Ach Nikon …

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 30. Juni 2022 - Wissen

Alles schon da gewesen – vor ca. 47 Jahren … 400mm Tele mit Lichtstärke f/4,5

NIKKOR-Q Auto 1:4.5 f=400 mm, 4 einzeln stehende Linsen. (Produktionsjahre 1964-1976) Das 400er ist nur ein Objektiv-„Kopf“, der zum Einsatz eine Fokussiereinheit benötigt, die auch die Blende enthält. Von Nikon gab es zwei Fokussiereinheiten, für die 6x6 Bronica eine weitere. Zum Einsatz des 400ers auf der einäugigen 6x6 Mittelformat-SLR. Denn das voluminöse 4,5/400 zeichnet auch die Filmfläche des Mittelformats aus: 56 x 56 mm. Neben dem 4,5/400 mm Kopf gab es noch einen mit 600 mm Brennweite, Lichtstärke f/5.6, 800 mm f/8 und 1200 mm f/11. Bei den Abmessungen und dem Gewicht bereits des 400ers – mit Einstellfassung jenseits der 3 kg – war Stativeinsatz obligatorisch. Das Foto zeigt das 400er in eine umgebauten Bronica-Fokussiereinheit mit Nikon F-Bajonett. Auf meiner motorisierten Nikon F. Ab 1973 bot Nikon das lichtschwächere, aber bedeutend praktikablere NIKKOR-P·C Auto 1:5.6 f=400mm an, dem 1975 die verbesserte Version NIKKOR*ED 400mm 1:5.6 folgte. Erst 1978 folgte die komfortabel innenfokussierte Variante NIKKOR*ED 400mm 1:5.6 IF AI. Unter dem Nikkor die CANON LENS FD 400mm 1:4.5. 6 Linsen in 5 Gruppen, Durchmesser/Länge/Gewicht: 94 x 282 mm, 1300 g, Vorstellung 1975.

Das gewaltige Nikon-Tele ist lange Geschichte. Im Bestand aus Nostalgie ist das 400 mm ED, das mit Sonderglas eine gute Abbildungsleistung liefert. Das lichtstarke 4,5/400 Canon wäre für 350 Euro zu haben. Das brauche ich trotz problemloser Adaptierung aber nicht, da mein stabilisiertes 100-400 mm AF-Zoom diesen Tele-Bereich perfekt abdeckt!

Am 29. Juni 2022 stellt Nikon sein modernes Nikkor Z 400mm F4.5 VR mit Z-Bajonett vor, Kostenpunkt: 3699 Euro

Aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder so:

Wenn ich für ein Nikon-Objektiv eine mittlere bis hohe vierstellige Eurosumme auszugeben bereit wäre, dann warte ich im Sommer doch nicht auf den Herbst oder Winter, bis ich mit dem gewünschten Objektiv losfotografieren kann. Zumal es eine lieferbare Alternative zum deutlich weniger als ein Drittel des Nikon-Preis' gibt …

Bei Nikon ist es mittlerweile wie: "Wir können es immer noch — Super-Objektive rechnen und auch bauen"

Aber: Nach Präsentation gibt es nur wenige der hochpreisigen Exemplare für eine Handvoll Influencer, wo sich der eine oder andere mittlerweile zum puren Brechmittel entwickelt hat.

Der Fairnis halber: Der hauptamtliche Basketballfotograf für Verein und Tageszeitung wartete zwei Monate auf sein lange nicht lieferbares CANON RF 24-105MM F/4L IS USM. Bei weiteren EOS R Objektiven habe ich nicht nach Lieferzeiten gesucht, und Sony ist einfach nicht mein Ding. Die Philosophie von früher: "Der Massenverkauf von tiefer angesiedelten Kameras und Objektiven subventioniert das teure Profi-Equipment" funktioniert nicht mehr. Den "Massenverkauf" von Einsteiger-Kameras und Objektiven hat längst das Smartphone einkassiert.

Die ebenfalls am 29. Juni 2022 vorgestellte "Erste Nikon-Spiegellose speziell für Vlogger", die E-Sucher-lose 20 Megapixel Z30 kann Nikon behalten! Hier weitere Informationen über die "Downsize" Nikon Z30 auf Basis der 2019 vorgestellten Z50, die Herzen junger Kreativer erobern soll. Nun ja … Bin gespannt, wie Nikon die Heerscharen Smartphone-Blogger, deren Mehrfach-Optiken/Kameras Superweitwinkel, Normal- und Teleobjektiv bieten, zur Systemkamera bekehren will.

Nikon Z30 initial review

Egal, mit zwei gut "abgehangenen" spiegellosen und "uralten" (vier und drei Jahre) Nikons ging es in die Sommerferien. Man wird den Fotos die veralteten Kameras nicht ansehen ;-)

 

Neuer Kommentar

0 Kommentare

Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk