Nikon 1 DSLMs 2023, Nikon 1 V3

Was ist denn das da hinten am Objektiv?

Ja, tatsächlich eine Kamera…

Auch wenn ich diese Kameras als verunglückten Start von Nikon in die Welt der spiegellosen Systemkameras betrachte: Eins hatte ich bestimmten Nikon 1-Modellen mit dem 1 Zoll 8,8 x 13,2 mm CMOS-Sensor immer zugute gehalten: den Cropfaktor von 2,7 und damit gleichzeitig ein sehr interessanter digitaler 2,7-fach Telekonverter.

Mit „bestimmten“ Modellen meine ich die Kameras Nikon 1 V1 (10 Megapixel, 2011) und Nikon 1 V2 (14 Megapixel, 2012). Gemeinsames Merkmal: der eingebaute E-Sucher! Die 2014 präsentierte Nikon 1 V3 bietet zwar 18 Megapixel, der nachrüstbare Aufsteck-E-Sucher muss aber extra erworben werden. Aktuell zu Preisen für Kamera und Sucher, dass dieses Modell uninteressant ist. Am interessantesten ist für mich die V2.

Aus meiner Sicht sind alle Nikon 1 Modelle OHNE E-Sucher für den Einsatz von Teleobjektiven unbrauchbar. Zumindest, wenn aus der Hand fotografiert werden soll … Vom stabilen Dreibein-Stativ mit abgeschattetem Monitor mag’s gehen, bleibt für mich aber eine Krücke.

In Japan sollen die Nikon 1 DSLMs ein Erfolg gewesen sein

Heute vermutlich nicht mehr, denn eine schlimme Objektiv-„Krankheit“ macht die Gehäuse fast wertlos. Bekanntermaßen fallen die Kitzooms 1 NIKKOR 10-30mm 1:3.5-5.6 und 1 NIKKOR 11-27.5mm 1:3.5-5.6 nach einiger Zeit irreparabel aus. Der Defekt ist bekannt: ein falsch berechnetes Flachkabel, das „unterstützt“ vom Versenkmechanismus dieser Zooms irgendwann bricht. Ob es in China (?) noch Original-/Nachbau-Ersatzteile – das besagte Flachkabel – gibt, ist unerheblich, weil sich eine Reparatur auf keinen Fall lohnt. Wie weit andere Nikon 1 Zoom-Objektive davon betroffen sind, habe ich nicht weiter recherchiert. Beschrieben ist das in unserem Beitrag: „Nikon 1 Objektiv Defekt-Warnung!“

Zu diesem unerfreulichen Thema nenne ich doch gerne nochmal die Olympus-Sünden!

"Es gibt einige Objektive, die Serienfehler haben. Beim 40-150 f/3,5-4,5 stirbt nach etwa 40.000 Auslösungen die Blende. Beim 12-60 und 14-54II lösen sich im Objektiv Leitungen und blockieren den Zoom. Beim 12-60 und 50-200 SWD sterben ebenfalls die Blenden." Gelesen wo? Hier: https://pen-and-tell.de/2020/12/gebrauchtkauf/ Mir ist nicht bekannt ob es solche Aufstellungen auch für andere Hersteller gibt.

Ich hatte jedenfalls das Glück mein 1 NIKKOR 10-30mm 1:3.5-5.6 noch auf Kulanz repariert zu bekommen, weiß aber nicht, wie lange das Flachbandkabel wohl hält. Aus diesem Grund hatte ich mir auch ein letztlich viel zu teures 1 NIKKOR 10mm 1:2.8 gegönnt, wo nichts „versenkt“ werden muss, kein Flachbandkabel gefährdet sein sollte.

Ein – leider auch recht seltenes und fast immer zu teures – Zubehörteil kann punkten

Die Rede ist vom Adapter FT-1, mit dem alle Nikon AF-Objektive mit AF-Motor IM Objektivgehäuse im Autofokusbetrieb von den Nikon 1-Modellen betrieben werden können!

Gezeigt in den Praxisberichten

Womit ich dann bei Endbrennweite 300 mm Dank Cropfaktor 2,7 35mm-/KB-äquivalente 810 mm Supertele habe. Stabilisiert, aus der Hand benutzbar!

Ergebnisse mit stabilisierten 810 mm aus der Hand

Die beiden Fotos sind jetzt ziemlich genau zwei Jahre alt und wurden erneut mit den neuen Möglichkeiten – Stichwort KI/AI Künstliche Intelligenz, Artificail Inteligence – aufgearbeitet. Das Foto des brüteden Graureihers wurde mit Auto-ISO 2.200 aufgenommen! Schon eine Herausforderung für die Nikon 1 V2 mit dem kleinen 1 Zoll Sensor. Mir genügen die Resultate vollkommen, da ich nicht vorhabe es Naturfotoprofis nachzutun. Um irgendwo stundenlang mit Vollformat-Systenkamera und Festbrennweiten a 4/500, 4/600 oder 5,6/800 mm Brennweite zu lauern. Mir genügen die mit Bordmitteln erreichbaren Supertelebrennweiten. 

Allein diese beiden neu aufbereiteten Fotos ermutigten mich, dasselbe doch auch mit dem SIGMA 100-400mm F5-6,3 DG OS HSM (C-Contemporary) zu versuchen. Schon beim Nikon VR ED AF-P NIKKOR 70-300 mm war ich mir nicht sicher, ob es funktioniert. Durch den schnellen AF-P (P-für Puls/Impuls) Schrittmotor-Antrieb funktioniert nämlich nicht jedes AF-P Nikkor auf jeder Nikon DSLR oder DSLM! Beim 70-300 unbegründet, es läuft auf der 1 V1 und 1 V2 sowie per FTZ-Adapter auch völlig problemlos auf der spiegellosen Nikon Z50 und Vollformat Z6.

Da das SIGMA 100-400mm F5-6,3 DG OS HSM (C-Contemporary) ebenso problemlos auf der Z50und Z6 laufen, lag der Gedanke nah, es auch mal mit der Nikon 1 V2 samt Adapter FT-1 zu versuchen. Mit vollem Erfolg! Bei 400 mm Brennweite des Sigmas habe ich dann 1080 mm Suertelbrennweite – stabilisiert!

Zwei Bildbeispiele mit 1000+ mm Brennweite aus der Hand!

Neben dem deutlichen Größen- und Gewichtsunterschied spielten auch die Kosten für lange Telezooms eine Rolle

Je nach Hersteller und Brennweite kosten 150/200-500/600 mm 850 bis deutlich über 1000 Euro, Gewicht Größenordnung 2 kg. Das interessante 60-600 Sigma geht deutlich über 2000 Euro, Gewicht fast 2,5 kg. Dafür, dass mein 100-400 Sigma mehr liegt, als benutzt wird, einfach zu viel. Die fehlenden Millimeter Brennweite erzeugt mein modifizierter Nikon TC-17 E II, dessen so genannte "Marketingnase" erst weggeschliffen werden musste. Beschreibung in diesem Praxisbericht: "Preiswerte, kompakte und brauchbare Brennweitenverlängerung: Telekonverter/Extender Teil 1" Damit habe ich im Vollformat und der High-ISO starken Nikon Z6 dann 580 mm Brennweite und Lichtstärke f/11. Nachdem ich gesehen hatte, dass einige Anwender die 600 mm ihrer Telezooms per 2-fach Telekonverter verdoppelt haben, fiel mir der Kauf des 100-400 Sigma noch leichter. Mit dem 2-fach Telekonverter sinkt die Lichtstärke dann von f/6,3 auf f/12,6 … O.K. diese Notlösungen funktionieren nur, weil besonders die Vollformat-Systemkameras so High-ISO-fähig geworden sind. ISO 6.400 sind kein Problem, und selbst ISO 12.800 bis 20.000 sind immer noch als Notbehelf brauchbar.

Damit kann ich gut leben, da ich selten in der letzten Dämmerung unterwegs bin … Auch wenn die für Naturfotografen besonders interessant ist. Alternativ geht das 100-400 mm auf die Halbformat Nikon Z50 mit dort 35mm-/KB-äquivalenter Brennweite 600 mm. Oder jetzt eben auch auf die Nikon 1 V2 mit 1080 mm Brennweite. Die letztere Kombination ist aber nichts für schnell bewegte Motive!

Nikon 1 V3 – oder: Achtung Lomografie pur — Kunst ;-)

"No Risk, no Fun" lautete die Überschrift zum Blogbeitrag über eine schwer beschädigte Nikon 1 V3

Der zudem mit dem Kapitel "Die Wahrscheinlichkeit, für 10 Euro E-Schrott gekauft zu haben, ist hoch" begann. An der Überschrift dieses Praxisbeitrags lässt sich aber schon erahnen, dass da was gegangen sein muss …

Der Reihe nach

Ich habe keine Idee, wie man eine Kamera derartig zerstören kann. Der Klappmonitor hat nicht nur mehrere Sprünge im Glas, auch die Schicht hat sich abgelöst. Dazu der abgerissene Batteriefachdeckel. Beides lässt auf einen üblen Sturz schließen. Aber die zerkratzte Sensoroberfläche? Das schafft man doch nur durch bewusstes Zerstören. Da reicht es nicht, versehentlich die Sensoroberfläche mit einem Finger zu berühren.

