Ein Objektiv, das es eigentlich nicht gibt …

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 12. Juli 2025 - Wissen, Sammeln, Ausprobieren

HIGON f=35mm 1:3.5

Im Beitrag "Objektiv-Dreiklang der 1960er/70er Jahre" war zu lesen: "Bevor es mit den Zoomobjektiven losging, kaufte der interessierte Hobbyfotograf zu seiner ersten Spiegelreflexkamera mit dem obligatorischen Normalobjektiv ein gemäßigtes 35 mm Weitwinkel und ein 135 mm Tele. Bei mir war das Anfang der 1970er eine Ricoh TLS 401 mit Normalobjektiv und genau den beiden eben genannten Brennweiten.

Profis bestückten anders. Statt des gemäßigten 35 mm Weitwinkels musste ein 24 mm auf der SLR für viel Bildwinkel sorgen, und das Normalobjektiv hatte Lichtstärke f/1,4. Statt des 135ers nahmen die Profis lieber ein hochlichtstarkes 85 mm Porträttele und als längste noch gut trag-und handhabbare Brennweite ein 4/200 mm.

Einen Vorteil hatte das Dreier-Setup 35, 50 und 135 mm. In großen Mengen preiswert produziert und von gewöhnlich ordentlicher Abbildungsqualität. Wenn man keinen Ausreißer erwischt hatte, konnte mit 35, 50 und 135 mm nichts schiefgehen. Aus Neugier und Sammelleidenschaft habe ich deshalb zahlreiche Normalobjektive und noch mehr 135er. Die (nicht ermittelte) Anzahl an 35ern dürfte deutlich kleiner sein.

Jetzt kommt ein eigentlich langweiliges 3,5/35 mm dazu, das durch seinen Herstellernamen aber hochinteressant ist: Higon.

Das war die perfekte Gelegenheit die Künstliche Intelligenz — KI — ChatGPT dazu zu befragen

Die übrigens nicht wirklich mehr herausfand, als das, was ich manuell im Internet bereits gefunden hatte!

Wenn man nach "Higon" sucht, taucht immer wieder ein ITOHKOGAKU Oray AUTO-HIGON f/2.8 135mm auf. Und weiterhin: Itoh scheint in den 1960er Jahren ein kleiner Hersteller (von vielen) gewesen zu sein. Niemand weiß, was mit ihnen passiert ist. Sie sind schnell verschwunden oder änderten ihre Namen, um am Markt besser bekannt zu werden. Speziell das 2,8/135 mm sieht wie ein Tele vom bekannteren Hersteller Kominar oder Lentar aus …

ChatGPT zum HIGON f=35mm 1:3.5

Ich habe die bisweilen etwas holperige Formulierung etwas verbessert, aber nicht verändert!

Frage: Was weißt du über ein 3,5/35 mm Higon?

Es scheint, dass es keine seriöse Dokumentation oder Belege für ein 35 mm f/3.5 Higon‑Objektiv gibt. Stattdessen stützt sich unser Wissen ganz überwiegend auf ein seltenes Preset‑T‑Mount‑Tele‑Objektiv von Itoh kogaku („Higon“) mit 135 mm f/3.5, zu dem einige Forenbeiträge existieren:

Bekannte Hinweise zum 135 mm f/3.5 Higon

  • Ein Nutzer bei MFLenses stellt fest, dass es ein gut verarbeitetes, Tele mit 16‑Blatt (Lamellen)‑Blende, ca. 2 m Naheinstellgrenze, etwas starkes Flare-Verhalten und schlichtem Design ist.
  • Ein weiterer schrieb: „Ich habe diese Itoh Higon-Objektive schon öfter gesehen – ziemlich selten. Oft wurden solche Objektive auch unter Marken wie „Soligor“ verkauft, mit identischer Optik, vermutlich von Itoh gefertigt.

Und nach einer weiteren Frage an ChatGPT

Gibt es ein 35 mm f/3.5 Higon?

  • Bislang keine Hinweise: Es gibt keinerlei Fundstelle oder Bilder eines 35 mm f/3.5 unter dem Higon‑Label. Auch in Vintage‑Lens‑Communities taucht dieses Brennweiten‑/Blendenamt nicht auf. Vermutlich handelt es sich entweder um Verwechslung mit anderen Herstellern (z. B. Soligor, Kominar etc.) oder es handelt sich um eine Privatbeschriftung, die später nicht weiter verfolgt wurde.
  • Wenn du ein Objektiv gefunden hast: Teile mir gerne Fotos, Beschriftungen oder Seriennummern mit. Dann kann ich dir bei der Identifikation helfen – ob es tatsächlich ein seltenes Higon‑Stück ist oder z. B. eine Repackaging‑Variante von Soligor oder Kino. Kurzum: Ein 35 mm f/3.5 unter Higon ist derzeit nicht belegt – wahrscheinlich eine Fehlinformation. Aber: Wenn du ein potentielles Exemplar vorliegen hast, helfe ich dir gern, Licht ins Dunkel zu bringen!

Higon-Objektive

Higon 100–200 mm f/5.6: ein push-pull Pre-set-Zoom mit zwei Blendringen. Bokeh mit 12 Lamellen, aber optisch „nicht herausragend, eher durchschnittlich“ beschrieben, teils weich und „glowy“, mit locker sitzenden Mechanik-Komponenten.

Laut Community

  • „None of them are currently regarded as high quality lenses, but they are fairly rare.“ – "Keines davon gilt derzeit als hochwertiges Objektiv, aber sie sind ziemlich selten."
  • „The lens is an ancient pre-set Japanese zoom… heavy, quite nicely built and the glass appears to be well coated.“ – Das Objektiv ist ein altes voreingestelltes japanisches Zoomobjektiv … schwer, recht gut gebaut und das Glas scheint gut beschichtet zu sein.
  • Ein MFLenses-User verweist auf mehrere Objektive aus dieser Serie, was auf eine eher kleine, aber dennoch existierende Produktion hindeutet.

Wenn dich ein Higon‑Objektiv interessiert

  • Keine Meisterwerke, aber charakterstarke Vintage-Optiken mit nostalgischem Appeal.
  • Sehr selten – finden sich häufig auf Auktionsplattformen wie eBay.
  • Ideal, wenn du neugierig auf alten mechanischen Charme und besondere Bildwirkung bist – aber nicht, wenn du knackscharfe, moderne Bildqualität erwartest.
  • Sag einfach Bescheid, wenn du ein bestimmtes Modell gefunden hast – dann helfe ich dir gerne weiter!

Nach Übermittlung eines Fotos an ChatGPT

Ja – es gibt durchaus ein „Higon 3,5/35 mm“ von Itoh Kogaku! Es handelt sich hierbei um eine seltene, wenig dokumentierte Ausnahme in der Higon-Serie. Ach was ;-)

Herkunft & Historie

  • Hersteller: Itoh Kogaku – heute bekannt als Itoh Optical Industrial – hat in den ca. 1960er Jahren neben Optik-Komponenten auch eigene Objektive unter dem Label Higon produziert. Zu den bekannten Brennweiten gehören u. a. 35 mm, 200 mm, 400 mm sowie ein 100–200 mm Zoom  .
  • Higon‑Serie 35 mm: In Community-Berichten wird explizit ein 35 mm Higon erwähnt. Das bestätigt, dass diese Brennweite tatsächlich hergestellt wurde, wenn auch offensichtlich in sehr geringer Stückzahl.

Bau & Charakter

  • Optisch-moderner Aufbau: Laut Nutzern (z. B. PentaxForums) wirkt diese 35 mm-Ausführung „moderner“ – im Vergleich zu den üblichen, älteren Preset-Zooms. Sie hat keinen Push-Pull oder Preset-Blendenmechanismus, sondern ein konventionelles, zeitgemäßes Gehäuse.
  • Blendenmechanik: Es wird oft von ungewöhnlich vielen Lamellen und irisförmig nicht perfekt symmetrischen Öffnungen berichtet – offenbar bewusst konstruiert, was zu charakteristischem Bokeh führt .

Bildqualität & Erfahrung

  • Kontrast & Schärfe: Wie bei vielen Higon‑Optiken gilt: Solide Verarbeitung – optisch jedoch „durchschnittlich“, besonders bei offener Blende. Leicht weich, „glowy“ – aber mit eigenem Look  .
  • Mechanische Qualität: Nutzer berichten von sehr solider Metallbauweise, die sich eher teurer anfühlt als die Leistung vermuten lässt.

Wenn du das Objektiv nutzt

  • Tests: Wichtig: Probiere Offenblende (für Look) vs. Abblenden (für mehr Schärfe).
  • Adapter: Ursprünglich T‑Mount, aber viele wurden mit üblichen M42-Adaptern umgerüstet   .
  • Passender Einsatz: Ideal für kreative, weiche Porträts oder analog/digital Experimente mit Charakter – weniger geeignet für knackscharfe Landschaften.

Nun ja, Ab Mitte Juli habe ich das real existierende HIGON f=35mm 1:3.5 in der Hand und werde damit fotografieren!

 

 

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk

Das virtuelle Digicammuseum gibt es jetzt auch als reales Museum

Meine Sammelei hatte eigentlich schon immer das Ziel, meine Geräte eines Tages nicht nur auf dieser Homepage zeigen zu können, sondern auch live in einem richtigen Museum. Mit Holger W. Müller habe ich nun einen Partner, der meine Leidenschaft für die Technikgeschichte teilt. Außerdem haben wir in Rastatt Büroräume der ehemaligen Thaleswerke gefunden, dem Hersteller der bekannten Thales-Rechenmaschinen.

Dort haben wir ein Museum eingerichtet, das Rechenmaschinen, Computer und Videospiele als Schwerpunkt hat. Digitalkameras sind ebenfalls mit einigen spannenden Exponaten vertreten. Geöffnet ist jeden Sonntag von 13 - 18 Uhr. Auf der Projekthomepage gibt es weitere Infos.

Zur Homepage des µ-Museums