Die Nikon D2-Serie. Eine fehlte (mir) noch: die Nikon D200

Nikon DSLR-Ahnengalerie

Mit der 2,7 Megapixel D1 startete Nikon 1999 seine eigene DSLR-Produktion. Um FotografInnen eine bezahlbare Alternative zu bieten, wurde 2002 die semiprofessionelle 6 Megapixel Nikon D100 vorgestellt, Nikons erste DSLR der 100er-Serie. Die gerne auch als „kleine D1“ oder „D1 light“ bezeichnet wurde. Vergleicht man die D100 mit der D200, kann man fast von einem "Quantensprung" sprechen. Eine vergleichbar "Plastik-Einsteiger-DSLR" gegen eine "Heavy-Metal" DSLR.

Nikon D1xx D2xx Serie

1999 stellte Nikon seine erste, eigene DSLR vor, die 2,7 Megapixel D1. 2001 kommt der verbesserte Nachfolger, die D1H und die hochauflösende Nikon D1X. Offiziell nur als 6 MP Kamera gelistet, interpoliert die Kamerafirmware aus der Netto-Auflösung von 4.024 x 1.324 Pixel = 5,3 MP des Sensors die 6 MP-Nennauflösung 3.008 x 1.960 Pixel. Bei Speichern im Nikon Rohdatenformat NEF rechnet die Entwicklungssoftware (Adobe Lightroom, Nikons eigene Software Capture NX oder die Freeware Raw Therapee) daraus ohne Qualitätsverlust 4.016 x 2.616 Pixel = 10 MP. Da die Nikon D1/H/X zu den hochpreisigen DSLRs gehörte, präsentiert Nikon 2002 für FotografInnen mit kleinerem Geldbeutel die 6 Megapixel D100.

Bei der D2xx-Serie wiederholte sich das Spiel

Als Alternative zur 4 Megapixel D2H (2003), 12 Megapixel D2X (2004), 4 MP D2Hs (2005) und 12 MP D2Xs (2006) bot Nikon 2005 die 10 Megapixel D200 an. Im Vergleich zur staub- und spritzwasserbededichteten Semi-Profi D200 ist die oben genannte D100 eine Plastik-Einsteigerkamera!

Nikon D-Hunderterserie

Spätestens, wenn man die D100 und die D200 in die Hand nimmt, wird der Unterschied klar. Wie schon geschrieben, kommt die D100 im Vergleich zur D200 als Einsteiger-Nikon rüber, mehr nicht.

Dass die D100 und D200 auf dem ersten Foto neben der D1 so klein wirken, liegt am fehlenden Batterieteil. Sowohl für die D100 und D200 gab es entsprechende Batterieteile, die neben der größeren Stromkapazität den für Hochformatfotos komfortablen, zweiten Auslöser mitbringen. 

Nikon D2-Serie

Muss sich zwischen ihren Profigeschwistern nicht verstecken!

Von links nach rechts: Nikon D2X (12 MP, 5 B/s, 7 MP Crop 8 B/s, 2004) plus 1,4/50 mm AF Nikkor (Produktionsbeginn 1986), Nikon D200 plus Batterieteil MB-D200 (10 MP, 5 B/s, 2005) plus 4/20 mm M(anual)F(okus) Nikkor von 1974 und Nikon D2Hs (4 MP, 8 B/s, 2005) plus 1,4/35 mm M(anual)F(okus) Nikkor – Produktionsbeginn 1973.

Die beiden hochlichtstarken Objektive sind immer noch in Benutzung. Auf die Vollformat Nikon D800 montiert, besteht der einzige Abstrich im Abblenden um eine Stufe. Ab f/2 völlig problemlos einzusetzen. Und wenn es an die Grenzen geht, hätte ich kein Problem die alten Schätzchen voll zu öffnen. Lieber eine etwas weiche Wiedergabe als ein verwackeltes Foto!

Das D200-Batterieteil MB-D200 kam für sehr maßvolle 37,50 Euro ins Haus. Für den Sommerurlaub wird die D200 aber verschlankt und das Batterieteil bleibt zu Hause!

Und die fehlende 4 MP D2H von 2003 und die 12 MP D2Xs von 2006?

Wir wollen nicht übertreiben ;-) Abgesehen davon gab es einen guten Grund keine D2H in die Sammlung aufzunehmen! Und aus meiner D2X wurde per Firmwareupdate fast eine D2Xs gemacht.

Modern Classics!

Als wirkliche Semi-Profi-DSLR kann fast jedes je gebaute Nikon-Objektiv mit AI-Blendenkupplung auf die Nikon D200 montiert werden. Die Auswahl aus der kamerainternen Datenbank – hier 20 mm Brennweite und Lichtstärke f/4 – sorgt für den richtigen Eintrag der Objektivdaten in die Exif. Durch den Cropfaktor von 1,5 wirkt das 20er natürlich nur wie ein 30 mm Weitwinkel. Im Foto daneben meine "Geheimwaffe", das mit 160 Euro geradezu spottbillige (*) 2/100 Yongnuo auf der D200. Nach dem Firmware-Update des Objektivs läuft das 2/100 auf jeder meiner Nikon DSLRs.

Warum überhaupt eine Nikon D200?

2005 vorgestellt, habe ich 2007 beim Wechsel von Canon zu Nikon mit der 10 Megapixel D200 meine erste Semiprofi-Nikon gekauft. Und zu diesem Zeitpunkt schon aus finanziellen Gründen keinen Gedanken an die D2-Profivarianten verschwendet.

Und heute?

D2Hs und D2x(s) liegen hervorragend in der Hand, haben aber beide ein Manko. Die D2Hs ist mit 4 MP etwas schwach auf der Brust, und die D2X(s) ist meiner Meinung nach nur bis ISO 400 wirklich gut. In der gut erleuchteten Bonner Basketballhalle nehme ich die D2X/s bei ISO 640, nur ganz ungern mehr. Aus meiner Erinnerung war die D200 zwar auch kein ISO-King, aber ISO 800/1600 waren OK.

(*) Ich brauche UND will keine noch mal doppelt so lichtstarken (f/1,4) 105 mm "Bokeh-Wunder" in Preisregionen zwischen 1200 und 2300 Euro…

Nikon D200, Basketball 2007

Volle Auflösung, 10 Megapixel. Bitte auf die Fotos klicken/tippen. Bewusst alle im vollen Format gelassen. Bei einigen Bildern wäre Beschnitt Pflicht gewesen.

Was ging/geht mit 10 MP für Zeitung und Magazin?

Wenn man diese Zahlen studiert, wird schnell klar, warum Canons und Nikons Flaggschiffe "nur" 20 MP Auflösung haben. Wie weit man schon mit den 10 Megapixel beispielsweise aus der Nikon D200 kommt! Und selbst da noch eine kleine Reserve für Ausschnitte hat. Zumindest für die Tageszeitung!

Die drucken meines Wissens Fotos mit einem so genannten 40er Raster. Umgerechnet sind das 100 ppi. Gefordert werden aber Bilder mit 200 ppi. Die die Zeitung dann selbst auf die gewünschte Breite (3-, 4-, 5-Spalten) bringt und druckt. Das gezeigte Bild probeweise ins Querformat gedreht und dann per x-Einstellung auf dem Monitor auf eine Breite von ca. 30 cm gebracht, zeigt wie so ein gewisses Rauschen verschwindet!

Immer am Limit…

Mehr ging 2007 nicht – dachte ich. Siehe unten ISO-Tests 2018 mit der Nikon D200. Miserable Halle (die ersten zwei Fotos), und der Rest die alte Spielstätte der Bonner Basketballer, die Hardtberg(schulsportturn)halle. Immer Offenblende des 2,8/80-200 AF D ED New (Zweiring-Version) und 1,8/85 AF Nikkor. Unterschiedliche Beleuchtung der Hallenhälften und auch mit 1/500 1/640s schon eher zu lang. In der "Drachenhöhle" (die ersten zwei Fotos) 1/400s. Ein Fotograf hatte dort vier starke Blitzköpfe in den vier Ecken der Halle direkt unter dem Dach montiert, die per Funk ausgelöst wurden. So konnte er mit ISO 200/400 fotografieren, was qualitativ einen Riesenvorsprung bedeutete. Aber: Eine Blitzauslösung (aller vier Blitze) pro Sekunde. Kein Dauerfeuer wie heute mit Größenordnung 8 B/s. Das musste der Blitzschuss sitzen!

2007 war die Zeit, in der ich "RAW-resistent" war. Während ich meine D800 in der Basketballhalle NIE im Rohdaten-Modus laufen lasse, taten sich die frühen DSLRs doch deutlich schwerer, wenn es um höhere Empfindlichkeit ging/geht. Und nicht nur dort. Erstaunlicherweise habe ich 2007 mit/in der Nikon D200 tatsächlich eine Handvoll NEF/RAW-Dateien speichern lassen. Und man erkennt den Unterschied. Zumindest im gefürchteten 1:1/100% Monitorwiedergabe "Mit-der-Nase-auf-dem-Monitor"-Modus ;-). Die heutigen – Achtung Forensprech – "JPEG-Engines", die Kamera-Firmwares  erzeugen bessere JPEG-Dateien als vor 10 Jahren. Wäre auch schlimm, wenn es da keine Weiterentwicklung gegeben hätte.

Vergleichen Sie bitte selbst:

NEF/RAW (Rohdatei) gegen JPEG out-of-the-cam

Wie stark man die Regler für Schärfe und Rauschreduzierung schiebt/dreht, bleibt immer auch Geschmacksache!

Bitte auf die Screenshots klicken/tippen. Ich kann die JPEGs out-of-the-cam zusätzlich nachschärfen wie ich will, ich komme nicht an das Ergebnis der Rohdatenentwicklung (mit Adobe Lightroom 5.7.1) ran. Beachten Sie bitte die in den Kreisen markierten Ausschnitte. Das im ersten Vergleich gut erkennbare Gras und das Stück aufgedrehtes Tau oder Putzwolle oder was immer das ist. Selbst mit der im Screenshot angezeigten Unscharfmaskierung bleibt das Gras verschmiert…

NEF nach JPEG, 10 Megapixel aus der Nikon D200

Die Großteil dieser und der folgenden, verkleinerten Fotos wurde mit dem 3,5-5,6/24-120 mm VR Nikkor aufgenommen (auf der D200 ein 36-180 mm Zoom) und einige unverkennbar mit einem Fisheye, dem 3,5-4,5/10-17 mm Tokina-Zoom-Fisheye.

Nikon D200 im JPEG-Modus, Fotos auf 3 MP verkleinert

Von Farbe und Kontrast gab es da nichts nachzuarbeiten. Das konnte die D200 schon 2005 bei Erscheinen, von der Farb- und Kontrastwiedergabe ordentliche JPEGs. Im Beitrag zum 4,5-5,6/11-18 mm Tamron sind noch vier mit der D200 und dem Tamron aufgenommene Fotos.

ISO-Reihe 2018 Tageslicht

ISO 3200 Tageslicht (2018) – volle Auflösung 10 Megapixel. Bearbeitung Adobe Lightroom 5.7.1

Nach 11 Jahren immer noch neugierig…

Mehr als einen ersten Endruck, wie das Rauschen bei steigender ISO-Zahl zunimmt, kann der ISO-Tageslicht-Vergleichstest nicht liefern. Muss man beispielsweise bei Licht, erzeugt von unterschiedlich alten Fluoreszenz-Leuchten und immer mit einer gewissen Unterbelichtung (Stichwort schnelle Verschlusszeiten) fotografieren, nimmt das Rauschen mehr zu als beim ordentlichen Tageslicht und exakterer Belichtung.

Hier der Versuch einer Simulation:

ISO Reihe mit -2/3 EV Unterbelichtung

ISO 3200, bewusste Unterbelichtung -2/3 EV

Keine Überraschung, dass Unterbelichtung Rauschen weiter verstärkt…

ISO 2000 über- und unterbelichtet

ISO 2000, + 1/3 EV überbelichtet, Lightroom nachbearbeitet

Genug der fotogafisch anspruchsvollen, hochkreativen Regalfotografie ;-)

Jetzt geht es wieder ins wahre Leben! Ob ich mit dem heutigen Wissen 2007 viel bessere Fotos mit der D200 gemacht hätte? Ich wage es zu bezweifeln. OK, vielleicht technisch etwas besser durch Speichern im Rohdatenformat. Aber auch ohne Nikon NEF/RAW Rohdaten erfreue ich mich heute noch an meinem Nikon D200-Bildarchiv aus 2007!

Nikon D200 Autofokus

Digitalkamera.de war in seinem Testbericht

https://www.digitalkamera.de/Testbericht/Nikon_D200/3007.aspx

der Meinung, dass „die Schwestern der D2-Serie (D2H, D2Hs, D2X) beim Fotografieren von sehr schnellen Bewegungsabläufen, wie sie z. B. beim Motorsport stattfinden, der D200 wirklich überlegen sind.“ Überlegen? Wieviel Prozent? Keiner weiß es… Wenn ich einen Vergleich nenne, weiß ich aus Gesprächen mit Kollegen, dass die seinerzeit statt dem teuren Nikon Vollformat-Flaggschiff D3 lieber zwei Vollformat D700 Gehäuse im Einsatz hatten. Die D700 soll vom Autofokus her der D3 NICHT unterlegen gewesen sein. Eine D3 hatte ich nie, aber die D700 und kann den exzellenten Autofokus bestätigen. Und vergleichbar wird es bei der D2Hs/D2Xs und der D200 sein…    

So, und jetzt frisches Bildmaterial: Gang zur Altstadt Bonn, April 2018, 3 Megapixel Auflösung

Ohne Pixlr-o-matic geh' ich hier nicht raus ;-)

Alle Aufnahmen mit dem 3,5-5,6/16-85 mm AF-S DX VR Nikkor auf der D200. ISI 250/320, Zeitautomatik, Blende 8-16. Aufnahmeformat NEF/RAW. Entwicklung, Ausschnitt mit Adobe Lightroom 5.7.1.

Ohne Basketball geht es nicht: 2018 mit der D200 in der Sporthalle

Fotografiert wie 2007 – Speicherformat JPEG höchste Auflösung, beste Qualität. Das Foto von den Cheerleadern wurde mit dem 3,5-5,6/16-85 mm AF-S DX VR Nikkor bei ISO 3200 aufgenommen. Der Rest mit dem 1,8/85 mm AF-S FX Nikkor bei Offenblende und ISO 1000. Das Tableau besteht aus 1:1 Ausschnitten und wurde nur mäßig von 5.275 Pixel Breite auf 4.800 Pixel verkleinert.

Und die Nikon D200?

Sagen wir so: Jetzt (2018) bei Vorhandensein von Nikon D2Hs und D2x steht die D200 als Zweitkamera in der Basketballhalle hinter den D2-Gehäusen, die ungleich besser in der Hand liegen. Für den Urlaub würde ich die D200 bevorzugen. Kamera "verkleinern", Batteriefach demontieren, und ab zum Fotografieren. Wie in der Bonner Altstadt…

Die D200 geht auf jeden Fall mit in meinen erweiterten Kanon!

Ralf Jannke, April 2018

 

 

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