Das (heute, 2022) nutzloseste Nikon Spezialobjektiv Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 06. Mai 2022 - Wissen, Sammeln, Ausprobieren

Ein richtiger Objektiv-Exot im Nikon Sortiment aus den 1960er Jahren

An der Objektivbezeichnung ist erkennbar, wofür dieses Sonderobjektiv vorgesehen war – spezielle Einsätze in Medizin und auch Industrie und Wissenschaft. Dieser Objektiv-Exot besitzt keine Entfernungseinstellung! Fokussiert wird ausschließlich durch Bewegen von Kamera und Objektiv auf das Motiv zu oder von ihm weg! Bestimmte, festgelegte Entfernungen und Motivgrößen (Abbildungsmaßstäbe) werden ausschließlich durch Vorschrauben von Vorsatzlinsen erreicht – es gibt sechs Stück dieser Linsen unterschiedlicher Stärke.

Komplette Sets, bestehend aus dem 200 mm Medical-NIKKOR, Kabeln, Batterie- und Netzteil sowie allen Vorsatzlinsen werden zwischen 250 und 800 (!) Euro angeboten. Für Größenordnung 150 Euro gibt es das Objektiv ohne weiteres Zubehör durchaus häufig. Zum "Nur-paarmal-Rumspielen" und "Dann-nur-noch-Rumliegen" immer noch viel zuviel Geld. Als aber jetzt in Japan ein 200 mm Medical Nikkor Porto- und zollfrei (!) für 75 Euro zu haben war, habe ich aus Neugier dann doch zugegriffen. Natürlich kam das Exemplar "nackt" ohne Batterie-/Netzteil und den Koffer. Immerhin aber mit Kabel und drei Vorsatzlinsen, die einzeln zu Mondpreisen offeriert werden. Das sollte zum Experimentieren reichen.

Experimentieren mit dem Thema Beugung

Auch ich habe dem Thema Beugung 2020 wenig Bedeutung beigemessen oder gar behauptet, dass die Wirkung der Beugung in der praktischen Fotografie überbewertet wird. Spätestens nach dem ersten Praxiseinsatz des SIGMA MULTI-COATED 1:2.8 f=135mm PANTEL mit Blende 64 bin ich geläutert. Ja, die Schärfentiefe bei 135 mm Brennweite und Blende 64 wird enorm gesteigert. Ich habe aber nichts davon, weil die Abbildungsschärfe oder Bildauflösung bei dieser (zu) kleinen Blende sichtbar minimiert wird.

Beugungsunschärfe und Pixeldichte — die Entfernung der einzelnen Fotozellen auf dem Bildsensor (engl. Pixelpitch) stehen in engem Zusammenhang mit der Schärfe, wenn es an (zu) kleine Blenden geht. Und mit Schärfe, oder besser Unschärfe ist in diesem Fall keine fehlerhafte Fokussierung gemeint! Aus diesem Grund werde ich mit dem 200 mm Medical Nikkor, das neben f/22 die noch kleineren Blenden 32 und 45 bietet, mit drei, ggf. vier unterschiedlich auflösenden Systemkameras experimentieren:

  • Nikon Z6, Vollformat 24 MP
  • Nikon D4, Vollformat 16 MP
  • Kodak/Nikon F5 DCS760, 19  x 27 mm APS-H Sensor (Cropfaktor 1,3) 6 MP
  • Canon EOS 1D, 19 x 27 mm APS-H Sensor (Cropfaktor 1,3) 4 MP (*)

Ein Praxisbericht ist in der Mache!

(*) PS.: Die Canon wurde dazugenommen, weil sich die tolle Kodak DCS760 bei ersten Versuchen als immer störrischer erwies. Ob sie wirklich kaputt gegangen ist, wird sich zeigen, wenn ein neugekaufter, frischer Akku eingelegt wurde, der noch in der Post ist. Möglicherweise sind die zwei noch vorhandenen und ladbaren Akkus einfach zu alt. Obwohl sie nach dem Laden 100 Prozent anzeigen, ist es denkbar, dass die Spannung bei Einsatz unter Last so zusammenbricht, dass die DCS760 einfach nicht läuft und nur Fehlermeldungen anzeigt. Gar nicht kaputt ist! Sollte sie doch defekt sein, muss meine Canon EOS 1D übernehmen …

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk