Toller Neuzugang

Avatar of Ralf JannkeRalf Jannke - 15. September 2021 - Wissen, Sammeln, Ausprobieren

Carl Zeiss Jena Flektogan 4/25

Gefühlt habe ich mittlerweile so viele 135er, dass ich damit ein Schachbrett bestücken könnte ;-) Und auch der lange Telebereich (400/500/600 mm) ist seit Sommer 2021 bestens bestückt. 50er habe ich aufgehört zu zählen — auf vielen alten SLRs steckte das Normalobjektiv —, und 35er sind auch ausreichend da. Und zu den 28ern muss/soll nichts mehr hinzukommen.

Was aber beim Altglas noch fehlte, das war der Superweitwinkelbereich.  Leider ist das 2,1 cm Nikkor von 1959 aufgrund der Bauweise digital nicht adaptierbar. Wobei ich da noch eine Idee habe … Die wenigen 21 mm Tamrons für MC/MD sind mir mit irgendwas um/ab 150 Euro zu teuer. Was auch für die 25 mm Carl Zeiss Jena Flektogone zutrifft. Ebenfalls um und über 150 Euro. Als aber jetzt eins zu 75 Euro offeriert wurde, habe ich sofort zugegriffen.

Der rote Kreis …

Das Flektogon kam mit Exakta-Bajonett. Die Exakta Spiegelreflexkamera hatte meines Wissens keinen Mechanismus/Hebel im Kameragehäuse, der die Objektivblende beim Auslösen auf den eingestellten Wert schließt und nach dem Auslösen gleich wieder öffnet. Vorausgesetzt, das Objektiv hat eine so genannte Springblende. Was beim 25 mm Flektogon der Fall ist. Die in der Kamera fehlende Springblendenfunktion erledigt aber der etwas merkwürdig erscheinende Hebel am Objektiv. Der ist genau so positioniert, dass er bei Drücken zuerst die Blende schließt und dann die Kamera auslöst. Was länger geschrieben als beim Fotografieren durchgeführt ist. Konsequenz: Bei Einsatz des Flektogons an der spiegellosen Systemkamera, müsste dieser Hebel gedrückt und gehalten werden, damit auf die eingestellte Blende geschlossen wird. Und während dieses fummeligen Gedrückthaltens muss die DSLM ausgelöst werden – theoretisch.

Um das zu vereinfachen, gibt es im Netz Tips wie "kurzen Drahtauslöser mit Feststellschraube einsetzen" oder "das Ganze mit einem kleinen Draht sichern". Das ist bei diesem Flektogon völlig unnötig!

Nicht ohne Grund hat der auffällige, silberne Ring eine Rändelung. Drückt und verdreht man diesem Ring, lässt er sich in einer bestimmten Position verriegeln! Das Flektogon arbeitet dann mit Arbeitsblende. Perfekt für die DSLM! Was natürlich nur funktioniert, wenn das Exakta-Bajonett-Objektiv einen entsprechenden Ring mit Verriegelungsmöglichkeit hat.

Vielversprechend

Mehr zum 1956 gerechneten und 1959 auf den Markt gebrachten 4/25 mm Carl Zeiss Jena Flektogon in einem ausführlichen Praxisbericht.

 

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Was ist digicammuseum.de?

Die analoge Fotografie blickt auf eine etwa 170-jährige Geschichte zurück, seit etwa 100 Jahren sind Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich. Trotzdem sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie zu einem Hobby für Millionen von Menschen wurde und der Fotoapparat zum selbstverständlichen Accessoire jeder Urlaubsreise.

Um so überraschender ist es zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die etablierte Technik in wenigen Jahren nach der Jahrtausendwende in eine Nischenexistenz zurückgedrängt wurde. Ersetzt wurde sie durch Digitalkameras. Diese haben in kürzester Zeit eine atemberaubende Evolution durchlaufen und haben ihre analogen Vorfahren weitgehend überflüssig gemacht. In fast allen Haushalten wurde die alte Spiegelreflex- oder Kompaktkamera durch ein digitales Modell ersetzt.

Während die meisten analogen Kameras viele Jahre, teilweise auch Jahrzehnte lang genutzt wurden, landen die meisten Digitalknipsen nach drei bis vier Jahren in der Schublade und müssen einem leistungsfähigeren Modell weichen. Die technischen Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Digitalkameras haben einen Stand erreicht, der keine drastischen Verbesserungen mehr zulässt. Der Boom fand seinen Höhepunkt um die Jahre 2008-2010 und hat seither deutlich nachgelassen.

Das ist auch schon rein äußerlich zu erkennen: In den ersten Jahren war bei den Herstellern von Digitalkameras der Wille zu beobachten, die neue Technik auch für Innovationen in Design, Bedienung und Funktionalität zu nutzen. Inzwischen ist diese Phase weitgehend vorbei und die Hersteller haben zu den aus analoger Zeit bekannten Kameratypen zurückgefunden: Kompaktkameras auf der einen und Systemkameras auf der anderen Seite.

Die in Smartphones eingebauten Kameras sind inzwischen jedoch so gut, dass sie Kompaktkameras die Existenzberechtigung geraubt haben. Wozu ein separates Gerät kaufen, wenn man vergleichbare Bilder auch mit dem Handy hinbekommt, das man zudem immer in der Tasche hat?

Es entsteht so im Moment die paradoxe Situation, dass so viel fotografiert wird, wie noch nie in der Geschichte - und gleichzeitig immer weniger "richtige" Kameras verkauft werden. Mag sein, dass die Ära der Fotoapparate für jedermann zu Ende geht und bald nur noch Hobbyfotografen und Profis als Kamerakäufer übrig bleiben. Deswegen ist nicht zu früh, die "wilden Jahre" der Digitalkamera-Entwicklung zu dokumentieren.

Diese Homepage war anfangs vor allem als virtuelles Museum meiner Kamerasammlung gedacht. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden, bei dem ein wachsender Kreis von Autoren tolle Beiträge zur Digitalkamera-Geschichte beisteuert. Den weitaus größten Anteil daran hat Ralf Jannke, der mit seinen Praxisbeiträgen die verschiedensten Themen detailliert behandelt und großartig bebildert. Was sich allerdings nicht geändert hat: Die Homepage ist ein reines Hobby- und Spaßprojekt. Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Sammlern und Fotobegeisterten. Es gibt keine Werbung und wir sind auch keine bezahlten Influencer. Falls Sie allerdings noch eine spannene Kamera herumliegen haben, die Sie nicht mehr brauchen - wir sind immer auf der Suche nach weiteren Exponaten.

Boris Jakubaschk