Nikon Z7 und drei besondere Objektive: MINOLTA W.ROKKOR-QH 1:4 f=21mm, MINOLTA W.ROKKOR-QE 1:4 f=35mm, MINOLTA ROKKOR-TC 1:4 f=135mm

Da sich die Nikon Z6 und Z7 äußerlich nur durch das Namensschild unterscheiden, wurden einfach die vorhandenen "Produktfotos" genommen.

Nach der Spielerei mit dem russischen JUPITER-12 2,8/35, einer Kopie des deutschen Zeiss Biogons, hat (Ur-)Altglas auf der 45 Megapixel Vollformat DSLM Nikon Z7 seine "Schrecken" fast gänzlich verloren! "Schrecken" im Sinne: "Das kann doch nicht gutgehen. So eine hohe Auflösung und so alte Objektive …"

Ich werde sicher nicht meinen kompletten Altglas-Bestand nach den erfolgreichen Einsätzen auf der 24 Megapixel Vollformat Variante Nikon Z6 erneut auf die Z7 adaptieren. Das passiert nur noch nach Sonnenstand, Mondphase, Zeit, Lust und Laune ;-)

Und ich hatte Lust auf das MINOLTA W.ROKKOR-QE 1:4 f=35mm von 1960, das spezielle Superweitwinkel MINOLTA W.ROKKOR-QH 1:4 f=21mm von 1963 und das MINOLTA ROKKOR-TC 1:4 f=135 mm von 1961.

Was ist an den Objektiven besonders?

Alle drei sind 60 bzw. über 60 Jahre alt und damit aus den Anfängen des leider heute nicht mehr existierenden Kameraherstellers Minolta. Wobei es Sony nie so weit gebracht hätte, wenn sie nicht 2006 KonicaMinolta übernommen hätten und dadurch die entsprechende Starthilfe bekamen! Mit der 1958 präsentierten Minolta SR-2 lag Minolta sogar vor der legendären Nikon F sie erst 1959 erschien!

Damit gehören die beiden hier erneut präsentierten Weitwinkel und das Tele zum Minolta Ur-Bestand

Die von den Messsucherkameras übernommene Konstruktionsweise des MINOLTA W.ROKKOR-QH 1:4 f=21mm war zu Beginn der 1960er Jahre die einzige Möglichkeit in den Superweitwinkelbereich zu kommen. Während es in der Messsucher- oder englisch Rangefinder-Kamera egal ist, dass ein Tubus, die Hinterlinse des Superweitwinkelobjektivs bis kurz vor den Verschluss ragt, ist in der Spiegelreflexkamera der Spiegel im Weg. Zum Einsatz dieser Objektive muss der Spiegel hochgeklappt und verriegelt werden. Um das Motiv "einzupassen", muss es über einen Zusatzsucher erfasst werden. Genau wie bei der Rangefinder-Kamera. Während es beim Nippon Kogaku NIKKOR-O 1:4 f=2.1cm extremer Klimmzüge benötigt, um es auf die spiegellose Nikon Z6/7 zu adaptieren, gelingt das beim MINOLTA W.ROKKOR-QH 1:4 f=21mm problemlos!

Und das 35er?

Ich hatte seinerzeit geschrieben: "In die gewünschte Richtung "Un-Perfektion" geht mein vierlinsiges Meyer-Optik Görlitz Primagon 4,5/35, das jetzt "Verstärkung" bekommen hat. In Form des MINOLTA W.ROKKOR-QE 1:4 f=35mm, das aus 5 Linsen aufgbaut ist. Zum ganz frühen MINOLTA W.ROKKOR-QE 1:4 f=35mm zeigt dieser aufwändige Test, dass dieses 35er wie mein Primagon erst bei Blende f/11 auch in den Bildecken Abbildungsschärfe liefert. Bei Offenblende sind die Bildecken schlicht unscharf. Das hört sich für mich vielversprechend an ;-) Wenn man einer "Un-Perfektion" etwas abgewinnen kann und will!"

Das 135er

Man kann 16 Linsen in ein (hochlichtstarkes/hochpreisiges) 135 mm Tele packen, es geht aber auch mit 3 – drei – Linsen! Und um das handelt es sich beim MINOLTA ROKKOR-TC 1:4 f=135 mm, einen ganz einfachen Dreilinser! Mit dem man sogar fotografieren kann ;-)

Beispielfotos 21 mm, 2.400 Pixel Breite

45 Megapixel 21 mm 1:1 Crops

Endergebnis 21 mm

Für ein 60 Jahre altes Superweitwinkelobjektiv liefert das 21 mm 2023 ein sehr gutes Ergebnis. Ich habe einfach keinen Bock mit dem Stativ loszuziehen, um das Minolta 21er der alten Messsucherkamerabauweise in einem Testmotiv 1:1 gegen das 4/20 mm MF Nikkor in Retrofokusbauweise antreten zu lassen … 

Beispielfotos 35 mm 2.400 Pixel Breite

Freistellen mit Blende 4 und 35 mm? Nur eine Frage der Abstände …

45 Megapixel 35 mm 1:1 Crops

Sowas Blödes aber auch … Ich find' keine Un-Perfektion ;-)

Achtung "Kunscht" – oder: Alles was Adobe Lightroom und Photoshop hergeben. 135 mm Minolta

Ein bisschen "Blubber-/Seifenblasen"-Bokeh

Mehr Beispielfotos 135 mm

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Je oller, je doller ;-) Nach den durchweg guten Erfahrungen mit den wirklich alten — Größenordnung 60 Jahre (!) — Minolta Rokkoren, werde ich die immer mal wieder nehmen. Vollkommen egal, ob auf den 24 Megapixel der Vollformat Nikon Z6 oder den 45 MP der Z7. Wobei die Priorität dann beim spannenden 21er, dem lichtstarken f/1,4 Normalobjektiv mit der "legendären" Brennweite von 58 mm und beim dreilinsigen 135 mm Tele liegen wird. Nichts gegen das brave 4/35, aber die anderen Brennweiten sind interessanter. Irgendwann werde ich auch das lichtstärkere 2,8/35 mm mal probieren. Aber jetzt hatte ich mehr Lust auf das exotische 4/35. Ach ja: Alle meine Alt-Rokkore kamen zu moderaten Preisen. Was da aktuell so an Altglas angeboten wird, dürfte bei den Preisvorstellungen vermutlich lange liegen … Denn so groß ist die Kaste der Altglasfans ja vermutlich auch nicht.

Ralf Jannke, Herbst 2023

 

Kommentare (1)

  • Christian Zahn
    Christian Zahn
    am 05.11.2023
    Zu den aktuellen Gebrauchtpreisen von manuellen Altglasschätzen:

    Die Entwicklung der geforderten Preise von Profi-Anbietern und Privatverkäufern hat meines Erachtens nach seit etwa 2020/2021 erheblich die Bodenhaftung verloren. Bekam ich 2018 ein 2/28 Minolta MC-Rokkor in Bestzustand für 50-100 Euro, so werden dafür aktuell 200 bis 400 Euro gefordert, bezahlt wurde in den letzten Monaten für ein defektes Exemplar knapp 100 Euro.

    Ähnlich beim Zeiss Distagon 2,8/28 MM: 2018 für 100 Euro gekauft, heute Preisvorstellungen der Verkäufer von 250 bis 600 Euro, bezahlt in der letzten Zeit 150-250 Euro.

    Oder Zeiss Planar 1,4/50: 2019 für ca. 100 Euro bekommen, aktuelle bezahlte Kurse zwischen 200 und 350 Euro, geforderte Preise 200 bis 470 Euro.

    (alle Preise soeben bei ebay Deutschland ermittelt)

    Ähnliche Entwicklungen scheint es auch bei einfacheren Objektiven zu geben, gleichzeitig drängen Massen von neuen, preiswerten und oftmals gar nicht schlechten chinesischen Manuellfokus-Objektiven auf den Markt, aber wer soll das alles kaufen und (vor allem!) benutzen?

    Wer von der jüngeren Generation nutzt denn überhaupt noch manuelle Objektive an den spiegellosen Systemkameras, wo sich das Smartphone überall durchgesetzt hat und Fotografen mit Systemkameras oder gar Stativen zu den bestaunten Exoten gelten?
    Der Anteil ambitionierter Hobbyfotografen ist unter den Jüngeren allgemein erheblich geringer als noch vor 20 oder 40 Jahren. Das meine ich nicht abwertend, denn ich weiß selbst, zu welcher Leistung aktuelle Smartphones fähig sind und welche beeindruckende Bilder "out of the iPhone" kommen, die für viele fotografischen Zwecke mehr als ausreichend sind. Da braucht mein keine schwere Fotoausrüstung mit zum Urlaubsort oder zum Wochenendausflug schleppen, das Handy ist sowieso dabei.

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