Und noch ein Neukauf. Oder: Kann ein Fisheye-Objektiv für unter 80 Euro brauchbar sein?

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 19. April 2021 - Wissen, Sammeln, Ausprobieren

Das Thema Fisheye ist mit gewisser Vorsicht zu genießen

Wirklich gute Fisheyefotos sind rar. Kein Grund sich daran nicht zu versuchen. Aber auch ein Grund, keine Unsummen zu investieren. Im Herbst 2020 gab es einen Praxisbeitrag zur spiegellosen Olympus PEN E-P2, Illustriert mit Fotos, die ausschließlich mit zwei so genannten "Gehäusedeckel(n) mit Linse" aufgenommen wurden. So etwa kann man die beiden sehr speziellen Olympus-"Objektive" übersetzen. Dabei handelt es sich um die "Body Cap Lens 15 mm 1:8.0", ein aus drei Linsen bestehendes, auf KB umgerechnet 30 mm Weitwinkel mit Licht-"Stärke" f/8. Und die 30 g leichte "Body Cap Lens 9 mm 1:8.0". Umgerechnet aufs Kleinbildformat ein 18 mm Fisheye, was das komplette Bildfeld auszeichnet. Aufgebaut aus fünf Linsen in vier Gruppen, darunter zwei asphärisch geformte Linsen. Diesen „Objektiven“ kann ein gewisser Coolness- sowie Lomo-Faktor zugestanden werden. Und bis auf die Lichtstärke ist besonders die Fisheye-Version von der Abbildungsleistung für mich ein vollwertiges Objektiv. Stückpreise der Body Lens Caps um 70 Euro.

Dieser Gedanke kam sofort beim Anblick des 90 g leichten 10mm F8 PERGEAR Fisheye für das Z-Bajonett der spiegellosen Nikon Systemkameras und zahlreiche andere Hersteller. Optisch ist das Metall (!) Objektiv mit fünf Linsen in vier Gruppen – darunter drei ED-Elemente – ähnlich aufgebaut, wie das gute Olympus Pendant! Das PERGEAR hat ebenfalls nur Lichtstärke f/8 und kostet 75 Euro Spielgeld.

Hier ist der erste Praxisbericht zum 10mm F8 PERGEAR

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1 Kommentare

Christian Zahn

19. April 2021

Für eine "Handvoll Dollar mehr" gibt es neben den von Ralf gezeigten Simpel-Fischaugen-Objektiven inzwischen auch preiswerte (nicht billige) mit guter Optik, z. B. das 2,8/7,5mm von 7Artisans für Cropkameras und MFT. Nachdem ich das für etwa 150 Euro gekauft hatte, wanderte mein 8,0/9mm Olympus 2019 sofort nach ebay. Die Bilder des 7Artisans sind um Klassen besser und es hat einen richtigen Fokusring und eine einstellbare Blende.

Für Vollformat (z. B. Nikon Z) haben TT Artisans ein 2,8/11mm Fisheye herausgebracht, das kostet aber fast 300 Euro.


Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk