EINTAUSENDUNDACHTHUNDERT Euro für eine Digitalkamera mit Festbrennweite, die nur Schwarzweissfotos aufnehmen kann???

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 24. Januar 2026 - Wissen

Ich bin gespannt, wann die ersten Fotos dieser Renommierkamera auftauchen – wenn man überhaupt welche zu sehen bekommt. Die dann allzuoft nur eins sind: SchwarzWeiss. O.K. mit reichlich Grauwerten und wenig Bildaussage.

Aber immer mit dem Besitzer-Überlegenheitsgefühl aufgenommen, dass ein Sensor, der aus seinem RGB-Farbmatrix-/Bayer Sensor die Motivfarben interpolieren muss, niemals so scharf sein kann, wie ein gleichauflösender Sensor, dem die Farbmatrix fehlt. Schließlich hat die Kamera ja 1.800 Euro gekostet …

Ja das mit der Farbmatrix stimmt in der Theorie. Aber auf die Frage, wieviel großformatige SW-Fotos denn an der Wand hängen, ob man denn mal in ein selbst produziertes Fotobuch mit SW-Fotos schauen dürfte, gibt es keine Antwort. Und nicht mal im „Mäusekino“ Smartphone kann man ein paar gelungene SW-Fotos zeigen …

Der Hersteller der 1.800 Euro Kamera ist nicht allein. Folgt sie auf diverse Leica M Monochrome Digital-Messsucherkameramodelle, auf deren Preisnennung ich verzichte oder die rund 2.500 Euro teure 25 Megapixel Halbformat Pentax K-3 Mark III Monochrome von 2023.

Immer wieder beschleicht mich das Gefühl, dass die Leute nicht mit der Bildbearbeitung umgehen können – wollen. Photoshop, Lightroom und Mitbewerber bieten fast unbegrenzte Möglichkeiten zur ganz gezielt steuerbaren Umwandlung eines Farbfotos in SchwarzWeiss. Ich möchte den sehen, der analysieren kann, dass Foto X mit einer Monochrom-Digitalkamera aufgenommen wurde …

Wobei das alles wenig nützt, wenn man kein Gefühl dafür hat, in SW zu sehen und zu denken, bzw. welches Farbfoto denn in SW richtig gut wirken würde. Und dann nützt auch die reine SW-Kamera wenig …

Meine erste und einzige SW-Kamera habe ich mehrfach beschrieben, die Kodak DCS460ir

Die genau gesagt keine reine SW-Kamera ist, sondern eine 6 Megapixel DSLR mit größerem 19x27 mm Crop 1,3 Sensor, die je nach Filter SchwarzWeiss-Infrarot-Fotos aufnimmt.

Wer Lust hat:

In der absolut lesenswerten "The DCS Story" werden unter den in Serie produzierten DSLRs alleine 21 Modelle gelistet, die "nur" "Mono" = SW fotografieren konnten/sollten!

Unter der Überschrift: "Monochrome Kodak DCS 760m" gibt es einen opulenten Beitrag zu diesem Kodak Sondermodell! Oder Pete Meyers Kodak DCS760m Digital Monochrom.

Das sind Kameras! 1.800 Euro würde ich anders investieren!

 

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk

Das virtuelle Digicammuseum gibt es jetzt auch als reales Museum

Meine Sammelei hatte eigentlich schon immer das Ziel, meine Geräte eines Tages nicht nur auf dieser Homepage zeigen zu können, sondern auch live in einem richtigen Museum. Mit Holger W. Müller habe ich nun einen Partner, der meine Leidenschaft für die Technikgeschichte teilt. Außerdem haben wir in Rastatt Büroräume der ehemaligen Thaleswerke gefunden, dem Hersteller der bekannten Thales-Rechenmaschinen.

Dort haben wir ein Museum eingerichtet, das Rechenmaschinen, Computer und Videospiele als Schwerpunkt hat. Digitalkameras sind ebenfalls mit einigen spannenden Exponaten vertreten. Geöffnet ist jeden Sonntag von 13 - 18 Uhr. Auf der Projekthomepage gibt es weitere Infos.

Zur Homepage des µ-Museums