Kyocera Yashica, warum dieser doppelte Herstellername?

Wikipedia schreibt:

1983 wurde Yashica von der Kyocera Corporation übernommen. Die Kameras wurden jedoch weiterhin unter den Namen „Yashica“ und „Contax“ vermarktet, so dass der ehemalige Unternehmensname erhalten blieb. 1985 erschien mit der Yashica FX-103 Program eine Kamera mit zahlreichen Automatikfunktionen, darunter TTL-Blitzsteuerung.

Die komplette Unternehmensgeschichte Yashicas hat Wikipedia sehr schön aufbereitet.

Genau drei Kyocera/Yashica-Modelle listet digitalkamera.de: die KC 600 von 1997, die Samurai 2100DG von 1999 und die Micro Elite 3300 von 2000.

Hier sind die drei Kameras:

Kyocera Yashica Digital Imaging KC 600

Boris Jakubaschk hat die Yashica KC 600 bereits ausführlich beschrieben, und mir stand der Sinn nicht nach einem Rundgang mit einer 640 x 480 Pixel = NULL-Komma-Drei Megapixel auflösenden Kamera...

Die Yashica KC 600 wurde auch als Kyocera DR-350 vertrieben! Information von der hervorragenden Seite www.old-digitalcameras.com

Kyocera Yashica Samurai – eine Film-/Videokamera?

Auf den Gedanken könnte man beim flüchtigen Hinschauen kommen, wenn man die ungewöhnliche Kamerahaltung bemerkt: Da filmt oder videografiert jemand bewegte Bilder. Mitnichten! Die analogen Samurais sind Spiegelreflexkameras, die mit gewöhnlichem 35 mm Kleinbildfilm geladen werden, auf denen aber nicht Bild für Bild eine Filmfläche von 24 x 36 mm Kleinbildformat belichtet wird, sondern nur 17 (18) x 24 mm Fläche. So genanntes Halbformat, das ursprüngliche Kinoformat. Werfen Sie doch einen Blick auf die uralten, im rechten Foto abgebildeten Kameras. Alles mit Kleinbildfilm zu ladende Halbformatkameras der 1960er Jahre. Die unterschiedliche Flächenangabe 17 (18) x 24 mm liegt an den Kameraherstellern. Bei bestimmten Modellen sieht man schon in der Produktbezeichnung, ob 17 mm – Half 17 EE – oder 18 mm breit - AGAT 18 – belichtet wird.

Und anschließend der Vergleich der digitalen Kyocera Yashica Samurai 2100DG gegen eine Halbformat-Yashica aus ca. 1965:

Deren Besonderheit einem vielleicht erst beim Fotografieren auffällt. Die Kamera wie gewohnt quer gehalten, werden ausschließlich 17 (18) x 24 mm Hochformatfotos aufgenommen. Achten Sie bitte auf den Sucher der oben abgebildeten Fujica Half und der Yashica Half 17 EE Rapid neben der digitalen Kyocera Yashica Samurai. Erst wenn die Kamera ins Hochformat gedreht wird, werden Bilder im gewohnten Querformat fotografiert, im Fall der Halbformatkamera 24 x 17 (18) mm.

Man konnte das auch anders lösen:

Bei der russischen AGAT 18 und der Canon Dial 35 signalisiert zumindest die Kamerabeschriftung, wie diese Halbformatkameras zu halten sind!

Kyocera Yashica ging dann den vermeintlich konsequentesten Weg. So wie die Kamera gehalten wird, wird automatisch im Querformat fotografiert. Die Samurai 1300 DG und die gleich vorzustellende Samurai 2100DG sind die digitalen Nachfolger der analogen Samurais X3.0 und X4.0 aus den Ende der 1980er, Beginn 1990er Jahre,

Informationen zu den analogen Yashica Samurais

Popular Science Jan. 1989

Popular Photography Jan. 1990

Die digitalen Konica Yashica Samurais

Die Samurai 2100DG gab es 1998 auch als 1300DG, gezeigt auf Rodger L. Carters Internetseite DigicamHistory.Com. Wobei nicht allzu schwer zu erraten ist, dass die 1300DG nur 1,3 MP auflöst. Außerdem hat die 1300DG nur ein (@KB) 45-135 mm Dreifachzoom. Die 2100DG wurde 1998 vorgestellt, kam aber erst 1999 in den Verkauf (DigicamHistory.Com).

PC Mag 22. Juni 1999 First Looks

Boris Jakubaschk hat die Samurai 2100DG bereits gewürdigt und neben allen technischen Einzelheiten auch gleich den wichtigsten Kritikpunkt genannt, der von "fovefan" entsprechend kommentiert wurde:

"Aus heutiger Sicht ist die Kamera vor allem wegen ihrer einzigartigen Bauform interessant. Leider erweist die sich als weniger praktisch als man vermuten könnte. Für eine bequeme einhändige Bedienung müsste das Gehäuse größer sein und die Hand sollte es nach oben umgreifen. Bei der Samurai greift der Daumen unten herum. Hält man die Kamera aufrecht, entsteht eine sehr unnatürliche und unbequeme Handhaltung."

Und Leser "fovefan":

"durch die Bauform ist es sehr schwer die Kamera ruhig zu halten, so dass man nur bei Sonne scharfe Fotos bekommt. Es ist schwer noch einen Akku zu bekommen. Die oft angebotenen haben auf einer Seite nicht die richtige Kontaktfläche. Die Farben müssen wie bei der Minolta Dimage 7 nachbearbeitet werden. Alles in allem ist die Kamera nur etwas für Menschen,die Spaß an alten Geräten haben."

Besser kann man es nicht beschreiben. Die Kyocera Yashica Samurai ist einfach nicht für zu große europäische Hände gemacht ;-)

Auf einigen Fotos hängt die Samurai noch an der "Nabelschnur", denn der Akku fehlte bei den ersten "Produktfotos".

Die unendliche Geschichte der Akku-Idiotie

Oder etwas freundlicher, der Akku-Inkompabilität. Innerhalb der Systeme... Da wird in einem bekannten Online-Auktionshaus ein "Akku für Kyocera Yashica Micro Elite 3300 Yashica Samurai 2100DG (1400mAh)" angeboten, was FALSCH ist. Ich hatte schon gehofft, dann habe ich (aus der Kyocera Yashica Micro Elite 3300) ja einen Akku. Ja, aber der passt nicht nur von den Abmessungen und schon gar nicht von der Kontaktierung her in die Samurai :-( Wie bei der KYOCERA Finecam S3, S3x wurde auch bei der Samurai das Kunststück fertiggebracht einen Akku zu kreieren, dessen Pole an den jeweiligen Enden des Akkus liegen. Nicht nebeneinander wie bei der riesigen Mehrzahl Digitalkamera-Akkus. Damit der Spezialakku auch ja nicht von einem Universalgerät geladen werden kann... Glücklicherweise übernahm aber ein Panasonic-Netzteil der richtigen Spannung und Kontaktierung auch das Laden des exotischen Samurai-Akkus.

Kamera-Würfel: Kyocera Yashica MicroElite 3300

Mein Exemplar heißt Kyocera Yashica MicroElite 3300. Ob sich die in der Bedienungsanleitung zu sehende Bezeichnung Yashica MicroElite 3300 auf der Frontseite meines Exemplars rückstandslos "weggewischt" hat, war nicht feststellbar! Es gab die Kamera auch unter der Bezeichnung "Finecam 3300

Spätestens mit ausgefahrenem Objektiv nähert sich die Form der Kamera gefühlt einem Würfel an: Breite, Höhe, Tiefe – alles gleich. Das ist mit Abmessungen von 94 x 66 x 38 mm und einem Gewicht von 260 g natürlich nicht der Fall, aber die 2000 vorgestellte Micro Elite 3300 ist wahrlich nicht „Micro“ sondern ziemlich unförmig.

Der 1/1,8" 7,2 x 5,3 mm CCD-Sensor löst maximal 2.048 x 1.536 Pixel = 3 MP auf und hat ein Empfindlichkeit von „Standard“, x2 und x4, vermutlich ISO 100, 200 und 400. Aufgenommen wird in 24 bit Farbtiefe unkomprimiert als T(IFF) oder komprimiert als JPEG in S(uperfine), F(ine) oder N(ormal). Videos von 15 s Länge können mit maximal 320 x 240 Pixel Auflösung und 15 B/s im AVI-Format aufgezeichnet werden. Gespeichert wird auf Compactflashkarte.