Also was tun?

Es war eigentlich einfach. Wenn die Nikon 1 V3 noch ein Restleben hat, könnte sie vielleicht doch noch etwas aufnehmen. Oder eben nicht … Aber wie kontrollieren und einstellen? Nach Einlegen des Akkus und Einschaltversuch war an winzigen Randbereichen  des Monitors erkennbar: Es tut sich irgend etwas. Nur was? Bis dann die zündende Idee kam, einfach eine microSD-Karte einzuschieben und das Modusrad der V3 einfach in Vollautomatik — das auch von Canon bekannte grüne Rechteck — zu stellen. Denn ich kann ja nichts einstellen :-( Und dabei in Lomo-Manier ohne jegliche Sucherbenutzung im totalen Blindflug ein paar Bildchen zu knipsen. Wobei das montierte 10 mm Nikon 1 ja einem KB-äquivalenten 27 mm Weitwinkel entspricht. Mit etwas Zielen und Abschätzen wird schon was drauf sein.

Und siehe da: die V3 nimmt tatsächlich noch Fotos auf – durch das zerkratzte Sensor-Schutzglas!

Aber wie. Die fehlerhafte Stelle der Sensoroberfläche erzeugt "Kunst". Die unter der Schutzoberfläche aus gewöhnlich gehärtetem Glas liegenden Bildsensoren sind intakt! Sonst wären diese Bildbereiche komplett schwarz.

Und jetzt?

Dass es sich bei der im Bild gezeigten "Stelle" nicht um eine entfernbare Verschmutzung handelt, war schnell klar. Da man bei dieser Kamera eh nichts mehr "versauen" konnte, wurde die Stelle kurzerhand mit einem Wattestab, getränkt mit Aceton und Waschbenzin behandelt. Erfolg gleich Null. Polieren mit Zahnpasta? Theoretisch möglich. Aber ich habe davon abgesehen.

Eine primitive Lösung brachte kurzes Nachdenken

Schön geformte Kieselsteine im Ufersaum eines Gewässers verlieren sofort ihren Glanz, wenn sie getrocknet sind. Der gleiche Effekt tritt an einer Glasscherbe auf, wenn sie nur lange genug in einem Ufersand glatt geschliffen wurde. Trocken ist sie matt und stumpf. In dem Augenblick, wo der schöne Stein oder die Scherbe lackiert werden, bekommen sie den gewünschten Glanz. Das müsste doch auch bei diesem brutal misshandelten Sensorschutzglas funktionieren.

Nein, kein Photoshop: Nagellack!

Und tatsächlich! Nach Aufbringen eines Tropfen neutralfarbenen Nagellacks und Trocknung wurde die zuvor fast blinde Stelle weitgehend durchsichtig!  Um das Ergebnis zu verbessern, müsste ich den Nagellack des ersten Versuchs mit Aceton entfernen, um anschließend erneut einen erheblich kleineren Tropfen Lack auf diese Stelle aufzubringen. Aber wozu? Für eine fast unbedienbare Kamera?

Interessant wäre, ob man diese V3 mit Hilfe eines E-Suchers bedienbar machen könnte. Was von den Kosten für den E-Sucher bei diesem V3 Totalschaden natürlich vollkommen unsinnig wäre.

Wer sich für die Einzelheiten und Technik der 2014 vorgestellten 18 MP Nikon 1 V3 interessiert, wird HIER fündig.

Die kleine "LOMO-Runde" mit der V3 Spaß gemacht. Aber damit reicht es. Diese Nikon werde ich natürlich nicht entsorgen. Das Objektiv geht wieder auf die V1, die Akkus in die Verpackung und die MicroSD-Karte in den Adapter zur anderweitigen Verwendung.

Ralf Jannke, Juli 2023

 

Kommentare (1)

  • Christian Zahn
    Christian Zahn
    am 12.07.2023
    Eventuell ist jemand die Kamera heruntergefallen. Dabei das Display zersprungen.
    Und weil die Kamera eh wirtschaftlicher Totaschaden war, hat er ggf. seine Wut drüber an den Resten ausgelassen, oder wollte ermitteln, wie empfindlich so ein Sensorfilter oder ein Displayschutzglas wirklich ist, bis es Kratzer zeigt. Immerhin werden wir ja andauernd gewarnt, beim Sensorputzen nichts zu ruinieren, z. B. durch Sandkörner am Nass-Feudel usw.

    Aber die Idee mit dem Fluid zur Kratzerauffüllung hat was. Wenn Du dann noch den roten Malstift wegbekommst, kannst Du glatt versuchen, die Kamera über den HDMI-Ausgang zu bedienen (iirc zeigt die darüber auch die Menues an).

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