Ernst Leitz Wetzlar Hektor 13,5cm 1:4,5

Nach drei großartigen 135 mm Teleobjektiven aus der langen japanischen Kamera-/Objektiv-Tradition

jetzt endlich ein Update zu meinem ältesten 135 mm Objektiv, bei dem es 2021 zu nur einem kümmerlichen Beispielfoto gereicht hat.

Vom Alter schlägt das Leitz Wetzlar Hektor 13,5cm 1:4,5 die Japaner, es wurde lt. Seriennummer 1937 produziert. Das Objektiv ist keine Leica-Rarität, das Hektor wurde bis 1960 in über 100.000 Exemplaren produziert.

Das Hektor ganz oben auf der 16 MP Halbformat Fuji X-E1, weil die vom Erscheinungsbild einer Messsucher Leica einfach näher kommt … Zum Vergleich das Hektor mit M39 Schraubanschluss auf meiner schrottreifen russischen Zorki 4, ein Nachbau der Leica III mit Contax-Details.

Spezifikation

  • Abmessungen/Gewicht: 128 x 54 mm, 476 g, Filtertyp (?) A36 and E39
  • Brennweite 135 mm
  • Bildwinkel 18 Grad
  • Optischer Aufbau vier Linsen in drei Gruppen
  • Blendenreihe f/4,5 - f/6,3 - f/9 - f/12,5 - f/18 - f/25 - f/36
  • 15 Blendenlamellen
  • Nahdistanz 5 Feet (Fuß) ca. 1,5 m
  • Produktionszeit M39 Schraubanschluss: 1933-1959, M-Bajonett: 1954-1960, Produktionsmenge: 108,088 Objektive
  • Varianten in komplett Schwarz, Schwarz/Chrom, Grau/Chrom, Aluminum. Ab Seriennummer 590.550(1946) vergütet

Hektor zerlegt

Der vordere Objektivteil, der die Linsen und die Irisblende enthält, lässt sich problemlos rausschrauben. Wofür? Zum Beispiel, um ihn auf den Spiegelkasten Visoflex zu verwenden! Im Beitrag: "LEITZ CANADA TELYT 1:4,8/280 — Ersteindruck" wird ein Spiegelkasten gezeigt.

Im angestammten 24x36mm-/Kleinbild-/Digital-Vollformat

Abbildungsqualität – lt. Meinung …

Dieses 135er ist aus vier Linsen in drei Gruppen aufgebaut, keine der Linsen ist vergütet! Der nicht immer ernst zu nehmende Amerikaner Ken Rockwell schreibt (in Auszügen) über das Hektor:

  • Bokeh: Dieses 135-mm-Objektiv hat ein wunderbares Bokeh. Unscharfe Hintergründe verschwinden einfach. Die kreisrunde Blende bildet die Unschärfekreise auch als Kreise ab. Lassen Sie sich nicht von der geringen Lichtstärke f/4,5 täuschen. Dieses 135-mm-Objektiv erzeugt unscharfe Hintergründe wie ein 1,7/50 mm-Normalobektiv.
  • Das Hektor bildet verzeichnungsfrei ab!
  • Vignettierung: Es ist keine erkennbar. Auch bei Offenblende.
  • Farbsäume: Ich habe keine gesehen, aber es ist ein sehr weich abbildendes Objektiv, was dazu neigt, Farbsäume zu verbergen
  • Schärfe: Das Hektor ist eins der am weichsten abbildende Objektive, das ich je verwendet habe. Bei f/4,5 ist die Bildmitte in Ordnung, aber bei größeren Blenden wirken die Seiten, als ob die Kamera gedreht worden wäre. Ich habe das Hektor noch nicht bei reinen Stativblenden von f/8 und kleiner ausprobiert, wo sich seine Leistung stark verbessern sollte. Bei f/8 bei Tageslicht mit ISO 50-Film werden Sie ein Stativ brauchen, und ich vermute, f/11 bis f/16 könnten die optimalen Blenden für dieses Objektiv sein.

Nun ja, f/16 werde ich sicher nicht benutzen, aber Blende f/11 verträgt der 24 Megapixelsensor der Nikon Z6 beugungsunschärfemäßig noch … Da hatte ich noch nicht auf den Blendenring des Hektors geschaut!

Die Blendenwerte folgen alten Zahlen: f/4,5 - f/6,3 - f/9 - f/12,5 - f/18 - f/25 - f/36

Abbildungsqualität real

Für den ersten Eindruck musste der nasse Garten herhalten. Bei trübem Wetter, Stativ, ISO 1000.

24 Megapixel

Links Offenblende f/4,5, rechts f/12,5

Blendenreihe rechte, obere Bildecke. 1:1, 4000 x 4000 Pixel

Von links nach rechts: Offenblende f/4,5 – f/6,3 – f/9 – f/12,5

Topaz Wunder ;-)

Ohne eine Grund-Abbildungsqualität wäre das Foto bei Offenblende nicht vergrößerungsfähig gewesen. Natürlich für und mit Topaz aufbereitet. Vergrößerung mit Gigapixel AI von 1.309 x 1.309 auf 2.618 x 2.618 Pixel und geschärft mit Sharpen AI.

3.600 Pixel – Bokeh

Von links nach rechts: f/4,5 – f/6,3 – f/9

Und wenn dann mal die Sonne scheint – Bokeeeeeeh ;-)

Und jetzt noch ein paar "Sachaufnahmen"

24 Megapixel, Blende f/9 oder f/12,5, Auto-ISO 1.100, Zeitautomatik 1/800s

Die brutale Wahrheit und das Adobe Lightroom-Wunder

Nun ja, alle Linsen unvergütet und keine Streulichtblende … Letztere würde ich ja durchaus spendieren. Aber auf keinen Fall das Original von Leitz, was für 40 bis 70 Euro angeboten wird. Und dann im Preis bei meinem Hektor liegt :-( Ggf. mache ich beim nächsten Mal einfach eine in der Länge angepasste Röhre aus dicker schwarzer Pappe, die einfach per Kabelblinder oder Gummiring befestigt wird …

Beispielfotos 2.400 x 1.600 Pixel

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Zur Abbildungsqualität dieses (2023) 86 Jahre alten unvergüteten 135 mm Teleobjektiv ist alles gezeigt und geschrieben! Die Streulichtempfindlichkeit müsste durch eine passende Gegenlicht-/Streulichtblende reduziert werden – siehe Vergleichsfotos. Ansonsten gibt es bei dem biblischen Objektivalter nichts zu kritisieren. Erstaunte Blicke – "Was ist den das für ein Objektiv?" – laden gerne zum Smalltalk ein ;-)

Ansonsten werde ich nicht müde, dieses gebtsmühlenhaft zu wiederholen:

Dieses uralte Objektiv zeigt für mich eindrucksvoll, was von der aktuellen Fotoindustrie zu halten ist. Von mir aus kann sie die Schlagzahl noch weiter erhöhen und gefühlt drei neue Objektive pro Woche vorstellen. Ich bin gespannt, wer diese Menge Linsen bei der Riesen-Armada an Smartphone-Knipsern eigentlich kaufen soll … Wo Autofokus nicht nur sinnvoll, sondern zwingend notwendig ist, habe ich die entsprechenden Objektive. Aber für Rundgänge mit Muße? Da investiere ich keinen Cent in die ständigen Neuerscheinungen … Im Keller steht kein Dukaten-Esel ;-)

Ralf Jannke, Mai 2023

PS.: Der Objektivname "Hektor" soll vom Hund des Entwicklers Professor Berek übernommen worden sein – Hektor eben ;-)

 

Kommentare (1)

  • Johann
    Johann
    am 01.10.2023
    Sehr interessanter Bericht, danke. Ich bin erst vor ca 1 Jahr auf die Möglichkeit gestoßen, sog. Altglas mit M42 Gewinde mit Adapter an meine Canon 300d (anno 2003 ?) zu montieren. Sehr spannend. Das hält mich jetzt geradezu ab, mir eine neue Sony etc. zuzulegen. Zu Altglas gibt es einige Literatur, auch als eBook. Ama*** weiß mehr.

    Zusatzfrage: passt zwar hier überhaupt nicht, aber trotzdem:
    Weiß jemand, ob die Olympus C-5050 einen ND Filter verbaut hat? Angeblich ab einer Verschlusszeit ab 1sec zu aktivieren. Wenn Mythos, geb ich die Suche auf.

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