Das Objektiv ist ein 3-6,6/7,8-15,6 mm (38 bis 76 mm @KB) 2-fach Zoom. Die Entfernung kann manuell in Stufen eingestellt oder per Einzel-Autofokus (AF-S) und kontinuierlichem Autofokus (AF-C) gesteuert werden. Das Motiv wird über einen 1,5" TFT LCD Monitor mit 110.000 Bildpunkten visiert. Über den Monitor erfolgt auch die Menüsteuerung der Kamera. Belichtungsmessung Mehrfeld (Matrix), mittenbetont, integral oder punktförmig als Spot. Zur Belichtungssteuerung kann zwischen Programm- und Zeitautomatik gewählt werden. Belichtungskorrekturmöglichkeit um +/- 2 EV in 1/3 EV Schritten. Belichtungszeiten von 1 bis 1/2.000 s. Langzeitbelichtungsmöglichkeit mit 2, 4 oder 8 s. Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit. Der eingebaute Blitz reicht maximal 3 m weit und bietet die Standardfunktionen: an/aus, Automatik und Rote-Augen-Reduktion. Weißabgleich automatisch oder mit den Voreinstellung: Wolken, Sonne, Leuchtstofflampe, Glühlampenlicht. Stromversorgung über Lithiumionen-Akku.

Im Gegensatz zu ungezählten anderen Digitalkameras ließ sich zur MircoElite 3300 keine Bedienungsanleitung finden.

Trotz der höheren Auflösung und der besseren Daten der MicroElite 3300 habe ich mich für den Fotorundgang für die interessantere Kyocera Yashica Samurai 2100DG entschieden:

Beispielfotos, aufgenommen mit der Kyocera Yashica Samurai 2100DG, volle Auflösung, 2 Megapixel

Haben Sie auf die Bildabmessungen geachtet? Nicht wie erwartet 1.600 x 1.200 Pixel, sondern 1.632 x 1.232 Pixel ist die Größe der Samurai-JPEGs. Und die Qualität? Gegenüber einer 2 Megapixel Nikon Coolpix 950 allenfalls durchschnittlich...

Alle Fotos mit Minus 1/3 bis 2/3 EV Korrektur, um die Neigung zum Ausfressen der Lichter zu minimieren. Nur mit der Farbwiedergabe des Bauwagendachs hatte die Samurai Probleme. Speichern in JPEG F(ine). Bis auf das Drehen ins Hochformat keine Nachbearbeitung.

Mir ist die Samurai 2100 DG in ihrem Vorstellungsjahr vollkommen entgangen. Im Nachhinein aber kein Verlust, da ich mit der Drehgelenk Nikon Coolpix 950 und ihren vergleichsweise professionellen Einstellmöglichkeiten wesentlich besser versorgt war!

Die zum Glück beim ersten Versuch nur eine Handvoll mit der Kyocera Yashica Samurai aufgenommenen Bildchen waren mit keinem „Trick“ aus der Kamera, genauer von der 512 MB CompactFlash-Speicherkarte in den Rechner zu bekommen. Die Karte wurde vom externen Leser nicht erkannt. In eine Olympus E-500 DSLR geschoben, wurden die Samurai-Bilder angezeigt, waren aber nach Anschluss der Oly E-500 per USM-Kabel auch nicht in den Rechner übertragbar :-( Erst der Wechsel zu einer kleineren 128 MB CompactFlash-Karte brachte Abhilfe. Wobei auch die erst im zweiten oder dritten Anlauf vom externen Universalspeicherkartenleser erkannt wurde. Zuvor kam ich nur über den Umweg einer Olympus E-500 an die Samurai-Bildchen von der 128 MB Karte. Per USB-Kabel konnten die Bilder dann von der Kyocera Samurai CompactFlash-Karte im Schacht der Olympus aus der E-500 auf den Rechner übertragen werden.

Ob das Ganze mit dem zur Kyocera Yashica Samurai gehörenden Kabel hätte übertragen werden können, kann ich nicht beurteilen, denn das Kabel fehlte beim Kauf. Der kameraseitige Anschluss ist außerdem so exotisch, dass keins meiner reichlich vorhandenen USB-Kabel mit unterschiedlichen Anschlüssen passte. Und ob die Samurai mit dem passenden Kabel dann als externes Laufwerk erkannt wurde, ist auch die Frage. Denn die Kamera kam auch ohne Software.

Es gibt noch einen Negativposten. Der exotische Nachbau-Akku – siehe oben – ist von bescheidener Qualität bzw. Kapazität. Dem traue ich keine Stunde Standzeit zu. 

So ist die interessante Samurai trotz ihrer 2 Megapixel Auflösung eine reine Sammlerkamera. Mit der hohen Verwacklungsgefahr durch die ungewohnte Haltung der für europäische Hände zu kleinen Kamera und den Klimmzügen zu Beginn, um an die Fotos zu kommen, hat die Samurai reinen Sammlerwert - maximal 20 Euro...

Ralf Jannke, Juni 2017

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