Was kosten Digitalkameras?

Avatar of Boris JakubaschkBoris Jakubaschk - 14. Dezember 2016 - Wissen

Auch wenn's auf den ersten Blick so aussieht - wir sind nicht unter die Kamerahändler gegangen. Ich habe mich aber ein wenig mit der Frage befasst, was denn wohl die einzelnen Komponenten einer Kamera in der Herstellung kosten. Aus erster Hand erfährt man das natürlich nicht, aber es gibt eine ganze Reihe von Anhaltspunkten.

Bei den Top-Smartphones wird beispielsweise regelmäßig ermittelt, was diese in der Produktion kosten. Einige Komponenten von Smartphones finden sich in ähnlicher Form auch in Digitalkameras wieder. Außerdem kann man die Herstellungskosten der Komponenten mit den Ersatzteilpreisen vergleichen und kann so einen ungefähren Faktor ermitteln, der sich dann auch auf Digitalkamera-Ersatzteile anwenden lässt.

Das ist natürlich alles keine exakte Wissenschaft - die Ergebnisse sind aber trotzdem bemerkenswert. Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Es geht mir übrigens nicht darum, die Hersteller für ihre Preispolitik zu kritisieren. Schließlich müssen die Kameras ja auch noch beworben, transportiert, gelagert, verzollt, versteuert und letztlich verkauft werden. Und alle Beteiligten möchten berechtigterweise für Ihre Bemühungen einen Gewinn einstreichen. Aus dem Elektroeinzelhandel weiß ich, dass bei Kameras traditionell nicht viel Gewinn hängenbleibt - das Geschäft wird mit dem Zubehör gemacht. Ganz anders als beispielsweise bei Unterhaltungselektronik und ganz extrem bei der "weißen Ware" (Waschmaschinen, Geschirrspüler etc.).

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2 Kommentare

Boris

14. Dezember 2016

Natürlich ist Kritik an den Herstellern erlaubt

Ich habe mit meinem letzten Absatz eigentlich etwas anderes gemeint. Ein Hinweis auf die Herstellungskosten ruft nämlich unweigerlich die Schlauberger auf den Plan, die aus den Herstellungskosten direkt ableiten, dass das Gerät dann auch gefälligst zu diesem Preis im Laden zu stehen hat und alles andere Betrug am Kunden ist.

Ansonsten ist das, was die Hersteller nach Deiner Beschreibung treiben nichts anderes als Marktwirtschaft. Produkte wurden in verschiedenen Märkten schon immer zu unterschiedlichen Preisen verkauft. Da gibt's in der Wirtschaftswissenschaft so hübsche Angebots- und Nachfragekennlinien, aus denen man ganz einfach den optimalen Verkaufspreis eines Produktes bestimmen kann, um den maximalen Gewinn zu machen. Diese Kennlinien sind in jedem Land etwas anders und daraus folgt dann auch ein anderer Verkaufspreis. Nur blöd für den Hersteller, wenn die Kundschaft das dann ausnutzt und im "falschen" Land einkauft. Da läuft die Globalisierung mal andersrum wie sonst und die Verweigerung von Service ist der etwas plumpe Versuch, daraus kein Massenphänomen werden zu lassen.

Auch der Graumarkt kann Teil einer Strategie sein. Der typische Kunde einer D500 würde niemals ein Produkt aus der Grauzone ohne Service kaufen - vor allem, wenn der Sache der sorgsam gepflegte Geruch von "vom Lastwagen gefallen" anhaftet. Interessenten sind eher die Kunden, die sich normalerweise nur eine Kameraklasse darunter bewegen. Die sehen nun plötzlich die Chance aufzusteigen, wenn sie dafür ein überschaubares Risiko in Kauf nehmen. Dem Hersteller kann's egal sein, weil sich die Spanne des Top-Modells auf dem Graumarkt und die des Mittelklasse-Modells auf dem regulären Markt vermutlich kaum unterscheiden. Dafür bekommt man vielleicht den einen oder anderen Kunden aus dem "gegnerischen" DSLR-Lager vom eigenen Produkt überzeugt. Und der Käufer des grauen Top-Modells wird vielleicht bei der nächsten Kamera dann ausreichend solvent (und spießig) sein, dass er den regulären Preis bezahlt.


Ralf Jannke

14. Dezember 2016

Kritik an den Herstellern muss erlaubt sein

Ich nenne das Stichwort „Grauimporte“. Gerne wird suggeriert, dass die „armen“ Hersteller mit minderwertiger (?) Grauware gar nichts zu tun hätten. Wer anders als die Hersteller selbst fertigt diese „grauen“ Kameras?! Wenn es sich tatsächlich um B-Ware mit Fehlern handeln würde, die auf rätselhaften Wegen „in den Umlauf kommen“, hat der Hersteller seine Qualitätskontrolle/-sicherung inklusive der Mitarbeiter, die solche Geräte nicht nach strengen Regeln aussortieren, einfach nicht im Griff. Oder handelt es sich bei der Grauware gar nicht um „B-Ware“?

Eine plausible Erklärung liefert Dr. Schumacher auf meiner persönlichen „Internetseite des Jahres“: „Foto-Wirtschaft - in der Krise“

www.foto-schuhmacher.de/artikel/foto-wirtschaft.html

Dort ist unter anderem zu lesen: „Preisdumping: Hinzu kam bei völliger Fehleinschätzung des Marktes mit folglich großer Überproduktion ein massiver Absatz im sogenannten grauen Markt. Sie haben richtig gelesen: Manche Hersteller beliefern regelmäßig selbst den Graumarkt mit 1A-Produkten zu extrem niedrigen Preisen. Damit sie dabei jedoch letztendlich keinen Verlust erleiden, wird der Service ausbedungen. (Man) erhält dann jedoch vom Hersteller in seinem Land keinen Support. Bei manchen Foto-Produkten aus niedrigeren Preisregionen wurden die Weltmärkte sogar richtiggehend mit Grauware geflutet.“

Ein aktuelles Beispiel ist Nikons Hochleistungs-DSLR D500 mit 15x23 mm APS-C-/DX-Sensor. Der deutsche UVP lag bei Vorstellung bei ca. 2300 Euro. Der so genannte Straßenpreis liegt in Deutschland im Dezember 2016 bei 1900 bis 2000 Euro fürs nackte Gehäuse. Ordere ich die D500 aus GB-Land, reduziert sich der Preis auf 1500 bis 1700 Euro. Noch preiswerter wird die „Grauware“ in Übersee. Dort ist die D500 für 1400 Dollar zu haben. Interessant wäre die Frage was „kein Service“ wirklich bedeutet. Bei „keine Garantie“ (warum eigentlich?) könnte ich noch zustimmen. Aber kein Service? Wenn ich als Europäer mit dem im europäischen Ausland erworbenen PKW deutscher Herstellung unerwartet in Deutschland liegenbleibe, repariert jede deutsche Werkstatt! Bei „grauen“ Kameras wird suggeriert, dass Werkstätten die Reparatur verweigern.

Dazu noch einmal Dr. Schuhmacher: „Die Folgen für Fotografen: Sofern Sie ein komplettes System besitzen und keinen Service benötigen, können Sie sich beruhigt zurücklehnen.“

Bei „keinen Service benötigen“, will ich nicht unbestimmt zustimmen. Was die verweigerte Garantie bei Neuware aus dem Ausland angeht, bringt abwarten bei Kamera-Neukauf aber eine gewisse Sicherheit. Nie Kameras aus der ersten Produktionsserie kaufen!

Zurück zur eben genannten Nikon D500. Womit will Nikon eigentlich eine zum Februar 2017 angekündigte Preiserhöhung begründen? Nikonrumors.com

nikonrumors.com/2016/12/09/update-nikon-price-increase-coming-to-europe-new-price-list-from-germany.aspx/

veröffentlichte einen möglicherweise heimlich abfotografierten Bildschirm, wo die Nikon D500 mit 2479 Euro gelistet wird.

Soviel erst mal meine Kritik an Herstellern

Ralf Jannke


Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk