AI/KI – Artificial Intelligence/Künstliche Intelligenz in der Bildbearbeitung und -erzeugung

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 12. September 2022 - Wissen, Ausprobieren

Radiant Photo

Hmmm... Warum gibt es derartige Programme mehr und mehr?

Nachdem ich jetzt das auf Hochglanzpapier belichtete 30 x 30 cm Fotobuch „Sommer 2022“ vor mir habe, ist mir bereits bei der Erstellung wieder aufgefallen, was für derartig gute JPEGs moderne Smartphones liefern. JPEGs, die manchmal sogar besser sind, als das, was moderne Systemkameras  an JPEGs produzieren. Ein Grund, dass ich nur noch in den früher von mir vehement abgelehnten Rohformaten speichere.

Dazu kommt, dass ich als begeisterter Hobbyfotograf im Urlaub mit der Familie „im Nacken“ einfach nicht stundenlang aufs richtige Licht für ein schönes Motiv warten kann. Eine Zumutung für die Familie und mich. Es muss zack zack gehen. Ich nehme, was ich bekomme. Um dann später das Maximum aus Fotos im Rohdatenformat zu holen, die eben bei nicht idealem Licht entstanden. Aus überbelichteten Partien wie tiefen Schatten noch Zeichnung zu holen, Dunst wegzubekommen und so weiter. Was nicht mit den Bonbonfarben bestimmter Verfahren zu tun hat, wo mehrere Fotos so miteinander verrechnet werden, dass die Unnatürlichkeit sogar Unbedarften auffällt.

Was ist an moderaten Rohdaten-Nachbearbeitungen so besonders?

Eigentlich nichts, wenn mir nicht immer wieder Smartphone Fotos von genau solchen Situationen betrachte, die out-of-the-cam als JPEG nahe an perfekt sind. Wie ist das möglich? Es steht in der Überschrift! KI – Künstliche Intelligenz. Die Smartphone-Prozessoren sind so leistungsfähig, dass dort die AI – Artificial Intelligence – vermutlich längst Einzug gehalten hat.

Und das ist das größte und unverzeihlichste Versäumnis der Kamerahersteller, neben ihren Rohdatenspeichermöglichkeiten nicht immer/zu wenig JPEGs bieten, die so gut sind, wie die aus dem Smartphone. Zumindest wenn bei Tageslicht und niedrigeren ISOs fotografiert wird.

Hier zwei Beispiele aus der oben genannten Software Radiant Photo

Künstliche Intelligenz – KI? Nööö, nur Lightroom

Und ohne Radiant Photo – siehe oben … Fertiges Foto meiner Vorstellung, einmontiert das Ausgangsbild

Es wäre interessant zu sehen, ob Radiant Photo aus dem nicht perfekten Ausgangsfoto ohne weiteres Zutun automatisch etwas schafft, was in meine Richtung geht. Aber solange es nur Radiant Photo nur "Pre-Orders" – Vorbestellungen – und keine eine Trial-Version gibt, lasse ich von so etwas die Finger! Denn nur, wenn Radiant Photo aus gewählten 36/48 bit Farbtiefe RAW-Dateien ohne große Nachearbeitung etwas liefert, was meinen Vorstellungen nahekommt, wäre es eine Überlegung wert. Von den Kosten abgesehen … 

Ich bin bekennender Adobe Lightroom Fan seit Version 4.0

Ich habe es immer wieder mit Capture One Trials, bzw. deren kleineren "Light"-Versionen, die es Kamerarohformat-spezifisch kostenlos gab, versucht. Spätestens, wenn ich bei C1xyz das dritte Mal nachsehen musste, wie ich einen Bildausschnitt mit festen oder freien Seitenverhältnissen ziehe, geht Software, die das nicht intuitiv bietet, sofort in die De-Installation, den virtuellen Papierkorb. Wahrscheinlich bin ich für Capture One zu doof …

Was mir aber aufgefallen ist – ob der Anwender Lightroom- oder C1-Anhänger ist

Es gibt Fotografen, die Photoshop ablehnen. Um dann Rohdaten-entwickelte Objekte bestimmter Farbe in den Farben nahe denen eines großen deutschen Telekomunikationsunternehmens zu präsentieren. Weil sich trotz vergeblichem Drehen an Weißabgleich und Farbkorrektur in LR wie C1 Farben einstellen, die einfach nicht passen, dann aber trotzdem gezeigt werden. Aufnahmen interessanter Motive, die mit Wissen der richtigen Photoshop-Regler mindestens zu verbessern, wenn nicht gar perfekt hinzubekommen wären. Mit wenigen Klicks. Machmal sorgt sogar die simple Photoshop-Tastenkombination Auto-Farbton, Auto-Kontrast oder Auto-Farbe für frappierende Verbesserungen. Letzteres bieten sogar die "kleinen" Photoshop Elements Versionen, die kein Cloud-Abo erzwingen.

Ist AI/KI nutzlos?

Auf keinen Fall! Ich habe die nicht gerade preiswerten Vergrößerungs-, Schärfungs- und Entrauschwerkzeuge der Topaz-Schmiede nach Test der Trialversionen, die die Ergebnisse mit einem Wasserzeichen überziehen, extrem schätzen gelernt! Und alle drei Programme erworben!

Zum Abschluss noch ein kleines Quiz der Internetseite "kwerfeldein": Erkennst Du K(ünstliche)I(ntelligenz)-Bilder?

Nur Spielerei oder erschreckende Zukunft?

So stellt sich die Künstliche Intelligenz – KI –, AI – Artificial Intelligence – eine analoge oder digitale Phantasiekamera vor. Na ja …

Das in der zweiten Reihe sollen Spiegelreflexkameras sein …

Dazu nochmal die Internetseite "kwerfeldein"

Kennt Ihr die Kamera im Titelbild? Wahrscheinlich nicht, denn diese Kamera existiert gar nicht. Sie ist das Ergebnis von künstlicher Intelligenz. Ich habe das Bild mit Hilfe des Programms Midjourney erstellen lassen und dafür einfach nur „Vintage camera, on a table“ eingegeben.

Wer sich dafür interessiert, hier ist eine Anleitung, des meiner Meinung nach noch nicht ganz idiotensicheren Programms … Entsprechend sind auch meine Versuche oben ausgefallen ;-)

Finale

Und das kam bei mir bei Eingabe von "Vintage Camera on a Table" raus. Etwas völlig anderes, als in kwerfeldein gezeigt. Was soll's. Ich hake das als interessante, nette Spielerei ab. Seine Stärke hat das Programm offensichtlich bei Phantasielandschaften, Porträts, Fantasy-Figuren. Steam Punks könnten daran ihre Freude haben ;-)

PS.: Ich habe die KI/AI von Topaz extrem schätzen gelernt. Wobei es da auch Einarbeitung braucht, um nicht zu übertreiben. Was aber sonstige KI-Einsätze betrifft:

Erste Kunstportale verbieten Werke von KI-Bildgeneratoren!

 

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2 Kommentare

Uwe Huchel

07. Oktober 2022

Radiant Photo

Hallo Ralf, schöner Beitrag. Was für Dich LR ist, ist für mich C1. (auch das mit dem zu doof) :-) Das Schöne an Radiant Photo ist, dass die Ergebnisse immer (fast) die Richtung gehen, wie ich C1 Bilder bearbeite. Und das per Klick. Wer will kann dann noch mehr herausholen. Wem es zu knackig it, kann die Intensität der Optimierung reduzieren. Wenn ich jetzt eine große Menge Bilder für einen Bericht online stelle, laufen die nur noch über Radiant Photo. Klick und ich bin fertig, die Bilder sind noch nicht optimal aber schon sehr schön anzusehen.


Christian Zahn

12. September 2022

KI/AI in Apple-Smartphones

Apple-iPhones nutzen seit der Generation 8 aus dem Jahre 2017 (siehe z.B. iPhone XS unter www.digicammuseum.de/gechichten/erfahrungsberichte/apple-iphone-xs-c-zahn/ ) eine spezielle mehrkernige Recheneinheit auf der Chip des Hauptprozessors, um mittels KI die aufgenommenen Bilder bei der Nachbearbeitung teilweise erheblich zu verbessern. Stichwort "Apple Neural Engine" z. B. unter de.wikipedia.org/wiki/Apple_A11_Bionic

Apple-"Sprech" für die Kombination aus spezieller Hardware und Software ist "Deep Fusion", das seit der Generation iPhone 11 besonders gute Aufnahmen erzeugen soll (siehe z. B. www.appgefahren.de/deep-fusion-so-funktioniert-das-kamera-feature-auf-dem-iphone-11-und-11-pro-263962.html oder www.logitel.de/blog/handys/deep-fusion-holt-das-beste-aus-deinen-bildern/)

Ein Praxisbericht zum iPhone 11 ist in Vorbereitung, dort werden Bilder als unbearbeitetes RAW und als JPEG direkt aus dem iPhone miteinander verglichen.

Die Ergebnisse der Verbesserung durch die Apple Neural Engine beruhen nicht nur auf einer Kontrastangleichung und partieller Aufhellung bzw. Abdunklung wie im erwähnten Radiant Photo, sondern es werden mehrere Aufnahmen in kurzen Abständen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und Sensorempfindlichkeiten gemacht und diese miteinander verrechnet. Die speziellen Rechenkerne im iPhone 11 und später sind so schnell, daß der Benutzer den Unterschied zum "normalen" Knipsen ohne die Unterstützung quasi nicht bemerkt. Außer vielleicht durch die imposant guten Aufnahmen.

Allerdings muß ich diese "Bildzauberei" etwas relativieren, man merkt den Aufnahmen aus den iPhones an, daß sie nicht aus einer Kamera mit großem Sensor stammen, bei 100% am heimischen Bildschirm betrachtet sieht man halt, daß die Aufnahmeobjektive den einen oder anderen Fehler haben und das weggerechnete Bildrauschen die maximale Schärfe etwas "glattbügelt". Aber fürs Fotoalbum in 10x15 ausgedruckt oder ins Webalbum gestellt (z. B. auf 1000 Pixel Bildbreite reduziert) oder schlicht auf dem Smartphone oder iPad angesehen begeistern die JPEGs aus dem iPhone 11 sofort.

NACHTRAG

Der Praxisbericht zum iPhone 11 ist freigeschaltet!

Ralf Jannke


Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk