnte auch ein Grund sein, dass diese in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre für sehr viel Geld angeschafften Digibacks entweder vergessen in irgendwelchen Schränken oder Schubladen verstauben oder längst als Elektronik-Schrott verschwunden sind. Ich könnte mir so ein Teil, wenn es denn komplett wäre allenfalls zum Spielen auf einer 6x9 Klappbalgen- oder Plattenkamera vom Flohmarkt vorstellen – wie in der nebenestehenden Montage.

Abgesehen davon: Nicht nur Autos, sondern auch andere Produkte können und werden mittlerweile ganz ohne Kamera perfekt im Rechner generiert!

Produktfotografie mit dem Smartphone?

Lächerlich?

Für Fotos von Produkten kleinerer Abmessungen braucht es nur ein aktuelles, hochwertiges Smartphone und idealerweise eine kleine so genannte Hohlkehle, um das abzulichtende Produkt gleich von Beginn an besser freizustellen.

Es geht aber auch ohne Hohlkehle

Die oben einfach auf einem Schreibtich abgelichtete Olympus Camedia C-860L hat die iOS (iPhone) App DoMyShoot so gut wie vollautomatisch mit Hilfe von KI/AI (Artificial Intelligence) erfasst und freigestellt! Man kann aus verschiedenen Winkeln ablichten und vorgefertigte Hitergründe einfügen. Die Demo wird natürlich mit einem Wasserzeichen überzogen und stark verkleinert. Einmontiert in die Vergrößerung. Aber der Effekt und die Wirkung sollte klar sein. Und sicher gibt es vergleichbare Apps auch in der Android-Welt! 

Und damit geht es zurück zum Haupt-Thema dieses Beitrags: Digitale Rückwände für analoge Mittelformat- und Großformatlameras aus den Anfangstagen der digitalen Fotografie

Ich möchte nicht wissen, was da in den Mitte 1990er Digitalkamera-Anfangsjahren an irren Geldsummen regelrecht "verbrannt" wurde. Um heute mit Abstand das Gefühl zu haben, dass mit dem sündteuren Equipment bei damals noch potenten und zahlungswilligen Kunden auch mächtig Eindruck und Show gemacht werden konnte. Welches Studio konnte sich diese kostspieligen Gerätschaften überhaupt leisten? Um dann irgendwann zu realisieren, dass die Summen durch entsprechende Aufträge einfach nicht (mehr) reinkamen.

Es war kein Digiback, aber ich erinnere mich an einen Grafik-Betrieb der Mitte 1990er Jahre, der irgendwann aufgab. Die 50.000 DM, die in die 6 Megapixel Kodak/Canon EOS  1n/DCS1c mit größerem 19x27 mm APS-H Sensor — Cropfaktor 1,3 — investiert wurden, haben sich vermutlich nie amortisiert.

Finale: Ein ganz typisches und gleichzeitig trauriges Beisiel für Wertverlust: Kontron Jena Eylike

Das digitale Rückteil hat 1996 46.000 DM gekostet. Bevor es im Elektronik-Schrott endete, landete das Kontron Jena Eyelike als Spende fürs Digicammuseum.de. Obwohl mit einem wahrscheinlich geeigneten Apple Powermac G3 ausgestattet, hatte ich bei der Eyelike sogleich abgewunken. An eine Hasselblad wäre ich leihweise vielleicht drangekommen, aber eine Eyelike ohne Netzgerät, Kabel, Interface (Steckkarte für den Rechner), Software und Kamera-Adapter? Ein sinnloses Unterfangen.

Seitengründer und Admin Boris Jakubaschk gab für die Eyelike einen Schätzwert von 3600 Euro an. Dem ich zu widersprechen wage. Selbst funktionierend und wirklich komplett mit allen benötigten Zutaten würde ich für fast 30 Jahre alte Digiback-Technik niemals diesen Schätzpreis investieren. Zumal die passende Mittelformat-SLR oder Großformatkamera ja ebenfalls fehlt! Ich sag' nur Schenkung, Spende, eBay, Elektronik-Schrott.

Ihren letzten "Ruheort" fand die Kontron Jena Eyelike schließlich der Optiksammlung unseres Mitautors Christian Zahn. Er schreibt: "Die eyelike ist eine Digitalrückwand für reine Studioaufnahmen, zum Betrieb sind sowohl ein Netzteil als auch ein angeschlossener Computer erforderlich, in den eine mitgelieferte Interfacekarte eingebaut werden muß. Computer und Kamera werden über zwei Glasfaserkabel miteinander verbunden. Der Sensor hat nativ 2048x2048 Pixel, er wird für jede hochauflösende Aufnahme sowohl vertikal als auch horizontal in Drittel-Pixelschritten verschoben. 9 nacheinander gemachte Einzelaufnahmen werden dann vom Computerprogramm zu einen Bild mit 6144x6144 Pixeln zusammengerechnet. 1996 gab es im Consumerbereich noch keine für solche Datenmengen ausreichenden Schnittstellen, darum baute Kontron eine eigene Interfacekarte, die Glasfaserkabel aus der professionellen Netzwertechnik verwendete. Der heutige Betrieb der eyelike ist schwierig, es muß ein "historischer" Computer benutzt werden, da die Interfacekarte und die benötigte Software nur mit Computern der Zeit vor etwa 2000 verwendet werden können."

Ob Digibacks aus Mitte der 1990er irgendwann ab 2000 auftauchten und gar hochpreisigen Sammlerstatus erreicht haben, kann ich nicht sagen, da ich erst 2015 angefangen habe Digitalkameras zu sammeln. Ich glaube nicht. Was derzeit an Digital-Rückteilen bei eBay angeboten wird, ist modern und kann autark betrieben werden. Während die Ur-Generation Digibacks durchweg per Kabel mit einem Rechner verbunden sein mussten, speichern die aktuellen Rückteile direkt auf Speicherkarte und bieten einen Monitor zur Steuerung, Motiv- und nach der Aufnahme Bildkontrolle. Sie sind aber nur für Anwender von bereits vorhandenen bestimmten Mittelformat- und Grossformatkameras interessant. Aber auch da halten sich die Verkaufs-/Kaufbewegungen in Grenzen, wenn man die entsprechenden Kästchen in eBay aktiviert ...

Wer in solche Spezialfotografie-Regionen und die benötigten Verstellmöglichkeiten aufsteigen will oder muss, ist mit einer 33x44 mm Sensor 100 Megapixel Fuji GFX je nach Variante und Angebot für unter 5000 Euro und einem Hartblei „HCam Master TS II.und Hcam HDS Doubleshift-System inklusive modifiziertem Canon EF-L 11-24mm/4,0 um 5000 Euro (Preis allerdings von 2017) höchstwahrscheinlich besser versorgt.

Außer der Kontron Jena Eyelike hatte ich auch nie ein 20 Jahre altes Digiback "in Reichweite", die mit ihren Anschlusszwängen 2024 eh kaum/nicht mehr zu betreiben wären. Entsprechend habe ich auch "nur" meine beiden Scankameras, die natürlich reine Museumsstücke sind. Aber immerhin funktionieren und theoretisch einsetzbar wären ;-) Wie auch die zum Schluss beschriebenen PENTACON scan Kameras.

1994 nach 201x: von 640x480 auf 10.550 x 8.192 Bildpunkte

1994 zeigte Aura den Prototyp seiner S-400 auf der CeBIT. Es muss sich dabei um eine digitale Spiegelreflexkamera gehandelt haben. Ausgestattet mit einem wechselbaren 7-12 mm Zoom im C-Mount Schraubanschluss. Die Auflösung betrug nur winzige 640x480 Pixel, was bei 150 dpi/lpi aber noch für eine Druckgröße von 10,8x8,4 cm in kleinen Prospekten, Flyern oder dergleichen ermöglicht hätte. Immerhin wurde in der S-400 geich im JPEG-Format gespeichert. Und das auf eine PCMCIA-Wechselfestplatte. Nach dem Fotojob musste die PCMCIA nur in einen entsprechend aus gerüsteten Rechner geschoben werden, um sofort mit Bildauswahl und Nacharbeit zu beginnen.

PENTACON scan 2000, 3000, 5000, 6000, 7000

Die Photoscala berichtete zum Jahresende 2011: Japanischer Investor beauftragt Entwicklung eines neuen Scannersystems. Photoscala schrieb: "Mit PENTACON haben wir einen strategischen Partner, der uns bereits seit vielen Jahren hochauflösende Scan-Kameras entwickelt und baut und diese exakt auf unsere Bedürfnisse zuschneidet“, so Hiroshi Ono, Geschäftsführer von Contents, Japan. Die Digitalisierung von Kunstschätzen aus der Kaiserzeit genießt in Japan eine große Aufmerksamkeit und es gibt derzeit nur wenige Anbieter, die so hoch auflösen können. „Speziell die Digitalisierung und Archivierung von historischen Büchern ist ein lohnendes Projekt, da viele Folianten vom Verfall bedroht sind und für die Nachwelt erhalten werden müssen. Die PENTACON-Scanner (…) werden hauptsächlich in Museen, Archiven und der Reprofotografie eingesetzt. Je nach Ausführung und modularer Erweiterung ist der Scanner ab 12.000 Euro in der Basisversion erhältlich. Alle Scan-Kameras werden in Handarbeit im Werk Dresden gefertigt und von hier weltweit ausgeliefert." Wie lange diese Pentacon Scankameras gebaut wurden, konnte ich nicht herausfinden. Nach Eingabe von www.pentacon-dresden.de landet man heute bei https://schneiderkreuznach.com/en. Ein Hinweis, dass diese Scankameras nicht mehr gebaut werden? Daher auch das: "201x"

Informationen zu zwei PENTACON scan Kameras:

Prospekt (PDF) Pentacon scan 5000

Prospekt (PDF) Pentacon scan 6000

Wenn mir so ein Teil für eine zweitstellige Eurosumme über den Weg laufen sollte – sehr unwahrscheinlich –, wäre ich nicht abgeneigt. Möglicherweise sind etliche der einst für viel Geld angeschafften Scan-Kameras immer noch für Reproduktionsaufgaben in Museen und ähnlichem Einrichtungen zu Dokumentationszwecken in Betrieb. Wobei auch dann die Frage ist, ob die mit Softwareupdates an einem aktuellen Mac oder Windows PC noch laufen!

Und so wird es bei mir bei den beiden im Beitrag gezeigten und immer noch funktionierenden Scankameras AGFA StudioCam und Leaf Lumina bleiben, womit meine Geschichte über Digibacks endet. Schuster, bleib bei deinen Leisten ;-)

Nachtrag 1

Wozu braucht's überhaupt noch eine Kamera?

In ihrem Newsletter berichtete die PROFIFOTO: "René Staud – SL meets AI"

Der renommierte Automobilfotograf René Staud produzierte 25 Jahre lang seinen jährlichen (Mercedes) 300 SL Kalender. Jetzt sind die Bilder mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI/AI Künstliche Intelligenz/Artificial Intelligence), also ohne reale Fahrzeuge, reales Licht und ohne Kamera entstanden. „Nicht einmal ein Studio habe ich dazu gebraucht und so gut wie keine Arbeitszeit“, so René Staud …

Und in Stauds Kameraregalen dürfte von der Mittelformat- bis zur Großformatlamera alles lagern, was gut und teuer war. Inklusive diverser Digitalrückteile. Und der Mann weiß wie's geht …

Nachtrag 2

Das ganz zum Start dieses Beitrags gezeigte Digiback für eine Sinar-Großformatkamera wird jetzt sein 3 Monaten vergeblich angeboten – zum unverändert zu hohem Preis …

Nachtrag 3, den ich nicht vorenthalten möchte

Dieses Werk tauchte erst auf, nachdem ich mit meinem Beitrag fertig war. Es ist aber auch zu köstlich. Da wird ein Wildwassersportfoto, das mit einer CaNikon samt 2,8/300 mm oder gleich 4/500/600 mm aufgenommen wurde, in den Monitor der 320x240 Pixel auflösenden Casio QV-10 montiert. O.K. die ebenfalls im Digicammuseum präsentierte Kodak DSLR DCS420 und die Kodak DC50 auf dem Titel zeigen bereits die komplette Spannweite tragbarer Digitalkameras 1997. Auch die auf der Rückseite des Buchs abgebildete FUJIX Nikon E2s wird in unserem Museum ausführlich gewürdigt! War sie doch die erste DSLR der Welt, die mit einem Trick – Cropfaktor 1,1 – annähernd als Vollformat-DSLR durchgehen konnte. Interessant war/ist das Buch für mich wegen der zahlreichen dort abgebildeten und beschriebenen Digitalkameras und eben Digitalrückwände.

Ralf Jannke, Februar/März 2024

 

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