Energieversorgung für alte Kodak DSLRs

Wenn der Begriff „Kraftwerk“ auftaucht, werden sich Ältere möglicherweise an die Elektro-Musik-Pioniere aus Düsseldorf erinnern. Eine deutsche Band, wo sich internationale und bedeutend jüngere Elektro-Pop-Bands noch heute ehrfürchtig vor den Düsseldorfer Meistern in den Staub werfen ;-) Im Kraftwerk-Song „Die Roboter“ gibt es diese Textzeile: „Wir laden uns’re Batterie – Jetzt sind wir voller Energie“

Es könnte nicht besser zum folgenden „energiegeladenen“ Praxisbeitrag passen!

Nach Christian Zahns opulentem Praxisbeitrag: "Der Lithium-Ionen-Akku-Zoo" jetzt "ein paar" Zeilen zum Flottmachen der bis zu 30 Jahre alten Kodak Digital-Spiegelreflexkameras.

Wie alles begann …

Worum geht es?

Die wunderbaren Kodak DSLRs sind in die Jahre gekommen. Genauer die Akkus, die in den Gehäusen stecken. Will man die mittlerweile je nach Modell bis über 30 Jahre alten DSLRs heute betreiben, sind zur Energieversorgung Klimmzüge angesagt.In den Kodak-Modellen der DCS2xx, DCS4xx und DCS1x/3x Kameras steckt ein Akkublock, bestehend aus 8 verlöteten Einzel-Akkus. Will man die partout 1:1 tauschen, wird es sehr aufwändig. Perfekt beschrieben im Gastbeitrag: "Kodak/Canon DSLR DCS-Serie Akkutausch" von Ricardo Silva Höllger, der alle Schritte zeigt, was zu tun ist.

Obwohl gelernter Chemotechniker, dem Elektrik, Elektronik nicht ganz fremd war/ist, habe ich mich zum Betrieb der alten Kodaks für eine weniger aufwändige "Quick and dirty" Methode entschieden, die ich hier zeige.

Von welchen Spannungen, Akku-Kapazitäten sprechen wir?

Der Original-Kodak-Achter-Akku-Block liefert eine Spannung von 8 x 1,2 = 9,6 Volt. Mit einer Kapazität von 1800 mAh. Passende Akkus für diese Blöcke haben ganz andere Abmessungen als ein gewöhnlicher 1.2 Volt Mignon-AA-Akku. Es gibt auch kräftigere Akkus in der passenden Kodak-Größe mit 2200 mAh.

Damit standen die Eckdaten fest: 8 x 1,2 Volt und mindestens 1800, besser 2200 mAh Kapazität.

Tatsächlich lief meine Kodak DCS420 einmalig mit 8 1,2 Volt NiMh-(Nickel Metallhydrid-)Akkus der Größe AAA, die aber nur eine Kapazität von 1150 mAh haben. Vorteil: 8 AAA Akkus passen in einen entsprechenden Halter, der wiederum in das leere Akkufach der DCS420 und anderen, entsprechenden Kodak DSLRs passt – siehe oben. Spätere Versuche mit Tripple A "AAA" Akkus blieben dann aber erfolglos. Ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt war der versuchsweise Einsatz eines 9 V Lithium-Ionen-Akkus mit 1200 mAh Kapazität. Der passte zwar probemlos ins Kodak-Akkufach, aber damit "zuckte" die Kodak DCS420 nicht mal :-(

Die ersten, funktionierenden Versuche …

Auf dem richtigen Weg war ich dann nach Studium meines Beitrags zur Kodak DCS200c.

Sonderfall Kodak DCS200ci

Der massive Schraubbolzen, der hier zur Demonstration ins Stativgewinde der Basiskamera geschraubt ist, hält Kamera und Digitalrückteil zusammen!

Als erste Kodak DCS-Kamera konnte die DCS200 mit 1,2 Volt AA Akkus berieben werden, die einfach in den Batteriehalter gelegt wurden. Dieser Batteriehalter steckte in meinem Exemplar, aber es fehlten Batteriekontakte — markiert im roten Kreis. Einer der Vorbesitzer hatte dann einfach ein Spiralkabel nach draußen gezogen, um die DCS200 per externem Batterieteil mit Energie zu versorgen. Dieses Kabel hatte einen Kabelbruch/Wackelkontakt. Ich habe es dann gegen den simplen Batterieanschluss für 9 Volt Batterien ersetzt. Um 6 Akkus im Halter, der diese Klick-Kontakte besitzt, wie im Foto gezeigt einfach unter die DCS200c zu schnallen. Die Kapazität der Akkus weiß ich nicht mehr … Ich gehe aber davon aus, dass es keine NiCd-(Nickel-Cadmium-)Akkus waren, sondern NiMh-Akkus.

Nach Einlegen von 6 frisch geladenen Akkus zuckte die DCS200ci nur kurz, startete aber nicht …

Warum? Die letzte Benutzung lag schon wieder zu lange Zeit zurück ;-) Im Gegensatz zu den Nachfolger-Kodaks auf Nikon N90s (in Europa F90x) Basis, ist der Analogteil der DCS200 eine Nikon N8008s (in Europa F801s). Die extra mit 4 Batterien/Akkus der Größe AA bestückt werden muss. Nach der Bestückung des Kamerateils startete die DCS200 sofort! Deshalb benötigt die DCS200 auch nur 6 AA Akkus zum Betrieb des Digitalrückteils! Um die Akkus in der Basis N8008s zu erneueren, muss die DCS200 als auseinandergenommen werden. Was eigentlich einfach ist, Kodak aber offensichtlich später verhindern wollte. Der Bildsensor ist dann ganz offen und ungeschützt … Siehe Fotos

Damit war klar, dass es ein Akkuhalter sein muss, der für die DCS200 sechs, bei den anderen DCS-Modellen acht Akkus der Größe AA aufnehmen kann. Die in einem Halter natürlich nicht mehr in das Akkufach der Kodak passen! Um das gefüllte Achter-Akku-Pack schnell anschließen zu können, hatte ich mich für eine Variante mit Klipp-Kontakten entschieden. Entsprechend wurden die alten Kabel verlängert, um im Anschluss zu enden, den man auch von 9 Volt Batterien kennt.

Form follows Function – Form folgt Funktion ;-) Oder: "Nicht schön, aber selten" ;-) Aber funktionierend!

Welche Akku-Kapazität?

Ins Rennen gingen schließlich 1,2 Volt NiMh eneloop pro Akkus mit 2500 mAh Kapazität und welche mit noch mehr "Bums": 3800 mAh. Also mehr, als die Ur-Forderung 9,6 Volt, 1800/2200 mAh. Da ich mit den so bestückten Kodak-Methusalems nur sehr gelegentlich fotografieren will, wurde der Akkuhalter kurzerhand mit einem Doppelklebeband am Kameraboden befestigt, das ein Gewicht von 5 kg tragen kann. Eine bei meinen Kurzeinsätzen haltende  Lösung. Eben nicht schön — "Form follows Function" ;-) —, aber funktionierend.

Mit meiner selbstgebauten Energieversorgung funktionierte die Kodak Associated Press (AP) NC 2000e schließlich wie sie sollte! Ich habe der NC 2000e den Vorzug vor der DCS420 gegeben. Sicher hing 1994 die Wahl von Geldbeutel und Einsatzzweck ab. Die DCS420 bietet mit ihrem kleinen 9,2 x 13,8 mm Sensor 1.512 x 1.012 Bildpunkte = 1,5 MP Auflösung, 2 Bilder pro Sekunde, ISO 100-400, aber Cropfaktor 2,6. Der 16,4 x 20,5 mm Sensor der NC 2000e löst 1.268 x 1.012 Bildpunkte = 1,3 MP auf. Der Copfaktor ist aber erheblich günstiger: 1,6, ISO 200 - 1600, 2 Bilder pro Sekunde. DIE ehemalige Reportage- und Sportkamera!

Funktionierendes Provisorium und Profilösung

Linkes Foto: Die Kodak DCS760 mit unter das Gehäuse geklebten Achter-Akkublock. Daneben die im Youtube-Video "Unsung Cameras Of Yesteryear: The Kodak NC2000 (Featuring Rob Galbraith)" vorgestellte, hochprofessionelle Energieversorgungslösung. Im Video führt Chris Nichols die Kodak Associated Press NC 2000e vor. Modifiziert mit einer exzellenten, aber externen Energieversorgung am langen Kabel.

Startversuch – misslungen :-(

Bei dieser Gelegenheit habe ich direkt kontrolliert, ob meine einst für ein irres Geld geleaste 1,3 Megapixel Kodak/Canon EOS1n DCS3c noch läuft. Die DCS3c ist das Pendant der NC 2000e. Letztere auf Nikon N90s/F90x-Basis. Die DCS3c blieb stumm — Akkus "tot". Also hier die gleiche Prozedur wie bei den Kodak/Nikon Varianten. Den "toten" Akkublock raus aus dem Gehäuse, bevor da noch etwas ausläuft! Kabel verlängern und mit Klipp-Kontakten nach draußen führen.

Wiederbelebt! Nebeneinander die ungleichen Zwillinge …

Um dabei festzustellen, dass ein Sechserpack Akkus a 3800 mAh die DCS3c nicht dazu bringt, zu starten. Die DCS3c kurz an einen der jetzt fest montierten Achter-Akkublocks angestöpselt, startete die DCS3c sofort! Eigentlich kein Wunder, denn der Akkublock der DCS3c trägt die Aufschrift 9,6 Volt, 1,7 Ah (1700mAh). 7,2 Volt genügen also nicht.

Mit der gleichen Lösung — 8 Akkus Größe AA, 3800 mAh Kapazität im Akkuhalter — bequemte sich auch meine großartige 6 Megapixel Kodak/Nikon F5 DCS760 erstmalig wieder ein paar Lebenszeichen von sich zu geben. Wobei ich dem Frieden noch nicht ganz traue. Mehr dazu im kommenden, eigenen Praxisbericht!

Übrigens

Tipp von Christian Zahn: Teure Eneloop-Akkus kauft man bei IKEA! Kein Witz! Was in den grauen "LADDA"-Hüllen stecken, sollen Panasonic-Akkus sein! Die in der weißen Hülle dann "Eneloop" heißen ;-) 2 x 4 = 8 IKEA LADDA 1,2 Volt, Größe AA mit 2450 mAh Kapazität Akkus kosten ca. 16 Euro, 8 eneloop 1,2 Volt AA mit 2000 mAh ca. 28 Euro …

 

Neue Akkus braucht das Land ;-)

Bei der Kodak DSC760 gab es übrigens auch "Gemecker" mit dem Sechser-Pack: "Battery low". Eigentlich unlogisch, denn im Unterschied zu den alten Kodak DCS1/3/2xx und 4xx Modellen und ihren fest im Gehäuse eingebauten Akkus – linkes Foto –, wechselte Kodak in der DCS5/6/700 Serie zu zeitgemäßeren, wechselbaren Akkublocks! Mit 6 x 1,2 = 7,2 Volt und 2150 mAh Kapazität. Wobei ich einen Block habe, der laut Aufschrift mit NiMh-Akkus bestückt ist, der ander Mit Lithium-Ionen-Akkus. Während die DCS620x und die DCS520 mit diesen Sechser-Blocks problemlos liefen/laufen, war damit kein Arbeiten mit der DCS760 möglich. Versuchsweise hatte ich dann den ältesten Sechseblock geöffnet, die Akkus entnommen, um dann die Kontakte per Draht nach außen aus dem Gehäuse zu verlängern. Und dort einen Achterblock anzuklippsen. Mehr darüber in einem neuen Praxisbericht zur DCS760 – hoffentlich!.

Eine Energieversorgung, die kein Kopfzerbrechen bedeutet!

Die beiden auf der analogen Nikon Pronea 6i (Europa 600i) basierenden Kodak DSLRs DCS315 (1,5 Megapixel) und DCS330 (3 Megapixel) beziehen ihre Energie aus Haltern, die mit ganz gewöhnlichen 6 Akkus der Größe AA bestückt werden. Im Vergleich zu den fest eingebauten Akkus und den Akkublöcken der DCS5/6/7xx Serie sehr komfortabel und unkompliziert!

Neben den fest eingebauten Akkublöcken und den Wechsel-Akkublöcken für die Kodak DCS5/6/7xx-Serie gab es noch einen weiteren speziellen Akku-Einschiebe-Typ

Und nochmal einen Schritt zurück?

Nachdem Nikon 1999 die D1 vorgestellt hatte, sollte die Kodak/Nikon F5 DCS620x eigentlich die letzte Kamera für Fotojournalisten sein. Kodak wollte sich auf den Markt der Studiofotografie konzentrieren. Dennoch wurde 2001 noch die hochinteressante Kodak/Nikon F5 DCS760 vorgestellt. Die dann aber wohl wirklich die letzte superrobuste Kodak-DSLR war.

Denn 2002 präsentierte Kodak auf der Photokina offensichtlich "koste-es-was-es-wolle" seine 13,5 Megapixel Vollformat DSLR DCS Pro 14n. Ganz sicher mit dem Hintergedanken der ebenfalls Vollformat aber "nur" 11 Megapixel auflösenden Canon EOS 1Ds die Schau zu stehlen.

Und?

Viel Lärm um nichts. Denn erst im März 2003 sollen die ersten Kodak Kodak DCS Pro 14n-Gehäuse tatsächlich zur Verfügung gestanden haben. Und was die Interessenten mit der ersten Kodak DCS Pro 14n bekamen, soll ein fehlerhaftes "Bananen-Produkt gewesen sein, das erst beim Kunden reifte“ :-( Dass an der Kritik was dran sein musste, wurde klar, als Kodak im Februar 2004 (unter anderem auch auf der CeBit 2004) ein Update der Kamera präsentierte. Aus der „DCS Pro 14n“ wurde eine „DCS ProSLR/n“. Die DCS ProSLR/n hatte einen überarbeiteten, weniger rauschenden Sensor mit wählbaren Filtern davor (vermutlich Anti-Aliasing oder Hot Mirror) eine LED, die signalisiert, wenn auf die Speicherkarte geschrieben wird, einen von 256 auf 512 MB verdoppelten Arbeitsspeicher und kalibrierte ISO 160 bis 800, erweiterbar auf 6 bis 1600. Kodak „belohnte“ die Treue und Geduld seiner DCS Pro 14n „Alpha-Tester“, Pardon Erstanwender wahrhaft "fürstlich": Für „lumpige" 1500 Dollar wechselte Kodak u.a. die Sensoren und Hauptplatinen der ersten Kodak DCS Pro-Serie aus. So einfach kann man sich aus dem Markt schießen: Am 31. Mai 2005 kam auf der Kodak-Seite die „NOTICE OF DISCONTINUANCE“ – die „Meldung der (Geschäftsaufgabe) Einstellung“ der KODAK PROFESSIONAL DCS Pro SLR/n and SLR/c Digital Kameras.

Alles Geschichte. Keine Geschichte sind meine Kodak Pro-DSLRs. Während die DCS Pro14n (Nikon F AF-Objektivanschluss) leider mittlerweile kaputt ist, erfreut sich die DCS ProSLR/c (Canon EOS-Bajonett) weiter guter Gesundheit.

Nachdem Kodak seine DCS315/DCS330 mit konventionellen 1,2 Volt AA Akkus betrieb, kam bei den Vollformatern erneut eine gegen alle anderen Kodaks inkompatible Akku-Energieversorgung her. Noch laufen meine Akkus so gut, dass man einen Fotorundgang wagen kann, ohne plötzlich ohne Strom dazustehen. Sobald ich aber merke, dass die Akkus beginnen nachzulassen, werde ich einen "knacken", um zu sehen, was improvisiert werden kann.

Damit ist das Thema "Energiefragen" definitiv zu Ende!

Ralf Jannke, März 2023

 

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