Eine DSLR für 5 Euro, geht das?

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 30. Juni 2018 - Wissen, Sammeln, Ausprobieren

Zuwachs in der FourThirds 4:3 Olympus Digitalspiegelreflexkamerareihe

Lange war es hier um die Olympus E-Reihe recht still geworden. Nach den Modellen E-300 (8MP, 2004), E-330 (7,5 MP, 2006), E500 (8 MP, 2005) und dem E-1 Flaggschiff von 2003 wurde jetzt eine E-420 (10 MP, 2008) in die Sammlung aufgenommen. Im Praxisbeitrag zur E-500 sind alle Olympus E-Modelle gelistet.

Zunächst ein kleiner Ausflug in die Welt der Fotobörsen und eBay

Bis zum Wechsel von Analog nach Digital (1997/98) und durch eBay (ab 2000) war ich regelmäßiger Besucher diverser Fotobörsen. Nach langer Pause schaue ich seit zwei Jahren wieder 1x pro Jahr bei meiner „Hausbörse“ rein. Die Möglichkeit auf einer Fotobörse ein gewünschtes Fotogerät sofort begutachten zu können, hat aktuell aber keine Chance mehr gegen ein online vom Profi-Anbieter erworbenes Gerät, das bei einem später festgestellten Defekt umgehend und kommentarlos gegen volle Kostenerstattung zurückgeben werden kann. Denn auf Fotobörsen werden gerne Preis verlangt, die nicht selten der Logik folgen, dass der Spitzen-PC XY Mitte der 1980er Jahre doch 10.000 DM gekostet hätte, und ein Angebot dieses teuren Geräts zu heute 500 Euro doch geradezu ein Schnäppchen wäre... Um dieses Prinzip (vergeblich) auf Kameras zu übertragen.

Ich war schon vor Jahren immer mal versucht, auf einer Fotobörse heimlich die eine oder andere Kamera  unsichtbar zu markieren. Um dann Jahr für Jahr zu kontrollieren: "Guck mal, liegt immer noch unverkauft auf dem Tisch..." Muss das schön sein, Sonntag für Sonntag seinen Tisch mit von der Preisgestaltung her unverkäuflicher Ware vollzustellen, um nach Börsenende den ganzen Kram wieder mitzunehmen. Monat für Monat, Jahr für Jahr... Sicher habe ich etwas übertrieben, aber zumindest mir kommt es so vor...

Und ein vergleichbares Bild beginnt sich jetzt in eBay abzuzeichnen!

Wer um Himmels Willen soll auf Fotobörsen anno 2018 das ganze Analogzeug noch kaufen? Oder übertragen: Wer soll in eBay das ganze Analog- wie Digitalzeug noch kaufen? Ich habe aktuell bei eBay einfach mal „digitalkamera“ ins Suchfeld eingegeben, um dann den Preis auf maximal 100 Euro zu setzen. Rund 12.000 Kameras aller Art wurden gelistet. Nach Wahl von „Bald endend“ habe ich 2000 Angebote mit Hochgeschwindigkeit durchgerollt. Keine 10 einigermaßen interessante Digitalkameras blieben übrig. Die Altersklasse 1995 bis 2000 ist extrem rar geworden. „Gewürzt“ wird das Ganze mit Konvoluten kaputt-/verbastelter Kameras. Zu Preisen, die mich staunen lassen: 10 Euro, 20, 50 Euro. Wer soll das kaufen oder bei der Komplexität der Geräte ernsthaft reparieren? Für so etwas gibt es doch die Gitterboxen für Elektrokleingeräte der lokalen Müllsammelstellen… Ich befürchte, dass es auch in eBay für das Prinzip der "Resterampe: Alles muss (zu Kampfpreisen) raus" schon zu spät ist… 

Es geht aber auch anders – sogar in eBay. Womit ich zurück zur Olympus E-420 komme.

Unglaubliche 5 - FÜNF - Euro hat dieses Olympus-Gehäuse gekostet. Einziger Makel: Die "Tür" der Speicherkartenaufnahme rastet nicht mehr. Was die Kamera nicht nur mit der Fehlermeldung „Speicherkartenfach offen“, sondern auch mit der Weigerung Bilder aufzunehmen quittiert. Ein Stück Klebeband löste das Problem auf die Schnelle, die E-420 arbeitet, als ob nichts wäre.

Schnell-Reparatur

Ich habe das eigentlich kräftige Gewebeband aber doch gegen einen stärker haftenden Typ ersetzt. Dabei bin ich auf Aluminiumband gestoßen, wie es möglicherweise Dachdecker und Installateure benutzen. Das Gewebeband kann noch so stark sein, die Federkraft des Speicherkartendeckels und besonders auch Batteriefachdeckel sorgen über die Zeit dafür, dass das Gewebeband sich sozusagen in Zeitlupe dehnt, bzw. der Kleber des Bands zu "schwimmen" beginnt. Erfolg: Die Klebung hält einfach nicht. Beim Aluband dehnt sich und rutscht nichts. Das klebt so penetrant, dass man es beim Entfernen nur stückchenweise wieder abbekommt. Konsequenz: Hält hervorragend, die Kamera – in diesem Fall die Olympus E-420 – bekommt eine kaum benutzte 2 GB xD-Speicherkarte und ins zweite Fach eine 4 GB CompactFlash-Karte. Speicherplatz für 120 plus 232 = 352 10 MP Dateien im Olympus Rohdatenformat. Um die verklebte Klappe nicht öffnen zu müssen, werden die Fotos dann halt per USB-Kabel in den Rechner kopiert. Geht auch kaum langsamer als über einen externen Kartenleser.

Nach der "Eingangskontrolle" wandert die E-420 aber erstmal ins Depot. Als Vorrat für 2019, wo bei mir praktisch nur noch System-Digitakameras eine Rolle spielen. Es mag noch vereinzelt eine Kompaktkamera auftauchen, aber diese Digitalkameraklasse beende ich 2018.

Vorgestellt wurde die E-420 2008. Eine E-410 war seinerzeit Ersatz zur E-510, als es mit leichtem FourThirds-Gepäck in den Urlaub ging.

Mehr zur 10 Megapixel Olympus E-420 2019!

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk