Anleihen aus der Vergangenheit: Nikons neue DSLM Z fc

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 01. Juli 2021 - Wissen

In bisschen Provokation muss sein ;-)

Woran erinnert mich Nikons neue Z fc? Klar, dass es je nach Sicht die vollmechanische Nikon FM oder die Schwester mit Zeitautomatik ist, die FE. In Facebook hatte ich der Z fc ersatzweise meine Nikkormat EL einmontiert. Ich habe keine FM/FE. Um entsprechend belehrt zu werden, dass die FM das Vorbild sei, aber auch bestätigt zu bekommen, dass zumindest das Verschlusszeitenrad der Z fc von der ersten Nikon mit Zeitautomatik inspiriert ist, der Nikkormat EL.

Jetzt wird es etwas ketzerischer

Dieses geriffelte Rädchen auf der (von vorne) linken Frontseite der Z fc. Wo habe ich das schon gesehen? Und sogar benutzt. Ganz klar: FUJIFILM. Zum Vergleich deshalb dahinter meine "getarnte" und verflossene Fuji X-T30. Andererseits: Eine DSLM kann letztlich nur wie eine analoge Messucherkamera aussehen oder eben wie eine etwas verkleinerte Spiegelreflexkamera. Und die Fuji X-T Reihe ist (D)SLRs nachempfunden. Entsprechend geht die neue Nikon Z fc auch in diese Richtung.

Und das Objektiv auf der Z fc?

Das passt als Objektiv mit Nikon F-Bajonett ohne Adapter natürlich überhaupt nicht. Aber: Von den Abmessungen her kann man das zwischen 1968 und 1971 produzierte 2,8/45 mm GN Nikkor zurecht als "Pancake" bezeichnen: Durchmesser 64 x 20 mm Höhe, 52 mm Filter, 150 g. Dieses 45er erfuhr 2001 eine Wiedergeburt in Form des AI-P 45mm 2,8. Ein MF-Nikkor mit CPU. Wie das GN mit vier Linsen, aber mit 17 mm Höhe noch flacher.

Und was hat das mit der Z fc zu tun?

Neben einem kompakten 2,8/28 mm, das es wohl zunächst nur für die Z fc gibt, soll es möglicherweise von Nikon noch etwas in Richtung "echtes" = flaches Pancake mit Z-Bajonett geben. Wir werden sehen. Das Nikkor Z 28 mm 1:2.8 SE hat einen Durchmesser von 71,5 mm und ist mit 43 mm doppelt so hoch wie das 45 mm GN. Das Gewicht ist mit 160 g vergleichbar.

Ansonsten ist die Nikon Z fc im Inneren weitgehend identisch zur Nikon Z50.

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

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Boris Jakubaschk